Mo, 22. September 2014

Bullet, Striker, Stallion

Komplex Klub (Zürich, CH)
24.09.2014

Manchmal stelle ich mir durchaus die Frage, ob wir irgendwann mit einer Zeitmaschine etwa 25 Jahre in die Vergangenheit geschleudert wurden. So auch an diesem Abend in Zürich…

Der Club des Komplex 457 in Zürich ist ein kleiner Laden und bietet höchstens für ein paar hundert Leute Platz. An diesem Montagabend sind allerdings erschreckend wenige Headbanger vor Ort. Was aber unmöglich am Billing liegen kann. Denn im Gegensatz zur Tour mit Alestorm und Brainstorm wurde dieses Package äusserst geschmackvoll und vor allem passend zusammengestellt!

Stallion

Pünktlich um 20 Uhr starten die Jungspunde Stallion in den Abend. Und wenn wir nicht in der Zeitmaschine waren, dann waren es umgekehrt diese deutschen Jungs, die aus der Vergangenheit zu uns gekommen sind! Zerrissene Jeans, Spandex Hosen, Nieten, Leder, Stirnbänder, weisse Fransenstiefel (die sich auch als Zigarettenaufbewahrungsort anbieten), – die achtziger Jahre sind unübersehbar… Stallion eröffneten im April bereits das Keep it True Festival und vermochten mich da schon zu überzeugen. Jetzt sind sie auf ihrer (ersten?) grösseren Tour und ich bin überzeugt, dass sich ihre Fangemeinschaft ziemlich vergrössern wird! In Zürich sind geschätzte 120 Leute anwesend, welche den recht speedigen Metal sichtlich geniessen.

Die Mucke ist natürlich wie das Outfit von den 80ern geprägt und macht wirklich Spass; mit „Flame of the Show“ findet sich gar noch ein Coversong auf der Setlist. Ich sollte mir mal ihr Debutalbum „Rise and Ride“ besorgen…
Spassig: im Publikum befindet sich ein älteres Paar. Wenn ich das alles richtig verstanden habe, sind das die Eltern von Sänger Paul, zumindest steht der Vater plötzlich in Reihe zwei und verfolgt mit seiner kleinen Digicam den Frontmann mehrere Minuten lang. Auch das feiernde Publikum bringt ihn überhaupt nicht aus der Ruhe. Nach 35 Minuten verabschieden sich die Deutschen unter grossem Applaus. Gut gemacht, meine Herren!

Striker

Nach einer erfreulich kurzen Umbaupause stürmen die Kanadier Striker die kleine Bühne. Optisch ebenfalls ziemlich Old School (wenn auch nicht ganz so extrem wie Stallion – aber immerhin trägt der Sänger ein kultiges Skid Row Shirt!), geht’s jetzt deutlich heftiger zu und her. Sehr thrashig, aber mit recht gutem Gesang und doch einigen Passagen, die nicht im High Speed Bereich angesiedelt sind. Dennoch: grundsätzlich ist Vollgas angesagt, Striker lassen einem kaum Zeit zum Atmen. Praktisch keine Pausen zwischen den Songs, nur gegen Ende des Konzerts die eine oder andere Ansage – ansonsten wie gesagt nur volle Pulle voraus und das mit Dauergrinsen im Gesicht. Die Kanadier geniessen sichtlich jede Sekunde! Erstaunlich, dass jetzt deutlich weniger Leute im Club sind. Schade, denn die verpassen einen mitreissenden Set.

Bullet

Endlich! Endlich erlebe ich Bullet das erste Mal als Headliner! Und ich bin äusserst gespannt, ob die Schweden auch über die volle Länge so zu überzeugen vermögen, wie sie das z.B. auf dem Bang your Head!!! in kürzerer Version taten…

Erste Überraschung zu Beginn: da stellen die schon mal eine Schleifmaschine auf die Bühne! Mir direkt vor die Kamera… Und tatsächlich: beim ersten Song „Storm of Blades“ stellt Sänger Hell Hofer das Cover des neuen Albums nach und lässt beim Messer schleifen die Funken sprühen!

Apropos sprühen: das tun neben dem Shouter auch die anderen vier der Band – und zwar vor Spielfreude. Wie auch bei den beiden Bands zuvor gibt’s zuerst mal kaum Zeit zum Luftholen. Bullet starten mit einem Dreierpack vom neuen Album. Nach dem Titelsong folgen gleich das geile „Riding High“ sowie „Tornado“. Hell Hofer scheint noch nicht ganz sattelfest zu sein mit den neuen Lyrics: er braucht zumindest als Unterstützung einen analogen Teleprompter. Sprich: die Texte der neuen Songs liegen vor ihm auf dem Bühnenboden…

Textsicher ist Hofer dann aber bei den ersten älteren Songs. Nach „Rolling Home“ folgt „Rush Hour“ und danach mit „Turn it up loud“ der erste Klassiker.
Erstaunlich sind die Show Elemente, die Bullet hier präsentieren. Für eine Band dieser Grössenordnung und in diesen Clubs bieten sie also einiges mehr, als einige bekanntere Kollegen… Bei „Dusk `til Dawn“ öffnet sich eine der Marshall Boxen und dahinter versteckt sich eine kleine Rocker Puppe, die heftigst Luftgitarre und Luftdrums spielt. Köstlich!

Und gleich noch einmal eine Showeinlage…: ein grosser Amboss wird auf die Bühne gestellt. „Hammer Down“! Ein Mönch in Ketten betritt die Bühne (mit dem Resultat, dass die Band jetzt fast das letzte bisschen Bewegungsfreiheit verliert…) und lässt beim Refrain den Hammer fallen. Eigentlich wär das eine wirklich geile Idee, der Amboss ist auch strommässig angeschlossen, sodass der metallische Schlag eigentlich funktionieren sollte – aber der Sound war generell etwas dürftig, sodass der Effekt leider ziemlich verpufft. Aber zumindest optisch war’s cool!

Nach gerademal gut 75 Minuten verabschieden sich Bullet das erste Mal. Die Fans fordern selbstredend noch einen Nachschlag, der ihnen mit „Rebels return“ und dem unvermeidlichen „Bite the Bullet“ natürlich gewährt wird. Insgesamt dauert die Show allerdings nicht mal eineinhalb Stunden – das ist dann doch etwas mager. Bullet hätten doch immerhin mittlerweile fünf Alben, aus denen sich eine anständige Setlist zusammenstellen liesse…

Apropos Setlist: natürlich spielen die Songs vom neuen Album „Storm of Blades“ eine grosse Rolle. Umgekehrt ist von „Highway Pirates“ lediglich „Stay Wild“ vertreten. Etwa ein Indikator, dass die Band selber nicht mehr ganz glücklich mit diesem Album ist…? Überraschend zudem, dass es zum Beispiel „Midnight Oil“ nicht in die Show schafft. Und „Pay the Price“ wird schmerzlich vermisst! So gesehen sollte ein etwas längerer Arbeitstag eigentlich durchaus möglich sein für die Schweden…

Fanzit

Nichtsdestotrotz – Bullet überzeugen auf ganzer Linie und die vielleicht 200 Leute im spärlich besuchten Club sind sichtlich zufrieden. Und auch die beiden starken Opener sind mitschuldig, dass man diesen Konzertabend unter „äusserst lohnenswert“ verbuchen darf! Wieder mal selber schuld, wer das verpasst hat…

Setlist Stallion

  1. Rise and Ride
  2. Wild Stallions
  3. Stigmatized
  4. Give It to Me
  5. Watch Out
  6. Flame of the Show
  7. Canadian Steele

Setlist Bullet

  1. Uprising
  2. Storm of Blades
  3. Riding High
  4.  Tornado
  5. Rush Hour
  6. Turn It Up Loud
  7. Dusk Til Dawn
  8. Hawk Eyes
  9. Rambling Man
  10. Dr. Phibes
  11. Hammer Down
  12. Stay Wild
  13. Run with the Hunted
  14. Bang Your Head
  15. The Rebels Return*
  16. Bite the Bullet*

*=Zugaben


Wie fandet ihr das Konzert?

24.09.2014
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