Red Fang – Interview mit Bryan und John

Stoner Rock
14.06.2013

Metalinside (MI – Danny): Hallo Bryan, hallo John. Na, wie gefällt es euch in den Alpen?

Red Fang: Wir sind in den Alpen?

Kaum hat das Gespräch angefangen, werden wir schon wieder unterbrochen, weil sich die Jungs mehr für Miriam – danke für die Fotos – und mein Aufnahmegerät interessieren: „Cool, da gibt es line-in und line-out!“). Immerhin hat Bryan sein Bierchen und wir kommen schnell zum Punkt.

MI: Ja, um uns herum sind die Alpen. Noch nicht die höchsten Gipfel, aber immerhin… Aber zurück zu euch; welche ganz speziellen Dinge muss man über euch zwei wissen?

Bryan: Ich bin ein grauenvoller Tänzer. Ich tanze nur in Supermärkten und Tankstellen. Wenn du also meine Moves sehen willst…

John: Wenn du RED FANG irgendwo an der Tanke stehen siehst, halt an, geh rein und mit etwas Glück kannst du sehen, wie Bryan seinen Arsch bewegt…

MI: Überall auf der ganzen Welt oder nur in den Staaten?

Bryan: Überall!

MI: Also John, Bryan hat gebeichtet, jetzt bist du dran.

John: Shit! Ich äh (überlegt gefühlte 20 Minuten) ich habe zwei niedliche Katzen. Eigentlich die niedlichsten Katzen der Welt.

Bryan: Eigentlich ist John zu sensibel für diese Welt. Er ist ein catguy, Hunde beissen ihn dauernd.

John: Ja, ich bin der Catman.

Bryan: Du bist abhängig von Katzen, du hast ein Katzenproblem. Auf der Tour haben wir keine Katzen, das heisst, wir haben ein Problem.

MI: Warum habt ihr denn keine Katzen auf Tour?

Bryan: Also, eigentlich haben wir Katzen, aber nicht die richtigen für John… (beide lachen…) War bloss ein Witz!

MI: Ihr kommt direkt aus Russland, und das war wohl ziemlich anstrengend, oder?

Bryan: Ja, vier haben dort vier Shows gespielt und drei Tage kein Internet gehabt – und wir sind viel gefahren.

MI: Und hier könnt ihr euch etwas ausruhen? Habt ihr schon etwas vom Berner Oberland gesehen?

John: Wir sind nachts gefahren und angekommen, haben also nur dunkle Strassen gesehen.

Bryan: Und heute morgen bin ich erwacht, habe aus dem Tourbus gesehen und diese wunderbare Umgebung gesehen…Portolettes!

MI: Protolettes?

John: Toi Toi – in den USA ist Portolette die entsprechende Marke.

MI: Werdet ihr noch etwas mehr sehen können, habt ihr etwas Zeit?

John: Ja, wir werden noch so lange bleiben, dass wir SLAYER sehen können…

Bryan: Ja, SLAYER werden wir sehen, von der Landschaft ausserhalb des Festivalgeländes leider kaum mehr.

John: Aber wir sehen ja immerhin die Berge und den blauen Himmel. und wir sehen die Fallschirmspringer. Das sind unheimlich viele Gleiter, alle paar Minuten kommen neue. Da sind ganze Rudel am Start.

Bryan: Bist du sicher, dass das keine Vögel waren?

(In diesem Moment scheint es mir notwendig, wieder etwas Disziplin und Struktur in das Gespräch zu bringen.)

MI: Ich habe gesehen, dass ihr seit einigen Tagen auf Sommertour seid. Ihr beackert diverse Festivals wie das Download, Metal Fest, Hellfest, Full Force, Graspop or Reload. Gibt es ein Festival, auf das ihr euch besonders freut?

Bryan: Hellfest ist das Festival, das wir schon zwei Mal gespielt, das war jedesmal schön. Darauf freuen wir uns schon.

John: Ja, das war verblüffend. Das hat uns wirklich Spass gemacht. Aber natürlich freuen wir uns auf alle Festivals, weil wir gerne spielen und überall viel Gutes erleben.

Bryan: Ich freue mich besonders auf das hellfest in Clisson, Frankreich. Dort kann man nämlich einen Helikopter mieten und ich bin noch nie Helikopter geflogen. Ich bin dreissig Jahre alt Mann und noch nie Helikopter geflogen.

(Was soll ich dazu sagen? Ich bin schon mindestens einunddreissig und auch noch nie Helikopter geflogen. Die Jungs haben Probleme…)

John: Download finden wir auch cool. Das Schöne an Festivals ist, dass man immer wieder tolle Leute trifft, befreundete Bands. Das ist schon fast wie eine Familie.

MI: Ich habe mir einige Videos von euch angeschaut, „Prehistoric Dog“ und „Wires“. Ist das ein Hobby von euch, verrückte Videos zu machen?

Bryan: Ja, unbedingt, das macht Riesenspass!

John: Bei „Wires“ zum Beispiel konnten wir Carcrashes machen – super! Wir sind schliesslich auch toughe Guys, oder?

Bryan: Allerdings sind wir gerade nicht so in Form.

MI: In „Wires“ kracht ihr laufend in irgendwelche Dinge rein, ein Dutzend mal oder mehr. Wie ich euch einschätze, habt ihr aber noch viel mehr geübt.

John: Wir haben Stunden um Stunden um Stunden Crashes gemacht und alle gefilmt.

Bryan: Am Schluss kamen aber nur die dramatischen Szenen ins Video. Die hat der Regisseur ausgesucht.

MI: Das ist eine coole Art zu arbeiten, oder?

Bryan: Auf jeden Fall viel spannender als an der Bar Drinks auszuschenken.

MI: Eine andere Frage: Warum seid ihr Musiker geworden? Habt ihr keinen besseren Job gefunden?

John: Ich habe es nie versucht.

Bryan: Und ich hätte jemanden erschossen für diesen Musikerjob. Wir sind Jahre um Jahre um Jahre auf Tour gewesen und mussten dazwischen solche Mistjobs machen, wenn wir zuhause waren. Jetzt machen wir diesen Mist-Musikerjob und können davon unsere Rechnungen bezahlen.

John: Ja, und wenn du tourst, kriegst du keine guten Jobs. Da lässt dich kein Arbeitgeber so lange weg. Also machst du halt schlechte Jobs.

Bryan: Wir sind jetzt superreich, was wir immer schon sein wollten (beide lachen laut).

MI: Ja, ich habe die grosse Karre im Video gesehen, ihr müsst reich sein. Ihr kommt ja aus Portland/Oregon. Ich habe da nur ein Bild, den Oregontrack mit John Wayne. Seid ihr lauter Cowboys da drüben?

Bryan: Also, Portland liegt eigentlich an der falschen Ecke in Oregon. Wir sind eine Metropole mir Kultur, viel zu cool für Cowboys…

MI: Wenn ihr nicht gerade Musik macht oder Bier trinkt – was macht ihr sonst noch gerne?

John: Ich trinke Wein, koche und esse.

Bryan: Ich spiele Pinball (Flipperkasten).

MI: Oh, hast du einen im Tourbus?

Bryan: Wir haben acht. Unser Tourbus ist so gross, das wir jede Menge Pinballs aufstellen können.

MI: Ihr seid ja noch junge Kerle. Habt ihr eine Vision, was in zehn Jahren mit RED FANG sein wird?

Bryan: Nein, nicht wirklich. Vielleicht feiern wir das zehnjährige Jubiläum dieses nicht langweiligen Interviews (lacht).

MI: Vielleicht sehen wir uns in zehn Jahren wieder und wiederholen das Gespräch.

Bryan: Das tun wir.

John: Und wir werden weiterhin geile Festivals spielen.

Bryan: Und wie ich immer sage: Das Leben ist wie eine Schachtel Schokolade – es macht fett…

MI: Bevor ich euch gehen lasse, findet ihr ein paar nette Worte für die Fans hier?

Bryan: Die sind wirklich sehr entspannt, schlafen mitten am Tag unter Gottes freiem Himmel und sind sehr freundlich.

MI: Danke Jungs. Ich habe es sehr genossen, mit euch zu sprechen. Ich habe noch nie einen so netten Tourmanager getroffen, der mir eine SMS schickt und schreibt, ich solle mich melden, wenn ICH Zeit hätte.

John: Du hast Recht, wir werden ihn feuern und uns einen böseren zulegen.

MI: Vielleicht reicht es ja auch, dass er etwas böser dreinschaut. Ich danke euch auf jeden Fall für das Gespräch und wünsche euch weiterhin viel Erfolg. Danke Bryan, danke John!

Greenfield (Interlaken), Juni 2013 (Danny)

14.06.2013
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