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Metalinside.ch - 70'000 Tons of Metal 2017 - Anthrax (Pool) - Foto pam
Do–Mo, 2.–6. Februar 2017

70’000 Tons of Metal 2017 – Anthrax, Arch Enemy, Kamelot, Therion, Amaranthe u.v.m.

Independence of the Seas (Fort Lauderdale, USA/Karibik)
/ / 10.04.2017
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70‘000 Tons of Metal 2017 – Runde 7!

(Kaufi) Es wird zur Tradition. Oder besser gesagt: es IST bereits Tradition. Ende Januar geht’s nach Florida zum geilsten Festival der Welt. 70‘000 Tons of Metal 2017. Ein Schiff, 60 Bands, 4 Bühnen, 3‘000 Fans aus allen möglichen und unmöglichen Ländern. Auch 2017 ist Metalinside wieder mittendrin statt nur dabei. Auf geht’s zur „Independence Of The Seas“!

(Pam) Für mich persönlich war es mal Tradition. Nach drei Mal auf der altehrwürdigen Majesty, überliess ich es anderen Metalinsidern, die Tradition fortzuführen. Das angekündigte, doppelt so grosse Schiff, 50% mehr Leute und 20 Bands mehr, war mir zu viel des Guten. Vor allem, weil bei mir ja eh wieder die Hälfte der Bands auf der Pflicht-Liste landet. Drum geil war‘s und diese Erinnerungen an das in der Tat geilste Festival der Welt lieber so behalten wie es damals war. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Die ersten 6 Bands die im Frühling 2016 für die Cruise 2017 angekündigt wurden, gehörten alle zu meinen All-Time-Favorites. Zwar alles Bands, die ich nebst zig «normalen» Konzerten schon mindestens einmal auf der Cruise sah – Therion, Haggard, Amorphis, Annihilator … – aber halt doch absolute Topbands für mich. Doch das alleine war noch nicht der Ausschlag … Denn mit Anthrax wurde auch eine Big4 Band des Thrash Metals und gleichzeitig meine Top 3 Band aus Teenie-Zeiten angekündigt. Hirn aus, Herz ein und schon war gebucht. Auch wenn eine kleine Skepsis bleibt, ob es mir nicht zu gross, zu viel Eventpublikum haben wird. Schauen wir mal.

Anreise & Wam-up Beach Party

(Kaufi) Für mich ist es nun das fünfte Mal, dass ich zur grössten Metal Kreuzfahrt der Welt fahre. Und so läuft alles so, wie man das kennt. Nur dass die Running Order bereits Tage zuvor veröffentlicht ist, ist neu! So hat man bereits im Flieger Zeit, sich sein persönliches Programm zusammen zu stellen. Aber da ich eh immer alles wieder vergesse, bringt mir das nicht allzu viel… Aber man hat wenigstens Diskussionsstoff!

Doch sonst: Anreise nach Florida zwei Tage vorher. Superschnelle Einreise danke Automaten. Zumindest für mich – Kollege Säm muss in der Schlange stehen. Also heisst’s für mich dennoch erstmal warten… Dann Hotel. Bier. Schlafen. Aufstehen. Ins Meer rein. Nach dem Mittag im Taxi an die Warm Up Beach Party. Diese findet in diesem Jahr wieder in Miami South Beach statt. Am späten Nachmittag tummeln sich da Hunderte Fans aus aller Herren Länder am Beach, man trifft alte und neue Bekannte, man trinkt seine Bierchen – was in Florida in der Öffentlichkeit so eigentlich verboten wäre. Aber in diesem Fall schert sich keiner darum. Irgendwann taucht auch Ober-Metalinsider Pam mit seiner Frau auf, die kommen gerade direkt vom Flughafen zum Strand! Kollege Röschu hingegen ist bereits hier, der Kerli überlässt dieses Jahr die ganze Arbeit Pam und mir, damit er Party machen kann. Schöner Kollege… 😉 Aber er hat ja recht, das darf auch mal sein!

(Pam) Direkt vom Flughafen an die Beach Party war ein guter Entscheid. Und grundsätzlich wieder an der Mutter aller Metal-Cruises teilzunehmen. Denn nebst einem für mich Hammer Line-up – viel Old Skul Thrash und Symphonic Metal erfreut mein Herz, Augen und Ohren – sehen wir wieder die Freunde aus aller Welt von früheren 70K Cruisen. Und die meisten davon bereits an der Beach Party. Es dauert keine 10 Sekunden und schon sind wir wieder Teil von dieser so genialen Community, als hätten wir nie ausgesetzt.

Ob‘s an den Bieren oder einfach an den Emotionen lag, dass ich am anderen Tag ohne Kamera sein sollte … Die eine Folge daraus: Leider sind von der Beach Party alle Fotos weg. Aber da könnt ihr in den Reviews die Vorjahre reinschauen – denn seit 2012 haben wir über jede 70K Cruise berichtet und Fotos hochgeladen. Als einziges Medium der Schweiz. Das macht schon auch ein bisschen stolz.

Fotos Anreise (pam)

 

Tag 1 – Donnerstag, 2. Februar 2017

(Kaufi) Die Nervosität respektive die Vorfreude steigt. Endlich geht’s wieder los, das Warten hat ein Ende! (Ha – denken wir zumindest…). Die Basler Kollegen haben unweit von uns ihr Hotel, so geht’s gemeinsam im grossen Transporter Richtung Port Everglades. Zwar sind wir noch früh, aber es hat schon viele weitere Headbanger, als wir bei der „Independence“ ankommen. Hier ist ebenfalls alles wie gehabt: Gepäck abgeben, durch die Security, dann den Sail Pass abholen. Das alles dauert kaum eine halbe Stunde. Huii, wenn ich da an das Desaster denke vor zwei Jahren, als wir stundenlang in der brütenden Sonne warten mussten… Apropos warten: es ist kurz vor Mittag und wir landen in der grossen Wartehalle. Da kommt die Info, dass das Boarding um 13 Uhr beginnen wird. 70‘000 Tons of Waiting! Egal – so weiss man wenigstens, dass man noch etwas rumhängen kann. Was fehlt sind die Bierstände. Die würden hier ein Vermögen machen!

Nach und nach werden Hunderte und Tausende Leute aufs Schiff gelotst. Auch wir sind irgendwann an der Reihe und kurz vor halb zwei ist es soweit: WE ARE BACK! Und endlich gibt’s auch etwas zur Durstbekämpfung. Dass die Preise da noch happiger sind als letztes Jahr, sorgt etwas für Stirnrunzeln. Aber was soll’s – darüber sollte man sich jetzt nicht aufregen…

Im Pressezentrum das Fotobändeli abholen. Dann wieder etwas Sonne, bevor es Zeit ist für die obligatorische Lebensrettungsübung. Die dauert in diesem Jahr irgendwie verdammt lange. Hab ich zumindest das Gefühl… Doch auch das wird geschafft. Das Horn ertönt – LOS GEHT’S!

(Pam) Tja, Nicole und ich sind nicht im Transporter mit Kaufi & Co… Denn es jetzt heisst es schnell neue Kamera kaufen, denn mit Fotopass ohne Kamera auf der Cruise wäre etwas uncool. Somit sind wir nicht ganz so früh dran wie die anderen, was sich aber als Glücksfall herausstellen sollte. Denn eine Stunde später laufen auch wir praktisch ohne Anstehen durch den Security Check und holen unsere Sail Pässe ab. Das ist die Karte, mit der man auf der Cruise die alkoholischen Getränke bezahlt, ins Zimmer und allgemein aufs Schiff kommt. Eigentlich braucht man nur die Karte und sonst nix (dies wurde 2012 für einen Kolumbianer zur traurigen Tatsache, als sein Koffer nie in der Kabine ankam …). Und da wir jetzt zum vierten Mal dabei sind, kriegen wir eine Goldene. Die hat zwar nicht mehr wert als die Standard-Karte, aber zeigt halt, dass man schon ein erfahrener Metal-Seemann oder -Frau ist. Cool, als wir durch die Artist Line geschleust werden … Und wer steht mit uns beim Security Check? Genau, Mr. Ich-bin-auch-jedes-Jahr-dabei-Jeff-Waters. Der geniale Kopf von Annihilator und Organisator der beliebten Jam Session. Es soll nicht das erste Mal sein, dass sich unsere Wege auf der Cruise 2017 kreuzen. Und auch nicht das einzige Mal, dass er bei einem kurzen Schwatz erzählt, dass man ihn auf dem Schiff mehr für seine Jam Session als mit seiner Band kennt. Annihilator gehören übrigens zu meinen Top5 Thrash Metal-Bands aus Teenie-Zeiten. Und dort wo Kaufi & Co. ewig warten mussten, laufen wir easy vorbei – gut, einfach einer Band folgend und schon sind wir drin und drauf auf diesem Koloss aus purem Metal(l), welches doch einiges mehr als 70’000 Tonnen wiegt … It feels good to be back!

Los aufs Deck und mit Kaufi, Säm, Sandro und den anderen Baslern ein paar Bierli trinken. Auf dem Weg vom Zimmer aufs Deck fällt auf, dass optisch alles genau gleich aussieht wie auf der doch einiges älteren Majesty. Da war wohl noch ein bisschen Stoff und so übrig. Auch die Kabinen sind praktisch identisch. Ich hätte grössere Zimmer und allgemein ein moderneres Schiff erwartet. Aber ist halt Ami-Style. Das sieht so aus wie alle amerikanischen (Business)-Hotelketten aussehen. Aber kein Problem, so müssen wir uns nicht lange akklimatisieren. Einzig … Wegen dem Aufbau der Poolbühne darf man nicht ganz oben aufs Deck. Das war bei der Majesty cooler, da war zumindest ein Teil schon begehbar. Dafür ist die Promenade im 5. Stock – die es so auf der Majesty nicht gab – ziemlich eindrücklich. Und zum Glück mit weniger Shops ausgestattet als befürchtet (ich hab ja meine Frau Nicole dabei). Dafür mit einem Irish Pub…

Fotos Schiff und erwähnte Leute (pam)

(Kaufi) Mit dem Ablegen in Ft. Lauderdale startet auch das musikalische Programm auf dem Schiff. Wie üblich werden die Bands auf vier Bühnen spielen. Die Pool Stage (erst ab Tag zwei in Betrieb, die muss erst fertig gebaut werden), das Alhambra Theater (da hat man die ersten Reihen an Stühlen ausgebaut für Stehplätze, hier passt jetzt insgesamt das ganze Z7 rein), das Studio B respektive den Ice Rink (auch da Platz für etwa 1‘000 Leute) sowie die Pyramid Lounge mit ihren vielleicht 400 Plätzen stehen da zur Verfügung. Wobei bei letzterer Lokalität vielleicht 25 Leute wirklich etwas sehen können. Ausser man ist über 1.95 gross (pam: Mit Schuhen und auf Zehenspitzen schaff ich das 😊). Doch dann ist die Möglichkeit gegeben, dass man sich den Kopf bereits an der Decke anschlägt (pam: Ah, doof, doch nicht auf Zehenspitzen). Kurz gesagt: die Pyramid Lounge ist für Konzerte einfach ungeeignet! Und doch beginnt genau da meine musikalische Kreuzfahrt 2017…

Trauma (Lounge)

(Kaufi) Die Kalifornier Trauma haben die Ehre, die Cruise 2017 zu eröffnen. Dem einen oder anderen Fan dürfte die Band aus einem ganz bestimmten Grund bekannt sein: Ein Gründungsmitglied war damals Cliff Burton, bevor er bei Metallica einstieg. 1986 lösten sich Trauma dann auf. Sänger Donny Hillier und Drummer Kris Gustofson haben 2012 die Band reformiert und sogar ein zweites Album veröffentlicht. Und jetzt stehen sie also auf der kleinen Bühne der Pyramid Lounge.

Die Mucke könnte man irgendwie als „Classic Rock“ bezeichnen. Allerdings mit etwas viel Gefrickel und deutlichen Anleihen der NWOBHM. Donny Hillier erinnert mich mehrmals an Iron Maiden, allerdings eher an Blaze Baley als an Paul Di’Anno. Nett, aber ein ganzes Set muss ich hier nicht haben. Also mal die Annehmlichkeiten des Schiffs weiter erkunden.

(Pam) Genau wegen diesem Gründungsmitglied ist für mich Trauma Pflicht. Cliff Burton ist und bleibt mein Allzeit-Hero. Ich kenne aber auch nicht mehr von Trauma als der Fakt, dass James und Lars anlässlich eines Trauma Konzerts im Whisky (Los Angeles) Cliff Burton entdeckten. Ihnen ging es damals ähnlich wie Kaufi und mir – einfach ohne Cliff. Lars war zwar ein grosser NWOBHM Fan, aber sie hatten von Anfang an nur noch Augen und Ohren für diesen wild headbangenden Gitarristen mit krassen Soli. Welcher sich dann aber sehr schnell als Bassist herausstellte, der einfach seinen prägenden Basssound verzerrte. Der Rest ist Geschichte. Und darin schwelge ich mich gerade. Ich höre mir zu Ehren von Cliff seine Kollegen an. Nebst der von Kaufi erwähnten Stilrichtung gibt es auch Anleihen von Bay Area Thrash Metal. Von dort kommt die Band ja auch geographisch. Doch so richtig packt mich der Sound auch nicht, auch wenn die alten Herren viel Spielfreude an den Tag legen und den Auftritt sichtlich geniessen.

Da gab es für mich bei früheren Cruises Opener, die prägender für die Cruise und späterer Erinnerungen waren – dazu gehören Sabaton und Alestorm. So begebe ich mich zum ersten Mal ins Alhambra Theater.

Fotos Kabine & Trauma (pam)

Scar Symmetry (Ice Rink)

(Raphi) Mit dem Auftritt der schwedischen Formation Scar Symmetry beginnt für mich diese verrückte Kreuzfahrt nach Haiti. Der Ice Rink ist gut gefüllt mit Publikum, welches noch frisch und in Aufbruchsstimmung ist. Mir war die Band bis anhin unbekannt, jedoch weiss der Auftritt durchaus zu gefallen. Die gebotene Show ist auf jeden Fall energiegeladen und motiviert das Publikum sich zu bewegen und Begeisterung spüren zu lassen. Einzig Frontsänger Lars Palmqvist scheint Mühe zu haben, die richtige Tonlage zu treffen und die Gesangslinien sauber zu intonieren. Das trübt den Gesamteindruck leider zu einem gewissen Teil, aber für einen gelungenen Einstieg in die kommenden vier Festivaltage reicht die Leistung allemal.

Amaranthe (Theater)

(pam) Die schwedisch-dänische Kollaboration ist so eine Band, die für mich zwischen „extrem geil“ und „geht gar nicht“ schwankt. Ich lieb es ja bombastisch-melodiös aber wenn sie zu fest ins Elektronische und gar Technoangehauchte abdriften, kommen mir die Relings bedrohlich nahe … Doch ist es auch eine der ganz wenigen oder gar die einzige Band im Line-up überhaupt, die ich noch nie live sah und unbedingt noch erleben wollte. Hoffentlich auch überleben. In früheren Konzert-Reviews auf Metalinside.ch zu Amaranthe war oft über die mangelnde Soundqualität und vor allem den schwachen Gesang von Elize Ryd zu lesen. Dies bestätigt sich heute glücklicherweise nur bei den ersten Songs. So ab Mitte des Sets kommt’s wirklich sehr cool. Ich notiere: Schlimmste Befürchtungen praktisch nicht erfüllt. Gute Show, wenn auch nicht überragend. Ähnlich wie bei Fear Factory kommt dieser Sound ab CD einfach besser. Bei Gelegenheit aber gerne wieder.

Fotos Amaranthe (pam)

Death Angel (Ice Rink)

(Kaufi) Thrash Metal ist generell ja nicht so meine Baustelle. Eine Ausnahme bildet da der Bay Area Fünfer von Death Angel. Die Jungs haben was, die find ich mehrheitlich schon recht stark. Klar, dass ich mir da diese beiden Shows reinziehen will. Allerdings sind beide Indoor, schade – Death Angel auf dem Pooldeck wäre schon sehr cool gewesen! Aber was soll’s. Ice Rink geht auch. Dem Namen entsprechend ist es hier empfindlich kühl. Aber Mark und seine Jungs sorgen im proppenvollen Laden schnell für höhere Temperaturen! Denn der Todesengel liefert hier die wohl heftigste Show ab, die ich je von ihnen gesehen habe. Ein unglaubliches Brett, das mich fraglos an meine Schmerzgrenze treibt. Aber „Thrown To The Wolves“ ist schon sehr, sehr geil wie auch der abschliessende „Moth Song“. Einzig „The Dream Calls For Blood“ vermisse ich schmerzlich, aber es gibt ja glücklicherweise noch eine zweite Show!

(pam) Mit Kaufi musikalisch gleicher Meinung sein ist ja bei seinem gemäss eigener Aussage «elitären» Musikgeschmack nicht immer einfach. Aber hier gibt es nichts hinzuzufügen. Death Angel haben auf der Cruise schon immer überzeugt und heute in der Tat noch zugelegt. Extrem geil! Im Unterschied zu Amaranthe gefällt mir Death Angel live viel besser als ab Konserve. Meist ist es ja umgekehrt. Das erste Highlight der Cruise 2017! Insbesondere auch Basser Damien Sisson, der mich vor allem optisch einmal mehr extremst an Cliff Burton erinnert. Schöner Moment so nach Trauma …

Fotos Death Angel (Kaufi/pam)

Setliste Death Angel

  1. The Ultra-Violence
  2. Evil Priest
  3. Claws In So Deep
  4. Seemingly Endless Time
  5. Left For Dead
  6. Father Of Lies
  7. Castor Of Shame
  8. Thrown To The Wolves
  9. The Moth

Grave Digger (Theater)

(Kaufi) Und jetzt schnell wechseln ins Theater! Stress schon am ersten Abend? Geht ja gar nicht… Aber da kommen Grave Digger! Eine der wenigen Bands in diesem Jahr, welche die Flagge des melodiösen Metal hochhalten. Und wenn sie so spielen wie vor kurzem im Z7, dann wird’s prima. Aber warum eigentlich die Hetzerei? Völlig unnötig – denn es gibt bereits wieder schwer Verspätung. 40 Minuten zu spät können die Grabschaufler ihr Programm starten und müssen dann prompt zwei Songs aus der Setliste kippen. Schade! Aber dafür liefern die Gladbecker eine souveräne Show, die auch in gekürzter Version für gute Laune sorgt. Aufwendige Bühnenbilder sind hier eh nicht möglich, also überzeugt man mit Spielfreude und Musik. Beides ist hier der Fall. Fronter Chris grinst zufrieden von der Bühne, während Axel Ritt ein Hammersolo nach dem anderen aus seinen sechs Saiten zaubert. Die gekürzte Setliste wird zum Mix von „neu“ und „unverzichtbar“, welche von erstaunlich vielen Fans hier im Alhambra abgefeiert wird.

(pam) Ich nenn zwar auch die eine oder andere Grave Digger CD als mein Eigen, aber live … Na ja. Irgendwie hab ich bei denen immer ein bisschen den Fremdschämmodus drin und staune immer wieder, wie gross diese Anti-Stars geworden sind. Für mich eine der überschätztesten Bands überhaupt im Metal. Jetzt gibt’s bestimmt von Kaufi eins auf den Deckel. (Kaufi: Ich hol schon mal den Knüppel….) Aber ich geb denen gerne wieder mal die Chance, meine zugebenermassen etwas krasse Meinung zu ändern. Und das schaffen sie heute! Ohne Wenn und Aber zaubern sie eine sehr coole Show aus dem Hut. Die Setliste ist gut gewählt und solide gespielt. Und schon habe ich ein schlechtes Gewissen wegen meinen etwas harschen Worten ein paar Zeilen weiter oben. Einfach nicht gross hinschauen und überlegen, sondern sich dem Sound hingeben. Das passt dann definitiv. (Kaufi: Gut, ich räum den Knüppel wieder weg…) Und mit ihrer dritten Teilnahme bei bisher sieben Cruises habe ich mich mit Grave Digger versöhnt.

(Raphi) Eine tolle Show trotz viel Verspätung aufgrund von Soundproblemen. Die gespielten Songs sind ansprechend und Chris Boltendahl auf sehr sympathische Art und Weise immer wieder in Kontakt mit dem Publikum.

Fotos Grave Digger (pam/Kaufi)

Setliste Grave Digger

  1. Healed By Metal
  2. Lawbreaker
  3. Killing Time
  4. Ballad Of A Hangman
  5. Seasons Of The Witch
  6. The Dark Of The Sun
  7. Excalibur
  8. Highland Farewell
  9. Rebellion (The Clans Are Marching)
  10. Heavy Metal Breakdown

(Kaufi) Infolge der grossen Verspätung verpasse ich leider Nightmare. Dann halt mal was essen. Das übrige Programm des Abends ist mit Bands wie Serenity, Arch Enemy, Unleashed und ähnlichem nicht so nach meinem Gusto. Aber da die Kollegen immer rummötzlen, dass ich „meinen Horizont erweitern soll“, schaue ich mal bei Testament rein.

(Pam) Das musst du definitiv tun, Kaufi! Befehl vom Chef, wenn du mich schon immer so nennst. (Kaufi: YESSIR!) Testament gehören für mich nebst Death Angel, Kreator und Overkill zu den Thrash Metal Entdeckungen auf den 70K Tons Kreuzfahrten. In Teenie-Zeiten hatten mich diese Bands irgendwie nie ganz im Herzen erreicht. Doch in den letzten Jahren haben genau diese Bands Hammerscheiben rausgehauen und dem Bay Area/Old Skul Thrash Metal neues Leben eingehaucht. Voll meine Schiene. Drum ist Testament Pflicht! Zuerst wird aber auch mal das Buffet gestürmt. Das Essen dünkt mich besser und vor allem abwechslungsreicher als auf der Majesty. Und damit ist auch schon klar, dass ich mit Übergewicht heimfliegen werde. Im doppelten Sinne und wohl auch Kinne.

Moonsorrow (Theater)

(Raphi) Bei den Pagan Metallern Moonsorrow stellte sich vor dem dreiviertelstündigen Auftritt die Frage: spielen sie drei oder vier Songs? (Kunst-) Blutüberströmt betritt das Quintett zu den ersten Klängen von „Jumalten Aika“ die Bühne und zeigt wieder einmal eine bärenstarke Leistung. Ganz zu Beginn ist der Sound noch etwas dünn und die Keyboards zu stark in den Hintergrund gemischt, aber nach der ersten Hälfte des Songs hat die Toncrew dies korrigiert. Die Zuschauer sind von Beginn weg in Stimmung und es wird geheadbangt, was das Zeug hält (auf dieser Kreuzfahrt nach meiner Erfahrung bisher eher eine Seltenheit). Als Leadsänger Ville Sorvali dann „Suden Tunti“ ankündigt, ist klar, dass heute vier Songs gespielt würden. Beim anschliessenden Klassiker „Raunioilla“ wird ein Teil des Leadgesangs von Gitarrist Janne Perttilä übernommen, der eine hervorragende Darbietung zeigt. Nach den drei gespielten Stücken mit der für Moonsorrow typisch langen Spieldauer ist bereits wieder Zeit für den Schluss in Form von „Ihmisen Aika“. Das Publikum gibt noch einmal alles und verabschiedet die sichtlich dankbare Band schliesslich unter grossem Applaus.

Testament (Ice Rink)

(Kaufi) Das Theater ist bumsvoll, als die nächste Band aus der Bay Area die Bühne betritt. Testament sind zuerst mal vor allem laut. Immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich die Soundqualitäten zwischen den Bühnen sind. Aber das hier hält man ohne Ohrstöpsel kaum aus. Item: ich schau mir die ersten drei Songs mal an und bin schon beeindruckt. Ich werde zwar kaum zum Fanboy, aber die Jungs feuern schon ein sehr heftiges Thrash Brett auf die Meute ab. Und das riesige Backdrop mit den Schlangen sieht auch recht cool aus. Müsste das Cover des aktuellen Albums sein, wenn mich nicht alles täuscht. Pam kann hier sicher noch mehr dazu sagen… Ich verschwinde derweil in meine Kabine, Tag 2 heisst bekanntlich immer „sehr früh aufstehen“.

(Pam) Du täuschst dich nicht. Es handelt sich um das Cover des aktuellen Albums «Brootherhood Of The Snake». Gutes Teil, auch wenn es nicht ganz an den Vorgänger «Dark Roots On Earth» rankommt. Das war ein Überteil. Laut war auch Death Angel – die sollten noch ewig in meinen Ohren brummen … Ob uncool oder nicht, aber in solchen Momenten ist man nicht unglücklich, haben wir in der Schweiz relativ tiefe Dezibel-Grenzwerte.

Wir machen heute auf gemütlich horchen den Matratzen auch relativ früh, denn morgen steht mit dem Super Friday ein Hammertag an. Und das Gute der 70K Cruise ist ja, dass jede Band zwei Mal spielt und somit kann man getrost auch mal eine Show auslassen. Ich hab dann immer noch genügend auf meiner Liste.

Fotos Testament (Kaufi)

Serenity (Lounge)

(Raphi) Der Preis für die grössten Pechvögel der 70000 Tons of Metal geht dieses Jahr an die Symphonic Metaller Serenity. Ihr Hinflug wurde gestrichen und zudem wurde ihnen eine extra Zollkontrolle aufgebrummt, sodass die Österreicher erst in letzter Minute vor dem Auslaufen auf dem Schiff eintrafen. Dort stellte sich heraus, dass die Kontrolleure des Zolls diverse Kabel und weiteres Equipment beschädigt hatten. Auf der Bühne ist dann kein Piano vorhanden und (vermutlich aufgrund der beschädigten Technik) das Gitarrensignal während des Soundchecks nicht vorhanden. So entscheidet sich die Band loszulegen, ohne dass die Gitarre auch nur ansatzweise zu hören wäre. Die vier Herren lassen sich davon jedoch nicht beeindrucken und treten voller Energie auf. Nach eineinhalb Liedern ist das Leiden zum Glück überstanden und Gitarrentöne hörbar. Das stachelt die Band noch mehr an, so dass sie eine überaus motivierte Darbietung zeigen, wobei besonders Sänger Georg Neuhauser intensiv den Kontakt zum Publikum sucht und auch zwischen den Liedern äusserst locker wirkt. Hut ab vor dieser Leistung unter den widrigsten Umständen! Da der zweite Auftritt der Band morgens vor elf Uhr stattfindet, wird sie von den Fans spontan als die „Breakfast Band“ ausgerufen, was Georg begeistert aufgreift und den Bassisten sogleich als „Muffin“ vorstellt (die Besetzung des zweiten Sets wird dann bestehen aus „Muffin, Bacon, Egg and the Donut on guitar“…) … (pam: Ah, da fing das schon an …)

 

Tag 2 – Freitag, 3. Februar 2017 – (pam’s) Super Friday

(Kaufi) Tag 2 ist Shopping Tag. Morgens um 8 Uhr öffnet der Merchandise Shop. Neben der obligaten Festival Merch sind vor allem die speziellen, extra für die Cruise angefertigten Band Shirts immer gefragt. In diesem Jahr haben erstaunlich viele Truppen eins machen lassen, insgesamt haben zudem nur sehr wenige Bands überhaupt keine Merch dabei. Schlange stehen ist also wieder nötig. Allerdings gibt’s im Vorfeld die Neuerung, dass man Nümmerli ziehen muss am Eingang. Und danach kann man auf TV Kanal 38 verfolgen, wann man an der Reihe ist. Doch um das Nümmerli zu erhalten, muss man dennoch früh da sein, denn auch dies kann man erst ab 8 Uhr ziehen…

Früh aufstehen lohnt sich für mich insofern, dass ich Nummer 76 erhalte. Und hier ist jetzt der grosse Vorteil: man kann abschätzen, wann man etwa an der Reihe ist. Also erstmal ausgiebig frühstücken… Eine gute Stunde später geht’s dann mal rein in den Shop. Und da drinnen ist immer noch grosser Verbesserungsbedarf! Es braucht einfach mehr Personal, welches die Merch aushändigt! Das ist nach wie vor seeehr träge und man kommt trotz Nümmerli nur schleppend vorwärts. Dass es zudem auch jetzt wieder Leute gibt, die ihre Kleidergrösse nicht wissen, verlangsamt den Prozess zusätzlich. Naja, ich krieg mein Zeug und bin soweit zufrieden. Draussen strahlt die Sonne. Sonnencreme einschmieren und raus aufs Pool Deck. Auf der Open Air Bühne startet in Kürze das Programm…

Stam1na (Pool)

(Kaufi) Die grösste Frage ist wohl jedes Jahr: wie pünktlich und problemlos verläuft die Schedule auf der Pool Bühne? Mit „nur“ 20 Minuten Verspätung geht’s los, aber das ist verschmerzbar. Stam1na haben die Ehre, den ersten Auftritt unter freiem Himmel zu spielen. Die Finnische Thrash Metal Band ist insofern wohl einzigartig, weil sie alle ihre Songs in ihrer Muttersprache singen. Eine doch beachtliche Zuschauermenge lässt sich hier unterhalten, für mich ist das jedoch zu viel Gerumpel.

Fotos Stam1na (Kaufi)

Unterwegs zum nächsten Act schaue ich rasch im Theater vorbei, da stehen Mors Principum Est auf der Bühne. Melodic Death – Kollege Säm findet’s toll, ich weniger. Jacke holen und ab ins Eisstadion…

(pam) In the meantime… Geh ich den Tag gemütlich an. Denn heute hab ich den Super-Friday. Ab 13 Uhr heisst es praktisch non-stopp Pingpong zwischen Pool- und Theaterbühne. Guter Nebeneffekt: Aus Tradition nehmen wir auch dieses Jahr nie den Lift und verbrennen so zumindest nicht nur den Nacken (wer schneidet sich schon die Haare vor der Cruise …), sondern auch ein bisschen von dem, was wir hier die ganze Zeit essenstechnisch und trinkisch reinführen. Zur Info, das Theater ist auf Deck zwei, der Pool auf Deck 11. Der Rest irgendwo dazwischen.

Suffocation (Pool)

(pam) So als Appetizer schau ich spontan bei den New Yorkern und Begründer des Brutal Death Metals Suffocation vorbei. Die waren ja mal Vorband von Amon Amarth im Z7. Und die fand ich damals gar nicht mal so schlecht, auch wenn ich heute wie damals überrascht bin, dass der Roadie auf der Bühne bleibt und dann das ganze Set als Sänger bestreitet. Der Typ ist natürlich der Fronter Frank Mullen aber so völlig unscheinbar angezogen, wirkt er so mehr per Zufall auf der Bühne anwesend. Was das Ganze ja irgendwie auch wieder sympathisch macht. Vor allem in Erinnerung vom Z7 blieb mir auch Basser Derek Boyer. Sehr cool, wie er jeweils in tiefer Hocke den Bass vertikal auf den Boden stellt und so wie ein Kontrabasser die Seiten zupft. Einfach ein bisschen schneller.

Fotos Suffocation (pam)

(pam) Auf dem Pool-Deck treff ich auch einen Teil der Rothenthurmer-Gang aus meinem Heimatdorf gleichen Namens. Gut, ich sag der Gang ja so, weil sie von dort sind. Zumindest ein Teil der sechsköpfigen Truppe. Item, schön ein paar bekannte Gesichter zu sehen und dass meine Schwärmerei die letzten Jahre gewirkt hat. Und was schön ist, dass man sich und andere immer wieder sieht, trotz der Grösse des Schiffs. Das hätte ich nicht gedacht bzw. anders befürchtet. Wir hatten die Thurmer ja schon bei den wortwörtlich ersten Schritten auf dem Schiff gesehen. Abgemacht hätte es nicht geklappt. Und so geniesst man ein paar Bier zusammen bevor ich mich heute zum ersten und einzigen Mal in den Ice-Rink begebe. Das wäre ja sonst mein bevorzugtes Revier, doch mit Stahl an den Füssen und Stock in den Händen…

Diverse Fotos vom Tag 2 (pam)

Striker (Ice Rink)

(Kaufi) Es gibt immer wieder auch junge Bands zu entdecken auf der Cruise. Striker sind zwar nicht mehr ganz so unbekannt. Und bald sind die Kanadier auch wieder in Europa unterwegs. Doch zuerst ist hier ein Auftritt im Ice Rink angesagt. Vormittags um halb zwölf – der früheste Gig in ihrer noch jungen Karriere. Meint zumindest Sänger Dan Cleary. Könnte durchaus recht haben… Trotz der frühen Uhrzeit füllt sich die Halle, mehr und mehr Leute lassen sich von Striker die Müdigkeit vertreiben. Die machen das auch sehr gut mit einer äusserst energiegeladenen Performance. Die Mucke ist ziemlich Old School mässig, weniger thrashig als erwartet. Dazu haben die Jungs enormen Spass, das sind noch echte Überzeugungstäter, die Musik in allererster Linie aus purer Freude machen – ohne irgendwelche kommerziellen Fesseln. Nach einer guten halben Stunde „muss“ ich jedoch weg von Striker. Denn im Theater steht mein persönliches Highlight bereit…

(Pam) Energie haben sie und Spielfreude im grossen Masse ebenfalls. Das Stage-Acting könnte nicht besser sein und erinnert stark an deren – nimm ich mal an – Vorbildern Judas Priest. Aber soundmässig packt es mich nicht so gewaltig wie es optisch rüberkommst. Drum folge ich heute ausnahmsweise auch mal Kaufi …

Fotos Striker (pam/Kaufi)

Orden Ogan (Theater)

(Kaufi) Eigentlich gehören Orden Ogan auf dem Kutter hier nicht zu den ganz grossen Namen. Insofern hätte ich im Vorfeld nicht unbedingt mit einem Gig im Theater gerechnet. Doch die Verantwortlichen hatten hier offenbar den richtigen Riecher. Denn das Alhambra ist um die Mittagszeit richtig gut gefüllt! Wenn ich denke, dass die Band vor einem knappen Jahr im Mini Z7 aufgetreten ist…. Hier sind locker dreimal so viele Leute anwesend!

Die Sauerländer leiden zwar – wie fast alle Bands bei den Indoor Shows – unter einer unterirdischen Beleuchtung, der Vierer wird meist im sprichwörtlichen Dunkeln gelassen. Doch das kümmert Seeb, Tobi, Niels und Dirk kaum, denn die räumen hier richtig ab. Da Orden Ogan wie gesagt wohl für viele (noch) ein unbeschriebenes Blatt sind, nutzen sie ihre 45 Minuten für eine richtige Best Of Show. „We Are Pirates“ fehlt hier natürlich nicht, genauso wenig wie „Here At The End Of The World“. Passend! Seeb beschränkt auch sein „Gelabber“ auf ein Minimum, ausser einer kurzen Ansage vor „F.E.V.E.R.“. Allerdings geht’s hier für einmal nicht um Currywürste… „Things We Believe In“ ist der obligate Abschluss und die Kreuzfahrer singen beeindruckend „cold, dead and gone“ mit. Eine ganz starke Performance der Band, die zweifellos das geilste Festival Shirt kreiert hat!

(pam) Ich meinte ich hätte die Jungs schon mal am Bang Your Head gesehen. Schon damals vor allem aufgrund der Schwärmerei von Kaufi. Und es hatte mich nicht wirklich gepackt. In meiner Erinnerung war das eher eine schwache Angelegenheit oder einfach nicht mein Geschmack.  Nun, man gibt ja gerne eine zweite Chance, denn Kaufi gibt ja auch nie auf. Die Schwärmerei hielt an. Jetzt steh ich also da und überleg mir, was ich denn damals nicht gut fand. Rein vom Genre-Mix her – irgendwo zwischen Heavy- und Viking Metal (dies auch optisch) – würde es ja zu meinem Beuteschema passen. Gut, ich bin musiktechnisch wie ein Bär: (fast) ein Allesfresser, Hauptsache es schmeckt bzw. hat Melodie. Und die ist bei Orden Ogan definitiv gegeben, inklusive packenden Riffs, coolen zweistimmigen Soli und fetten Bassläufen. Das wirkt im in der Tat gut gefüllten Theater. Gerne wieder mal.

(Raphi) Ein guter Auftritt der Band. Die Musiker scheinen Spass zu haben und den Auftritt zu geniessen. Seeb Levermann führt mit einem Augenzwinkern durch das Set und animiert das Publikum immer wieder zum Mitsingen.

Foto Orden Ogan (Kaufi)

Setliste Orden Ogan

  1. Orden Ogan (Intro)
  2. Ravenhead
  3. Here At The End Of The World
  4. We Are Pirates
  5. Deaf Among The Blind
  6. Sorrow Is Your Tale
  7. F.E.V.E.R.
  8. Things We Believe In

(Kaufi) Mit Saltatio Mortis und Orphaned Land lass ich derweil mal zwei Bands sausen. Das ist eher Pam’s Baustelle…

Saltatio Mortis – Willkommen zum Zirkus Zeitgeist (Pool)

(Pam) Ui, in der Tat und die ist deftig. Raus aus dem dunklen Theater hoch zur karibischen Sonne aufs Pooldeck. Die Spielleute von Saltatio Mortis erwarten uns. Sie laden zum Spiel, Trunk und Tanze.

Vor ein paar Jahren waren Subway To Sally DIE Enttäuschung der Cruise. Konsequent alle Ansagen auf Deutsch an einem internationalen Festival mit Fans aus über 70 Ländern geht gar nicht. Das kam damals mit den sonst schon grimmigen Gesichtern der Bandmitglieder nicht so gut an – zumindest bei mir. Und dass man selbst mit wenig Englischkenntnissen ein paar Sätze in der Lingua Mondial an die Fans richten kann, hat an gleicher Stätte u.a. Masha von Arkona schon bewiesen. So hab ich heute auch ein unschönes Déjà-vu als das Deutsch gesprochene Intro von Samo ab Band läuft. Es wäre ja ein Leichtes gewesen, dies für die Cruise in Englisch aufzunehmen oder sonst halt live vorzutragen.

Aber das soll meine einzige Kritik an den Deutschen bleiben. Was jetzt folgt, ist an Energie, Sympathie, Spielfreude kaum zu überbieten. Die acht Spielmänner flitzen mit Dauersmiles und gegenseitigem Abklatschen spielend leicht über die Bühne. Sänger Alea der Bescheidene präsentiert wie gewohnt nicht ganz unbescheiden seinen eindrücklich trainierten Oberkörper und bringt sich immer wieder in Kampfkunstpose. Keine Frage, die Jungs haben heute einige neue Fans dazugewonnen. Alea – im bürgerlichen Leben Jörg Roth – lässt sich auch während der Cruise immer wieder blicken – ich haben keinen anderen Musiker so oft gesehen – und geniesst das Bad in der Menge. Und im Whirlpool, in welchen er sich während dem Pool-Set crowdsurfend und singend hintragen und reinwerfen lässt. Das gab es schon mit Sabaton’s Joakim – doch zum Ende deren Set und nicht mehr singend. Sehr, sehr cool. Nicht nur ich stehe grad mit offenem Mund da. Der Hühnerhaut-Moment der Cruise 2017.

Saltatio Mortis sind das bisherige Highlight der Cruise und dieser Auftritt ist für mich einer der besten von all den vier Cruises, die ich erleben durfte. Das ist ganz grosser Zirkus und selbst an einem Super-Friday schwer, sehr schwer zu toppen. Kaufi, ich weiss, nicht dein Sound, aber showmässig und was sympathisches Auftreten betrifft, war das genreübergreifend der Hammer. In einer Liga mit Sabaton – nur, dass hier acht Musiker die Show abziehen, die bei den Schweden mehr oder weniger einer alleine macht.

Fotos Saltatio Mortis

Setliste Saltatio Mortis

  1. Intro Zirkus Zeitgeist
  2. Wo sind die Clowns?
  3. Willkommen in der Weihnachtszeit
  4. Wachstum
  5. Des Bänkers neue Kleider
  6. Früher war alles besser
  7. Idol
  8. Ode an die Feindschaft
  9. Rattenfänger
  10. Prometheus
  11. Worte Spielmannsschwur

Orphaned Land (Theater)

(pam) Wenn wir schon bei unvergesslichen Konzerten auf der Mutter aller Metal Cruises sind, dann gehört der Auftritt von Orphaned Land auf der Pool-Bühne von 2012 definitiv auch dazu. Die Israelis waren damals für mich die grösste Entdeckung. Sänger und Berufsjesus Kobi Farhi sagte damals die Worte, die mich in das grösste Poulet aller Zeiten verwandelten: „Wir sind von Israel und haben viele Moslem Fans. Der Grund: Die einzige Religion die global ist, ist der Heavy Metal.“ Sag das jemanden auf der Cruise, der gerade mit Gleichgesinnten aus über 70 Ländern friedlich am Feiern ist und deine Worte sind in dessen Herzen für die Ewigkeit eingebrannt.

Es sind aber nicht nur Worte, die mich damals packten, es war auch der einzigartige Mix von Death Metal mit orientalischen Einflüssen. Wenn Orphaned Land spielen, weiss man nie so recht, soll man Headbangen oder Bauchtanzen. Bei den letzten Alben wurde jedoch der Death-Anteil zugunsten mehr Folk und progressiven Elementen zurückgefahren. Kobi verzichtete weitgehend auf das Growling.

Auch wenn mich spätere Konzerte von ihnen nicht mehr immer so überzeugten, freu ich mich, wieder ins tiefe Bauchinnere dieses riesigen Stahlkolosses runterzusteigen. Als ich im Theater ankomme, wummert mir bereits fetter Death Metal entgegen. Die erste Show besteht eher aus älteren, härteren Songs, ohne dabei die Live-Klassiker wie der obligate Opener seit Jahren – „All Is One“ – und der Bauchtanzklassiker „Sapari“ wegzulassen. Bei Letzterem kommt  dann auch wie gehabt eine Bauchtänzerin auf die Bühne, um dies noch mehr zu untermalen. Wie ich später im Gespräch mit ihr – Teresia Camp – erfahre, hatte ihr Mann die Band gestern am ersten Tag der Cruise gefragt, ob Teresia zu „Sapari“ als Bauchtänzerin auf die Bühne darf. Das hat wunderbar geklappt. Teresia ist eine leidenschaftliche Bauchtänzerin und soweit ich es beurteilen kann bzw. zumindest für meine Augen hat sie es auch ganz gut drauf. Sie hat übrigens auch eine eigene Symphonic Metal Band (Arcane Ritual) und gab mir eine Demo CD auf den Weg. Da muss ich bei Gelegenheit dann mal reinhören (hab ich inzwischen – sehr ansprechend, gilt es im Auge zu behalten).

Das war für mich einer der besten Orphaned Land Auftritte seit langem. Und wohl nicht nur für mich. Kaufi, der Laden war mindestens so voll wie bei Orden Ogan. Wenn wir schon bei Kaufi sind, ich leg eine kurze Essenspause ein. Du kannst gerne wieder Mal übernehmen.

Fotos Orphaned Land

Uli John Roth (Pool)

(Kaufi) Für Uli John Roth bin ich wieder auf dem Pooldeck. Ich kenne zwar ausser dem Namen nicht viel. Doch – die Tatsache, dass der Gitarrist mal bei den Scorpions tätig war, vor langer Zeit. Und dass der 63-jährige auch auf der ersten 70‘000 Tons of Metal bereits zu Gast war. Musikalisch ist also wohl klassischer Hardrock zu erwarten. Wird auch dementsprechend geliefert. Uli zeigt ausgiebig seine Gitarrenkünste, welche die Songs selbst fast zur Nebensache werden lassen. Ich kenne keine einzige Nummer (auch nicht die alten Scorpions Songs), und irgendwie bleibt auch nichts hängen. Aber ist alles nett anzuhören, vor allem wenn man die Kamera mal beiseitelegt und es sich im Jacuzzi direkt neben der Bühne gemütlich macht. So lässt es sich leben.

Fotos Uli John Roth

Setliste Uli John Roth

  1. All Night Long
  2. The Sails Of Charon
  3. We’ll Burn The Sky
  4. In Trance
  5. Fly To The Rainbow
  6. Dark Lady
  7. All Along The Watchtower
  8. Little Wing

Während der Umbaupause spielen Salto Mortale, ääh: Saltatio Mortis auf dem Sonnendeck einen kleinen Akustik Set, dies unter dem Jubel vieler Zuschauer. Nun ja, dieses Geflöte gefällt offenbar… Und mit Haggard kommt bald darauf die nächste Band der ähnlichen Sorte auf die Bühne. Aber da verziehe ich mich bereits beim ersten Song…

Xandria (Theater)

(pam) Typisch, im Jacuzzi hängen und einen der grossen Cruise-Momente kritisieren … Bei diesem spontanen Akustik-Set wäre ich gerne dabei gewesen. Aber während Kaufi beim Blubbern stänkert (Kaufi: Pah!), tauche ich wieder ab in die Tiefen des Schiffs. Zurück ins Theater. Die deutsche Symphonic-Metal-Kapelle mit holländischer Stimme gibt sich die Ehre. Und wie fast alle Bands im Line-up nicht zum ersten Mal beim grössten Metal-Festival auf See. Xandria waren bereits vor drei Jahren bei meiner letzten Cruise mit an Bord. Als Liebhaber des Symphonic Metals sind sie bei mir schon seit vielen Jahren auf dem Radar und ein paar Silberlinge von denen bereichern auch meine CD-Sammlung. Und eine davon – „Theater Of Dimensioins“ (siehe Dutti’s sehr positive Review) – ist erst ein paar Wochen alt – also quasi frisch geschlüpft und schon Teil des Sets auf der Cruise.

Es ist bereits die zweite Scheibe mit der seit 2013 singenden Schönheit Dianne van Giersbergen. Vor drei Jahren hatte sie auf der Cruise mehr oder weniger ihr Debut bei Xandria. Die schwarzhaarige Sopranistin und Lehrerin wusste optisch sofort zu überzeugen. Auch ihre Stimme stand dem optischen Eindruck in nichts nach. Da hatten die Jungs ein gutes Händchen. Nur wirkte sie damals ein bisschen schüchtern und teilweise auch noch etwas verloren auf der Bühne, was aber auch irgendwie sympathisch wirkte.

Und jetzt erlebe ich sie, wie sie ganz locker und mit viel Charme vor dem Konzert die Fotowünsche der Fans und auch des Schreibenden geduldig erfüllt. Und wer die heissblütigen Latinos kennt, weiss, dass es meist nicht nur bei einem Foto bleibt. Jetzt muss sie aber auf die Bühne. Es ist ja noch ein kurzer Soundcheck angesagt und kurz später geht’s schon los.

Auch auf der Bühne fällt sofort auf, wie routiniert die Dame geworden ist. Da ist keine Spur mehr von Schüchternheit und Zurückhaltung zu sehen. Im Gegenteil. Sie posed, wirft mit dem Publikum flirtend diesem Kusshändchen zu. Und singt dabei auf ganz hohem Niveau. Ich fand Xandria ja schon immer gut, aber jetzt sind sie auch live in der Top Liga des Symphonic Metal angekommen. Leider haben das noch nicht alle Medien und somit auch Fans des Genres mitbekommen. Einziger Kritikpunkt: „Sisters Of The Light“ – einer meiner Lieblingssongs der Deutschen – würde ich gerne mal live hören.

(Raphi) Für mich die Überraschung des Festivals. Ein toller Auftritt bei dem die Band mit grosser Energie auftritt. Die Spielfreude ist stark spürbar und die Stimmung im Publikum dementsprechend gut.

Fotos Xandria (pam)

Xandria Setliste

  1. Where the Heart Is Home
  2. Play Video
  3. Nightfall
  4. Play Video
  5. Stardust
  6. Play Video
  7. Forsaken Love
  8. Play Video
  9. Cursed
  10. Play Video
  11. Call of Destiny
  12. Play Video
  13. Ravenheart
  14. Play Video
  15. Valentine

Haggard – vom Winde verweht (Pool)

(pam) Es bleibt bei symphonischen Klängen auf der Cruise. Mit meinen zwei absoluten Lieblingsbands des Genres und darüber hinaus wird’s noch bombastischer. Haggard auf dem Pool stehen an und leider leicht überschneidend Therion im Theater etwas später. Andy the Skipper wird zwar zwei Tage später an der Pressekonferenz sagen, dass er beim Erstellen der Running Order jeweils darauf achte, dass Bands des gleichen Genres nie gleichzeitig spielen. Das ist wohl die Ausnahme die die Regel bestätigt, wenn die drei Top-Symphonic Metal Bands des diesjährigen Line-ups gleich nacheinander und eben leicht überschneidend spielen.

Aber genug gejammert, schliesslich spielen jetzt mit Haggard die Frauen und Mannen mit dem Meister-Genie Asis Nasseri hochstehenden Symphonic-Mittelalter-Barock-Renaissance-Metal. (Kaufi: Aha!) Oder so. Und einzigartig im Genre, ist bei Haggard alles live gespielt. Keine Samples ab Band oder Keyboard. Das alleine verdient den allerhöchsten Respekt. Aber alles live spielen ist das eine, dass das Ganze dann auch noch exzellent harmoniert, das andere. Klassisch ausgebildete Orchestermusiker, die einen Dirigenten gewohnt sind, gehen – wenn auch etwas zögerlich – richtig auf in der Welt des Metals. Da wird fleissig gebangt und Horns gezeigt – und das auf allerhöchstem Niveau spielend.

Dass bei Haggard halt alles ein bisschen komplexer ist, zeigt sich schon beim Soundcheck, der um einiges länger dauert, wenn 12 Musiker und deren Instrumente am Start sind, als bei einer klassischen Metall-Instrumentierung. Und dazu kommt der etwas stärker aufkommende Wind auf dem Oberdeck. Dieser bläst sich als Spielverderber auf und macht sich sogar über die Mikrofone hörbar.

Dennoch – wenn wir schon dabei sind – bläst mich Haggard schlichtweg wieder aus den Socken. Schon extrem geil, was für Hammermusiker Asis als Teilzeitmusiker immer wieder um sich schart, insbesondere auch bei den Sängern. Für mich bleibt Haggard nebst Therion unerreicht.

Wenn wir schon bei den Unerreichten sind, dann bin ich jetzt im Dilemma. Haggard fertig schauen oder runter zu Therion und die von Anfang sehen? Aufgrund der doch nicht ganz idealen Bedingungen, was sich leider in der Abmischung durch den Wind verweht bemerkbar macht, entscheide ich mich für Therion. Denn das gute an diesem Festival ist ja, dass alle Bands zweimal und normalerweise nie auf der gleichen Bühne spielen. So freue ich mich dann auf Haggard im Theater morgen Abend.

So jetzt aber nichts wie los runter ins Theater; inklusive einem Zwischenstopp in der Kabine. Shirtwechsel von Haggard zu Therion. Für meine absoluten Favoriten gehört entsprechende Kleidung.

Fotos Haggard (pam)

Therion – Symphonie of pain (Theater)

(Kaufi) Therion ist eine weitere Band, von der ich im Vorfeld nur den Namen kannte. Ah – Snowy Shaw hat da mal gesungen. Sagt Pam. Und Symphonic Metal ist immer eine Option. Also am frühen Abend mal ins Theater und reinschauen. Auch hier ist der Laden wieder sehr anständig gefüllt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass allgemein deutlich mehr Leute an den Konzerten sind wie in früheren Jahren. Gut so!

Bandleader Christofer Johnsson ist gesundheitlich schwer angeschlagen und steht mit Halskrause auf der Bühne. Pam wird dazu dann mehr sagen können. Jedenfalls Respekt dafür, dass Johnsson diese beiden Shows durchzieht! Therion bieten ansonsten angenehm anzuhörenden Sound. Mit einem Sänger und zwei Sängerinnen. Und hier liegt das Problem: eine der Damen geht mir zu sehr ins opernhafte, das ist mir zu extrem. Wenn dies nicht wäre, wäre das alles Einiges besser. Abgesehen davon ist das schon recht cool. Und mit all den Kostümen und so ist auch ein Konzept erkennbar. Ich werde mich da sicher mal noch intensiver mit Therion befassen.

(pam) Richtig so Kaufi. Therion ist nebst Haggard für mich immer ein Pflichttermin. Dabei wurde ich nie enttäuscht. Heute leider noch mehr Pflicht. Denn wir Fans wurden vor ein, zwei Wochen durch einen Facebook-Post von Mastermind Christofer Johnsson geschockt. Er hat seit scheinbar längerem Nackenschmerzen, die sich in den letzten Wochen extrem verstärkten und die Spezialisten vor Rätsel stellt. Gemäss Chris könnten die Konzerte auf der Cruise die letzten von ihm überhaupt sein. Man geht ja nicht vom Schlimmsten aus, aber als ich ihn heute Morgen mit Gitarrist Christian Vidal beim Kaffeetrinken und Setliste besprechen sah, war ich aufs Neue geschockt. Ich fragte ihn, wie es ihm gehe. Die Frage war mehr höflich als in Erfahrung bringend, denn sein schmerzverzerrtes Gesicht nahm die Antwort vorweg. Ein Riesenhutab vor ihm, dass er die Konzerte durchzieht. Da hätten einige andere Bands wegen kleineren Wehwechen abgesagt.

Jetzt steht Chris mit seiner Halskrause und immer noch quälendem Gesichtsausdruck vor mir auf der Bühne. Eigentlich will man ihn nicht leiden sehen, aber seine Musik macht uns da auch egoistisch und man hofft, dass er dies jetzt einfach durchzieht. Hoffentlich noch viele, viele Jahre. Denn Therion sind ganz klar die Götter im klassisch-arrangierten Symphonic-/Opera Metal. Auch wenn hier nicht wie bei Haggard ein halbes Orchester auf der Bühne steht und die Klassikelemente ab Band kommen, was uns live geboten wird, ist von einem anderen Stern. Instrumental wie immer top die Saitenfraktion; auch wenn die Soli hinter dem Kopf und so bei Chris verständlicherweise heute ausfallen. An den Drums hockt ebenfalls kein No-Name, nachdem der bisherige Therion Drummer Johan Kullberg letzten November wegen unterschiedlichen Zielen verliess. Aktuell befindet er sich mit HammerFall auf Tour. Da hatte wohl einer Lust auf mehr Mainstream und ein grösseres Publikum. Als Ersatz ist heute Ex-Amon Amarth Drummer Frederik Andersson hinter den Kübeln. Und wie bei Haggard hat auch Chris ein brutal-gutes Händchen, wenn es um das Finden der besten Stimmen im Metal geht. Auch hier meist klassisch ausgebildete Sopranisten/-innen. Und gerade das opernhafte gefällt mir. Die junge Dame Chiara Malvestiti aus Italien ersetzt auf Tournee Lori Lewis, die sich vor ein paar Jahren entschieden hat, vor allem live ein bisschen kürzerzutreten. Als ich Chiara damals 2013 bei ihren Einstieg zum ersten Mal live sah und hörte, war sie noch ein unscheinbares Pummelchen im Hintergrund. Stimmlich schon damals top. Doch inzwischen – um einige Kilo leichter – wagt sie sich immer mehr ganz nach vorne auf der Bühne und inszeniert die Songtexte operettenhaft mit ihren beiden Gesangskollegen – Vater und Tochter Vikström.

Die beiden Vikströms sind seit einigen Jahren mit Therion unterwegs und ein eingespieltes Team. Doch am liebsten würde ich Thomas mal zuflüstern, er soll sich doch seine Tochter zur Brust nehmen. Sie ist ja ein nettes Mädel, die Schnutten, die sie ab und zu auf der Bühne zieht, vermitteln da ein falsches Bild und sie hat nicht überraschend als Therion-Sängerin eine Hammerstimme, aber wie andere Damen im Symphonic Metal auch – ja, Charlotte Wessels von Delain gehört auch dazu – einen katastrophalen Kleidergeschmack. Und dazu auch mal den Hosenlädi offen, wie letztens in Wacken. Heute steht sie da in einem weissen Spitzenhosenanzug über einen weissen Body gequetscht vor uns. Sie sieht aus wie ein schwangerer Pornostar. Ich musste ein paar Fotos zensieren, die kann ich in ihrem Interesse so nicht zeigen. Sehr Schade, wie gesagt, sonst ist ja alles absolut top. Sie nimmt definitiv zwei Pokale von der Cruise nach Hause: (One of) the best singer(s) und worst dressed.

Bösen Zungen könnten jetzt behaupten, dies sei der Grund für das schmerzverzerrte Gesicht von Chris. Dieser meint gegen Ende des Sets: „Wir haben zwar wegen meinen gesundheitlichen Problemen die Setliste angepasst, aber ich gehe nicht ohne „To Mega Therion“ von der Bühne!“. Der Signature-Song der Schweden, der live nie fehlt und jedes Konzert als Grande Finale abschliesst. Danke Chris, danke Therion. Das war geil und wie immer schon alleine die Reise irgendwo in die Karibik wert!

Fotos Therion (pam/Kaufi)

Setliste Therion

  1. The Rise Of Sodom And Gomorrah
  2. Son Of The Sun
  3. Abraxas
  4. Ginnungagap
  5. Schwarzalbenheim
  6. Lemuria
  7. Flesh Of The Gods
  8. Son Of The Staves Of Time
  9. Cults Of The Shadow
  10. To Mega Therion

Månegarm (Lounge)

(Raphi) Månegarm spielen ihr erstes Set in der Pyramid Lounge. Zum Intro vom Album „Dödsfärd“ marschiert die Band auf die Bühne, um gleich mit „I Evig Tid“ loszulegen. Ein Lob gleich vorweg an den Mischer, der ganze Arbeit geleistet hat und einen annähernd perfekten Sound für den präsentierten Viking Metal liefert. Die Band zeigt sich in Höchstform und äusserst motiviert. So auch beim anschliessenden „Nattsjäl, drömsjäl“, welches vom Publikum bereits tatkräftig mitgesungen wird. Sehr sympathisch ist, wie Sänger Erik Grawsiö zu Beginn versucht, böse zu wirken, aber spätestens im zweiten Song scheitert, zu schmunzeln beginnt und seine Freude über diese Auftrittsmöglichkeit nicht weiter verbergen kann. Das Publikum nimmt den Faden auf und ist voller Energie. Neben der Hymne „Odin Owns Ye All“ wird besonders „Vedergällningens Tid“ begeistert aufgenommen. Einleitend kommen wir in den Genuss eines Geigensolos von Martin Björklund, welches sich perfekt in den Konzertablauf einfügt. „Sons of War“ und „Hordes of Hel“ laden ebenfalls zum Mitsingen ein, bevor das grandios dargebotene „Hemfärd“ (mit angehängtem Teil aus „Vinternattskväde“) einen überzeugenden Schlusspunkt setzt. Die Band fühlt sich auf der kleinen Bühne sichtlich wohl und überzeugt auf ganzer Linie. Die Messlatte für das kommende zweite Set im Alhambra Theater ist gesetzt und mein Highlight der ersten Hälfte der Kreuzfahrt bekannt.

Cruachan (Lounge)

(Raphi) Die Pyramid Lounge ist etwa zur Hälfte gefüllt, als Cruachan die Bühne entern und uns ihren Folk Metal irischer Prägung („the original, the best“) präsentieren. Bereits als zweites Stück packen die fünf Herren das thematisch passende „The Sea Queen of Connaught“ aus, welches von einer irischen Piratin handelt und zum Mittanzen einlädt. Allerdings sieht dies der Grossteil des Publikums anscheinend anders, da es noch mehrheitlich still und ruhig dasteht. Bandkopf Keith Fay, welcher direkt aus dem Film Braveheart herausgesprungen zu sein scheint, unterhält zwischen den Stücken mit gelungenen Ansagen inklusive schrägem irischen Humor. Der Fokus der Songs liegt verständlicherweise auf dem aktuellen Album „Blood for the Blood God“ und zum Schluss kommt doch noch Bewegung ins Publikum. „The Marching Song of Fiach Mac Hugh“ wird mit einem für die Location verhältnismässig grossen Circle Pit gefeiert, bevor „Ride On“ zum Abschluss von vielen Kehlen mitgesungen wird.

Overkill (Theater)

(Kaufi) Ebenfalls im Theater geht meine Horizonterweiterung in die nächste Runde: Overkill bitten zum Tanz. Thrash Fans kommen dieses Jahr hier definitiv auf ihre Kosten… Auch die New Yorker können sich über eine volle Location freuen und geben anständig Gas. Im direkten Vergleich waren Death Angel und Testament allerdings eine Stufe heftiger. Müsste ja jetzt so passen für mich… „Rotten To The Core“ und „In Union We Stand“ sind zwei Songs, die mir auch tatsächlich rasch ins Ohr gehen. Dürften wohl auch zwei ihrer grössten Hits sein, wenn ich das richtig sehe. Die Herren sind offensichtlich etwas in die Jahre gekommen, doch das hindert vor allem Frontmann Bobby „Blitz“ Ellsworth nicht daran, wie ein Jungspund über die Bühne zu rennen. Und Blitz ist schlussendlich auch das „Problem“: seine Stimme ist – nun ja: gewöhnungsbedürftig. Nicht unbedingt etwas, was ich eine Stunde lang aushalten möchte. Das sehen aber knapp 1‘000 Leute offensichtlich ganz anders.

(pam) Inklusive pam. Mein Super-Friday besteht nebst dem Oriental-Mittelalter-Symphonic-Opera-Metal auch aus gehörig Old-Skul-Thrash-Metal. Da sind meine Wurzeln aus der Teenie-Zeit und müsste ich mich auf ein Genre beschränken … Dann wär‘s wohl der typische Thrash-Metal. Und die alten Säcke von Overkill sind auch Mehrfach-Täter auf der 70K-Cruise. Bobby Blitz hat uns ja schon beim letzten Mal gesagt, dass er dieses „fuckin‘ ship“ liebe. Er meint dann auch, dass es auf dem Boot „One Rule“ gäbe: „I’m in charge!“. Er und Jeff dürfen das sagen, sie sind ja quasi Inventar. Vor allem wenn er uns dann noch bauchpinselt „I Love that fuckin‘ community“ und zurecht nicht ganz unbescheiden „We should be proud of ourselves supporting it for 40 years!“.

Krächzt es und singt gleich so weiter. Ja, Kaufi, seine Stimme ist sicher gewöhnungsbedürftig, vor allem live noch mehr als ab Konserve. Aber hey, die liefern da ein verdammtes Brett ab, da können die 1’001 Leute nichts anders als ihnen die Ehre erweisen. Overkill hatte ich ja für mich auch erst so richtig vor ein paar Jahren auf der Cruise entdeckt und seit damals haben sie ein paar Hammeralben abgeliefert. Unter anderen auch „Ironbound“, dessen extrem geiler Titelsong sie uns jetzt gerade vor den Latz knallen. Ich find die Jungs einfach geil. Nebst Bobby Blitz vor allem auch Basser und Mitgründer D. D. Verni. Einzige das obligate „Fuck You“ als Abschluss könnte man von mir aus auch mal aus der Setliste streichen. Heute wird dieser Liveklassiker dem Skipper gewidmet. „He uses this expression even more than we do.“ Und dann kommt so ein Moment wo man sich fragt, hä, habe ich das jetzt grad richtig gehört? Blitz macht die obligaten Spiele mit dem Publikum. Als dieses „Fuck You“ nach seinem Geschmack nicht laut genug singt, sagt er doch tatsächlich (?) auf Schweizerdeutsch „Vergiss äs“! Muss er wohl von Andy, dem Schweizer Skipper, aufgelesen haben. Wohl so: „Fuck You. Vergiss äs.“

So, Zeit wieder mal was zu Hirten. Mit Anthrax und Annihilator stehen für mich ja noch zwei absolute Highlights an. Mir gehen langsam die Superlative an diesem Super-Friday aus…

Fotos Overkill (pam/Kaufi)

Setliste Overkill

  1. Armorist
  2. Rotten To The Core
  3. Electric Rattlesnake
  4. Hello From The Gutter
  5. In Union We Stand
  6. Our Finest Hour
  7. Hammerhead
  8. Emerald
  9. Ironbound
  10. Elimination
  11. Fuck You

Amorphis (Pool)

(Sandro) Auf Amorphis bin ich besonders gespannt, da ich die Band schon ein paarmal im Z7 und 2015 auch auf der 70’000 Tons Cruise schon mal gesehen hatte. Die Finnen zählen momentan was Melodic Metal angeht ohne Zweifel zu den ganz grossen Adressen! Leider gibt es aus welchen Gründen auch immer (ich war vor Amorphis nur selten auf dem Pooldeck) eine Verspätung von ca. 30 Min. (pam: siehe Haggard). Da sich der Soundcheck auch noch in die Länge zieht, beginnt die Band schliesslich etwa 45 Min. später wie geplant.

Allerdings legen die Herren mit „Under The Red Cloud“, dem Titeltrack des gleichnamigen letzten Albums, gleich gehörig druckvoll los! Waren andere Konzerte die ich bis zu diesem Zeitpunkt auf dieser Cruise gesehen hatte für meinen Geschmack oft etwas zu laut und deshalb teilweise etwas „breiig“ rübergekommen, hört sich der Sound bei Amorphis total sauber an. Zu Beginn vielleicht etwas zu gitarrenlastig, was aber im Verlaufe des Konzerts besser abgemischt wird. Einmal mehr sticht praktisch von Anfang an vor allem die Stimme von Tomi Joutsen heraus! Was dieser Herr stimmlich abliefert ist einfach allererste Sahne! Und das bis jetzt noch bei jedem Konzert welches ich von dieser Band sah. Die Mischung zwischen Growls und cleanem Gesang kommt bei Amorphis so wie bei nur wenigen anderen mir bekannten Bands dieser Stilrichtung rüber!

Das Set geht mit „Sacrifice“ weiter und danach kommt mit „Bad Blood“ für mich ein erstes Highlight! Dieser Track bringt die soeben erwähnte Growl/Clean Mischung sensationell rüber! Ein drückendes, stampfendes Riff mit Growlgesang in den Strophen und ein fast hymnenmässiger Chorus, unterlegt mit einer beinahe zu „singen“ scheinenden Lead-Gitarre. Ganz gross! Spätestens bei diesem Song sind dann auch die letzten Stehplätze vor der Bühne belegt und die zahlreichen Damen und Herren in dem für meine Begriffe etwas überbevölkerten Jaccuzzi auf dem Pooldeck fangen an zu headbangen! Nach „Sky Is Mine“ aus dem „Skyforger“ Album sind wir mit „Drowned Maid“ leider auch schon in der Mitte des Sets angekommen, welches wohl wegen der anfangs erwähnten Verzögerung verkürzt werden muss. Allerdings sind zu diesem Zeitpunkt auch meine beiden weiblichen Begleiterinnen (Anm. Kaufi: alter Schwerenöter!), welche sonst eher zu den „Gelegenheitsmetalhörerinnen“ gehören, vom bis dahin gezeigten schwer beeindruckt! Ein weiterer Beweis, dass Amorphis mit ihrer Musik ein sehr breites Publikum ansprechen. Es geht weiter mit „The Four Wise Ones“ und „Hopeless Days“. Abgerundet wird das Set schliesslich mit dem eingängigen „Silver Bride“ und dem Dauerbrenner „House Of Sleep“.

Zusammengefasst zeigen Amorphis einmal mehr weshalb sie dahingehören wo sie stehen! Ich denke jedes Konzert auf dem Pooldeck bei der 70’000 Tons Cruise ist speziell und sehenswert, schon nur wegen der Atmosphäre! Aber Amorphis unter dem Sternenhimmel der karibischen See ist für mich persönlich doch noch einmal ein Erlebnis der Extraklasse!

(Kaufi) Zugegeben: ich bin nicht ganz so euphorisch wie unser Gastschreiberling Sandro. Aber beeindruckend ist es allemal, was die Finnen hier zeigen… Schon als die Band die Outdoor Stage betritt werden sie mit unbändigem Jubel empfangen. Glasklar: hier spielt eine der am meisten erwarteten Bands. Vor etwas über einem Jahr waren Amorphis in Basel zu Gast, da habe ich die das erste Mal gesehen. Und solange Tomi Joutsen sich aufs SINGEN beschränkt, gefällt mir das. Denn die Melodien, die Riffs – ja, die haben was! Aber das Growlen… nein, muss nicht sein.

Auffallend sind hier die Crowdsurfer. Im Fotograben muss man hier fast mehr aufpassen als bei all den Thrash Bands! Die Kerle kommen 30 Sekunden-Takt geflogen. Wobei: Kerle? Pah – da hat’s sogar einige Ladies dabei… Na gut – bei denen hat die Security dann definitiv kein Problem mit Auffangen… Schlussendlich verziehe ich mich dann doch vor dem Ende wieder vom Pool. Zu viel Growling für meine Ohren… aber über die Performance von Amorphis an sonst kann man wahrlich nichts Schlechtes berichten!

Fotos Amorphis (Kaufi)

Setliste Amorphis

  1. Under The Red Cloud
  2. Sacrifice
  3. Bad Blood
  4. Sky Is Mine
  5. Drowned Maid
  6. The Four Wise Ones
  7. Hopless Days
  8. Silver Bride
  9. House Of Sleep

Axxis (Ice Rink)

(Kaufi) Von der Pool Bühne in den Ice Rink – Kälteschock. Aber man lernt ja. Also hat man etwas wärmere Kleider jetzt… Wenige Minuten bevor die deutschen Melodic Metaller Axxis auf die Bühne kommen, ist es noch erschreckend leer im Saal. Doch das ändert sich zum Glück rasch, so dass man schlussendlich doch vielleicht vor 400, 500 Leuten auftreten kann.

Blickfang ist natürlich Fronter Bernie Weiss. Der Kerl weiss, wie man eine Band durch die Show führt. Spassige Ansagen (die Nörgeli-Fraktion würde behaupten, dass er zu viel labbert – nein! Das passt so!), Spielfreude, voller Einsatz und toller Gesang – was will man mehr? Auch für Axxis gilt wohl, dass der Bekanntheitsgrad hier nicht allzu gross ist. Und so lassen auch sie sich – ähnlich wie Orden Ogan – auf keine Experimente ein und zocken ein saugeiles Best Of Konzert. In den zur Verfügung stehenden 45 Minuten packen sie fast die ganze Historie rein…

Bei „Touch The Rainbow“ holt sich Bernie einen weiblichen Fan als Gast auf die Bühne, welche den Rhythmus prima vorgibt. Die Dame ist sichtlich begeistert – wie auch Bernie selbst… (pam: Das sollte sich dann am Sonntag 1:1 wiederholen. Man ist das eine Labertante! Dagegen ist ja Joakim ein Finne).

Mit „Kingdom Of The Night“ endet der Spass, eigentlich viel zu früh. Da hätte man problemlos noch etwas mehr vertragen… Aber es gibt ja noch eine zweite Show. Und das dann Open Air. Da freut man sich schon…

Fotos Axxis (Kaufi)

Setliste Axxis

  1. Blood Angel
  2. Tales Of Glory Island
  3. Heavy Rain
  4. Little War
  5. Touch The Rainbow
  6. Living In A World
  7. Little Look Back
  8. Kingdom Of The Night

Aufgrund Müdigkeit und der enormen Verspätung auf der Poolbühne mache ich Schluss für heute und verpasse somit leider Annihilator. Aber Pam zeigt da hoffentlich mehr Durchhaltewillen als ich…

Anthrax – (zu) routinierte Big4 (Pool)

(pam) Herr Kaufmann, du verpasst nicht nur Annihilator, sondern auch Anthrax. Bei denen versteh ich ja seit Jahren nicht, warum die nicht auf deinem Radar sind. Thrash Metal mit cleanem, melodiösem Gesang. Joey könnte locker auch in einer Powermetal-Kapelle mittun. Und für Anthrax würde ich mir notfalls auch literweise Red-Bull intravenös geben, um bis zu deren Set durchzuhalten. Sie waren der Hauptgrund, warum ich mich letzten Frühling spontan entschied, wieder mitzucruisen beim geilsten Festival auf See. Nicht weil sie der bisher rein vom Namen her wohl grösste Act auf der Cruise sind, sondern weil die Mosh-Kings mich schon seit Teenie-Zeiten in ihren Bann gezogen haben.

Death Angel, Testament und Overkill haben die Messlatte im Thrashsektor auf der diesjährigen Cruise sehr hoch gelegt. Aber Anthrax in Bestform sollte diese locker überspringen. Das tun sie heute … leider nicht. Irgendwie wirkt das heute viel zu routiniert, zu zurückhaltend, wenn nicht sogar ein bisschen überheblich? Vor allem Scott bewegt sich kaum und das will was heissen. Waren sich die New Yorker ihrer Sache zu sicher? Sie haben wohl die Bretter von Death Angel, Testament und Overkill nicht mitgekriegt. Klar Anthrax sind wie erwähnt eine sehr grosse Nummer, aber eigentlich auch ein Garant für geile Live-Konzerte – als junger Fan hatte ich immer gesagt, gegen Anthrax sei Angus ein fauler Hund (auf der Bühne). Aber heute gibt’s keinen Wardance, kaum Mosh. Selbst der für mich nach Cliff Burton selig geilste Bassist Frank Bello hält sich schon fast zurück. Immerhin ist aber sein Onkel zurück hinter der Schiessbude, nachdem er in den letzten Jahren die eine oder andere Tour zumindest teilweise wegen Handgelenkproblemen aussetzen musste. Einzig Joey macht seine gewohnten Faxen, die immer auch etwas von einem Schaf haben. An solchen Momenten erinnert mich der Halbindianer immer ein bisschen am Marc Storace. Was soll’s, wenn man ein solches Stimmorgan wie die beiden hat, braucht man nicht viele geistige Talente.

Fazit: Die erweiterten Big4 Thrasher haben die erste Runde gewonnen. Mal schauen, ob die Mosher übermorgen ihrem Ruf besser gerecht werden. Oder was meint ein nicht Hardcore-Fan dazu?

(Raphi) Geniale Show mit einer tollen Setlist. Joey Belladonna gibt alles und auch die Gitarrenfraktion ist unbedingt lobend zu erwähnen. Der Auftritt ist von Anfang bis Ende absolut headlinerwürdig.

(pam) Hm, OK. Da bin ich mir halt einfach mehr gewöhnt von den Moshkönigen. Ein paar Wochen später in einem Interview mit Scott Ian verrät er mir ziemlich offen, dass er u.a. das Publikum auf der Cruise weniger gut findet, als an traditionellen Festivals. Da bin ich nicht ganz gleicher Meinung, auch wenn sicher das Publikum auf der Cruise älter ist und somit auch nicht mehr immer voll abgeht und sich in jeden Pogo stürzt. Scott war jedoch ausser bei seinen zwei Auftritten praktisch nur in der Kabine am Arbeiten bzw. Schreiben eines neuen Buches. Das erklärt, warum man ihn kaum sah auf dem Schiff. Aber eventuell auch, dass er eine etwas falsche Wahrnehmung der 70’000 Tons hat und dadurch vielleicht unbewusst weniger Gas gab als gewohnt.

Fotos Anthrax (pam)

Setliste Anthrax

  1. A.I.R.
  2. Caught in a Mosh
  3. Madhouse
  4. Monster at the End
  5. I Am the Law
  6. Fight ‚Em ‚Til You Can’t
  7. Evil Twin
  8. Aftershock
  9. Blood Eagle Wings
  10. Antisocial
  11. Be All, End All
  12. Breathing Lightning
  13. Indians

Annihilator (Theater)

(pam) Den Abschluss der Ur-Thrasher und meines Super-Friday bilden die Kanadier um den omnipräsenten Jeff Waters. Wie schon erwähnt Stammgast auf der Cruise und irgendwie immer auf dem Schiff unterwegs. Nur schon seit ich inzwischen tishimässig mit Annihilator unterwegs bin, ist er mir sicher fünf Mal über den Weg gelaufen. Aber scheinbar trifft es sich einfach mit uns beiden. Es wird zum Running Gag, dass er beim Vorbeilaufen so ganz nebenbei erwähnt „Nice Shirt!“. Bis ich dann fürs Annihilator Konzert auf dem langsam abkühlenden Pooldeck das Anthrax Hoodie drüberziehe. Das fand er zwar auch cool, aber bemängelte etwas an der Reihenfolge. Hey, meine Helden, ich geb mir ja schon Mühe meist mit adäquatem Bandshirt euren Konzerten beizuwohnen, aber ich kann ja nicht mit Hoodie rumlaufen wenn’s noch warm ist und dann mit Shirt umgekehrt. (Kaufi: dann kauf dir zweiten Hoodie und zweites Shirt, damit es passt!) Anyway, wir beiden scheinen diesen Running Gag zu geniessen. Er erwähnt dabei auch wieder mal, dass ihn hier eh keiner als Gitarrist von Annihilator – was ja keine Riesenunterreibung ist, denn Jeff IST Annihilator – kenne, sondern nur als der Typ, der die Jam Session organisiert. In Europa schaut’s ein bisschen anders aus. Während sie in den USA und teilweise auch in Kanada kaum bekannt sind, gehören sie in Europa sicher zu den Top 10 Old-Skul-Thrashern. Bei mir wären sie in den Top 5. Ich war ja auch schon als Teenie mit dem „Never, Neverland“ Shirt unterwegs.

Jeff macht dann auch auf der Bühne seine Standardsprüche – insbesondere wie falsch der Bandname in all den Ländern ausgesprochen wird. Und ja, der „Anal-Eater“ kommt dabei auch vor. Nun, wir bewundern das Gitarren-Genie ja nicht wegen seiner Spruchreife. Auch sonst gibt’s nicht viel Neues von diesem Set zu berichten. Wie meist mit komplett neuer Mannschaft unterwegs, die wie immer Thrash-Metal auf allerhöchstem Niveau zelebriert. Wenn Jeff sich schon immer wiederholt, dann mach ich das auch: „Genie und Wahnsinn laufen bei Jeff Hand in Hand“. Und sein Streben nach höchster Perfektion treibt wohl auch immer wieder seine Mitmusiker in den Wahnsinn. So ist Jeff wieder Mal ohne Sänger unterwegs und macht das auch wieder mal selbst. Er singt auch gar nicht so schlecht, aber dafür schleicht er weniger mit seinem Signature-Move über die Bühne. Der gebückte Teufelsgang ist schon geil anzusehen. So oder so, der perfekte Abschluss meines Super-Friday. Mehr geht nicht – Thrash und Symphonic as its best – und somit hat mich die Matratze wieder mit einem fetten Smile!

Die Annihilator Fotos haben sich leider schwupps in Luft aufgelöst. Schade, wären noch ein paar gute dabei gewesen … 🙁

Annihilator Setliste

  1. Suicide Society
  2. King of the Kill
  3. Creepin’ Again
  4. No Way Out
  5. Set The World On Fire
  6. W.T.Y.D.
  7. Alison Hell
  8. No Zone
  9. Second to None
  10. Syn. Kill 1
  11. Phantasmagoria

Einherjer (Lounge)

(Raphi) Vor der Kreuzfahrt haben Einherjer angekündigt, dass sie zwei komplett verschiedene Sets spielen würden. Eines davon würde auf ihrem Debutalbum „Dragons of the North“ basieren. Der Pyramid Lounge kommt diese Ehre zuteil und die Location ist auch dementsprechend gut gefüllt. Leider ist der Sound zu Beginn etwas dumpf, was besonders dem Opener „Dreamstorm“ nicht sehr zuträglich ist und die Melodien etwas verschluckt. Im Laufe des Konzerts wird der Klang jedoch besser, auch wenn die Samples erst am Schluss richtig hörbar sind. Dennoch zeigt die Viking Metal Band aus Norwegen einen hervorragenden Auftritt und spielt abgesehen von „Fimbulwinter“ tatsächlich das gesamte „Dragons of the North Album“. Leadsänger Frode Glesnes ist bei seinen Ansagen eher zurückhaltend und beschränkt sich auf das Minimum, zeigt ansonsten jedoch eine sehr atmosphärische Darbietung. Gitarrist Aksel Herløe macht es sich derweil zur Aufgabe, das Publikum in Fahrt zu bringen. Dieses bleibt jedoch eher ruhig und kommt wenig in Bewegung. Der Titeltrack beendet schliesslich den düster gehaltenen aber dennoch sehenswerten Auftritt.

 

Tag 3 – Samstag, 4. Februar 2017 – Haiti calling

(Kaufi) Tag drei ist im Prinzip der Day Off. Oder so. Einfach der Tag, an dem der müde Kreuzfahrer auch mal an Land kann. Dieses Jahr ist das in Labadee, Haiti, der Fall. Royal Carribean, die Besitzer der „Independence Of The Seas“, besitzen hier ein eigenes Ressort mit wunderschönen Sandstränden, Bars sind auch vorhanden und einige wenige Ausflugsmöglichkeiten wären auch im Angebot. Doch für uns gibt’s in den nächsten Stunden nur eins: Strand, Sonne, Bier und ab und zu einen Schwumm im Meer. Das alles findet man wirklich nur wenige Gehminuten vom Schiff weg – kein Vergleich zur letzten Destination in Jamaika, wo man mit dem Taxi irgendwohin kutschieren musste. Ja, hier lässt es sich relaxen! Denken auch viele Musiker und Bands, die sich überall tummeln. Begehrtestes Objekt für Selfies ist zweifellos Overkill Fronter Blitz, der kaum zwei Meter laufen kann, ohne dass er seinen Mittelfinger gegen eine (Handy-)Kamera richten muss. Und auch der wohl älteste Musiker an Bord, Uli Jon Roth, gönnt sich eine Abkühlung im Atlantik.

Als neutraler Beobachter kann man die Destination „Haiti“ durchaus in Frage stellen. Wie können da Tausende Leute auf diese arme Insel kommen und einfach eine Party machen? Andy Piller, der Skipper und Chef der „70‘000 Tons Of Metal“ hat sich diese Frage auch gestellt. Aber weil RC dieses Ressort besitzt, fliesst viel Geld von der Reederei direkt in die Infrastruktur des ganzen Landes. Was schlussendlich sicher besser als gar nichts ist.

Bevor der grosse Run zurück aufs Schiff beginnt, machen wir uns bereits vom Acker. Sonne und so gibt’s ja da auch noch. Und vielleicht etwas mehr Sonnencreme, meine Wenigkeit ist bereits „leicht“ errötet…

(Pam) Ja, definitiv gemütlicher Start in den Tag. Zmörgelen und dann ohne Anstehen easy aus dem Schiff laufen. Das haben wir mit Tender-Booten auch schon anders erlebt. Beim Ausgang steht noch ein etwas verlorener Typ mit Kappe rum. Beim zweiten Blick erkenn ich unter dieser Joey Belladonna von Anthrax. Da kann ich ja fast nicht einfach dran vorbeilaufen und bitte um ein Foto. Wir kommen dann etwas länger als geplant ins Gespräch und freuen uns beide auf das Konzert vom 15. März in Zürich – und der eher schmächtige Belladonna erzählt mir nebenbei, dass er früher Eishockey-Goalie war. Irgendwann kommt dann noch mein Überheld – Basser Franky – dazu. Nochmals von vorn mit der Prozedur. Wie immer machen die Musiker auch immer easy mit. Ist alles relaxed.

Und so gesellen wir uns zu Kaufi, Säm und der Basler Truppe und machen das bereits von Kaufi erwähnte Programm mit. Ich sag zwar immer, der obligate Stopp auf der 70’000 Tons of Metal Cruise sei unnötig, aber ich geb’s zu, so lässt es sich auch mal ein paar Stunden leben.

Fotos Labadee (pam/Kaufi)

Zurück auf dem Dampfer machen wir mal ein Foto mit ein paar Schweizer Cruisern an Board. Es sind bei weitem nicht alle informiert und da. Müssten wir mal vor der Cruise abmachen. Auch wenn ich nicht so auf Nationenstatements stehe – wenn dann schon lieber «Show Your Metal!» – aber so ein Erinnerungsfoto ist auch mal cool.

Mors Principum Est (Pool)

(Kaufi) Weil ich nichts Gescheiteres zu tun habe grad (man kann ja nicht pausenlos Bier trinken…), schnappe ich mir meine Kamera und gehe zur ersten Band des Tages auf dem Pool Deck. Die Finnen von Mors Principum Est sind die erste Band, die ihre zweite Show spielt. Aber musikalisch nicht mein Ding, das hatten wir schon. Also schnell wieder weg.

Fotos Mors Principum Est (Kaufi)

Overkill (Pool)

(Kaufi) Im Gegensatz zum Vortag läuft das Programm auf der Pool Stage heute überaus pünktlich. Die Sonne ist bereits verschwunden, als Overkill ihr zweites Set starten. Und heute funktionieren auf der Bühne auch die Nebelwerfer. Meine Fresse… Etwas Effekte sind ja gut und recht, aber hier wird massiv übertrieben! Die New Yorker werden fast pausenlos von allen Seiten mit Nebel eingehüllt. Abgesehen davon, dass die Fans kaum was sehen, macht’s auch das Fotografieren nicht gerade einfach. Musikalisch hat mir der erste Auftritt etwas besser gefallen, denn heute geht mir die giftige Stimme von Blitz noch deutlich mehr auf den Zeiger. An der Performance an sich gibt’s jedoch nichts zu rütteln, der Fünfer ist hoch motiviert und hat sichtlich den Plausch. Wie auch die Crowdsurfer…

Fotos Overkill (Kaufi/pam)

 

Draconian (Ice Rink)

(Pam) Ich lass zumindest einen Teil vom Set der New Yorker Overkill aus und begebe mich vom Strand in die Ice-Box bzw. in den Ice Rink zu Draconian. Ich besitze eine CD von denen und Songs wie „Transylvanian Love“ gefallen mir sehr gut. Doch deren Set heute ist mir kurz nachdem wir gerade noch auf einer Insel in der Karibik hängten zu melancholisch. Da schau ich doch nochmals lieber auf dem Pooldeck bei Overkill vorbei, die mir dann kurze Zeit später wieder ihren Rausschmeisser „Fuck You“ entgegenschmeissen. Na Dankeschön, Fuck you too denn.

Fotos Draconian (pam)

Trollfest (Ice Rink)

(Raphi) Da sitze ich ohne Vorahnung und böse Gedanken im Ice Rink und schon marschiert eine Truppe gekleidet in koloniale Tropenausrüstung auf die Bühne, um „True Norwegian Balkan Metal“ zu spielen. Die nächsten fünfundvierzig Minuten entsprechen musikalisch der Vertonung eines Jackson Pollock-Bildes: wild, bunt, chaotisch. Die Arena ist randvoll mit Zuschauern. Unter der Anleitung von Leadsänger Trollmannen tanzen diese den Trolltanz (rhythmisches in-die-Knie-gehen) oder durchqueren den Ice Rink in zwei gleichzeitig ablaufenden Polonaisen. Die restlichen Bandmitglieder sind derweil immer wieder mal im Publikum anzutreffen, wo sie sich dem wilden Treiben anschliessen. Mir sagt die Musik hingegen nicht zu. Nach einer Weile klingen die verrückten Lieder in meinen Ohren zudem alle sehr ähnlich. Deshalb betrachte ich das Geschehen aus sicherer Entfernung von einem der Sitzplätze und kann über die verwirrten Barangestellten schmunzeln, welche ob des Kontrasts zu den übrigen Bands vollends durcheinander sind (die nächste Band im Ice Rink: Marduk…). Kaum gedacht, spurtet eine bärtige Banane mit aufblasbarem Artgenossen in der Hand vor der Bar durch, um sich der Polonaise anzuschliessen. Der durchgeknallte Auftritt ist eine Erfahrung für sich, aber einmal im Leben reicht mir voraussichtlich.

Testament (Pool)

(Kaufi) Noch mehr Thrash unter freiem Himmel. Dieses Mal sind Testament an der Reihe. Und wer gedacht hat, dass die Show im Theater schon krass war, der kommt jetzt aus dem Staunen kaum mehr heraus. Was die Jungs aus der Bay Area hier abliefern ist der Wahnsinn. Luft holen? Fehlanzeige. Crowdsurfer. Und noch mehr Crowdsurfer. Das ist fast noch extremer als bei Amorphis am Tag zuvor. Und als Chuck Billy „Into The Pit“ ankündigt, spritzt das Wasser nur so aus dem Whirlpool vor der Bühne. Ein Wunder, dass danach da überhaupt noch was drin ist…

Nun ja – aber da auch Testament schlussendlich nicht zu meinen Favs zählen, überlasse ich das Feld mal Pam, vielleicht weiss der noch mehr zu erzählen…

(Pam) Nun ja, ich kann deine Lobeshymne oben kaum toppen. Meine kurze und allessagende Notiz in meinem Cruise Tagebuch: „Ein Brett. Old School Rules“. Testament konnten mich in jungen Jahren nie wirklich 100% packen. Ich fands sie zwar immer OK, aber Metallica, Anthrax, Annihilator, Sepultura & Co. waren mir näher, eingängiger. Bis ich … die vor ein paar Jahren die damals neue Scheibe „Dark Roots On Earth“ in den Händen hielt. Zu geil das Teil, um die Bay Area Thrasher nach wie vor so Stiefmütterlich zu behandeln. Kaufi, das muss dir doch auch gefallen (siehe Death Angel).

Fotos Testament (pam)

Setliste Testament

  1. Practice What You Preach
  2. Rise Up
  3. The Pale King
  4. Raging Waters
  5. Into The Pit
  6. The New Order
  7. Stronghold
  8. D.N.R. (Do Not Resuscitate)
  9. 3 Days In Darkness
  10. Alone In The Dark
  11. Disciples Of The Watch

Haggard – Universumklasse (Theater)

(pam) Von diesem Outdoor-Thrash-Metal-Gewitter zurück in den Schoss vom Mutterschiff. Haggard kriegen nach dem verwehten Auftritt auf dem Pool ihre zweite Chance und keine Frage, diese nutzen sie in einem zu 3/4 gefüllten Theater. Was schon eine starke Leistung ist, denn, wenn auch schwer verständlich für mich, dieser Operngesang im Metal ist nicht jedermanns Sache. Doch vor allem in Lateinamerika geniessen die Bayern einen hervorragenden Ruf und die sind hier auch klar in der Überzahl. Da wird auch schon mal zum Klassiker „Awakening The Centuries“ gepoggt.

Cool, wie schon 2014 als sich die beiden Gitarristen Asis und Claudio fast unbemerkt unters Volk mischen und kreuz und quer, hoch und runter spielend durchs Theater laufen.

Der Kopf und das Herz von Haggard Asis betont einmal mehr, dass zwar viele Veranstalter und Promotoren sie jeweils gerne buchen würden, aber nur mit fünf Leuten. Doch „das machen wir nicht.“ Keine Samples, keine Kompromisse, was du hörst ist was du siehst. Und dementsprechend dankbar ist er, dass Andy die Band mit diesmal 12 Musikern schon zum zweiten Mal auf die Cruise bucht.

Andy, dafür bin auch ich und die anderen Leute hier mehr als nur dankbar. Gerne immer wieder. Haggard ist eine der Bands, die man live nie verpassen sollte. Zu einmalig, zu hochstehend, zu geil!

(Raphi) Das Alhambra Theater ist für Haggard genau das richtige Ambiente. Mich überzeugen nicht ganz alle Stücke restlos, aber die Show ist sehr sehenswert und es gibt viel tolle Musik zu bestaunen.

Fotos Haggard (pam)

Kamelot (Pool)

(Kaufi) Saltatio Mortis spielen während der Umbaupause wieder irgendwo einen Akustik Gig. Ich warte in der Zwischenzeit auf Kamelot. Eigentlich eine Band, die mir zusagen müsste. Aber irgendwie wurde ich mit denen nie richtig warm. Aber mal wieder eine Chance geben. Überraschend für mich: Kamelot sind neben Anthrax und Arch Enemy die einzige Band, die zweimal 75 Minuten Spielzeit erhalten! Sprich: dies dürfte somit der Tages Headliner auf dem Pool Deck sein.

Doch jetzt hat es deutlich weniger Volk hier als bei Testament. Die Thrasher sind wohl allesamt (noch) beim Abendessen… Kamelot starten jedenfalls pünktlich ihr langes Set und auch sie werden sofort kräftig mit Nebel eingedeckt. Musikalisch ist das sogar recht hörbar, irgendwie muss ich mir da doch mal noch die eine oder andere CD besorgen. Allerdings bin ich nicht sehr erfreut, dass die blauhaarige Frontdame von Arch Enemy bei etwa vier Songs auf die Bühne kommt und diese Nummern mit ihrem Gekeife schlicht zur Sau macht. Braucht’s nicht, sehr schade. Und ich weiss jetzt schon, dass ich den Headliner am nächsten Tag auch Pam überlassen kann… Ah ja: und Drum Solos sind generell überflüssig, hier erst recht. Ein zwiespältiger Eindruck, der mir hier bleib

(pam) Hm, bin gespannt wie Raphi das wahrgenommen hat …

(Raphi) Der Publikumsaufmarsch lässt vermuten, dass Kamelot für viele den Headliner der diesjährigen Kreuzfahrt darstellen (pam: So unterschiedlich die Wahrnehmung … wohl alles eine Frage der Perspektive im wortwörtlichen Sinn). Das Pooldeck ist während des Auftritts der Amerikaner von Anfang bis Schluss randvoll und vor der Bühne wird fleissig mitgesungen. Die Band zeigt eine sauber durchgeplante Darbietung mit einer imposanten Lichtshow, die den passenden Rahmen liefert. Sänger Tommy Karevik ist ständig in Bewegung und nutzt die ganze Bühne aus, um die Zuschauer immer wieder zum Mitmachen aufzufordern. Auch die Instrumentalisten sind aktiv bei der Sache, was den dynamischen Gesamteindruck noch verstärkt. Gegen Ende hin erscheint zur grossen Freude der Fans Alissa White-Gluz von Arch Enemy, um ihre Growls für „Liar Liar“ beizusteuern. Kurz darauf kommt auch noch Elize Ryd von Amaranthe auf die Bühne und die beiden unterstützen Tommy gemeinsam bei „Sacrimony“. Nach einem tollen Auftritt verabschiedet sich die Band ausgiebig und das Publikum bedankt sich mit grossem Applaus.

Fotos Kamelot (Kaufi)

Amorphis (Theater)

(Kaufi) Zum ersten Mal am heutigen Tag gebe ich mir eine Indoor Show. Amorphis sind im Theater an der Reihe. Die Finnen haben jetzt einen fantastischen Sound – keine Ahnung, warum das bei anderen Bands nicht gleich funktionieren kann. Dafür werden aber auch sie lichtmässig schwer im Dunkeln gelassen.

Wenn ich das richtig verstehe, dann spielen der charismatische Fronter Tomi Joutsen und seine Truppe heute ihr komplettes „Eclipse“-Album aus dem Jahr 2006. Zwar kenne ich nach wie vor keinen einzigen Song der Truppe, aber der ganze Gig scheint mir softer und eingängiger zu sein als auf dem Pool Deck am Tag zuvor. Und weniger Gegrowle, was meine Ohren auch freut. Überraschenderweise verlassen einige Fans das erneut sehr gut gefüllte Theater mit der Begründung, dass die Show deutlich schwächer sei… Zugegeben: ich bleibe auch nicht bis ganz zum Ende, aber ich habe schon schlimmeres gehört als das jetzt.

(Pam) Genau, richtig erkannt. Sie spielen das ganze – geniale – Eclipse Album. Gut, live kann das schon mal etwas langweilig werden, da wäre ein bisschen Abwechslung von einem anderen Album schon nicht schlecht. Passend zum düster-schönen Sound sieht man Tomis Gesicht verdeckt hintern seinen Strähnen die ersten fünf Songs kaum. Vor drei, vier Jahren an gleicher Stätte waren das noch meterlange Dreadlocks-Zöttel, die er wie eine Peitsche um sich schwang. Mitmusiker und Fotografen im Pit lebten gefährlich. Doch obwohl man ihn nicht oder kaum sieht, sich dabei eher auf seine aussergewöhnliches Mikrofon – welches aus dem Film „Einstein Junior“ stammen könnte – konzentriert, hat er eine gewisse Aura, die ihn umgibt und die einen auch packt. Das funktioniert ohne viel zu sagen. Halt wie deren Herkunftsland selbst. Flach wie eine Flunder und doch tiefgründig mit seinen 1’000 Seen. Und so hört sich auch deren Musik an.

Aber es hat durchaus sehr eingängiges aus dem Album von 2006 bei dem Sänger Tomi sein Debut gab. Wie „Born From Fire“ und vor allem „Brother Moon“ find ich als Melodienjunkie sehr geil. Ein guter Moment, um den heutigen Tag abzuschliessen und von der eiskalten Schönheit des winterlichen Lapplands zu träumen. Ich bin raus.

Fotos Amorphis (pam/Kaufi)

Setliste Amorphis

  1. Two Moons
  2. House Of Sleep
  3. Leaves Scar
  4. Born From Fire
  5. Under A Soil And Black Stone
  6. Perkele (The God Of Fire)
  7. The Smoke
  8. Same Flesh
  9. Brother Moon
  10. Empty Opening
  11. Death Of A King

Einherjer (Ice Rink)

(Raphi) Im Ice Rink treten Einherjer kurz vor Mitternacht ihr zweites Set an. Zuschauer sind nur sehr wenige erschienen und die Miniarena ist fast leer. Das Set besteht diesmal rund zur Hälfte aus Songs vom aktuellen Album „Av oss, for oss“. Das Publikum macht mit spürbar mehr Energie mit als am ersten Konzert und auch die Band scheint sich auf der grösseren Bühne um einiges mehr zuhause zu fühlen. Frode schmückt seine Ansagen aus und der noch nicht lange zur Band gestossene Gitarrist Ole Sønstabø grinst bei seinen Solos immer mal wieder zufrieden zu den Fans hinunter. Diese wissen zu schätzen, dass Klassiker wie „Odin Owns Ye All“ oder das epische „Far Far North“, welches ich zum ersten Mal höre, gespielt werden. Besonders letzteres Stück ist herausragend und zeigt, dass auch Aksel gut singen kann. Heute sind zudem die Samples gut hörbar, was vor allem bei „Iron Bound“ und „Berserkergang“ zum Tragen kommt. Auch sonst hat der Mischer seinen Job wirklich prima erledigt und einen schönen Sound kreiert. So wird der gelungene Auftritt von den Anwesenden mit lautem Applaus gewürdigt.

Grave Digger (Pool)

(Kaufi) Nachts um halb eins. Geisterstunde. Passende Zeit für die Totengräber. Zeit für Grave Digger. Zwar können sich die Deutschen nicht über den grössten Publikumsaufmarsch auf dem Pool Deck freuen, aber dafür über eine feierwütige Crowd. Chris und Co. geben dies auch gerne zurück und zeigen erneut eine bärenstarke Performance. Die neuen Songs „Healed By Metal“ und „Lawbreaker“ fügen sich tadellos ein in das Set, genauso wie „Free Forever“ und „Hallelujah“.

Eines wird mir jedoch immer wieder ein Rätsel sein: Warum kleben sich Bands Setlists auf die Bühne, wenn sie sich dann doch nicht daranhalten? Ich habe mich extrem gefreut, als ich „Morgane Le Fey“ gelesen habe – welcher dann gegen „Hallelujah“ ausgetauscht wird. Schade! (pam: Tja, die gehen halt davon aus, dass die auch keiner als sie selber sehen…). Die wirklichen Highlights sind nämlich halt doch die Klassiker, hier freut mich dafür vor allem, dass „The Round Table (Forever)“ den Weg zurück ins Programm gefunden hat. Und mit dem abschliessenden Viererpack „Excalibur“ / „Highland Farewell“ / „Rebellion (The Clans Are Marching)“ / „Heavy Metal Breakdown“ können die Deutschen eh nix falsch machen. Beim letzten Song bildet sich auf dem klatschnassen Deck (im Whirlpool wird heftig geplantscht) sogar ein Moshpit… Zu Powermetal. Naja.

Um halb zwei Uhr morgens ist Schluss, die Totengräber verlassen unter verdientem Applaus nach einem erneut starken Auftritt die Bühne, meine Stimme ist (wieder einmal) zur Sau, Bier mag ich auch keines mehr. Also mal etwas schlafen, am Sonntag geht’s ja bereits wieder früh los.

Fotos Grave Digger (Kaufi)

Setliste Grave Digger

  1. Healed By Metal
  2. Lawbreaker
  3. The Round Table (Forever)
  4. Witch Hunter
  5. Season Of The Witch
  6. Free Forever
  7. Tattooed Rider
  8. Hallelujah
  9. Excalibur
  10. Highland Farewell
  11. Rebellion (The Clans Are Marching)
  12. Heavy Metal Breakdown

 

Tag 4 – Sonntag, 5. Februar 2017

(Kaufi) Es ist Sonntag. Super Bowl Sunday. Für die NFL Fans (davon hat’s verständlicherweise einige an Bord) ein Feiertag. Aber das ist dann erst am Abend in einer Bar ein Thema. Dafür hat offenbar die Fasnacht bereits angefangen. Man kann mir wieder „mümümü“ vorwerfen – aber warum die Leute an einem gottverdammten METAL FESTIVAL kostümiert rumrennen müssen, wird sich mir nie erschliessen. Naja, am besten irgendwie ignorieren. Und sich aufs Wesentliche konzentrieren: Musik!

(Pam) Da sind wir bekanntlichermassen gleicher Meinung. Doch ich muss sagen, ich hab’s mir nach den vielen Aufrufen im Netz zum Costume Day schlimmer vorgestellt. Der kleine Bub im Spiderman-Kostüm tat mir sogar leid, weil er sich schon etwas verloren vorkam. Und die, die eher fantasymässig unterwegs waren, passten irgendwie sogar zum ganzen Soundtrack.

Doch was mich eher „stört“ ist der Fakt, dass heute schon wieder der letzte Tag der Cruise ist. Ich sag’s immer wieder: Es gibt einen negativen Aspekt der 70’000 Tons of Metal: Sie ist zu kurz! Eine Woche wäre perfekt. Aber eben, bekanntlichermassen würde sich das dann alles unverhältnismässig verteuern – beteuert man mir immer wieder von offizieller Seite. Janu, nicht Trübsal blasen, sondern den letzten Tagen auf hoher See mit geilsten Bands und Leuten nochmals Vollgas geniessen!

Stimmungsbilder Tag 4 (pam/Kaufi)

Axxis (Pool)

(Kaufi) Gute Laune Mucke am frühen Morgen. Axxis sind die Ersten, die heute unter freiem Himmel auftreten dürfen. Bernie Weiss und seine Truppe schaffen es, dass sich der anfangs doch eher leere Bereich vor der Pool Stage recht rasch füllt. Die Mucke macht einfach Spass und vor allem Bernie ist halt in der Tat ein Fronter, der weiss, wie man die Leute abholt!

Grundsätzlich bin ich zwar der Meinung, dass speziell gestandene Bands hier ihre beiden Konzerte unterschiedlich gestalten sollten. Material ist in den meisten Fällen ja genügend vorhanden. Doch bei Axxis macht es irgendwie schon Sinn, dass sie sich erneut auf ihr Best Of Programm verlassen.  Bernie macht bei „Touch The Rainbow“ wieder einen Glücksgriff: sein Gast aus dem Publikum entpuppt sich als Brasilianerin mit entsprechendem Rhythmusgefühl! Mit dem starken „Kingdom Of The Night“ beenden die Deutschen auch heute ihr Set und werden von den Frühaufstehern zurecht kräftig gefeiert.

(Pam) Wie schon erwähnt: Eine grössere Plaudertasche als Bernie gibt’s nicht. Da müssten zwei Joakims und drei Joey de Mayos angekarrt werden. OK, bei Letzterem habe ich jetzt leicht übertrieben. Aber zum Zmorge sind Axxis auch die perfekte leichte Kost. Vor allem da es heute bereits um 10 Uhr morgens ziemlich heiss unter der glühenden Sonne ist.

Fotos Axxis (Kaufi/pam)

Setliste Axxis

  1. Blood Angel
  2. Tales Of Glory Island
  3. Heavy Rain
  4. Little War
  5. Touch The Rainbow
  6. Living In A World
  7. Little Look Back
  8. Kingdom Of The Night

Serenity (Ice Rink)

(pam). Bei diesen hohen Temperaturen passt es doch grad, sich im Ice-Rink abzukühlen. Wenn wir schon beim Zmorge sind, die Österreicher nehmen sich bzw. die Spielzeit zu relativ früher Stunde aufs Mehrkorn. Sie stellen sich als die offizielle Frühstücks-Band vor (scheinbar sind sie so am ersten Konzert von den Fans bezeichnet worden – siehe Review von Raphi am Tag 1). Sänger Georg Neuhauser – der Schinken – stellt seine Mitmusiker mit Donut, Muffin & Co. vor. So sprechen sie sich während dem Konzert auch an. Sie machen aber nicht nur Österreicherwitze, sondern überzeugen auch mit einem engagierten Auftritt und ganz coolem Sound. Sie wissen mit einem Mix zwischen Power- und Symphonic Metal zu überzeugen. Während ich mir das so notiere, frage ich mich, wo ist eigentlich Kaufi? Das wäre doch sein Sound. Ah, glaub im Interview mit Orden Ogan? (Kaufi: Könnte sein…)

Vor allem der Schinken gibt mit seinem Dompteuren-Joppen (-Kittel) ganz schön Gas. Seine gute Stimme erinnert mit dem Näseln ein bisschen an Tony Kakko von Sonata Arctica. Er soll auch später am heutigen Tag an der Jam-Session nochmals überzeugen. Dabei hatten die Österreicher Bands viel Pech zu beklagen, sowohl Serenity als auch Edenbridge hatten Probleme mit der Anreise. Bei Edenbridge blieben die Gitarren in London Heathrow hängen, so dass sie sich welche von Haggard und Revocation ausleihen mussten. Was genau das Problem bei Serenity war ist irgendwo in meinen grauen Hirnzellen untergetaucht … aber gut hat man starke Gastschreiber … Raphi weiss da bestens Bescheid, siehe Review Tag 1.

Zu Abschluss stellen sich Serenity nochmals als offizielle Breakfast-Band vor. Basser Fabio D’Amore stellt die Frage ans Publikum ob es ein gutes Frühstück sei. Georg meint dann: „The best they ever had!“ Mit diesem Superlativ kommen sie dann richtig in Fahrt. Sie stellen sich jetzt vor, als sei es Abend auf dem Pooldeck und nach 70’000 Tons Of Metal werden sie auch Wacken headlinen. Na ja, man darf ja auch träumen und gerne etwas angeben. Und Selbstironie kommt immer gut an.

Der letzte Song hätte perfekt auf die ersten vier Metal-Cruises gepasst, als die 70K Tons noch auf der Majesty unterwegs waren. Genau, der Song heisst … „Majesty“ :-).

Fotos Serenity (pam)

(pam) Auf dem Weg wieder hoch in die warme Karibikluft begegne ich einmal mehr den Leuten von Saltatio Mortis. Die Jungs und insbesondere den Sänger Jörg Roth aka Alea der Bescheidene sieht man fast gleich oft oder noch öfter als der omnipräsente Jeff Waters. Auch Joey Belladonna läuft mir regelmässig über den Weg. Schon immer spannend, wie man mit gewissen Leuten einfach den gleichen Rhythmus hat und immer wieder sieht, während man andere auf diesem Riesendampfer kaum einmal zu Gesicht bekommt.

Amaranthe (Pool)

(pam) Ich schau bei der zweiten Show von Amaranthe vorbei. Und dieses Mal ist der Gesang der Dame von Anfang an gut. Wiederum gute Show, wenn einfach diese lästigen Techno-Beats bei ein paar der neusten Songs nicht wären. Ich mag es ja bombastisch, melodiös und gerne auch mal etwas kitschig. Da passt Amaranthe soweit gut zu meinem Beuteschema. Einfach sobald ich einen Technobeat höre, suche ich seit ich Rennen kann das Weite. Schön aber die Ansage von Elize Ryd (Sängerin), dass sie zum ersten Mal auf der 70K Cruise seien. Sie wurden (von den Fans) oft gefragt, wann sie auf diesem exklusiven Festival auf hoher See mal spielen werden. „Finally, we are here!“ Und sie geniessen es, denn wir seien ja alles Metalheads und so eine Familie. Schön, dass solche Aussagen auch von „modernen“ Metal-Bands kommen und das Community-Feeling unabhängig der zig-verschiedenen Metal-Genres ist.

Fotos Amaranthe (pam)

Belly Flop Contest

(Kaufi) Keine Termine. Zum ersten Mal habe ich über die Mittagszeit am letzten Tag keine Konzerte, keine Interviews (das mit Orden Ogan ist bereits im Kasten) – nix. Also habe ich auch das erste Mal Zeit, den mittlerweile legendären Belly Flop Contest mal anzusehen. Massige Männer, zierliche Frauen und sogar Kinder messen sich im Bauchplatschen in den Pool, unter den Augen einer fachkundigen Jury: Bandmitglieder von Grave Digger, Xandria, Orphaned Land, Saltatio Mortis, Angra, Ghost Ship Octavius, Psycroptic und Scar Symmetry sitzen nahe am Wasser, bereit ihre strengen Urteile zu fällen. Auf der gegenüberliegenden Seite stehen die Poolgirls bereit, um den Teilnehmern die Badetücher zu reichen…

Unter dem Jubel der zahlreich anwesenden Zuschauern springen die Teilnehmer mehr oder weniger (eher weniger…) elegant in den Pool und verursachen je nachdem im kleineren oder grösseren Umkreis für Abkühlung durch herumspritzendes Wasser. Ich muss meine Kamera jedenfalls des Öfteren vor dem Splash schützen… Die drei Erstplatzierten geniessen zum Ende noch eine Champagnerdusche mit den Juroren, einzig Chris von Grave Digger flüchtet da aus der Gefahrenzone…

Fotos Belly Flop Contest (Kaufi)

Unleashed (Pool)

(Kaufi) Nach dem Contest normalisiert sich das Leben auf dem Pool Deck wieder recht rasch, und da bandmässig nichts Gescheites los ist: ab ins Wasser! Am frühen Nachmittag schnappe ich mir die Kamera und gehe mal in den Graben bei Unleashed, welche ihren Death Metal in die Menge prügeln. Das mache ich – man möge es mir verzeihen – nicht sehr lange mit. Ab ins Theater zum All Star Jam!

Fotos Unleashed (Kaufi!)

(Pam) Halt, so ganz nichts los ist auch nicht.

Manegarm (Theater)

(pam) Ich geb’s zu, dieses Jahr habe ich bei mir unbekannten Bands im Line-up kaum vorher reingehört, um eventuell die eine oder andere Band auf der Cruise zusätzlich in meine Running Order aufzunehmen. Es waren für mich schlicht schon genügend mir bekannte Bands, die ich unbedingt hören wollte. Manegarm war eine der wenigen Ausnahmen, bei welchen ich vorher mal auf YouTube reingeschaut habe. Ich hatte vorher noch nie von dieser Band gehört. Da scheine ich eine Lücke zu haben, denn immerhin weisen der deren Videos über eine Million Views auf. Und ja, der Mix zwischen Amon Amarth und Ensiferum kommt bei mir ab Konserve schon mal gut an. Viking Metal halt. Das Theater ist für die Mittagszeit gut gefüllt. Die Show und Sound der Schweden scheint OK (gewesen) zu sein. Weder Top noch Flop … Denn ich machte mir keinen weiteren Notizen… Raphi, hast du da mehr zu berichten?

(Raphi) Ja, nachdem sie die Pyramid Lounge gerockt haben, bin ich gespannt, ob Månegarm im Alhambra Theater mit der angekündigten veränderten Setlist eine Wiederholung glücken würde. Der Publikumsaufmarsch ist allerdings zu Beginn eher bescheiden. (Kaufi: Wie war das jetzt grad wieder mit den Wahrnehmungen? Stichwort Kamelot… 😉  – pam: Alles ein Frage der Relation … «für die Mittagszeit gut gefüllt» 😉) Dennoch legt sich das Quartett mit „Blodörn“ gleich richtig ins Zeug und wieder kommen wir in den Genuss eines absolut sauberen Sounds. Erik kann sich diesmal das Schmunzeln noch weniger lange verkneifen und unterhält das Publikum trotz erkennbarem Sonnenbrand bestens mit seinen Ansagen („Haiti? Very nice place! But you know, four swedisch idiots in the sun…“). Nach „Tagen Av Daga“ wird dann die akustische Gitarre ausgepackt und „Eld“ und „Segervisa“ zum Besten gegeben. Das Publikum geniesst auch diese ruhigen Stücke sichtlich und singt mit soweit es die schwedischen Texte zulassen. Schlagzeuger Jacob Hallegren trommelt uns wieder in Bewegung als die Band „Fimbultrollet“ anstimmt. „Odin Owns Ye All“ mit dem herrlichen Gitarrensolo von Markus Andé wird erneut gespielt und vom Publikum frenetisch gefeiert. Auch das zweite Set wird schliesslich von der Kombination „Hemfärd“ / „Vinternattskväde“ beschlossen. Erik stellt als Antwort auf die Forderung nach mehr immerhin noch ein gemeinsames Bier in Aussicht bevor nach Konzertende die ganze Band sichtlich erschöpft aber sehr zufrieden den Fans am Bühnenrand bereitwillig Autogramme gibt, Plektren sowie Setlists verteilt und für das eine oder andere Foto bereitsteht.

Fazit: Die Wiederholung auf der grossen Bühne ist geglückt und die Band hat erneut ein hammermässiges Konzert bei glasklarem Sound geliefert. Die beiden Auftritte sind für mich ganz klar das Highlight der Reise.

Fotos Manegarm (pam)

Orphaned Land (Pool)

(pam) Nachdem ich den Belly Flop Contest der vollschlanken Traumkörper mit den obigen Konzerten elegant umgangen habe, bin ich zurück auf dem Pooldeck bei Orpahend Land’s zweitem Set. Und ich hab zu denen ja schon zu genug bei der ersten Show gesagt. Was es anzufügen gilt und nicht ganz irrelevant: Das ist die beste Show von Orphaned Land – die ich gesehen habe notabene – seit Jahren. Hab ich glaub schon bei der ersten Show geschrieben, aber sie toppen es nochmals. Ich habe jetzt definitiv ein Riesen- Flashback von meiner ersten 70K Cruise 2012, als ich die Israeli ebenfalls auf dem Pooldeck zum ersten Mal erlebte und lieben lernte.

(Raphi) Ein sehr lockerer und sympathischer Auftritt. Orphaned Land passt perfekt in die pralle Mittagssonne. Die ganze Show verströmt eine sehr entspannte Atmosphäre und die Bandmitglieder sind allesamt fröhlich gestimmt.

Fotos Orphaned Land (pam)

(pam) Doch jetzt wieder runter ins Theater zu einem weiteren Pflichttermin:

All Star Jam (Theater)

(Kaufi) Jeff Waters, Annihilator Mastermind, hat wieder diverse Musiker zusammengetrommelt, welche einen Stapel Metal Klassiker zum Besten geben. Als ich da antrabe, kreischt Blitz von Overkill gerade Judas Priest’s „Grinder“ ins volle Theater, begleitet unter anderem von Grave Digger’s Axel Ritt an der Gitarre. Mein Versuch in den Fotograben zu kommen scheitert – der ist voll. Aber Pam ist ja auch da, passt schon. Ich höre mir noch „I Wanna Be Somebody“ von W.A.S.P. an, gesungen von Georg Neuhauser von Serenity. Kollege Pete hat dann unfassbar Freude an der neuen Version von „Hammer Smashed Face“ von Cannibal Corpse, gesungen (….??) von John Gallagher von Dying Fetus. Öööhm…

Der Abschluss des Jam dürfte dafür für feuchte Höschen bei der gesamten Thrash Metal Welt sorgen. Der Song: „Metal Militia“ von Metallica. Ein wahrer Klassiker! Dargeboten von der Thrash Elite auf diesem Schiff: Testament stellen den Drummer, Gene Hoglan. Overkill liefern den Bass, D.D. Verni. Annihilator (Aaron Homma) und Anthrax (Scott Ian) stellen die Gitarren zur Verfügung. Und gesungen wird die Nummer von Mark Osegueada von Death Angel. Was für ein Line Up! Und die nehmen den Laden auch richtig auseinander – ein ganz geiler Abschluss!

(pam) Ja, jetzt könnte man sagen, diese Kurz-Review der All Star Jam Session – Jamming with Waters in international Waters – sollte reichen. Aber ich finde, da gehört noch ein bisschen Senf dazu; das darf ich ja als nicht Ost-Schweizer. (Kaufi: Pfui!) Die Jam Session hat auf der Cruise seit vielen Jahren Tradition. Sie ist durch eine der beiden ersten Cruises notorisch bekannten Karaoke-Nächten entsprungen. Jeff spielt den MC und koordiniert das Ganze – garniert jeden Auftritt mit ein paar Anekdoten zu den Musikerkollegen und zu den im Normalfall von ihm ausgewählten Song-Klassikern. Wie ich später im Gespräch mit Linnéa Vikström – Sängerin von Therion – erfahre, ist die Jam Session bei den Musikern durchaus begehrt. Sie zumindest hat sich schon im Oktober bei Jeff gemeldet, dass sie unbedingt dabei sein möchte und auch welche Songs sie gerne performen würde. Es ist also nicht ganz so spontan wie es scheint. Sie hatte schon im Dezember für diesen Auftritt geübt. Und die ganze Setliste mit den Musikern ist auch im handlichen Festival-Führer drin. Dieses Booklet – welches wir beim Boarden von den Pool Girls in die Hand gedrückt bekamen – mit allen Infos zum grössten Cruise-Festival, Bands etc. etc. ist übrigens eine sehr coole Sache. Das kannten wir auf der Majesty noch nicht.

Die Jam Session ist ein sehr cooler Event auf der Cruise, wenn man seine Helden mit anderen Helden zusammen Hardrock- und Metalklassiker performen sieht. Meist erlebt man diese dann in einem ganz anderen Licht, als man sie in deren Standardband kennt. Mehr dazu in der nachfolgenden Auflistung aller Songs die gespielt wurden. Einzig was gegenüber meiner letzten Jam Session auf der Majesty vor drei Jahren verloren hat, ist die Venue. Damals fand die Session in kleinerem, intimerem Rahmen statt. Da war man sogar einer Doro – die sich sonst nie auf dem Schiff als auf der Bühne zeigte – plötzlich sehr nah. Das Ganze wirkte viel spontaner, familiärer als jetzt auf der grossen Theater Bühne. Es ist jetzt mehr ein All Star Konzert als All Star Jam Session. Aber das geht wohl nicht anders, die Session wurde einfach zu gross. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf das was kommt:

Romeo Delight (Van Halen)

  • Vocals: Thomas Vikström – Therion
  • Drums: Fabio Alessandrini – Annihilator
  • Guitar: Jeff Waters – Annihilator
  • Bass: Russell Bergquist – Touch The Sun

Den Start macht der Host an der Gitarre persönlich und erwähnt dabei – wieder einmal – wie schwierig Van Halen’s „Romeo Delight“ zu spielen sei. Klar doch, dass der Meister dies selber in die Hand nimmt. Und trotz Gejammere spielt er das natürlich in seiner gewohnten Perfektion. Cool auch Thomas Vikström von Therion mal ganz anders zu hören – der erfahrene Opern-Sänger tut sich auch sehr gut als Hardrock Shouter.

War Pigs (Black Sabbath)

  • V: Lisa Cuthbert – Draconian und Elize Ryd – Amaranthe (Ersatz für Travis Ryan – Cattle Decapitation)
  • D: Fabio Alessandrini – Annihilator
  • G: Laura Christine – Zimmers Hole
  • G: Alex Skolnick – Testament (Ersatz für Pekka Kokko –Kalmah)
  • B: Russel Bergquist – Touch The Sun

Beim zweiten Song tauchen zum ersten Mal ein paar Musiker – aus mir unbekannten Gründen – nicht auf. Wie viel vorher Jeff und die Ersatzleute davon wussten, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber zumindest Lisa Cuthbert von Draconian muss die Texte teilweise ablesen. Entweder zu wenig geübt oder doch sehr spontan eingesprungen. Wie auch immer, sie sorgt auch für den ersten Hühnerhaut-Moment. Wow, die Lady hat eine gute Stimme, keine Frage, aber nochmals Wow, wie geil bringt die den Ozzy? So geil hat Ozzy selbst noch nie nach Ozzy getönt. Also sie tönt wie Ozzy, trifft einfach die Töne besser als das Original. Die Dame hat auch die tiefen Töne, mit sehr männlicher Stimme, extrem im Griff. Sie geht auch ganz schön ab auf der Bühne. Ab der 3. Strophe übernimmt Elize von Amaranthe. Auch sie bringt Ozzy geil rüber – so habe ich die ja noch nie gehört – und geht ebenfalls ab wie ein in Wodka getränktes Zäpfli. Das hätte ich den beiden nicht zugetraut. Schon vorweg, die beste Performance an der Jam Session 2017 – obwohl noch ein paar ganz coole Sachen im Köcher sind.

Stand Up And Shout (Dio)

  • V: Linnéa Vikström – Therion
  • D: Charlie Benante – Anthrax
  • G: Alex Skolnick – Testament
  • B: Steven Wussow – Xandria

Auch hier überzeugt vor allem die Lady am Mik. Das Linnéa singen kann, wissen wir ja schon zu Genüge von Therion. Aber auch sie geht extrem ab wie ein Huhn, das das Zäpfli geschluckt hat. Tja, sie hat gemäss eigener Aussage für diesen Moment auch geübt. Sie habe es schon immer geliebt, Dio zu singen. Witzig anzuschauen ist Charlie Benante von Anthrax an den Drums. Man hat zumindest optisch das Gefühl, als trommle er da einen Anthrax Song zu Dio. Unverkennbar sein Mosh-Beat – der kommt in der Tat ein bisschen rüber. Er gibt dem Song also eine ganz eigene Note. Was ich als Anthrax-Fan natürlich sehr cool finde.

Flying High Again (Ozzy Osbourne)

  • V: Lisa Cuthbert – Draconian
  • V: Elize Ryd – Amaranthe
  • D: Charlie Benante
  • G: Per Nilsson – Scar Symmetry
  • B: Steve Digiorgio – Testament

Wieder bezaubern die beiden Ladies mit Ozzy. Einfach nur der Hammer. Kaufi, da hast du was verpasst! Lisa mit der perfekten Ozzy-Stimme und Elize, die jetzt wohl das Poulet gegessen hat, immer noch im Vollgas-Modus. Eine Augen- und Ohrenweide die beiden. So geht Rock n‘ Roll (ab).

Riff Raff (AC/DC)

  • V: Marc Osegueda – Death Angel
  • D: Will Carroll – Death Angel
  • G: Alex Skolnick – Testament
  • G: Jeff Waters – Annihilator
  • B: Fabio D’Amore – Serenity

«Riff Raff» – einer der geilsten AC-Songs und seit Axl auf Tour Brian ersetzte auch wieder auf der Setliste der grössten Hardrock Band aller Zeiten. Doch bevor es mit diesem Highspeed-Rock n‘ Roller losgeht, jammen die Gitarristen noch ein bisschen rum bis sie beim Riff von «Hells Bells» landen. Marc Osegueda stimmt sogleich ein. Seine Stimme passt perfekt zu diesem typischen Brian Johnson Song. Doch er soll ja jetzt einen von Bon Scott bringen. Er bleibt dabei jedoch dem Stil von Brian Johnson treu. Warum auch nicht. Aber wäre wohl cooler gewesen, wenn sie Hells Bells durchgezogen hätten. Anyway, passt alles … bis auf den fehlenden Duck-Walk von Angus – Jeff macht ja eigentlich bei Annihilator einen ähnlichen Move – und vor allem bis aufs Publikum, die sind grad sehr lahm. Hey Leute, das ist ein fuckin‘ AC-Song, da kann man nicht einfach so stillstehen und nur schauen. Ich nerv grad die anderen Fotografen im Graben, weil ich kann bei Riff Raff definitiv nicht stillstehen. Tut mir leid.

The Trooper (Iron Maiden)

  • V: Thomas Vikström
  • D: Will Carroll – Death Angel
  • G: Philip Restemeier – Xandria
  • G: Alex Ritt – Grave Digger
  • B: Frank Bello – Anthrax

Dieser Klassiker kann, nein muss nur gut kommen. Ausserdem steh Philip von Xandria ganz stilecht mit Maiden-Bermuda-Shorts auf der Bühne … Mein neben Cliff B. selig «most favorite bassplayer» – Frank Bello von Anthrax – versucht beim Stage Acting gar nicht erst auf Steve Harris zu machen. Zu geil ist sein eigener Still.

Wasted (Def Leppard)

  • V: Linnéa Vikström – Therion
  • D: Van Williams – Ghost Ship Octavius
  • G: Rich Ward – Stuck Mojo
  • G: Eric Peterson – Testament
  • B: Fabio D’Amore – Serenity

Vater Thomas übergibt das Mik Tochter Linnéa, während Jeff Eric Peterson von Testament seine Ehre erweist. Er sei für ihn damals eine grosse Riffinspiration gewesen. Das ist doch schön, alle sind lieb miteinander und tun auch schon gegenseitig Schulterklopfen. Jeff erzählt dann auch noch eine nicht ganz jugendfreie Anekdote. So soll Eric Jeff auf einer gemeinsamen Tour beim Schäferstündchen mit einem Groupie in flagranti erwischt haben und diesen dann so ziemlich zusammengestaucht haben. Was er für ein Idiot er sei, ohne Gummi mit einem Groupie zu penetrieren. Nun, das war Ende 80er … da war das noch kaum Thema, aber ein alter Hase (das Sprichwort passt ja hier wie die Faust aufs Auge, hehe) wie Eric wusste natürlich, dass das Groupie auch noch bei anderen Musikern im Bett landen wird.

Zurück zu Linnéa. Halleluja, welche Tarantel hat den jetzt die schwedische Sopranistin gestochen? Und by the way, wenn sie abgeht, schreibt auch keiner drüber was sie trägt. Gut, das ist jetzt mehr oder weniger einfach neutral gehalten. Geht doch. Was jetzt aber nicht heisst, dass ich hier ihre Stimme geiler als bei Therion in den klassischen Tönen finde. Das tue ich nämlich nicht, trotz allem rotzigen Gerocke. Aber anyway, geile Show. So soll es sein, wenn man seine Symphonic- oder auch Thrash Metal-Helden mal ganz anders erlebt. Denn am Ende des Tages sind wir ja alle Fans – ob Musiker oder Fan.

Grinder (Judas Priest)

  • V: Bobby «Blitz» Ellsworth – Overkill
  • D: Van Williams – Ghost Ship Octavius
  • G: Eric Peterson – Testament
  • G: Axel Ritt – Grave Digger
  • B: Rich Hinks – Annihilator

So, jetzt ist endlich auch Kaufi angekommen … siehe oben Einleitung zur Jam Session. Und Kaufi, wenn da Judas Priest steht, dann kann eigentlich nur einer dafür in Frage kommen … Bobby Blitz! Passt doch. Welche Kreischtante käme da sonst für Rob «Metal-God» Halford in Frage?

Killed By Death (Motörhead)

  • V: Lisa Cuthbert – Draconian
  • V: Elize Ryd – Amaranthe
  • D: Janne Kusmin – Kalmah
  • G: Esa Holopainen – Amorphis
  • B: Steven Wussow – Xandria

Ist jetzt noch jemand überrascht, dass hier wieder die beiden Ladies von Draconian und Amaranthe zusammen antraben? Nun, aufgrund dem bisher dargebotenen sind meine Erwartungen schon sehr hoch. Leider dieses Mal zu hoch. Lisa, die bisher die perfekte Männerstimme imitierte, bringt Lemmy eher schwach. Da hätte ich ihr mehr zugetraut. Und was jetzt wirklich ein bisschen enttäuschend ist, dass sie den Text überhaupt nicht im Griff hat. Sie verpasst einen grossen Teil der Strophe und der Kopf ist mehr nach unten auf die Textvorlage als zu uns gerichtet. Da hätte die Gute doch ein bisschen mehr üben sollen. Elize kickt sich wortwörtlich wie gehabt durch den Song – da müssen die Jungs an den Saiten aufpassen, nicht von der Bühne bugsiert zu werden – kommt aber gesanglich auch nicht an die Songs zuvor ran. Lemmy war wohl doch eine zu grosse Herausforderung für die beiden. Bevor jetzt jemand schreit, dass es ja um den Spass geht und nicht 100% Gesangsleistung, dem geb ich recht. Wir wurden jedoch bisher schlicht zu fest verwöhnt, dass dies jetzt halt grad ein bisschen abfällt. (Kaufi: Einer der wenigen Motörhead Songs, den ich wirklich mag. Ist aber irgendwie an mir vorbei – hatte wohl zu sehr zu kämpfen auf meinem vergeblichen Weg zum Fotograben und wieder zurück…)

I Wanna Be Somebody (W.A.S.P.)

  • V: Georg Neuhauser – Serenity
  • D: Gerit Lamm – Xandria
  • G: Rich Ward – Stuck Mojo
  • G: Esa Holopainen – Amorphis
  • B: Steve Digiorgio – Testament

Georg Neuheuser am Mik – aka Bacon von der Breakfast Band – haut auch hier eine Hammerperformance hin. Er gibt alles und steckt dabei auch seine Musikerkollegen an. Eine der geilsten Performances an der heutigen Jam Session. Ich bin zwar am Frühstück nicht so scharf drauf, aber auf der Bühne finde ich am Speck immer mehr meinen Gefallen.

Hammer Smashed Face (Cannibal Corpse)

  • V: John Gallagher – Dying Fetus
  • D: Gene Hoglan – Testament
  • G: Terrance Hobbs – Suffocation
  • G: Ben Ash – Carcass
  • B: Aaron Homma – Annihilator

Auf vielfältigen Wunsch wird heute auch mal was Deftigeres gejammed. Jeff fragte dabei seinen Gitarristen Aaron Homma, welcher Death Metal Song gespielt werden sollte – ein richtiger Klassiker halt … damit er hier «mitmachen» darf, greift Aaron zum 4-Saiter. Was sich da auf der Bühne versammelt, bringt das Schiff ins Wanken. Ein kleiner, na ja, nicht wirklich kleiner, sondern ein deftiger Stilbruch zum Bisherigen. Aber passt. Auch wenn es schon spezieller ist, wenn die harten Jungs soften Hardrock jammen, als das, was sie sonst schon tun. Nichtsdestotrotz, haben alle ein fettes Smile drauf, bei diesem Geprügle – zumindest auf der Bühne. Kaufi wohl weniger.

Metal Militia (Metallica)

  • V: Mark Osegueda – Death Angel
  • D: Gene Hoglan – Testament
  • G: Aaron Homma – Annihilator
  • G: Scott Ian – Anthrax
  • B: DD Verni – Overkill

Kaufi hat es angedeutet. Das Highlight für Thrasher wie mich kommt zum Schluss. Zu Metallica’s Speed-Granate steht die Crème de la Crème der Thrasher auf der Bühne. DAS ist DIE ALL STAR Band der Cruise 2017! Schön, dass dies Kollege Kaufi auch so sieht. Dazu kommt der Songs selbst, denn ich von Metallica selbst, wenn überhaupt jemals, seit Jahrzehnten nie (mehr) live hörte. Nebst „Whiplash“ gehörte „Metal Militia“ lange zu meinen Lieblings-Metallica-Songs, Ich weiss zwar nicht, ob meine Höschen nass sind (Kaufi: Kontrollgriff??), meine Augen sind aber definitiv feucht. Und ich bin überzeugt, dass dieser Moment auch für die gestandenen Musiker auf der Bühne ein Highlight ihrer Karriere ist.

Zwei Monate später in einem Interview erzählt mir Scott Ian, dass Jeff ihm dem Song zuteilte. Und er war ganz zufrieden damit, da er diesen schon kannte und nicht mehr wirklich üben musste.

Nicht nur ich verlasse das Theater mit einem fetten Smile. Danke Jeff! Das war wieder mal ganz geil!

Fotos All Star-Jam (pam)

Nightmare (Ice Rink)

(Kaufi) Jetzt aber sofort in den Ice Rink! Die französischen Power Metaller Nightmare habe ich am ersten Tag leider ja verpasst, dies soll mir kein zweites Mal passieren.

Nightmare existieren mit Unterbrüchen bereits seit dem Ende der 70er Jahre. Das erste Mal auf sie aufmerksam geworden bin ich allerdings erst 2013 – auf der 70‘000 Tons of Metal Cruise! Mittlerweile hat sich die Band allerdings wieder verändert, am Mikrofon steht jetzt mit Maggy Luyten eine Frau, die 2015 Jo Amore ersetzte.

Power Metal mit Frauengesang wird jetzt also gespielt. Und Luyten macht das richtig gut und legt einen engagierten Auftritt hin. Sie animiert das Publikum immer wieder zum Mitsingen und mitklatschen, obwohl eher wenig Leute hier sind. Doch die haben ihren Spass mit dieser Show, das ist ja dann auch die Hauptsache! Ich hingegen verpasse das Ende erneut. Ich darf noch in die unsägliche Pyramid Lounge jetzt, während Pam an der Pressekonferenz hört, was der Skipper für News hat.

Fotos NIghtmare (Kaufi)

Setliste Nightmare

  1. Infected
  2. Of Sleepless Minds
  3. Tangled In The Roots
  4. Red Marble & Gold
  5. Ikarus
  6. Indifference
  7. Dead Sun
  8. Serpentine
  9. Starry Skies Gone Black

Presse-Konferenz

(Pam) Danke Kaufi für den Reminder, dass jetzt die Pressekonferenz stattfindet (oder stattgefunden hat – ich habe dies grad versucht aus meinen Notizen herauszulesen). Alles klar, somit befinde ich mich jetzt zwar in der Vergangenheit als ich das schreibe, aber in der Gegenwart an der Pressekonferenz über das was ich schreibe. Alles klar?

Und was teilen uns meinen Notizen davon mit? Nun, da ich wie jedes Mal auf den Beginn warte, habe ich schon mal das Fazit der Cruise 2017 geschrieben. Aber das kommt dann erst am Ende dieser längsten Review der Welt. Bleiben wir schön der Reihe nach. Was steht da noch? Ah ja, sinngemäss: Die 70’000 Tons of Metal Cruise ist im Allgemeinen hervorragend organisiert, vor allem wenn man bedenkt, welche logistische Meisterleistung dahintersteckt. Innert weniger Stunden ein stinknormales – wenn auch sehr grosses – Kreuzfahrtschiff in ein Metal-Festival zu verwandeln, ist schon nicht ganz ohne. Trotz allem Gestänker klappt das auch immer sehr gut. Dieses Jahr noch besser, weil gemäss dem Skipper grössere Kränen im Einsatz waren. Man lernt auch dazu. Aber was ich nicht verstehe, warum wie immer die Pressekonferenz – zumindest die paar Mal wo ich teilnahm – ohne Angaben von Gründen um rund eine halbe Stunde verspätet anfängt. Es ist ja schliesslich ein Schweizer der die Cruise organisiert und es sind auch alle schon lange da. Anyway, vielleicht auch mal gut, ein paar Minuten runterzufahren. Das mach ich jetzt gerade.

So jetzt aber. Traditionellerweise darf wie immer zuerst der Captain ein bisschen was erzählen und dann Fragen beantworten. Bisher waren es meist skandinavische Seemänner aus dem Bilderbuch – einmal war es glaub eine Seefrau, wenn ich mich grad richtig erinnere. Das Jahr ist es der Kroate Iv (das ist sein Vorname und nicht seine vierte Ausgabe) Vidos, der uns sicher durch die karibischen Gewässer tuckert. Und ohne jetzt gross Klischees zu bemühen, aber der Funke springt da nicht so rüber. Seine Antworten sind sehr neutral und kaum persönlich und auch nicht emotional angehaucht. Wir wissen jetzt einmal mehr, dass 70’000 Tons Of Metal „One of the biggest Events“ für die Reederei Royal Carribean ist. Und noch spannender wie immer die Fragen zum Alkoholkonsum. Auch hier waren die Vorgänger viel offener mit Zahlen als Iv. Nun, er lässt sich zumindest so viel entlocken, dass sie zu wenig Leute haben, um die Bierflaschen und -Dosen zu „crushen“ (zerdrücken/-splittern). Drum machen sie das dann erst nach der Cruise. Weil die Reederei gut zur Umwelt schaut, machen sie das. Das soll doch auch erwähnt sein. Als wenn ich das nicht erwarten dürfte. Aber ja, ich weiss, ich bin im Amiland, wo die Klimaerwärmung, wenn überhaupt, dann von Gott gemacht ist.

Nun, genug Rumgeplänkel, jetzt ist unser hoch geschätzter Skipper Andy Piller dran, nachdem wir es bei Iv mit Fragen aufgegeben haben. Die Antworten werden immer nichtssagender. Andy ist da schon viel offener und wie immer auch sehr ehrlich.

Zuerst gibt’s auch von ihm wie gewohnt ein paar Fakten zur diesjährigen Cruise. Diese sei zum 7. Mal ausverkauft. Gut, wie immer ein, zwei Tage vor Abfahrt. Honi soit qui mal y pense ;-). (Kaufi: Hääh?? – pam: Google gibt Rat) Keine Frage, der Erfolg gibt Andy recht in allem was er sagt und tut. Dies nachdem er vor zehn Jahren auf seinem Balkon in Vancouver als ehemaliger Tourmanager die Idee zur Metal-Cruise hatte und von keinem wirklich ernstgenommen wurde. Heute sind Metalheads aus inzwischen schon 74 (!) Nationen an Board. Nicht für wenige von diesen hat Andy schon einen Heiligenstatus. Zumindest den Friedensnobelpreis hätte er verdient. Wo kommen schon 74 Nationen – zum Teil aus Ländern die sich im gegenseitigen Kriege befinden – zusammen und feiern mit nicht wenig Alkohol vier Tage lang friedlich ein Fest für den Metal, für die Musik, für die gemeinsam gelebte Leidenschaft. Übrigens, bisher gab es auf den sieben Ausgaben plus die «Barge From Hell» noch nie eine Schlägerei oder allgemein Probleme mit Gewalt. Halt, doch letztes Jahr. Da musste scheinbar ein Paar (sic!), das sich nicht mehr so toll fand, in getrennte Kabinen untergebracht werden. Das war’s dann auch schon. Sorry Boulevard, leider keine Schlägereien auf einer Metal Cruise.

Gut, weiter mit Zahlen und Fakten. Es sind total 5’448 Leute an Board. Davon nebst den 3’022 „Fans“ und 1’445 der Schiffscrew 981 Musiker und deren Crew. Bei 60 Bands also rund 300 Musiker. Und diese Fan-Ratio von 1:10 war Andy von Anfang wichtig. Auf der Majesty waren es ja 40 Bands mit rund 200 Musikern und 2’000 Fans. Darum war für ihn klar, dass er auf dem doppelt so grossen Schiff mit 50% mehr Passagieren, auch dementsprechend mehr Bands haben müsste, damit die Ratio bleibt. Nebst dieser ist es ihm auch wichtig, dass es keinen VIP Bereich gibt, denn jeder auf dem Schiff soll ein VIP sein. Es gäbe zwar immer wieder Bands die danach fordern, was Andy bisher nie eingegangen ist. Und drum wird es auch nie ganz grosse Acts wie Metallica oder Maiden geben, weil das Konzept dann nicht mehr aufgeht. Die Leute sollen wegen dem ganzen Drumherum und gesamten Line-up kommen und nicht nur wegen einer Band. Dafür verdient Andy mein grösster Respekt, dass er solchen Versuchungen nicht erliegt.

Er verrät uns traditionellerweise an der Pressekonferenz ebenfalls, wann und wohin die nächste 70’000 Tons Of Metal Cruise fahren wird. Dies verkündet er dann ebenfalls der Tradition entsprechend auch später beim «Skipper’s Thank you» nach dem letzten Konzert auf der Poolbühne. Und auf vielseitigem Wunsch geht’s wieder nach Grand Turk wie 2013. (Kaufi! YES!) Das war der bisher wohl schönste Stopp. Der wunderschöne Sandstrand mit türkisblauem Meer ist nah beim Schiff. Sehr gemütlich. Sehr cool. Und es wird wieder das erste Februar Wochenende sein. Leider bleibt’s bei den «nur» 4 Tagen. Aber die Geschichte kennen wir ja schon zu Genüge, dass es dann für viele zu teuer werden würde etc. Ich bleib dabei, lieber – trotz Fan Ratio – weniger Bands (40) dafür eine ganze Woche. Eine Bühne weniger (Lounge) und dafür alles ein bisschen relaxter. Keine Frühstückskonzerte und auch keine morgens um 5 Uhr.

Übrigens, Kuba wird ja als Stopp auch immer wieder gewünscht. Doch für die vorhandene Infrastruktur auf der Sozi-Insel ist unser Dampfer schlicht zu gross. Darauf kommt dann auch die Frage – wie alle Jahre wieder – ob es auch mal eine 70K Cruise von ausserhalb Floridas oder der USA geben wird. Andy bleibt da einerseits wie immer offen, sag niemals nie, aber so lange es hier in Miami bzw. Fort Lauderdale gut klappt, gibt es für ihn verständlicherweise nichts zu ändern. Nun, Kalifornien wäre schon geiler als das Rentnerparadies Florida. Anyway, wir kommen natürlich unweigerlich auch auf Trump zu sprechen und da ist für Andy klar, wenn irgendwann mehrere Länder nicht mehr einreisen dürfen und somit viele Metalheads zu Hause bleiben müssten, dann wird es sicher ein Thema die USA als Abgangsort auszutauschen. Es gab dieses Jahr in der Tat ein paar wenige, die nicht einreisen konnten (Anm. vom Schreiber: Trump – der neue Präsident der USA – hat kurz vor der Cruise sechs willkürlich ausgewählte – muslimische – Länder auf eine Liste gesetzt, von welche man nicht mehr in die USA einreisen durfte). Fuck Politics! Long live Rock n’ Roll sag ich nur dazu.

Sehnsüchtig – auch der Kaufi löcherte mich vor der PK – warten einige auf die Länderhitparade. Klar, die USA mit Heimspiel sind (wieder) die Nr. 1. Sie wurden ja auch schon mal von den Deutschen von der Spitze verdrängt. Die sind die Nr. 2 vor Kanada. Und dann? Dann kommt tatsächlich die Schweiz mit ihren acht Millionen Einwohnern. Ich behaupte seit Jahren, dass wenn man die Bevölkerungsgrösse berücksichtigt, die Schweiz die Nr. 1 Nation wäre. Nun, ich bin jetzt aber nicht mehr so sicher, ob das wirklich (noch) stimmt. Denn an 5. Stelle folgt Finnland mit weniger Einwohnern als die Schweiz. Die weiteren Plätze in den Top 10 besetzen Schweden, Mexico, Kolumbien, Costa Rico und auf 10 Norwegen. Aber eigentlich ist auf der One-Metal-Nation-Cruise die einzelne Herkunftsnation egal.

Denn total sind es wie erwähnt 74 Länder, die auf der Cruise vertreten sind. Die Cruiser auf dem 340 Meter langen Schiff sind zwischen 5 und 78 Jahre alt. Davon sind 37% Frauen – keine schlechte Quote für ein Metal-Festival.

So genug der Zahlen. Ich frag dann noch auf Wunsch von Kaufi – und natürlich auch aus Eigeninteresse – ob das vor zwei Jahren geplante, doch wegen falschen Aufbau der Pool-Bühne abgesagte (die ersten Pool Shows mussten in den Ice Ring verlegt werden) Hockey-Turnier wieder mal eingeplant wird. Andy meint dann, das (das Hockey Turnier) war damals eine seiner spontanen Ideen gewesen und die «Stanley Cup-Size» Trophäe stehe immer noch bei ihm zu Hause und ja, sag niemals nie. Aber die Erfahrung zeigte halt auch, dass es gut ist, wenn man nicht jede Venue auf dem Schiff komplett verplant und so eben für solche Verschiebungen noch flexibel ist. Mal schauen, gut hatte ich dieses Jahr meine Schlittschuhe nicht eingepackt.

Man fragt auch, ob es auch mal offizielle Pre-Parties in Fort Lauderdale oder Miami Beach geben werde. Auch hier find ich die Einstellung vom Skipper sehr cool, in dem er dies wie bisher den Fans überlassen möchte. Die machen das auch gemäss seiner Aussage in der Tat bisher sehr gut, da braucht es nicht eine zusätzliche kommerzielle Geschichte. Einmal mehr Châpeau!, dass Andy der Versuchung wiedersteht, die Kuh mehr zu melken.

Zum Schluss noch die Info zur leidigen Merch Geschichte. Dieses Jahr hat man ja auf ein Ticketing-System gesetzt. Nur doof, dass man für diese Tickets bzw. Nummern dann auch anstehen musste … und was ich immer noch nicht verstehe, warum man die Shirts denn nicht vor dem Merch-Raum aufhänge/zeigt, dann würde wohl der eine oder andere etwas weniger lang brauchen oder gar nicht mehr reingehen, weil ihm/ihr gar nichts gefällt. Die Idee mit der Pre-Order vor der Cruise – von Kaufi – habe ich dann auch eingebracht. Nun hier ist das Problem, dass Andy möchte, dass immer alle Bands die wirklich auch auf der Cruise dabei sind, auf dem Backprint drauf sind. In diesem Jahr haben ja ein paar Tage vor Abfahrt Nile und Gojira abgesagt die wären dann halt auch drauf gewesen und Carcass als Ersatz nicht … drum werden die Shirts 24 Stunden vor Abfahrt erst gedruckt … Und wieder Mal ein Punkt für den Skipper. (Kaufi: maximal ein halber Punkt. Denn das Motiv ist ja auch vor dem Druck schon bekannt! Insofern wäre eine Vorbestellung dennoch möglich…) Dazu kommt, dass viele auch mit «fremden» Leuten die Kabine teilen und es heikel wäre, wenn dann einfach die bestellte Ware in der Kabine rumsteht. (Kaufi: Gut, das hat was…)

Nun, für alles gibt es eine Lösung. Die Nummern waren ein Fortschritt, aber ganz ehrlich, warum der ganze Fuzz? In Wacken hat es 80’000 Leute und nicht 30 Mal mehr Merchstände … Wieso muss man überhaupt einzeln und begleitet die Merch begutachten? Aber lassen wir das jetzt.

Genug «Technisches» zurück zum Metal. Kaufi, ich brauch Luft und hab Durst, darfst auch wieder Mal was schreiben.

Ah halt, ich habe doch noch was. Nach der PK spreche ich Andy noch auf Schweizerdeutsch drauf an, warum denn dieses ahr keine Schweizer Band dabei sei. Nun, nicht das man mich falsch versteht, mir es eigentlich egal von wo eine Band kommt, Hauptsache geiler Sound. Aber in der Vergangenheit war es halt so, dass meines Wissens immer mindestens zwei Schweizer Bands mit auf dem Boat waren. Teilweise auch unbekanntere oder auch wiedervereinigte (Coroner, Poltergeist). Somit ging ich davon aus, dass dies für Andy wie ein Must ist, dass auch seine Heimat bandmässig jeweils vertreten ist. Andy sieht das jedoch nicht so. Es war bisher scheinbar eher Zufall. Wäre Carcass nicht als Ersatz für Nile eingesprungen, hätte es z.B. auch keine britische Band auf der Cruise gehabt. OK, dann wäre das auch geklärt. Ich steck dem Andy aber noch, dass ich gerne mal Excelsis – die Emmentaler Drachentöter – auf der Cruise hätte … Nun, sie sollen sich bewerben. Andy gab mir auch einen Tipp wie es am erfolgversprechendsten ist … das «Wie» kann man gerne bei mir direkt nachfragen.

Nun aber hat Kaufi wieder mal das Wort.

Fotos Pressekonferenz (Pam)

Orden Ogan (Lounge)

(Kaufi) Nach dem furiosen Gig im Theater zur Mittagszeit vor zwei Tagen befürchte ich das Schlimmste. Orden Ogan müssen heute ihre zweite Show in der kleinesten Location des Schiffes bestreitet. Da wird der Laden wohl aus allen Nähten platzen…

Doch oha: weit gefehlt! Da sind jetzt deutlich weniger Leute anwesend, die Lounge ist alles andere als voll! An der Band kann das kaum liegen, ich denke eher, dass sich die Leute hier einfach keine Shows ansehen wollen. „Ansehen“ trifft ja eh nur auf die ersten zwei Reihen zu…

Mit etwas Verspätung beginnen die Sauerländer ihr zweites Set. Frontmann Seeb Levermann verzichtet daher auf allzu ausführliche Ansagen und Witzchen, die vier jassen einen Song nach dem anderen in die feiernde Menge. Denn trotz mieser Sicht lassen sich die Die Hard Fans das Fest nicht vermiesen.

Insgesamt ist das heutige Konzert zwar eine Spur schwächer als im Theater. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Musiker einfach etwas weniger locker sind als vorgestern. Aber dies mag den eher widrigen Umständen geschuldet sein. Und die Songs haben schlussendlich auch nichts von ihrer Qualität eingebüsst. Orden Ogan haben sich hier garantiert einige neue Fans abgeholt!

Fotos Orden Ogan (Kaufi)

Setliste Orden Ogan

  1. Orden Ogan (Intro)
  2. Ravenhead
  3. Here At The End Of The World
  4. We Are Pirates
  5. Deaf Among The Blind
  6. Sorrow Is Your Tale
  7. F.E.V.E.R.
  8. Things We Believe In

Pain (Theater)

(Kaufi) Pain ist mein nächster Programmpunkt im Theater. Moment – Pain? Auch nicht gerade meine Lieblingsband. Aber zumindest den „Same Old Song“ kenn ich und den find ich richtig gut. Also auch da: wieder einmal reinhören…

Der Lichtmensch im Alhambra macht dafür glaub’s Pause. Unfassbar, wie man eine Band (egal wie sie heisst) einfach dermassen im Dunkeln präsentieren kann. Das Licht ist mehr als nur mies, es ist unterirdisch, noch schlimmer als bei den meisten anderen Bands. Peter Tägtgren in Zwangsjacke und seiner Truppe ist das allerdings herzlich egal, als sie zu genau dem „Same Old Song“ in ihrem dreiviertelstündigen Set starten. Die Schweden können sich zudem ebenfalls über einen ordentlichen Zuschauerzuspruch freuen, das Theater ist erneut anständig gefüllt. Und in Reihe eins stehen offensichtlich einige Hardcore Fans der Band, eine Dame mit „Pain“-Tattoo und Dracula Gebiss präsentiert dann den Musikern (und den Kameras…) auch noch ihre gepiercte Oberweite… (siehe weiter oben „Stimmungsbilder“).

Soundmässig hatte ich Pain nicht in allerbester Erinnerung, aber mit „Dirty Woman“ folgt ein Song, der mir auch ziemlich ins Ohr geht. Im Nachhinein hätte ich vielleicht doch die ganze Show noch verfolgen sollen, es gab da anscheinend noch eine Einlage mit einem falschen Joakim Brodén, das soll noch spassig gewesen sein. Für die Unwissenden: Tägtgren ist Produzent von Sabaton… Pam, hast Du das allenfalls noch gesehen??

Avatarium (Lounge)

(Pam) Nope, ich bin in der Lounge bei den Schweden mit Dame an der Front. Ich kenn die Band nur vom Namen her und doch bin ich ziemlich überrascht, was mir da geboten wird. Die ausdrucksstarke Jennie-Ann Smith sieht nicht nur verdammt gut aus, sondern kann definitiv singen. Sie erinnert gesangsmässig an ihre Landsfrau Elin Larsson von Blues Pills. Aber irgendwie habe ich soundmässig was Anderes erwartet. Das ist mir definitiv zu lahm, zu doomig. Da schau ich lieber noch kurz bei Pain vorbei … aber die sind grad am letzten Song … Sorry Kaufi, da habe ich von Joakim auch nichts mitgekriegt.

Fotos Avatarium (pam)

Edenbridge (Ice Rink)

(Pam) Ich schau noch bei den Österreichern von Edenbridge vorbei. Ich krieg von denen haufenweise Newsletter zu geschickt, so dass ich mir die endlich mal anhören sollte. Und Symphonic Metal ist ja eigentlich meine Baustelle, auch wenn ich da schon sehr wählerisch bin. Ab Konserve soweit ja ganz OK, aber live, meine schlafenden Hühner, was ist das denn? Uui, sehr, sehr lahm. Tut mir leid, aber ist gar kein Pfupf dabei. Trotz allem Pech, das sie bei der Anreise hatten (siehe Serenity). Da begebe ich mich doch lieber vom Ice Rink zu Kaufi und nimm dort ein Bierchen …

(Raphi) Der Auftritt der österreichischen Symphonic Metal Band Edenbridge wird nur von wenigen Zuschauern verfolgt. Die Band ist mir kein Begriff, aber eine Hörprobe im Vorfeld weckte Interesse an der Musik. Was allerdings auf dem Album durchaus ansprechend war, funktioniert live irgendwie nicht. Die Sängerin Sabine Edelsbacher findet während des ersten Drittels nicht zum Rest der Band und liegt konsequent einen Halbton daneben (möglicherweise hört sie sich selbst zu wenig). Ebenfalls kann mich das Auftreten der Band nicht überzeugen, es liegt einfach zu wenig Energie in der Darbietung. Auch das Publikum lässt sich abgesehen von einer kleinen Schar kaum mitreissen

(pam) Da bin ich ja grad beruhigt, dass das Raphi so ziemlich gleich wahrgenommen hat wie ich. Schade, da hätten die Österreicher mehr aus dieser internationalen Plattform machen können.

Fotos Edenbridge (pam)

(Kaufi) Mittlerweile ist’s halb sieben, Zeit für die SuperBowl LI. In der Bar beim Ice Rink ist’s voll, Patriots Fans hier, ein paar Falcons Fans dort – und überall viele Leute, die einfach die Patriots verlieren sehen wollen. Unsportlich? Vielleicht. Aber Tom Brady und Bill Belichick gehören zweifellos nicht zu den beliebtesten Personen auf diesem Schiff… Und so stehe ich die meiste Zeit neben Overkill Gitarrist Derek Tailer, der ganz offensichtlich auch dieser Meinung ist… Da die Falcons führen verschwinde ich mal ins Theater. Schliesslich steht hier immer noch der Metal im Mittelpunkt…

Annihilator (Theater)

(Kaufi) Eine weitere Ladung Thrash Metal gefällig? Erstaunlich wenige Leute denken so! Das Alhambra war also bei einigen Bands deutlich stärker besucht. Und nur die SuperBowl als Ausrede kann nicht zählen. Da fragt man sich schon nach dem Grund, warum Annihilator hier fast verschmäht werden?

Jeff Waters ist zwar motiviert wie eh und je, aber irgendwie scheint irgendwas mit der Technik nicht zu stimmen. Nach fast jedem Song verziehen sich die Musiker hinter die Bühne. Und der Sound ist ebenfalls eine Katastrophe: viel zu laut, viel zu basslastig. Nein, heute überzeugen mich die Kanadier überhaupt nicht, das ist kein Vergleich zur furiosen Show auf dem Pool Deck vor zwei Jahren! Oder Pam – siehst Du das anders?

(Pam) Nope, das ist wirklich grottenschlecht, was uns da aus den Boxen zugemutet wird. Der Sound ist katastrophal und das ist für Annihilator-Verhältnisse noch untertrieben. Die Double-Bass-Salven überdröhnen alles. Viel zu viel Bass. Ich bin alles andere als verwöhnt mit einem starken Musikgehör, aber da staun ich schon, dass das ein Mischer nicht mitkriegt. Und auch die Band selbst, gut auf der Bühne kann es je nachdem perfekt sein, die hören ja nicht unbedingt das, was über die PA-Anlage kommt. Ui, wenn das der Jeff Waters wüsste. Da würden vor unseren Augen Köpfe rollen. Der wohl grösste Perfektionist im Thrash Metal … Bei Annihilator ist sonst der Sound immer perfekt, perfekter geht’s nicht. Das ist DIE Enttäuschung der Cruise 2017. Gut, vergessen und Konzert Nr. 1 auf dem Pool-Deck in Erinnerung rufen. (Kaufi: Verpasst. Ich erinnere mich daher an den Auftritt auf dem Pooldeck vor zwei Jahren…)

Fotos Annihilator (pam)

Setliste Annihilator

  1. King of the Kill
  2. Creepin’ Again
  3. Annihilator
  4. No Way Out
  5. Set the World on Fire
  6. W.T.Y.D.
  7. Alison Hell
  8. Brain Dance
  9. Phantasmagoria

Carcass (Pool)

(Pam) Da schau ich lieber bei den Briten von Carcass vorbei. Die ehemals Grindcore – geht für mich gar nicht – zu Melodic Death sich wandelnde Band, hatte meine Aufmerksamkeit vor drei Jahren auf der Cruise und später als Vorband von Amon Amarth erheischt. Technisch auf hohem Niveau gefällt mir das neuere Zeugs. Doch heute haben sie entweder ein älteres Set ausgepackt oder ich bin grad nicht so in der Death-Metal-Stimmung. Packt mich heute nicht so.

Krass aber der Moment – als ich im Fotograben stehe – bei dem ein Crowdsurfer im Rollstuhl (!) uns entgegenkommt! Die Security handelt die Situation aber perfekt, als wäre es das Normalste der Welt.

Bei oder trotz dem vielen Blut auf deren Operationsbildern – gut dieses Mal weniger als auch schon -hab ich Hunger. Buffet stürmen.

Fotos Carcass (pam)

Angra (Theater)

(Raphi) Der brasilianische Teil der kreuzfahrenden Metalheads versammelt sich am vierten Tag im Alhambra Theater, um dem Auftritt von Angra beizuwohnen. Die Band hat vor, heute das gesamte „Holy Land“ Album aufzuführen. Leadsänger Fabio Lione überzeugt gleich von Beginn weg und zeigt eine hervorragende Gesangsleistung. Besonders hervorzuheben ist auch das Bassspiel von Felipe Andreoli. Ganz grosse Klasse, was er hier zeigt und in den beiden Soloteilen kann er aus dem Vollen schöpfen. Den anwesenden Fans sagt der Auftritt augenscheinlich ebenfalls zu und es gibt sogar einen mutigen Crowdsurfer eingehüllt in eine Brasilienflagge. Leider ist die Gitarre im Gesamtsound zu leise und stellenweise schwer hörbar. Vor dem letzten Stück kündet Fabio an, dass sie die Ballade des Albums aufgrund der begrenzten Spielzeit auslassen und die Zuhörer ihnen dies „per favore“ nachsehen sollen. Viel lieber würden sie zum Abschluss nämlich „Nova Era“ spielen. Die Fans sind absolut einverstanden und geben zum Schluss nochmals alles, als hätten sie nur auf dieses eine Stück gewartet.

Touch The Sun (Ice Rink)

(Kaufi) Pause in der SuperBowl. Also mal gemütlich nebenan in den Ice Rink und auf das kanadische Trio Touch The Sun warten. Sicherlich eine bessere Wahl als Lady Gaga auf Grossbildschirm…

Sicher – hier steht eine unbekannte Band auf der Bühne. Aber als zu Beginn handgezählt gerade mal 18 Leute am Bühnenrand stehen, bin ich schon etwas erstaunt! Zwar kommen nach und nach noch ein paar weitere Zuschauer hereinspaziert, dennoch ist dies die mit Abstand kleinste Kulisse, die ich in diesem Jahr zu sehen bekomme.

Musikalisch kann man Touch The Sun nicht absprechen, dass sie sich gerne mal Iron Maiden anhören. Nicht nur das Bassspiel erinnert vom Stil her an die Briten, auch der Sänger weist durchaus eine gewisse Ähnlichkeit zu Blaze Bayley auf (hatten wir das nicht schon mal gehabt? Stimmt: Trauma…). Von den Songs selbst bleibt hingegen wenig hängen. Ich geh wieder in die Bar, die Falcons führen 28-3 und so widme ich mich wieder dem Football. Ich hätte das besser nicht getan…

Arch Enemy (Pool)

(Pam) Bevor ich zu meinen abschliessenden Highlights der Cruise 2017 mit Anthrax und Therion komme, schau ich auf dem Pooldeck bei Arch Enemy vorbei. Die internationale Band mit Wurzeln in Schweden und ihrer kanadischen Sängerin Alissa White-Gluz wird immer mehr zur grossen Melodic Death Institution. Die blauen Haare der Frontröhre sind schon eine Trademark für sich, dazu kommen die technisch hochstehenden Riffs und Soli der rot- und blondhaarigen an den 6-Saitern. Bassist und Drummer tragen ihre Haare übrigens schwarz. Somit hätten wir das auch kommuniziert. Wenn wir aber schon bei den Haaren sind, die fliegen insbesondere im brutalen Mosh-Pit. Und ich probiere es gar nicht, in den Fotograben zu gelangen. Der ist eh schon zu bei den Crowdsurfern im Sekundentakt – übrigens sogar auch mal komplett mit Rollstuhl, das war aber bei einer anderen Band auf der diesjährigen Cruise. Vielleicht war der Fotograben bei Arch Enemy aber schon von Anfang an zu wie vor zwei Jahren. Arch Enemy ist die einzige Band, die zumindest wie es nach Aussen scheint, für sich Privilegien aushandelt. Wie eben keine Fotografen, keine Interviews (nur eine allgemeine Pressekonferenz) und ich habe die ganzen vier Tage keinen und keine der Band auf dem Schiff in der Öffentlichkeit gesehen.

Wie gesagt, soundmässig top und Alissa macht im Allgemeinen vor allem eine gute Show, growlt auch ordentlich – nur, wenn sie ins schweinische Gegrunze (Pig Squeals) abdriftet, gehen meine Lauschklappen zu. Alles eigentlich fast Bestens … und doch hat das ganze Superstar-Getue bei mir einen schalen Nachgeschmack. Sowas gehört ja auch gemäss Andys Philosophie nicht auf die Cruise – mögen sie noch so ein Zugpferd sein. Doch damit steh ich mit meiner Meinung wohl ziemlich im Regen – der dieses Jahr übrigens komplett ausbleibt 😊. Ich könnte mir aber vorstellen, dass da Kaufi mit mir solidarisch wäre, wenn es dann soweit käme. (Kaufi: Sehr solidarisch!)

Vreid (Lounge)

(Raphi) Die Norweger Vreid sind für mich Neuland. Ich bin mir der Hintergründe um die Entstehung der Band aus der Asche von Windir durchaus bewusst, habe mich bis jetzt jedoch nicht mit der Band beschäftigt. Hier auf dem Schiff werden sowohl Stücke von den Black n‘ Roll beeinflussten Alben (U.a. „Milorg“) als auch der melodischere Black Metal der neusten Scheibe „Sólverv“ gespielt. Als Besonderheit gibt es zudem Musik von Windir zu hören, bei welcher der Gesang von Valfar‘s Bruder Vegard Bakken übernommen wird, was die Fans im Publikum sehr begeistert. Leider geht die Atmosphäre des Auftritts in der Pyramid Lounge etwas verloren, auch wenn sich die Band durchaus Mühe gibt. Vielleicht sind aus diesem Grund die Publikumsreaktionen grösstenteils verhalten.

Anthrax (Theater)

(Kaufi) Footballmässig gefrustet werfe ich einen Blick ins Theater. Dort spielt einer der Headliner, Anthrax. Pam’s Favourite… Ich bin beeindruckt ab dem Publikum, welches wieder einmal den Laden völlig auseinandernimmt. Sehr krass! Ich sitze allerdings gemütlich in einer Ecke und mache ein Nickerchen….

(Pam) Kaufi! Nickerchen bei den Mosh-Königen? Gads no! (Kaufi: Ja, geht. Müde…) Gut, die New Yorker haben bei mir nach der enttäuschenden Pool-Show einiges gut zu machen. Und glaubt mir als jahrzehntelanger Fan schreibt man nicht gerne negativ über seine Helden. Aber als hätten sie es gehört, geben sie heute wie gewohnt und vielleicht noch ein bisschen mehr Gas. Vor allem Frank Bello am Bass geht wie sonst immer ganz steil im Rad und auch Scotti packt den einen oder anderen Wardance aus. Seinem Signature-Mosh. Charlie bleibt für mich einer der geilsten Drummer und scheint auch wieder besser zwäg als auch schon zu sein. Und dann wäre da ja noch Joey … ich wiederhol mich, todlieber Kerl, Hammerstimme und seit zwei Tagen weiss ich auch, dass er noch Hockey-Goalie war. Aber was der Typ für Grimassen zieht und Ansagen machen, spricht nicht grad für das intellektuelle Niveau vom Metal. Er erinnert mich dabei immer an Marc Storace. Aber das hatten wir schon und ist ja auch völlig egal, wer so singen kann, braucht keine anderen Talente.

Sehr cool übrigens das «King»-Backdrop. Das ist bei allen grösseren Bands im Theater allgemein schon cooler mit den Backdrops als das schlichte Logo auf dem LED-Screen auf der Pool-Bühne.

Emotional wird’s, wie in den letzten Jahren gewohnt, als die Kirchenglocken erklingen und die Stoffbanner mit den Gesichtern von Dio und Dimebag drauf aufgehängt werden. Horns up zu den verstorbenen Helden zu «In The End». Auch Franky verneigt sich vor beiden links und rechts der Bühne und schaut mit der Faust auf der Brust immer wieder gen den Himmel.

Dann erzählt uns Joey was davon, dass es nächstes Jahr 80’000 Tons of Metal seien und wünscht uns allen ein gutes neues Jahr. Fragezeichen schweben im ganzen Theatersaal über den Köpfen. Da wären wir wieder beim Thema. (Kaufi: Jesses! Jamaica war doch letztes Jahr? Da gab’s komisches Zeugs zu rauchen??)

Nochmal egal, Anthrax nehmen die Bude auseinander und zeigen ganz klar, wer der inoffizielle Headliner der Ausgabe 2017 ist. Dem zollt übrigens auch Amorphis Sänger Tomi Joutsen Tribut. Ich schau mehr als einmal hin, als der plötzlich neben mir im Fotograben steht und die Show von Anthrax mit kleiner Kamera filmt, als die Mosher grad «Antisocial» zum Bersten geben.

Jetzt bin ich leider wieder im Dilemma. Die Hammershow von Anthrax bis am Schluss erleben oder hoch zum Pool zu Therion, die 15 Minuten vor Ende des Sets von Anthrax anfangen. Nun, Anthrax spielen am 15. März 2017 in Zürich im Komplex 457 – es gibt bzw. gab bei uns als Medienpartner Tickets zu gewinnen – und dort spielen sie u.a. die ganze «Among The Living»-Hammerscheibe, während es im Worst Case heute die allerletzte Therion Show überhaupt ist. Ich entscheide mich für Therion und zolle damit auch Respekt gegenüber Chris. Also los, hoch auf den Pool spurten – dabei noch schnell Tishi wechseln.

Fotos Anthrax (pam)

Anthrax Setliste

  1. Among the Living
  2. Caught in a Mosh
  3. Efilnikufesin (N.F.L.)
  4. Lone Justice
  5. Fight ‚Em ‚Til You Can’t
  6. Evil Twin
  7. March of the S.O.D. (S.O.D. Cover)
  8. In the End
  9. Medusa
  10. Antisocial
  11. Breathing Lightning
  12. I’m the Man
  13. Indians

Cruachan (Ice Rink)

(Raphi) Die Ehre für das letzte Konzert im Ice Rink kommt Cruachan zuteil, die es zwei Tage zuvor geschafft haben, die Pyramid Lounge zum Tanzen zu bringen. Die fünfköpfige Band füllt die grössere Bühne gut aus und zum zweiten Auftritt erscheint deutlich mehr Publikum. Keith erklärt uns mit breitem Grinsen, er habe mitbekommen, wie sich herumgesprochen hat, dass ihr erster Auftritt toll war und die Band als „The Dropkick Murphys raped by Behemoth“ beschrieben worden ist. Das scheint für Cruachan eine grosse Motivation zu sein und so zeigen die Herren einen energiegeladenen Auftritt. Die Setlist ist abgesehen von einer kleinen Änderung der Reihenfolge identisch mit derjenigen aus der Pyramid Lounge, was das Publikum jedoch nicht kümmert. Dieses Mal wird gleich von Beginn weg getanzt, geklatscht und sogar eine Art Circle Polonaise durchgeführt. Keith zeigt sich erneut gesprächig zwischen den Songs bevor das herrlich irisch angesagte „The Warriorrrrrrr“ ein absolut überzeugendes Konzert beendet.

Therion (Pool)

(Kaufi) Letzter Abend, es geht auf Mitternacht zu. Zum Glück erwache ich rechtzeitig wieder, also sofort zum letzten Mal aufs Pool Deck. Therion haben die Ehre, die letzte Show da zu spielen. Das will ich mir nochmals ansehen. Bei gutem Sound werden die Schweden jedoch mächtig eingenebelt. Ansonsten gefällt mir auch dieser Auftritt recht gut, ausser das übertrieben opernhafte. Aber das hatten wir schon mal. Zudem sieht es so aus, als ob auch Therion null Flexibilität zeigen und eine komplett identische Setliste bieten. Hier müsste doch etwas Abwechslung möglich sein?

(Pam) Die Setliste wurde zugunsten von Chris – der ja immer noch mit einer Halskraus mit schmerzverzerrtem Gesicht spielt – «vereinfacht». Denn vom Backkatalog her könnten Therion locker 10 verschiedene, geile Setlisten zusammenstellen. Ich habe eigentlich sonst nicht mehr viel anzufügen, ausser das Therion das Mass aller Dinge bleiben – auch über das Symphonic-Opera-Metal-Genre hinaus. Und im Gegensatz zu Kaufi kann es für mich nicht genug bombastisch-operettenhaft sein. Deftig emotional wird es für mich als Fan, als DER Mastermind Chris das Mikrofon ergreift: «Playing guitar with this thing (zeigt auf die Halskrause) is a pain in the arse.» Weiter erzählt er uns: «I’ve played in more than 60 countries, sold more than 1 million records and fullfilled all my dreams. So there couldn’t be a better place than in front of metalheads from 74 countries after midnight in the Carribean for a final show.» Neeeeeein, sag das nicht! Das geht wohl nicht nur mir durch den Kopf, Herz, Mark und Bein. «But I’m a tough guy I will fight to continue.» Ah, danke, das wollten wir doch hören!

(Kaufi) Die zweite Hälfte der Show höre ich mir mit der Basler Truppe im Hintergrund an, bevor dann der Skipper unter tosendem Applaus die Bühne betritt. Andy bedankt sich bei Crew, Helfern, Bands, Fans und verkündet, dass dieses Jahr mittlerweile 74 (in Worten: vierundsiebzig!) Nationen auf dem Schiff vertreten sind! Eine unfassbare Zahl, und wenn man teilweise die Länder sieht, kommt man schon ins Staunen. Iran, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate oder China sind jetzt kaum das, was man als Heavy Metal Hochburgen bezeichnen würde… Dass die Schweizer Fraktion übrigens wieder den vierten Platz belegt, hat Pam ja auch bereits berichtet…

Nachdem sich Andy mit der Ankündigung für Runde 8 verabschiedet hat, beenden Therion schliesslich das Open Air Programm mit «To Mega Therion».

(Pam) Bei diesem obligaten Rausschmeisser zeigt Chris, dass er trotz allem seinen Humor nicht verloren hat. Beim Soli dieses Übersongs duellieren sich die beiden normalerweise. Chris spielt dann hinter dem Kopf, während Christian seine Zunge einsetzt … mit der Halskrause ist das jetzt aber nicht wirklich möglich. Dennoch deutet Chris gegenüber Christian kurz an, als würde er jetzt die Gitarre wie gewohnt nach hinten schmeissen … für einen kurzen Moment glubschten die Augen von Christan aus deren Höhlen.

(Raphi) Ein absolut würdiger Abschluss der Kreuzfahrt für mich. Leider kann Christofer nur die einfacher gehaltenen Songs spielen. Die Gesangsleistung der drei Vokalisten ist dennoch ein Genuss und dies trotz des starken Winds, welcher den Sound hin und wieder etwas durcheinanderwirbelt.

Fotos Therion (pam/Kaufi)

Setliste Therion

  1. The Rise Of Sodom And Gomorrah
  2. Son Of The Sun
  3. Abraxas
  4. Ginnungagap
  5. Schwarzalbenheim
  6. Lemuria
  7. Flesh Of The Gods
  8. Son Of The Staves Of Time
  9. Cults Of The Shadow
  10. To Mega Therion

Death Angel (Theater)

(Kaufi) So, die Cruise 2017 neigt sich dem Ende zu. Doch im Theater gibt’s noch einen Nachschlag. Und was für einen! Death Angel sorgen dafür, dass hier auch der letzte Thrasher endgültig K.O. geht… Und die Kalifornier zeigen grad, wie eine gestandene Band hier aufzutreten hat: bereits der Opener ist nämlich neu! Statt „The Ultra-Violence“ eröffnet „Son Of The Morning“ die letzte Runde. Auch die „Mistress Of Pain“ schafft’s neu ins Programm, mein heftig gewünschtes „The Dream Calls For Blood“ wird hingegen wieder ignoriert. Ein kleiner Dämpfer zwar, doch Death Angel spielen ansonsten eine völlig umgekrempelte Setliste! Insgesamt fünf neue Songs kriegen die Fans vor den Latz geknallt. Und während vor allem Rob Cavestany wie ein Irrer über die Bühne rennt, stachelt Fronter Mark Osegueda das Publikum mehr und mehr an. Crowdsurfer en Masse, riesige Moshpits (hier durchaus passend) – und Mark will immer mehr. Mit der Übernummer „Thrown To The Wolves“ nähert sich jedoch auch dieser Gig unweigerlich dem Ende. Ein letztes Dankeschön von Mark ans Publikum, die letzte Ansage – und mit „The Moth“ der letzte Song. Und ein letztes Mal dreht das Publikum am Rad. Was für ein furioses Ende der siebten 70‘000 Tons of Metal Cruise!

Fotos Death Angel (Kaufi)

Setliste Death Angel

  1. Son Of The Morning
  2. Father Of Lies
  3. Let The Pieces Fall
  4. Claws In So Deep
  5. Mistress Of Pain
  6. Breakaway
  7. Lost
  8. Thrown To The Wolves
  9. The Moth

Fazit 70’000 Tons of Metal 2017

(Kaufi) Die siebte Runde ist zu Ende. Zum siebten Mal ausverkauft. 3‘022 Gäste aus 74 Nationen dieser Welt. 981 Musiker und deren Crews. Zusammen ergibt das eine viertägige Party, die seinesgleichen auf der Welt sucht und schlicht unvergleichlich ist!

(Pam) Meine Worte Kaufi und ich glaub, das können wir in der Review jetzt auch doppelt und dreifach stehen lassen. Das kann man nicht genug betonen, denn DAS ist das was die 70’000 Tons of Metal Cruise so einmalig macht. Unsere Lieblingsbands spielen ja auch andernorts.

Für mich war es auch ein sehr versöhnliches Wiedersehen mit der Cruise nach zwei Jahren Pause. Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach drei Hammerjahren nochmals mit dabei sein werde. Zu gut die Erinnerungen, die ich nicht für schlechte neue Erfahrungen riskieren wollte. Doch dank Anthrax habe ich es getan. Und keine meiner Befürchtungen ist wahr geworden. Trotz doppelt so grossem Schiff, mehr Leuten, ich fühlte eigentlich kaum einen Unterschied zur Majesty. Auch optisch sieht ja vieles fast gleich aus. Auch hat es immer noch kaum Eventpublikum auf dem Boat, sondern mehrheitlich einfach alles Metalheads. Und die «Costume Night» war mehr ein laues Lüftchen in der Karibik als Fasnacht auf der Cruise. Kaum der Rede wert. Jetzt habe ich nur ein Problem: Ich glaub, will nächstes Jahr wieder auf die Mutter aller Metal Cruises!

(Kaufi) Persönlich ist mir das Billing (auch) in diesem Jahr eher zu hart gewesen. Doch irgendwas sehen- und hörenswertes findet man immer, und ich habe so jetzt doch die eine oder andere Band, mit der ich mich mal etwas näher befassen will. Hausaufgaben machen – oder so… (pam: Therion!).

Das Wetter hat in diesem Jahr ebenfalls perfekt mitgespielt. Einzig nach dem Ende des Grave Digger Gigs ging ein kurzer, aber heftiger Schauer über dem Schiff nieder. (pam: Ah, habe ich gar nicht mitgekriegt …). Aber von solch hässlichen Dingen wie einer „Fuck The Storm Schedule“ wie im letzten Jahr bleiben wir alle verschont. Etwas Verspätungen können ansonsten wohl einfach passieren. Schade ist höchstens, dass man den Bands teilweise deswegen die Spielzeit kürzt. (pam: Da bleibt wohl keine andere Wahl und wir wissen ja jeweils nicht (immer) warum es Verspätung gab … kann ja durchaus auch mal an der Band liegen. Und für z.B. Haggard mit 12 Musikern hat man schlicht zu wenig Zeit für den Soundcheck einberechnet).

Sauer aufgestossen sind vielen Seglern die deutlich höheren Getränkepreise. Doch das ist wohl eher auf dem Mist der Royal Carribean gewachsen. (pam: Hm, drum war unsere Getränkerechnung so hoch 😉 … wobei, ein knapper Liter Fosters mit 7 USD ja immer noch human ist für ein Festival).

Eine ewige Baustelle bleibt hingegen wohl die Geschichte mit dem Merchandise. Auch das neue System mit Nümmerli ziehen bewahrt einem nicht davor, sehr früh anzustehen. Zwar kann man danach die Zeit anders nutzen, bis man wirklich an der Reihe ist. Doch im Shop selbst ist dringend mehr Personal nötig. Und für die Fans, die scharf auf Festival Merch sind: warum kann man das nicht vorbestellen und entweder ins Zimmer liefern lassen oder an einem bestimmten Punkt abholen? Abgerechnet wird ja eh über den Sail Pass. Zudem könnte man auch etwas besser abschätzen, wie viele Exemplare in welchen Grössen nötig sind. M soll immer sehr schnell ausverkauft sein… Mal schauen, was die Verantwortlichen da für nächstes Jahr in Planung haben… (pam: Siehe dazu auch mein Feedback von der Pressekonferenz).

Doch insgesamt gibt es wirklich kaum Grund zur Klage. Alles ist perfekt organisiert, die Wartezeiten halten sich in Grenzen, das ganze Personal sorgt dafür, dass Zimmer und auch alles andere immer in einem Top Zustand sind und die Fans sind allesamt einfach glücklich und zufrieden mit sich und der Welt. Ich habe kaum Alk Leichen gesehen und von irgendwelchen Aggressionen war ebenfalls keine Spur zu entdecken. Ausser in den Moshpits, aber da muss das offenbar ja so sein. 70‘000 Tons of Metal ist einfach nicht zu übertreffen!

Ein grosses Kompliment zudem an die überaus freundliche Security, welche oftmals Crowdsurfer in Empfang nehmen musste, während gleich hinter ihnen zig Fotografen Bilder machten. Viele flotte Kerle, die einem vom Vorjahr kannten und mit einer Umarmung und einem „See you next year!“ verabschiedeten!

(Pam) Da gibt es ausser meiner Einschübe nichts mehr hinzuzufügen, ausser nochmals einen Riesendank an den Skipper Andy Piller, dass er seinen Traum wahrmachte und somit auch für zig Tausende Metalheads aus aller Welt alle Jahr wieder. Und allen Mitcruisern: Proud to be a metalhead! See you on the boat! Horns up!

Vorschau 70’000 Tons of Metal 2018

(Kaufi) Auch 2018 wird die geilste Metal Kreuzfahrt der Welt wieder stattfinden. Erneut auf der „Independence Of The Seas“ werden um die 3‘000 Fans und 60 Bands am 1. Februar in See stechen – Destination: Cockburn Town, Grand Turk, Turk and Caicos Islands! Meine Wenigkeit wird sicher wieder dabei sein – und wenn ich dann da grad noch ein paar Bandwünsche anbringen dürfte, dann hätte ich gerne Sabaton, Gloryhammer, Brainstorm und Morgana Lefay mit an Bord. Wünschen darf man ja immer… (pam: Das Wünschen lass ich jetzt mal, sonst wird der Druck noch grösser … aber eines habe ich vor drei Jahren schon gesagt, wenn Excelsis auf der Cruise sind, bin ich sicher wieder dabei!).

PS von pam: Danke auch an Kaufi für die wie immer Hammer-Review und auch coolen Fotos! Und danke auch an unseren Begleitungen fürs Geduld haben und uns Fötelen und schreiben lassen. Nicht zuletzt und besonders auch die Gastschreiber Raphael und Sandro.

Wir schreiben es, verlassen das Schiff und essen hammerfeine Rippli bei Nicko Mc Brain’s Rock n’ Roll Ribs Bude in Fort Lauderdale … nach einer ewigen Taxifahrt dorthin. Hm, Maiden auf der Cruise wäre halt schon auch geil. Aber man darf ja noch träumen.

Fotos Rock n‘ Ribs (pam)

 

Mit einem Gastbeitrag von Sandro (Amorphis)


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70’000 Tons of Metal 2017 – Anthrax, Arch Enemy, Kamelot, Therion, Amaranthe u.v.m.
User Bewertung: 9.54/10

/ / 10.04.2017
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