Metalinside.ch - 70'000 Tons of Metal 2017 - Anthrax (Pool) - Foto pam
Do–Mo, 2.–6. Februar 2017

70’000 Tons of Metal 2017 – Anthrax, Arch Enemy, Kamelot, Therion, Amaranthe u.v.m.

Independence of the Seas (Fort Lauderdale, USA/Karibik)
/ / 10.04.2017
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70‘000 Tons of Metal 2017 – Runde 7!

(Kaufi) Es wird zur Tradition. Oder besser gesagt: es IST bereits Tradition. Ende Januar geht’s nach Florida zum geilsten Festival der Welt. 70‘000 Tons of Metal 2017. Ein Schiff, 60 Bands, 4 Bühnen, 3‘000 Fans aus allen möglichen und unmöglichen Ländern. Auch 2017 ist Metalinside wieder mittendrin statt nur dabei. Auf geht’s zur „Independence Of The Seas“!

(Pam) Für mich persönlich war es mal Tradition. Nach drei Mal auf der altehrwürdigen Majesty, überliess ich es anderen Metalinsidern, die Tradition fortzuführen. Das angekündigte, doppelt so grosse Schiff, 50% mehr Leute und 20 Bands mehr, war mir zu viel des Guten. Vor allem, weil bei mir ja eh wieder die Hälfte der Bands auf der Pflicht-Liste landet. Drum geil war‘s und diese Erinnerungen an das in der Tat geilste Festival der Welt lieber so behalten wie es damals war. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Die ersten 6 Bands die im Frühling 2016 für die Cruise 2017 angekündigt wurden, gehörten alle zu meinen All-Time-Favorites. Zwar alles Bands, die ich nebst zig «normalen» Konzerten schon mindestens einmal auf der Cruise sah – Therion, Haggard, Amorphis, Annihilator … – aber halt doch absolute Topbands für mich. Doch das alleine war noch nicht der Ausschlag … Denn mit Anthrax wurde auch eine Big4 Band des Thrash Metals und gleichzeitig meine Top 3 Band aus Teenie-Zeiten angekündigt. Hirn aus, Herz ein und schon war gebucht. Auch wenn eine kleine Skepsis bleibt, ob es mir nicht zu gross, zu viel Eventpublikum haben wird. Schauen wir mal.

Anreise & Wam-up Beach Party

(Kaufi) Für mich ist es nun das fünfte Mal, dass ich zur grössten Metal Kreuzfahrt der Welt fahre. Und so läuft alles so, wie man das kennt. Nur dass die Running Order bereits Tage zuvor veröffentlicht ist, ist neu! So hat man bereits im Flieger Zeit, sich sein persönliches Programm zusammen zu stellen. Aber da ich eh immer alles wieder vergesse, bringt mir das nicht allzu viel… Aber man hat wenigstens Diskussionsstoff!

Doch sonst: Anreise nach Florida zwei Tage vorher. Superschnelle Einreise danke Automaten. Zumindest für mich – Kollege Säm muss in der Schlange stehen. Also heisst’s für mich dennoch erstmal warten… Dann Hotel. Bier. Schlafen. Aufstehen. Ins Meer rein. Nach dem Mittag im Taxi an die Warm Up Beach Party. Diese findet in diesem Jahr wieder in Miami South Beach statt. Am späten Nachmittag tummeln sich da Hunderte Fans aus aller Herren Länder am Beach, man trifft alte und neue Bekannte, man trinkt seine Bierchen – was in Florida in der Öffentlichkeit so eigentlich verboten wäre. Aber in diesem Fall schert sich keiner darum. Irgendwann taucht auch Ober-Metalinsider Pam mit seiner Frau auf, die kommen gerade direkt vom Flughafen zum Strand! Kollege Röschu hingegen ist bereits hier, der Kerli überlässt dieses Jahr die ganze Arbeit Pam und mir, damit er Party machen kann. Schöner Kollege… 😉 Aber er hat ja recht, das darf auch mal sein!

(Pam) Direkt vom Flughafen an die Beach Party war ein guter Entscheid. Und grundsätzlich wieder an der Mutter aller Metal-Cruises teilzunehmen. Denn nebst einem für mich Hammer Line-up – viel Old Skul Thrash und Symphonic Metal erfreut mein Herz, Augen und Ohren – sehen wir wieder die Freunde aus aller Welt von früheren 70K Cruisen. Und die meisten davon bereits an der Beach Party. Es dauert keine 10 Sekunden und schon sind wir wieder Teil von dieser so genialen Community, als hätten wir nie ausgesetzt.

Ob‘s an den Bieren oder einfach an den Emotionen lag, dass ich am anderen Tag ohne Kamera sein sollte … Die eine Folge daraus: Leider sind von der Beach Party alle Fotos weg. Aber da könnt ihr in den Reviews die Vorjahre reinschauen – denn seit 2012 haben wir über jede 70K Cruise berichtet und Fotos hochgeladen. Als einziges Medium der Schweiz. Das macht schon auch ein bisschen stolz.

Fotos Anreise (pam)

 

Tag 1 – Donnerstag, 2. Februar 2017

(Kaufi) Die Nervosität respektive die Vorfreude steigt. Endlich geht’s wieder los, das Warten hat ein Ende! (Ha – denken wir zumindest…). Die Basler Kollegen haben unweit von uns ihr Hotel, so geht’s gemeinsam im grossen Transporter Richtung Port Everglades. Zwar sind wir noch früh, aber es hat schon viele weitere Headbanger, als wir bei der „Independence“ ankommen. Hier ist ebenfalls alles wie gehabt: Gepäck abgeben, durch die Security, dann den Sail Pass abholen. Das alles dauert kaum eine halbe Stunde. Huii, wenn ich da an das Desaster denke vor zwei Jahren, als wir stundenlang in der brütenden Sonne warten mussten… Apropos warten: es ist kurz vor Mittag und wir landen in der grossen Wartehalle. Da kommt die Info, dass das Boarding um 13 Uhr beginnen wird. 70‘000 Tons of Waiting! Egal – so weiss man wenigstens, dass man noch etwas rumhängen kann. Was fehlt sind die Bierstände. Die würden hier ein Vermögen machen!

Nach und nach werden Hunderte und Tausende Leute aufs Schiff gelotst. Auch wir sind irgendwann an der Reihe und kurz vor halb zwei ist es soweit: WE ARE BACK! Und endlich gibt’s auch etwas zur Durstbekämpfung. Dass die Preise da noch happiger sind als letztes Jahr, sorgt etwas für Stirnrunzeln. Aber was soll’s – darüber sollte man sich jetzt nicht aufregen…

Im Pressezentrum das Fotobändeli abholen. Dann wieder etwas Sonne, bevor es Zeit ist für die obligatorische Lebensrettungsübung. Die dauert in diesem Jahr irgendwie verdammt lange. Hab ich zumindest das Gefühl… Doch auch das wird geschafft. Das Horn ertönt – LOS GEHT’S!

(Pam) Tja, Nicole und ich sind nicht im Transporter mit Kaufi & Co… Denn es jetzt heisst es schnell neue Kamera kaufen, denn mit Fotopass ohne Kamera auf der Cruise wäre etwas uncool. Somit sind wir nicht ganz so früh dran wie die anderen, was sich aber als Glücksfall herausstellen sollte. Denn eine Stunde später laufen auch wir praktisch ohne Anstehen durch den Security Check und holen unsere Sail Pässe ab. Das ist die Karte, mit der man auf der Cruise die alkoholischen Getränke bezahlt, ins Zimmer und allgemein aufs Schiff kommt. Eigentlich braucht man nur die Karte und sonst nix (dies wurde 2012 für einen Kolumbianer zur traurigen Tatsache, als sein Koffer nie in der Kabine ankam …). Und da wir jetzt zum vierten Mal dabei sind, kriegen wir eine Goldene. Die hat zwar nicht mehr wert als die Standard-Karte, aber zeigt halt, dass man schon ein erfahrener Metal-Seemann oder -Frau ist. Cool, als wir durch die Artist Line geschleust werden … Und wer steht mit uns beim Security Check? Genau, Mr. Ich-bin-auch-jedes-Jahr-dabei-Jeff-Waters. Der geniale Kopf von Annihilator und Organisator der beliebten Jam Session. Es soll nicht das erste Mal sein, dass sich unsere Wege auf der Cruise 2017 kreuzen. Und auch nicht das einzige Mal, dass er bei einem kurzen Schwatz erzählt, dass man ihn auf dem Schiff mehr für seine Jam Session als mit seiner Band kennt. Annihilator gehören übrigens zu meinen Top5 Thrash Metal-Bands aus Teenie-Zeiten. Und dort wo Kaufi & Co. ewig warten mussten, laufen wir easy vorbei – gut, einfach einer Band folgend und schon sind wir drin und drauf auf diesem Koloss aus purem Metal(l), welches doch einiges mehr als 70’000 Tonnen wiegt … It feels good to be back!

Los aufs Deck und mit Kaufi, Säm, Sandro und den anderen Baslern ein paar Bierli trinken. Auf dem Weg vom Zimmer aufs Deck fällt auf, dass optisch alles genau gleich aussieht wie auf der doch einiges älteren Majesty. Da war wohl noch ein bisschen Stoff und so übrig. Auch die Kabinen sind praktisch identisch. Ich hätte grössere Zimmer und allgemein ein moderneres Schiff erwartet. Aber ist halt Ami-Style. Das sieht so aus wie alle amerikanischen (Business)-Hotelketten aussehen. Aber kein Problem, so müssen wir uns nicht lange akklimatisieren. Einzig … Wegen dem Aufbau der Poolbühne darf man nicht ganz oben aufs Deck. Das war bei der Majesty cooler, da war zumindest ein Teil schon begehbar. Dafür ist die Promenade im 5. Stock – die es so auf der Majesty nicht gab – ziemlich eindrücklich. Und zum Glück mit weniger Shops ausgestattet als befürchtet (ich hab ja meine Frau Nicole dabei). Dafür mit einem Irish Pub…

Fotos Schiff und erwähnte Leute (pam)

(Kaufi) Mit dem Ablegen in Ft. Lauderdale startet auch das musikalische Programm auf dem Schiff. Wie üblich werden die Bands auf vier Bühnen spielen. Die Pool Stage (erst ab Tag zwei in Betrieb, die muss erst fertig gebaut werden), das Alhambra Theater (da hat man die ersten Reihen an Stühlen ausgebaut für Stehplätze, hier passt jetzt insgesamt das ganze Z7 rein), das Studio B respektive den Ice Rink (auch da Platz für etwa 1‘000 Leute) sowie die Pyramid Lounge mit ihren vielleicht 400 Plätzen stehen da zur Verfügung. Wobei bei letzterer Lokalität vielleicht 25 Leute wirklich etwas sehen können. Ausser man ist über 1.95 gross (pam: Mit Schuhen und auf Zehenspitzen schaff ich das 😊). Doch dann ist die Möglichkeit gegeben, dass man sich den Kopf bereits an der Decke anschlägt (pam: Ah, doof, doch nicht auf Zehenspitzen). Kurz gesagt: die Pyramid Lounge ist für Konzerte einfach ungeeignet! Und doch beginnt genau da meine musikalische Kreuzfahrt 2017…

Trauma (Lounge)

(Kaufi) Die Kalifornier Trauma haben die Ehre, die Cruise 2017 zu eröffnen. Dem einen oder anderen Fan dürfte die Band aus einem ganz bestimmten Grund bekannt sein: Ein Gründungsmitglied war damals Cliff Burton, bevor er bei Metallica einstieg. 1986 lösten sich Trauma dann auf. Sänger Donny Hillier und Drummer Kris Gustofson haben 2012 die Band reformiert und sogar ein zweites Album veröffentlicht. Und jetzt stehen sie also auf der kleinen Bühne der Pyramid Lounge.

Die Mucke könnte man irgendwie als „Classic Rock“ bezeichnen. Allerdings mit etwas viel Gefrickel und deutlichen Anleihen der NWOBHM. Donny Hillier erinnert mich mehrmals an Iron Maiden, allerdings eher an Blaze Baley als an Paul Di’Anno. Nett, aber ein ganzes Set muss ich hier nicht haben. Also mal die Annehmlichkeiten des Schiffs weiter erkunden.

(Pam) Genau wegen diesem Gründungsmitglied ist für mich Trauma Pflicht. Cliff Burton ist und bleibt mein Allzeit-Hero. Ich kenne aber auch nicht mehr von Trauma als der Fakt, dass James und Lars anlässlich eines Trauma Konzerts im Whisky (Los Angeles) Cliff Burton entdeckten. Ihnen ging es damals ähnlich wie Kaufi und mir – einfach ohne Cliff. Lars war zwar ein grosser NWOBHM Fan, aber sie hatten von Anfang an nur noch Augen und Ohren für diesen wild headbangenden Gitarristen mit krassen Soli. Welcher sich dann aber sehr schnell als Bassist herausstellte, der einfach seinen prägenden Basssound verzerrte. Der Rest ist Geschichte. Und darin schwelge ich mich gerade. Ich höre mir zu Ehren von Cliff seine Kollegen an. Nebst der von Kaufi erwähnten Stilrichtung gibt es auch Anleihen von Bay Area Thrash Metal. Von dort kommt die Band ja auch geographisch. Doch so richtig packt mich der Sound auch nicht, auch wenn die alten Herren viel Spielfreude an den Tag legen und den Auftritt sichtlich geniessen.

Da gab es für mich bei früheren Cruises Opener, die prägender für die Cruise und späterer Erinnerungen waren – dazu gehören Sabaton und Alestorm. So begebe ich mich zum ersten Mal ins Alhambra Theater.

Fotos Kabine & Trauma (pam)

Scar Symmetry (Ice Rink)

(Raphi) Mit dem Auftritt der schwedischen Formation Scar Symmetry beginnt für mich diese verrückte Kreuzfahrt nach Haiti. Der Ice Rink ist gut gefüllt mit Publikum, welches noch frisch und in Aufbruchsstimmung ist. Mir war die Band bis anhin unbekannt, jedoch weiss der Auftritt durchaus zu gefallen. Die gebotene Show ist auf jeden Fall energiegeladen und motiviert das Publikum sich zu bewegen und Begeisterung spüren zu lassen. Einzig Frontsänger Lars Palmqvist scheint Mühe zu haben, die richtige Tonlage zu treffen und die Gesangslinien sauber zu intonieren. Das trübt den Gesamteindruck leider zu einem gewissen Teil, aber für einen gelungenen Einstieg in die kommenden vier Festivaltage reicht die Leistung allemal.

Amaranthe (Theater)

(pam) Die schwedisch-dänische Kollaboration ist so eine Band, die für mich zwischen „extrem geil“ und „geht gar nicht“ schwankt. Ich lieb es ja bombastisch-melodiös aber wenn sie zu fest ins Elektronische und gar Technoangehauchte abdriften, kommen mir die Relings bedrohlich nahe … Doch ist es auch eine der ganz wenigen oder gar die einzige Band im Line-up überhaupt, die ich noch nie live sah und unbedingt noch erleben wollte. Hoffentlich auch überleben. In früheren Konzert-Reviews auf Metalinside.ch zu Amaranthe war oft über die mangelnde Soundqualität und vor allem den schwachen Gesang von Elize Ryd zu lesen. Dies bestätigt sich heute glücklicherweise nur bei den ersten Songs. So ab Mitte des Sets kommt’s wirklich sehr cool. Ich notiere: Schlimmste Befürchtungen praktisch nicht erfüllt. Gute Show, wenn auch nicht überragend. Ähnlich wie bei Fear Factory kommt dieser Sound ab CD einfach besser. Bei Gelegenheit aber gerne wieder.

Fotos Amaranthe (pam)

Death Angel (Ice Rink)

(Kaufi) Thrash Metal ist generell ja nicht so meine Baustelle. Eine Ausnahme bildet da der Bay Area Fünfer von Death Angel. Die Jungs haben was, die find ich mehrheitlich schon recht stark. Klar, dass ich mir da diese beiden Shows reinziehen will. Allerdings sind beide Indoor, schade – Death Angel auf dem Pooldeck wäre schon sehr cool gewesen! Aber was soll’s. Ice Rink geht auch. Dem Namen entsprechend ist es hier empfindlich kühl. Aber Mark und seine Jungs sorgen im proppenvollen Laden schnell für höhere Temperaturen! Denn der Todesengel liefert hier die wohl heftigste Show ab, die ich je von ihnen gesehen habe. Ein unglaubliches Brett, das mich fraglos an meine Schmerzgrenze treibt. Aber „Thrown To The Wolves“ ist schon sehr, sehr geil wie auch der abschliessende „Moth Song“. Einzig „The Dream Calls For Blood“ vermisse ich schmerzlich, aber es gibt ja glücklicherweise noch eine zweite Show!

(pam) Mit Kaufi musikalisch gleicher Meinung sein ist ja bei seinem gemäss eigener Aussage «elitären» Musikgeschmack nicht immer einfach. Aber hier gibt es nichts hinzuzufügen. Death Angel haben auf der Cruise schon immer überzeugt und heute in der Tat noch zugelegt. Extrem geil! Im Unterschied zu Amaranthe gefällt mir Death Angel live viel besser als ab Konserve. Meist ist es ja umgekehrt. Das erste Highlight der Cruise 2017! Insbesondere auch Basser Damien Sisson, der mich vor allem optisch einmal mehr extremst an Cliff Burton erinnert. Schöner Moment so nach Trauma …

Fotos Death Angel (Kaufi/pam)

Setliste Death Angel

  1. The Ultra-Violence
  2. Evil Priest
  3. Claws In So Deep
  4. Seemingly Endless Time
  5. Left For Dead
  6. Father Of Lies
  7. Castor Of Shame
  8. Thrown To The Wolves
  9. The Moth

Grave Digger (Theater)

(Kaufi) Und jetzt schnell wechseln ins Theater! Stress schon am ersten Abend? Geht ja gar nicht… Aber da kommen Grave Digger! Eine der wenigen Bands in diesem Jahr, welche die Flagge des melodiösen Metal hochhalten. Und wenn sie so spielen wie vor kurzem im Z7, dann wird’s prima. Aber warum eigentlich die Hetzerei? Völlig unnötig – denn es gibt bereits wieder schwer Verspätung. 40 Minuten zu spät können die Grabschaufler ihr Programm starten und müssen dann prompt zwei Songs aus der Setliste kippen. Schade! Aber dafür liefern die Gladbecker eine souveräne Show, die auch in gekürzter Version für gute Laune sorgt. Aufwendige Bühnenbilder sind hier eh nicht möglich, also überzeugt man mit Spielfreude und Musik. Beides ist hier der Fall. Fronter Chris grinst zufrieden von der Bühne, während Axel Ritt ein Hammersolo nach dem anderen aus seinen sechs Saiten zaubert. Die gekürzte Setliste wird zum Mix von „neu“ und „unverzichtbar“, welche von erstaunlich vielen Fans hier im Alhambra abgefeiert wird.

(pam) Ich nenn zwar auch die eine oder andere Grave Digger CD als mein Eigen, aber live … Na ja. Irgendwie hab ich bei denen immer ein bisschen den Fremdschämmodus drin und staune immer wieder, wie gross diese Anti-Stars geworden sind. Für mich eine der überschätztesten Bands überhaupt im Metal. Jetzt gibt’s bestimmt von Kaufi eins auf den Deckel. (Kaufi: Ich hol schon mal den Knüppel….) Aber ich geb denen gerne wieder mal die Chance, meine zugebenermassen etwas krasse Meinung zu ändern. Und das schaffen sie heute! Ohne Wenn und Aber zaubern sie eine sehr coole Show aus dem Hut. Die Setliste ist gut gewählt und solide gespielt. Und schon habe ich ein schlechtes Gewissen wegen meinen etwas harschen Worten ein paar Zeilen weiter oben. Einfach nicht gross hinschauen und überlegen, sondern sich dem Sound hingeben. Das passt dann definitiv. (Kaufi: Gut, ich räum den Knüppel wieder weg…) Und mit ihrer dritten Teilnahme bei bisher sieben Cruises habe ich mich mit Grave Digger versöhnt.

(Raphi) Eine tolle Show trotz viel Verspätung aufgrund von Soundproblemen. Die gespielten Songs sind ansprechend und Chris Boltendahl auf sehr sympathische Art und Weise immer wieder in Kontakt mit dem Publikum.

Fotos Grave Digger (pam/Kaufi)

Setliste Grave Digger

  1. Healed By Metal
  2. Lawbreaker
  3. Killing Time
  4. Ballad Of A Hangman
  5. Seasons Of The Witch
  6. The Dark Of The Sun
  7. Excalibur
  8. Highland Farewell
  9. Rebellion (The Clans Are Marching)
  10. Heavy Metal Breakdown

(Kaufi) Infolge der grossen Verspätung verpasse ich leider Nightmare. Dann halt mal was essen. Das übrige Programm des Abends ist mit Bands wie Serenity, Arch Enemy, Unleashed und ähnlichem nicht so nach meinem Gusto. Aber da die Kollegen immer rummötzlen, dass ich „meinen Horizont erweitern soll“, schaue ich mal bei Testament rein.

(Pam) Das musst du definitiv tun, Kaufi! Befehl vom Chef, wenn du mich schon immer so nennst. (Kaufi: YESSIR!) Testament gehören für mich nebst Death Angel, Kreator und Overkill zu den Thrash Metal Entdeckungen auf den 70K Tons Kreuzfahrten. In Teenie-Zeiten hatten mich diese Bands irgendwie nie ganz im Herzen erreicht. Doch in den letzten Jahren haben genau diese Bands Hammerscheiben rausgehauen und dem Bay Area/Old Skul Thrash Metal neues Leben eingehaucht. Voll meine Schiene. Drum ist Testament Pflicht! Zuerst wird aber auch mal das Buffet gestürmt. Das Essen dünkt mich besser und vor allem abwechslungsreicher als auf der Majesty. Und damit ist auch schon klar, dass ich mit Übergewicht heimfliegen werde. Im doppelten Sinne und wohl auch Kinne.

Moonsorrow (Theater)

(Raphi) Bei den Pagan Metallern Moonsorrow stellte sich vor dem dreiviertelstündigen Auftritt die Frage: spielen sie drei oder vier Songs? (Kunst-) Blutüberströmt betritt das Quintett zu den ersten Klängen von „Jumalten Aika“ die Bühne und zeigt wieder einmal eine bärenstarke Leistung. Ganz zu Beginn ist der Sound noch etwas dünn und die Keyboards zu stark in den Hintergrund gemischt, aber nach der ersten Hälfte des Songs hat die Toncrew dies korrigiert. Die Zuschauer sind von Beginn weg in Stimmung und es wird geheadbangt, was das Zeug hält (auf dieser Kreuzfahrt nach meiner Erfahrung bisher eher eine Seltenheit). Als Leadsänger Ville Sorvali dann „Suden Tunti“ ankündigt, ist klar, dass heute vier Songs gespielt würden. Beim anschliessenden Klassiker „Raunioilla“ wird ein Teil des Leadgesangs von Gitarrist Janne Perttilä übernommen, der eine hervorragende Darbietung zeigt. Nach den drei gespielten Stücken mit der für Moonsorrow typisch langen Spieldauer ist bereits wieder Zeit für den Schluss in Form von „Ihmisen Aika“. Das Publikum gibt noch einmal alles und verabschiedet die sichtlich dankbare Band schliesslich unter grossem Applaus.

Testament (Ice Rink)

(Kaufi) Das Theater ist bumsvoll, als die nächste Band aus der Bay Area die Bühne betritt. Testament sind zuerst mal vor allem laut. Immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich die Soundqualitäten zwischen den Bühnen sind. Aber das hier hält man ohne Ohrstöpsel kaum aus. Item: ich schau mir die ersten drei Songs mal an und bin schon beeindruckt. Ich werde zwar kaum zum Fanboy, aber die Jungs feuern schon ein sehr heftiges Thrash Brett auf die Meute ab. Und das riesige Backdrop mit den Schlangen sieht auch recht cool aus. Müsste das Cover des aktuellen Albums sein, wenn mich nicht alles täuscht. Pam kann hier sicher noch mehr dazu sagen… Ich verschwinde derweil in meine Kabine, Tag 2 heisst bekanntlich immer „sehr früh aufstehen“.

(Pam) Du täuschst dich nicht. Es handelt sich um das Cover des aktuellen Albums «Brootherhood Of The Snake». Gutes Teil, auch wenn es nicht ganz an den Vorgänger «Dark Roots On Earth» rankommt. Das war ein Überteil. Laut war auch Death Angel – die sollten noch ewig in meinen Ohren brummen … Ob uncool oder nicht, aber in solchen Momenten ist man nicht unglücklich, haben wir in der Schweiz relativ tiefe Dezibel-Grenzwerte.

Wir machen heute auf gemütlich horchen den Matratzen auch relativ früh, denn morgen steht mit dem Super Friday ein Hammertag an. Und das Gute der 70K Cruise ist ja, dass jede Band zwei Mal spielt und somit kann man getrost auch mal eine Show auslassen. Ich hab dann immer noch genügend auf meiner Liste.

Fotos Testament (Kaufi)

Serenity (Lounge)

(Raphi) Der Preis für die grössten Pechvögel der 70000 Tons of Metal geht dieses Jahr an die Symphonic Metaller Serenity. Ihr Hinflug wurde gestrichen und zudem wurde ihnen eine extra Zollkontrolle aufgebrummt, sodass die Österreicher erst in letzter Minute vor dem Auslaufen auf dem Schiff eintrafen. Dort stellte sich heraus, dass die Kontrolleure des Zolls diverse Kabel und weiteres Equipment beschädigt hatten. Auf der Bühne ist dann kein Piano vorhanden und (vermutlich aufgrund der beschädigten Technik) das Gitarrensignal während des Soundchecks nicht vorhanden. So entscheidet sich die Band loszulegen, ohne dass die Gitarre auch nur ansatzweise zu hören wäre. Die vier Herren lassen sich davon jedoch nicht beeindrucken und treten voller Energie auf. Nach eineinhalb Liedern ist das Leiden zum Glück überstanden und Gitarrentöne hörbar. Das stachelt die Band noch mehr an, so dass sie eine überaus motivierte Darbietung zeigen, wobei besonders Sänger Georg Neuhauser intensiv den Kontakt zum Publikum sucht und auch zwischen den Liedern äusserst locker wirkt. Hut ab vor dieser Leistung unter den widrigsten Umständen! Da der zweite Auftritt der Band morgens vor elf Uhr stattfindet, wird sie von den Fans spontan als die „Breakfast Band“ ausgerufen, was Georg begeistert aufgreift und den Bassisten sogleich als „Muffin“ vorstellt (die Besetzung des zweiten Sets wird dann bestehen aus „Muffin, Bacon, Egg and the Donut on guitar“…) … (pam: Ah, da fing das schon an …)

 

Tag 2 – Freitag, 3. Februar 2017 – (pam’s) Super Friday

(Kaufi) Tag 2 ist Shopping Tag. Morgens um 8 Uhr öffnet der Merchandise Shop. Neben der obligaten Festival Merch sind vor allem die speziellen, extra für die Cruise angefertigten Band Shirts immer gefragt. In diesem Jahr haben erstaunlich viele Truppen eins machen lassen, insgesamt haben zudem nur sehr wenige Bands überhaupt keine Merch dabei. Schlange stehen ist also wieder nötig. Allerdings gibt’s im Vorfeld die Neuerung, dass man Nümmerli ziehen muss am Eingang. Und danach kann man auf TV Kanal 38 verfolgen, wann man an der Reihe ist. Doch um das Nümmerli zu erhalten, muss man dennoch früh da sein, denn auch dies kann man erst ab 8 Uhr ziehen…

Früh aufstehen lohnt sich für mich insofern, dass ich Nummer 76 erhalte. Und hier ist jetzt der grosse Vorteil: man kann abschätzen, wann man etwa an der Reihe ist. Also erstmal ausgiebig frühstücken… Eine gute Stunde später geht’s dann mal rein in den Shop. Und da drinnen ist immer noch grosser Verbesserungsbedarf! Es braucht einfach mehr Personal, welches die Merch aushändigt! Das ist nach wie vor seeehr träge und man kommt trotz Nümmerli nur schleppend vorwärts. Dass es zudem auch jetzt wieder Leute gibt, die ihre Kleidergrösse nicht wissen, verlangsamt den Prozess zusätzlich. Naja, ich krieg mein Zeug und bin soweit zufrieden. Draussen strahlt die Sonne. Sonnencreme einschmieren und raus aufs Pool Deck. Auf der Open Air Bühne startet in Kürze das Programm…

Stam1na (Pool)

(Kaufi) Die grösste Frage ist wohl jedes Jahr: wie pünktlich und problemlos verläuft die Schedule auf der Pool Bühne? Mit „nur“ 20 Minuten Verspätung geht’s los, aber das ist verschmerzbar. Stam1na haben die Ehre, den ersten Auftritt unter freiem Himmel zu spielen. Die Finnische Thrash Metal Band ist insofern wohl einzigartig, weil sie alle ihre Songs in ihrer Muttersprache singen. Eine doch beachtliche Zuschauermenge lässt sich hier unterhalten, für mich ist das jedoch zu viel Gerumpel.

Fotos Stam1na (Kaufi)

Unterwegs zum nächsten Act schaue ich rasch im Theater vorbei, da stehen Mors Principum Est auf der Bühne. Melodic Death – Kollege Säm findet’s toll, ich weniger. Jacke holen und ab ins Eisstadion…

(pam) In the meantime… Geh ich den Tag gemütlich an. Denn heute hab ich den Super-Friday. Ab 13 Uhr heisst es praktisch non-stopp Pingpong zwischen Pool- und Theaterbühne. Guter Nebeneffekt: Aus Tradition nehmen wir auch dieses Jahr nie den Lift und verbrennen so zumindest nicht nur den Nacken (wer schneidet sich schon die Haare vor der Cruise …), sondern auch ein bisschen von dem, was wir hier die ganze Zeit essenstechnisch und trinkisch reinführen. Zur Info, das Theater ist auf Deck zwei, der Pool auf Deck 11. Der Rest irgendwo dazwischen.

Suffocation (Pool)

(pam) So als Appetizer schau ich spontan bei den New Yorkern und Begründer des Brutal Death Metals Suffocation vorbei. Die waren ja mal Vorband von Amon Amarth im Z7. Und die fand ich damals gar nicht mal so schlecht, auch wenn ich heute wie damals überrascht bin, dass der Roadie auf der Bühne bleibt und dann das ganze Set als Sänger bestreitet. Der Typ ist natürlich der Fronter Frank Mullen aber so völlig unscheinbar angezogen, wirkt er so mehr per Zufall auf der Bühne anwesend. Was das Ganze ja irgendwie auch wieder sympathisch macht. Vor allem in Erinnerung vom Z7 blieb mir auch Basser Derek Boyer. Sehr cool, wie er jeweils in tiefer Hocke den Bass vertikal auf den Boden stellt und so wie ein Kontrabasser die Seiten zupft. Einfach ein bisschen schneller.

Fotos Suffocation (pam)

(pam) Auf dem Pool-Deck treff ich auch einen Teil der Rothenthurmer-Gang aus meinem Heimatdorf gleichen Namens. Gut, ich sag der Gang ja so, weil sie von dort sind. Zumindest ein Teil der sechsköpfigen Truppe. Item, schön ein paar bekannte Gesichter zu sehen und dass meine Schwärmerei die letzten Jahre gewirkt hat. Und was schön ist, dass man sich und andere immer wieder sieht, trotz der Grösse des Schiffs. Das hätte ich nicht gedacht bzw. anders befürchtet. Wir hatten die Thurmer ja schon bei den wortwörtlich ersten Schritten auf dem Schiff gesehen. Abgemacht hätte es nicht geklappt. Und so geniesst man ein paar Bier zusammen bevor ich mich heute zum ersten und einzigen Mal in den Ice-Rink begebe. Das wäre ja sonst mein bevorzugtes Revier, doch mit Stahl an den Füssen und Stock in den Händen…

Diverse Fotos vom Tag 2 (pam)

Striker (Ice Rink)

(Kaufi) Es gibt immer wieder auch junge Bands zu entdecken auf der Cruise. Striker sind zwar nicht mehr ganz so unbekannt. Und bald sind die Kanadier auch wieder in Europa unterwegs. Doch zuerst ist hier ein Auftritt im Ice Rink angesagt. Vormittags um halb zwölf – der früheste Gig in ihrer noch jungen Karriere. Meint zumindest Sänger Dan Cleary. Könnte durchaus recht haben… Trotz der frühen Uhrzeit füllt sich die Halle, mehr und mehr Leute lassen sich von Striker die Müdigkeit vertreiben. Die machen das auch sehr gut mit einer äusserst energiegeladenen Performance. Die Mucke ist ziemlich Old School mässig, weniger thrashig als erwartet. Dazu haben die Jungs enormen Spass, das sind noch echte Überzeugungstäter, die Musik in allererster Linie aus purer Freude machen – ohne irgendwelche kommerziellen Fesseln. Nach einer guten halben Stunde „muss“ ich jedoch weg von Striker. Denn im Theater steht mein persönliches Highlight bereit…

(Pam) Energie haben sie und Spielfreude im grossen Masse ebenfalls. Das Stage-Acting könnte nicht besser sein und erinnert stark an deren – nimm ich mal an – Vorbildern Judas Priest. Aber soundmässig packt es mich nicht so gewaltig wie es optisch rüberkommst. Drum folge ich heute ausnahmsweise auch mal Kaufi …

Fotos Striker (pam/Kaufi)

Orden Ogan (Theater)

(Kaufi) Eigentlich gehören Orden Ogan auf dem Kutter hier nicht zu den ganz grossen Namen. Insofern hätte ich im Vorfeld nicht unbedingt mit einem Gig im Theater gerechnet. Doch die Verantwortlichen hatten hier offenbar den richtigen Riecher. Denn das Alhambra ist um die Mittagszeit richtig gut gefüllt! Wenn ich denke, dass die Band vor einem knappen Jahr im Mini Z7 aufgetreten ist…. Hier sind locker dreimal so viele Leute anwesend!

Die Sauerländer leiden zwar – wie fast alle Bands bei den Indoor Shows – unter einer unterirdischen Beleuchtung, der Vierer wird meist im sprichwörtlichen Dunkeln gelassen. Doch das kümmert Seeb, Tobi, Niels und Dirk kaum, denn die räumen hier richtig ab. Da Orden Ogan wie gesagt wohl für viele (noch) ein unbeschriebenes Blatt sind, nutzen sie ihre 45 Minuten für eine richtige Best Of Show. „We Are Pirates“ fehlt hier natürlich nicht, genauso wenig wie „Here At The End Of The World“. Passend! Seeb beschränkt auch sein „Gelabber“ auf ein Minimum, ausser einer kurzen Ansage vor „F.E.V.E.R.“. Allerdings geht’s hier für einmal nicht um Currywürste… „Things We Believe In“ ist der obligate Abschluss und die Kreuzfahrer singen beeindruckend „cold, dead and gone“ mit. Eine ganz starke Performance der Band, die zweifellos das geilste Festival Shirt kreiert hat!

(pam) Ich meinte ich hätte die Jungs schon mal am Bang Your Head gesehen. Schon damals vor allem aufgrund der Schwärmerei von Kaufi. Und es hatte mich nicht wirklich gepackt. In meiner Erinnerung war das eher eine schwache Angelegenheit oder einfach nicht mein Geschmack.  Nun, man gibt ja gerne eine zweite Chance, denn Kaufi gibt ja auch nie auf. Die Schwärmerei hielt an. Jetzt steh ich also da und überleg mir, was ich denn damals nicht gut fand. Rein vom Genre-Mix her – irgendwo zwischen Heavy- und Viking Metal (dies auch optisch) – würde es ja zu meinem Beuteschema passen. Gut, ich bin musiktechnisch wie ein Bär: (fast) ein Allesfresser, Hauptsache es schmeckt bzw. hat Melodie. Und die ist bei Orden Ogan definitiv gegeben, inklusive packenden Riffs, coolen zweistimmigen Soli und fetten Bassläufen. Das wirkt im in der Tat gut gefüllten Theater. Gerne wieder mal.

(Raphi) Ein guter Auftritt der Band. Die Musiker scheinen Spass zu haben und den Auftritt zu geniessen. Seeb Levermann führt mit einem Augenzwinkern durch das Set und animiert das Publikum immer wieder zum Mitsingen.

Foto Orden Ogan (Kaufi)

Setliste Orden Ogan

  1. Orden Ogan (Intro)
  2. Ravenhead
  3. Here At The End Of The World
  4. We Are Pirates
  5. Deaf Among The Blind
  6. Sorrow Is Your Tale
  7. F.E.V.E.R.
  8. Things We Believe In

(Kaufi) Mit Saltatio Mortis und Orphaned Land lass ich derweil mal zwei Bands sausen. Das ist eher Pam’s Baustelle…

Saltatio Mortis – Willkommen zum Zirkus Zeitgeist (Pool)

(Pam) Ui, in der Tat und die ist deftig. Raus aus dem dunklen Theater hoch zur karibischen Sonne aufs Pooldeck. Die Spielleute von Saltatio Mortis erwarten uns. Sie laden zum Spiel, Trunk und Tanze.

Vor ein paar Jahren waren Subway To Sally DIE Enttäuschung der Cruise. Konsequent alle Ansagen auf Deutsch an einem internationalen Festival mit Fans aus über 70 Ländern geht gar nicht. Das kam damals mit den sonst schon grimmigen Gesichtern der Bandmitglieder nicht so gut an – zumindest bei mir. Und dass man selbst mit wenig Englischkenntnissen ein paar Sätze in der Lingua Mondial an die Fans richten kann, hat an gleicher Stätte u.a. Masha von Arkona schon bewiesen. So hab ich heute auch ein unschönes Déjà-vu als das Deutsch gesprochene Intro von Samo ab Band läuft. Es wäre ja ein Leichtes gewesen, dies für die Cruise in Englisch aufzunehmen oder sonst halt live vorzutragen.

Aber das soll meine einzige Kritik an den Deutschen bleiben. Was jetzt folgt, ist an Energie, Sympathie, Spielfreude kaum zu überbieten. Die acht Spielmänner flitzen mit Dauersmiles und gegenseitigem Abklatschen spielend leicht über die Bühne. Sänger Alea der Bescheidene präsentiert wie gewohnt nicht ganz unbescheiden seinen eindrücklich trainierten Oberkörper und bringt sich immer wieder in Kampfkunstpose. Keine Frage, die Jungs haben heute einige neue Fans dazugewonnen. Alea – im bürgerlichen Leben Jörg Roth – lässt sich auch während der Cruise immer wieder blicken – ich haben keinen anderen Musiker so oft gesehen – und geniesst das Bad in der Menge. Und im Whirlpool, in welchen er sich während dem Pool-Set crowdsurfend und singend hintragen und reinwerfen lässt. Das gab es schon mit Sabaton’s Joakim – doch zum Ende deren Set und nicht mehr singend. Sehr, sehr cool. Nicht nur ich stehe grad mit offenem Mund da. Der Hühnerhaut-Moment der Cruise 2017.

Saltatio Mortis sind das bisherige Highlight der Cruise und dieser Auftritt ist für mich einer der besten von all den vier Cruises, die ich erleben durfte. Das ist ganz grosser Zirkus und selbst an einem Super-Friday schwer, sehr schwer zu toppen. Kaufi, ich weiss, nicht dein Sound, aber showmässig und was sympathisches Auftreten betrifft, war das genreübergreifend der Hammer. In einer Liga mit Sabaton – nur, dass hier acht Musiker die Show abziehen, die bei den Schweden mehr oder weniger einer alleine macht.

Fotos Saltatio Mortis

Setliste Saltatio Mortis

  1. Intro Zirkus Zeitgeist
  2. Wo sind die Clowns?
  3. Willkommen in der Weihnachtszeit
  4. Wachstum
  5. Des Bänkers neue Kleider
  6. Früher war alles besser
  7. Idol
  8. Ode an die Feindschaft
  9. Rattenfänger
  10. Prometheus
  11. Worte Spielmannsschwur

Orphaned Land (Theater)

(pam) Wenn wir schon bei unvergesslichen Konzerten auf der Mutter aller Metal Cruises sind, dann gehört der Auftritt von Orphaned Land auf der Pool-Bühne von 2012 definitiv auch dazu. Die Israelis waren damals für mich die grösste Entdeckung. Sänger und Berufsjesus Kobi Farhi sagte damals die Worte, die mich in das grösste Poulet aller Zeiten verwandelten: „Wir sind von Israel und haben viele Moslem Fans. Der Grund: Die einzige Religion die global ist, ist der Heavy Metal.“ Sag das jemanden auf der Cruise, der gerade mit Gleichgesinnten aus über 70 Ländern friedlich am Feiern ist und deine Worte sind in dessen Herzen für die Ewigkeit eingebrannt.

Es sind aber nicht nur Worte, die mich damals packten, es war auch der einzigartige Mix von Death Metal mit orientalischen Einflüssen. Wenn Orphaned Land spielen, weiss man nie so recht, soll man Headbangen oder Bauchtanzen. Bei den letzten Alben wurde jedoch der Death-Anteil zugunsten mehr Folk und progressiven Elementen zurückgefahren. Kobi verzichtete weitgehend auf das Growling.

Auch wenn mich spätere Konzerte von ihnen nicht mehr immer so überzeugten, freu ich mich, wieder ins tiefe Bauchinnere dieses riesigen Stahlkolosses runterzusteigen. Als ich im Theater ankomme, wummert mir bereits fetter Death Metal entgegen. Die erste Show besteht eher aus älteren, härteren Songs, ohne dabei die Live-Klassiker wie der obligate Opener seit Jahren – „All Is One“ – und der Bauchtanzklassiker „Sapari“ wegzulassen. Bei Letzterem kommt  dann auch wie gehabt eine Bauchtänzerin auf die Bühne, um dies noch mehr zu untermalen. Wie ich später im Gespräch mit ihr – Teresia Camp – erfahre, hatte ihr Mann die Band gestern am ersten Tag der Cruise gefragt, ob Teresia zu „Sapari“ als Bauchtänzerin auf die Bühne darf. Das hat wunderbar geklappt. Teresia ist eine leidenschaftliche Bauchtänzerin und soweit ich es beurteilen kann bzw. zumindest für meine Augen hat sie es auch ganz gut drauf. Sie hat übrigens auch eine eigene Symphonic Metal Band (Arcane Ritual) und gab mir eine Demo CD auf den Weg. Da muss ich bei Gelegenheit dann mal reinhören (hab ich inzwischen – sehr ansprechend, gilt es im Auge zu behalten).

Das war für mich einer der besten Orphaned Land Auftritte seit langem. Und wohl nicht nur für mich. Kaufi, der Laden war mindestens so voll wie bei Orden Ogan. Wenn wir schon bei Kaufi sind, ich leg eine kurze Essenspause ein. Du kannst gerne wieder Mal übernehmen.

Fotos Orphaned Land

Uli John Roth (Pool)

(Kaufi) Für Uli John Roth bin ich wieder auf dem Pooldeck. Ich kenne zwar ausser dem Namen nicht viel. Doch – die Tatsache, dass der Gitarrist mal bei den Scorpions tätig war, vor langer Zeit. Und dass der 63-jährige auch auf der ersten 70‘000 Tons of Metal bereits zu Gast war. Musikalisch ist also wohl klassischer Hardrock zu erwarten. Wird auch dementsprechend geliefert. Uli zeigt ausgiebig seine Gitarrenkünste, welche die Songs selbst fast zur Nebensache werden lassen. Ich kenne keine einzige Nummer (auch nicht die alten Scorpions Songs), und irgendwie bleibt auch nichts hängen. Aber ist alles nett anzuhören, vor allem wenn man die Kamera mal beiseitelegt und es sich im Jacuzzi direkt neben der Bühne gemütlich macht. So lässt es sich leben.

Fotos Uli John Roth

Setliste Uli John Roth

  1. All Night Long
  2. The Sails Of Charon
  3. We’ll Burn The Sky
  4. In Trance
  5. Fly To The Rainbow
  6. Dark Lady
  7. All Along The Watchtower
  8. Little Wing

Während der Umbaupause spielen Salto Mortale, ääh: Saltatio Mortis auf dem Sonnendeck einen kleinen Akustik Set, dies unter dem Jubel vieler Zuschauer. Nun ja, dieses Geflöte gefällt offenbar… Und mit Haggard kommt bald darauf die nächste Band der ähnlichen Sorte auf die Bühne. Aber da verziehe ich mich bereits beim ersten Song…

Xandria (Theater)

(pam) Typisch, im Jacuzzi hängen und einen der grossen Cruise-Momente kritisieren … Bei diesem spontanen Akustik-Set wäre ich gerne dabei gewesen. Aber während Kaufi beim Blubbern stänkert (Kaufi: Pah!), tauche ich wieder ab in die Tiefen des Schiffs. Zurück ins Theater. Die deutsche Symphonic-Metal-Kapelle mit holländischer Stimme gibt sich die Ehre. Und wie fast alle Bands im Line-up nicht zum ersten Mal beim grössten Metal-Festival auf See. Xandria waren bereits vor drei Jahren bei meiner letzten Cruise mit an Bord. Als Liebhaber des Symphonic Metals sind sie bei mir schon seit vielen Jahren auf dem Radar und ein paar Silberlinge von denen bereichern auch meine CD-Sammlung. Und eine davon – „Theater Of Dimensioins“ (siehe Dutti’s sehr positive Review) – ist erst ein paar Wochen alt – also quasi frisch geschlüpft und schon Teil des Sets auf der Cruise.

Es ist bereits die zweite Scheibe mit der seit 2013 singenden Schönheit Dianne van Giersbergen. Vor drei Jahren hatte sie auf der Cruise mehr oder weniger ihr Debut bei Xandria. Die schwarzhaarige Sopranistin und Lehrerin wusste optisch sofort zu überzeugen. Auch ihre Stimme stand dem optischen Eindruck in nichts nach. Da hatten die Jungs ein gutes Händchen. Nur wirkte sie damals ein bisschen schüchtern und teilweise auch noch etwas verloren auf der Bühne, was aber auch irgendwie sympathisch wirkte.

Und jetzt erlebe ich sie, wie sie ganz locker und mit viel Charme vor dem Konzert die Fotowünsche der Fans und auch des Schreibenden geduldig erfüllt. Und wer die heissblütigen Latinos kennt, weiss, dass es meist nicht nur bei einem Foto bleibt. Jetzt muss sie aber auf die Bühne. Es ist ja noch ein kurzer Soundcheck angesagt und kurz später geht’s schon los.

Auch auf der Bühne fällt sofort auf, wie routiniert die Dame geworden ist. Da ist keine Spur mehr von Schüchternheit und Zurückhaltung zu sehen. Im Gegenteil. Sie posed, wirft mit dem Publikum flirtend diesem Kusshändchen zu. Und singt dabei auf ganz hohem Niveau. Ich fand Xandria ja schon immer gut, aber jetzt sind sie auch live in der Top Liga des Symphonic Metal angekommen. Leider haben das noch nicht alle Medien und somit auch Fans des Genres mitbekommen. Einziger Kritikpunkt: „Sisters Of The Light“ – einer meiner Lieblingssongs der Deutschen – würde ich gerne mal live hören.

(Raphi) Für mich die Überraschung des Festivals. Ein toller Auftritt bei dem die Band mit grosser Energie auftritt. Die Spielfreude ist stark spürbar und die Stimmung im Publikum dementsprechend gut.

Fotos Xandria (pam)

Xandria Setliste

  1. Where the Heart Is Home
  2. Play Video
  3. Nightfall
  4. Play Video
  5. Stardust
  6. Play Video
  7. Forsaken Love
  8. Play Video
  9. Cursed
  10. Play Video
  11. Call of Destiny
  12. Play Video
  13. Ravenheart
  14. Play Video
  15. Valentine

Haggard – vom Winde verweht (Pool)

(pam) Es bleibt bei symphonischen Klängen auf der Cruise. Mit meinen zwei absoluten Lieblingsbands des Genres und darüber hinaus wird’s noch bombastischer. Haggard auf dem Pool stehen an und leider leicht überschneidend Therion im Theater etwas später. Andy the Skipper wird zwar zwei Tage später an der Pressekonferenz sagen, dass er beim Erstellen der Running Order jeweils darauf achte, dass Bands des gleichen Genres nie gleichzeitig spielen. Das ist wohl die Ausnahme die die Regel bestätigt, wenn die drei Top-Symphonic Metal Bands des diesjährigen Line-ups gleich nacheinander und eben leicht überschneidend spielen.

Aber genug gejammert, schliesslich spielen jetzt mit Haggard die Frauen und Mannen mit dem Meister-Genie Asis Nasseri hochstehenden Symphonic-Mittelalter-Barock-Renaissance-Metal. (Kaufi: Aha!) Oder so. Und einzigartig im Genre, ist bei Haggard alles live gespielt. Keine Samples ab Band oder Keyboard. Das alleine verdient den allerhöchsten Respekt. Aber alles live spielen ist das eine, dass das Ganze dann auch noch exzellent harmoniert, das andere. Klassisch ausgebildete Orchestermusiker, die einen Dirigenten gewohnt sind, gehen – wenn auch etwas zögerlich – richtig auf in der Welt des Metals. Da wird fleissig gebangt und Horns gezeigt – und das auf allerhöchstem Niveau spielend.

Dass bei Haggard halt alles ein bisschen komplexer ist, zeigt sich schon beim Soundcheck, der um einiges länger dauert, wenn 12 Musiker und deren Instrumente am Start sind, als bei einer klassischen Metall-Instrumentierung. Und dazu kommt der etwas stärker aufkommende Wind auf dem Oberdeck. Dieser bläst sich als Spielverderber auf und macht sich sogar über die Mikrofone hörbar.

Dennoch – wenn wir schon dabei sind – bläst mich Haggard schlichtweg wieder aus den Socken. Schon extrem geil, was für Hammermusiker Asis als Teilzeitmusiker immer wieder um sich schart, insbesondere auch bei den Sängern. Für mich bleibt Haggard nebst Therion unerreicht.

Wenn wir schon bei den Unerreichten sind, dann bin ich jetzt im Dilemma. Haggard fertig schauen oder runter zu Therion und die von Anfang sehen? Aufgrund der doch nicht ganz idealen Bedingungen, was sich leider in der Abmischung durch den Wind verweht bemerkbar macht, entscheide ich mich für Therion. Denn das gute an diesem Festival ist ja, dass alle Bands zweimal und normalerweise nie auf der gleichen Bühne spielen. So freue ich mich dann auf Haggard im Theater morgen Abend.

So jetzt aber nichts wie los runter ins Theater; inklusive einem Zwischenstopp in der Kabine. Shirtwechsel von Haggard zu Therion. Für meine absoluten Favoriten gehört entsprechende Kleidung.

Fotos Haggard (pam)

Therion – Symphonie of pain (Theater)

(Kaufi) Therion ist eine weitere Band, von der ich im Vorfeld nur den Namen kannte. Ah – Snowy Shaw hat da mal gesungen. Sagt Pam. Und Symphonic Metal ist immer eine Option. Also am frühen Abend mal ins Theater und reinschauen. Auch hier ist der Laden wieder sehr anständig gefüllt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass allgemein deutlich mehr Leute an den Konzerten sind wie in früheren Jahren. Gut so!

Bandleader Christofer Johnsson ist gesundheitlich schwer angeschlagen und steht mit Halskrause auf der Bühne. Pam wird dazu dann mehr sagen können. Jedenfalls Respekt dafür, dass Johnsson diese beiden Shows durchzieht! Therion bieten ansonsten angenehm anzuhörenden Sound. Mit einem Sänger und zwei Sängerinnen. Und hier liegt das Problem: eine der Damen geht mir zu sehr ins opernhafte, das ist mir zu extrem. Wenn dies nicht wäre, wäre das alles Einiges besser. Abgesehen davon ist das schon recht cool. Und mit all den Kostümen und so ist auch ein Konzept erkennbar. Ich werde mich da sicher mal noch intensiver mit Therion befassen.

(pam) Richtig so Kaufi. Therion ist nebst Haggard für mich immer ein Pflichttermin. Dabei wurde ich nie enttäuscht. Heute leider noch mehr Pflicht. Denn wir Fans wurden vor ein, zwei Wochen durch einen Facebook-Post von Mastermind Christofer Johnsson geschockt. Er hat seit scheinbar längerem Nackenschmerzen, die sich in den letzten Wochen extrem verstärkten und die Spezialisten vor Rätsel stellt. Gemäss Chris könnten die Konzerte auf der Cruise die letzten von ihm überhaupt sein. Man geht ja nicht vom Schlimmsten aus, aber als ich ihn heute Morgen mit Gitarrist Christian Vidal beim Kaffeetrinken und Setliste besprechen sah, war ich aufs Neue geschockt. Ich fragte ihn, wie es ihm gehe. Die Frage war mehr höflich als in Erfahrung bringend, denn sein schmerzverzerrtes Gesicht nahm die Antwort vorweg. Ein Riesenhutab vor ihm, dass er die Konzerte durchzieht. Da hätten einige andere Bands wegen kleineren Wehwechen abgesagt.

Jetzt steht Chris mit seiner Halskrause und immer noch quälendem Gesichtsausdruck vor mir auf der Bühne. Eigentlich will man ihn nicht leiden sehen, aber seine Musik macht uns da auch egoistisch und man hofft, dass er dies jetzt einfach durchzieht. Hoffentlich noch viele, viele Jahre. Denn Therion sind ganz klar die Götter im klassisch-arrangierten Symphonic-/Opera Metal. Auch wenn hier nicht wie bei Haggard ein halbes Orchester auf der Bühne steht und die Klassikelemente ab Band kommen, was uns live geboten wird, ist von einem anderen Stern. Instrumental wie immer top die Saitenfraktion; auch wenn die Soli hinter dem Kopf und so bei Chris verständlicherweise heute ausfallen. An den Drums hockt ebenfalls kein No-Name, nachdem der bisherige Therion Drummer Johan Kullberg letzten November wegen unterschiedlichen Zielen verliess. Aktuell befindet er sich mit HammerFall auf Tour. Da hatte wohl einer Lust auf mehr Mainstream und ein grösseres Publikum. Als Ersatz ist heute Ex-Amon Amarth Drummer Frederik Andersson hinter den Kübeln. Und wie bei Haggard hat auch Chris ein brutal-gutes Händchen, wenn es um das Finden der besten Stimmen im Metal geht. Auch hier meist klassisch ausgebildete Sopranisten/-innen. Und gerade das opernhafte gefällt mir. Die junge Dame Chiara Malvestiti aus Italien ersetzt auf Tournee Lori Lewis, die sich vor ein paar Jahren entschieden hat, vor allem live ein bisschen kürzerzutreten. Als ich Chiara damals 2013 bei ihren Einstieg zum ersten Mal live sah und hörte, war sie noch ein unscheinbares Pummelchen im Hintergrund. Stimmlich schon damals top. Doch inzwischen – um einige Kilo leichter – wagt sie sich immer mehr ganz nach vorne auf der Bühne und inszeniert die Songtexte operettenhaft mit ihren beiden Gesangskollegen – Vater und Tochter Vikström.

Die beiden Vikströms sind seit einigen Jahren mit Therion unterwegs und ein eingespieltes Team. Doch am liebsten würde ich Thomas mal zuflüstern, er soll sich doch seine Tochter zur Brust nehmen. Sie ist ja ein nettes Mädel, die Schnutten, die sie ab und zu auf der Bühne zieht, vermitteln da ein falsches Bild und sie hat nicht überraschend als Therion-Sängerin eine Hammerstimme, aber wie andere Damen im Symphonic Metal auch – ja, Charlotte Wessels von Delain gehört auch dazu – einen katastrophalen Kleidergeschmack. Und dazu auch mal den Hosenlädi offen, wie letztens in Wacken. Heute steht sie da in einem weissen Spitzenhosenanzug über einen weissen Body gequetscht vor uns. Sie sieht aus wie ein schwangerer Pornostar. Ich musste ein paar Fotos zensieren, die kann ich in ihrem Interesse so nicht zeigen. Sehr Schade, wie gesagt, sonst ist ja alles absolut top. Sie nimmt definitiv zwei Pokale von der Cruise nach Hause: (One of) the best singer(s) und worst dressed.

Bösen Zungen könnten jetzt behaupten, dies sei der Grund für das schmerzverzerrte Gesicht von Chris. Dieser meint gegen Ende des Sets: „Wir haben zwar wegen meinen gesundheitlichen Problemen die Setliste angepasst, aber ich gehe nicht ohne „To Mega Therion“ von der Bühne!“. Der Signature-Song der Schweden, der live nie fehlt und jedes Konzert als Grande Finale abschliesst. Danke Chris, danke Therion. Das war geil und wie immer schon alleine die Reise irgendwo in die Karibik wert!

Fotos Therion (pam/Kaufi)

Setliste Therion

  1. The Rise Of Sodom And Gomorrah
  2. Son Of The Sun
  3. Abraxas
  4. Ginnungagap
  5. Schwarzalbenheim
  6. Lemuria
  7. Flesh Of The Gods
  8. Son Of The Staves Of Time
  9. Cults Of The Shadow
  10. To Mega Therion

Månegarm (Lounge)

(Raphi) Månegarm spielen ihr erstes Set in der Pyramid Lounge. Zum Intro vom Album „Dödsfärd“ marschiert die Band auf die Bühne, um gleich mit „I Evig Tid“ loszulegen. Ein Lob gleich vorweg an den Mischer, der ganze Arbeit geleistet hat und einen annähernd perfekten Sound für den präsentierten Viking Metal liefert. Die Band zeigt sich in Höchstform und äusserst motiviert. So auch beim anschliessenden „Nattsjäl, drömsjäl“, welches vom Publikum bereits tatkräftig mitgesungen wird. Sehr sympathisch ist, wie Sänger Erik Grawsiö zu Beginn versucht, böse zu wirken, aber spätestens im zweiten Song scheitert, zu schmunzeln beginnt und seine Freude über diese Auftrittsmöglichkeit nicht weiter verbergen kann. Das Publikum nimmt den Faden auf und ist voller Energie. Neben der Hymne „Odin Owns Ye All“ wird besonders „Vedergällningens Tid“ begeistert aufgenommen. Einleitend kommen wir in den Genuss eines Geigensolos von Martin Björklund, welches sich perfekt in den Konzertablauf einfügt. „Sons of War“ und „Hordes of Hel“ laden ebenfalls zum Mitsingen ein, bevor das grandios dargebotene „Hemfärd“ (mit angehängtem Teil aus „Vinternattskväde“) einen überzeugenden Schlusspunkt setzt. Die Band fühlt sich auf der kleinen Bühne sichtlich wohl und überzeugt auf ganzer Linie. Die Messlatte für das kommende zweite Set im Alhambra Theater ist gesetzt und mein Highlight der ersten Hälfte der Kreuzfahrt bekannt.

Cruachan (Lounge)

(Raphi) Die Pyramid Lounge ist etwa zur Hälfte gefüllt, als Cruachan die Bühne entern und uns ihren Folk Metal irischer Prägung („the original, the best“) präsentieren. Bereits als zweites Stück packen die fünf Herren das thematisch passende „The Sea Queen of Connaught“ aus, welches von einer irischen Piratin handelt und zum Mittanzen einlädt. Allerdings sieht dies der Grossteil des Publikums anscheinend anders, da es noch mehrheitlich still und ruhig dasteht. Bandkopf Keith Fay, welcher direkt aus dem Film Braveheart herausgesprungen zu sein scheint, unterhält zwischen den Stücken mit gelungenen Ansagen inklusive schrägem irischen Humor. Der Fokus der Songs liegt verständlicherweise auf dem aktuellen Album „Blood for the Blood God“ und zum Schluss kommt doch noch Bewegung ins Publikum. „The Marching Song of Fiach Mac Hugh“ wird mit einem für die Location verhältnismässig grossen Circle Pit gefeiert, bevor „Ride On“ zum Abschluss von vielen Kehlen mitgesungen wird.

Overkill (Theater)

(Kaufi) Ebenfalls im Theater geht meine Horizonterweiterung in die nächste Runde: Overkill bitten zum Tanz. Thrash Fans kommen dieses Jahr hier definitiv auf ihre Kosten… Auch die New Yorker können sich über eine volle Location freuen und geben anständig Gas. Im direkten Vergleich waren Death Angel und Testament allerdings eine Stufe heftiger. Müsste ja jetzt so passen für mich… „Rotten To The Core“ und „In Union We Stand“ sind zwei Songs, die mir auch tatsächlich rasch ins Ohr gehen. Dürften wohl auch zwei ihrer grössten Hits sein, wenn ich das richtig sehe. Die Herren sind offensichtlich etwas in die Jahre gekommen, doch das hindert vor allem Frontmann Bobby „Blitz“ Ellsworth nicht daran, wie ein Jungspund über die Bühne zu rennen. Und Blitz ist schlussendlich auch das „Problem“: seine Stimme ist – nun ja: gewöhnungsbedürftig. Nicht unbedingt etwas, was ich eine Stunde lang aushalten möchte. Das sehen aber knapp 1‘000 Leute offensichtlich ganz anders.

(pam) Inklusive pam. Mein Super-Friday besteht nebst dem Oriental-Mittelalter-Symphonic-Opera-Metal auch aus gehörig Old-Skul-Thrash-Metal. Da sind meine Wurzeln aus der Teenie-Zeit und müsste ich mich auf ein Genre beschränken … Dann wär‘s wohl der typische Thrash-Metal. Und die alten Säcke von Overkill sind auch Mehrfach-Täter auf der 70K-Cruise. Bobby Blitz hat uns ja schon beim letzten Mal gesagt, dass er dieses „fuckin‘ ship“ liebe. Er meint dann auch, dass es auf dem Boot „One Rule“ gäbe: „I’m in charge!“. Er und Jeff dürfen das sagen, sie sind ja quasi Inventar. Vor allem wenn er uns dann noch bauchpinselt „I Love that fuckin‘ community“ und zurecht nicht ganz unbescheiden „We should be proud of ourselves supporting it for 40 years!“.

Krächzt es und singt gleich so weiter. Ja, Kaufi, seine Stimme ist sicher gewöhnungsbedürftig, vor allem live noch mehr als ab Konserve. Aber hey, die liefern da ein verdammtes Brett ab, da können die 1’001 Leute nichts anders als ihnen die Ehre erweisen. Overkill hatte ich ja für mich auch erst so richtig vor ein paar Jahren auf der Cruise entdeckt und seit damals haben sie ein paar Hammeralben abgeliefert. Unter anderen auch „Ironbound“, dessen extrem geiler Titelsong sie uns jetzt gerade vor den Latz knallen. Ich find die Jungs einfach geil. Nebst Bobby Blitz vor allem auch Basser und Mitgründer D. D. Verni. Einzige das obligate „Fuck You“ als Abschluss könnte man von mir aus auch mal aus der Setliste streichen. Heute wird dieser Liveklassiker dem Skipper gewidmet. „He uses this expression even more than we do.“ Und dann kommt so ein Moment wo man sich fragt, hä, habe ich das jetzt grad richtig gehört? Blitz macht die obligaten Spiele mit dem Publikum. Als dieses „Fuck You“ nach seinem Geschmack nicht laut genug singt, sagt er doch tatsächlich (?) auf Schweizerdeutsch „Vergiss äs“! Muss er wohl von Andy, dem Schweizer Skipper, aufgelesen haben. Wohl so: „Fuck You. Vergiss äs.“

So, Zeit wieder mal was zu Hirten. Mit Anthrax und Annihilator stehen für mich ja noch zwei absolute Highlights an. Mir gehen langsam die Superlative an diesem Super-Friday aus…

Fotos Overkill (pam/Kaufi)

Setliste Overkill

  1. Armorist
  2. Rotten To The Core
  3. Electric Rattlesnake
  4. Hello From The Gutter
  5. In Union We Stand
  6. Our Finest Hour
  7. Hammerhead
  8. Emerald
  9. Ironbound
  10. Elimination
  11. Fuck You

Amorphis (Pool)

(Sandro) Auf Amorphis bin ich besonders gespannt, da ich die Band schon ein paarmal im Z7 und 2015 auch auf der 70’000 Tons Cruise schon mal gesehen hatte. Die Finnen zählen momentan was Melodic Metal angeht ohne Zweifel zu den ganz grossen Adressen! Leider gibt es aus welchen Gründen auch immer (ich war vor Amorphis nur selten auf dem Pooldeck) eine Verspätung von ca. 30 Min. (pam: siehe Haggard). Da sich der Soundcheck auch noch in die Länge zieht, beginnt die Band schliesslich etwa 45 Min. später wie geplant.

Allerdings legen die Herren mit „Under The Red Cloud“, dem Titeltrack des gleichnamigen letzten Albums, gleich gehörig druckvoll los! Waren andere Konzerte die ich bis zu diesem Zeitpunkt auf dieser Cruise gesehen hatte für meinen Geschmack oft etwas zu laut und deshalb teilweise etwas „breiig“ rübergekommen, hört sich der Sound bei Amorphis total sauber an. Zu Beginn vielleicht etwas zu gitarrenlastig, was aber im Verlaufe des Konzerts besser abgemischt wird. Einmal mehr sticht praktisch von Anfang an vor allem die Stimme von Tomi Joutsen heraus! Was dieser Herr stimmlich abliefert ist einfach allererste Sahne! Und das bis jetzt noch bei jedem Konzert welches ich von dieser Band sah. Die Mischung zwischen Growls und cleanem Gesang kommt bei Amorphis so wie bei nur wenigen anderen mir bekannten Bands dieser Stilrichtung rüber!

Das Set geht mit „Sacrifice“ weiter und danach kommt mit „Bad Blood“ für mich ein erstes Highlight! Dieser Track bringt die soeben erwähnte Growl/Clean Mischung sensationell rüber! Ein drückendes, stampfendes Riff mit Growlgesang in den Strophen und ein fast hymnenmässiger Chorus, unterlegt mit einer beinahe zu „singen“ scheinenden Lead-Gitarre. Ganz gross! Spätestens bei diesem Song sind dann auch die letzten Stehplätze vor der Bühne belegt und die zahlreichen Damen und Herren in dem für meine Begriffe etwas überbevölkerten Jaccuzzi auf dem Pooldeck fangen an zu headbangen! Nach „Sky Is Mine“ aus dem „Skyforger“ Album sind wir mit „Drowned Maid“ leider auch schon in der Mitte des Sets angekommen, welches wohl wegen der anfangs erwähnten Verzögerung verkürzt werden muss. Allerdings sind zu diesem Zeitpunkt auch meine beiden weiblichen Begleiterinnen (Anm. Kaufi: alter Schwerenöter!), welche sonst eher zu den „Gelegenheitsmetalhörerinnen“ gehören, vom bis dahin gezeigten schwer beeindruckt! Ein weiterer Beweis, dass Amorphis mit ihrer Musik ein sehr breites Publikum ansprechen. Es geht weiter mit „The Four Wise Ones“ und „Hopeless Days“. Abgerundet wird das Set schliesslich mit dem eingängigen „Silver Bride“ und dem Dauerbrenner „House Of Sleep“.

Zusammengefasst zeigen Amorphis einmal mehr weshalb sie dahingehören wo sie stehen! Ich denke jedes Konzert auf dem Pooldeck bei der 70’000 Tons Cruise ist speziell und sehenswert, schon nur wegen der Atmosphäre! Aber Amorphis unter dem Sternenhimmel der karibischen See ist für mich persönlich doch noch einmal ein Erlebnis der Extraklasse!

(Kaufi) Zugegeben: ich bin nicht ganz so euphorisch wie unser Gastschreiberling Sandro. Aber beeindruckend ist es allemal, was die Finnen hier zeigen… Schon als die Band die Outdoor Stage betritt werden sie mit unbändigem Jubel empfangen. Glasklar: hier spielt eine der am meisten erwarteten Bands. Vor etwas über einem Jahr waren Amorphis in Basel zu Gast, da habe ich die das erste Mal gesehen. Und solange Tomi Joutsen sich aufs SINGEN beschränkt, gefällt mir das. Denn die Melodien, die Riffs – ja, die haben was! Aber das Growlen… nein, muss nicht sein.

Auffallend sind hier die Crowdsurfer. Im Fotograben muss man hier fast mehr aufpassen als bei all den Thrash Bands! Die Kerle kommen 30 Sekunden-Takt geflogen. Wobei: Kerle? Pah – da hat’s sogar einige Ladies dabei… Na gut – bei denen hat die Security dann definitiv kein Problem mit Auffangen… Schlussendlich verziehe ich mich dann doch vor dem Ende wieder vom Pool. Zu viel Growling für meine Ohren… aber über die Performance von Amorphis an sonst kann man wahrlich nichts Schlechtes berichten!

Fotos Amorphis (Kaufi)

Setliste Amorphis

  1. Under The Red Cloud
  2. Sacrifice
  3. Bad Blood
  4. Sky Is Mine
  5. Drowned Maid
  6. The Four Wise Ones
  7. Hopless Days
  8. Silver Bride
  9. House Of Sleep

Axxis (Ice Rink)

(Kaufi) Von der Pool Bühne in den Ice Rink – Kälteschock. Aber man lernt ja. Also hat man etwas wärmere Kleider jetzt… Wenige Minuten bevor die deutschen Melodic Metaller Axxis auf die Bühne kommen, ist es noch erschreckend leer im Saal. Doch das ändert sich zum Glück rasch, so dass man schlussendlich doch vielleicht vor 400, 500 Leuten auftreten kann.

Blickfang ist natürlich Fronter Bernie Weiss. Der Kerl weiss, wie man eine Band durch die Show führt. Spassige Ansagen (die Nörgeli-Fraktion würde behaupten, dass er zu viel labbert – nein! Das passt so!), Spielfreude, voller Einsatz und toller Gesang – was will man mehr? Auch für Axxis gilt wohl, dass der Bekanntheitsgrad hier nicht allzu gross ist. Und so lassen auch sie sich – ähnlich wie Orden Ogan – auf keine Experimente ein und zocken ein saugeiles Best Of Konzert. In den zur Verfügung stehenden 45 Minuten packen sie fast die ganze Historie rein…

Bei „Touch The Rainbow“ holt sich Bernie einen weiblichen Fan als Gast auf die Bühne, welche den Rhythmus prima vorgibt. Die Dame ist sichtlich begeistert – wie auch Bernie selbst… (pam: Das sollte sich dann am Sonntag 1:1 wiederholen. Man ist das eine Labertante! Dagegen ist ja Joakim ein Finne).

Mit „Kingdom Of The Night“ endet der Spass, eigentlich viel zu früh. Da hätte man problemlos noch etwas mehr vertragen… Aber es gibt ja noch eine zweite Show. Und das dann Open Air. Da freut man sich schon…

Fotos Axxis (Kaufi)

Setliste Axxis

  1. Blood Angel
  2. Tales Of Glory Island
  3. Heavy Rain
  4. Little War
  5. Touch The Rainbow
  6. Living In A World
  7. Little Look Back
  8. Kingdom Of The Night

Aufgrund Müdigkeit und der enormen Verspätung auf der Poolbühne mache ich Schluss für heute und verpasse somit leider Annihilator. Aber Pam zeigt da hoffentlich mehr Durchhaltewillen als ich…

Anthrax – (zu) routinierte Big4 (Pool)

(pam) Herr Kaufmann, du verpasst nicht nur Annihilator, sondern auch Anthrax. Bei denen versteh ich ja seit Jahren nicht, warum die nicht auf deinem Radar sind. Thrash Metal mit cleanem, melodiösem Gesang. Joey könnte locker auch in einer Powermetal-Kapelle mittun. Und für Anthrax würde ich mir notfalls auch literweise Red-Bull intravenös geben, um bis zu deren Set durchzuhalten. Sie waren der Hauptgrund, warum ich mich letzten Frühling spontan entschied, wieder mitzucruisen beim geilsten Festival auf See. Nicht weil sie der bisher rein vom Namen her wohl grösste Act auf der Cruise sind, sondern weil die Mosh-Kings mich schon seit Teenie-Zeiten in ihren Bann gezogen haben.

Death Angel, Testament und Overkill haben die Messlatte im Thrashsektor auf der diesjährigen Cruise sehr hoch gelegt. Aber Anthrax in Bestform sollte diese locker überspringen. Das tun sie heute … leider nicht. Irgendwie wirkt das heute viel zu routiniert, zu zurückhaltend, wenn nicht sogar ein bisschen überheblich? Vor allem Scott bewegt sich kaum und das will was heissen. Waren sich die New Yorker ihrer Sache zu sicher? Sie haben wohl die Bretter von Death Angel, Testament und Overkill nicht mitgekriegt. Klar Anthrax sind wie erwähnt eine sehr grosse Nummer, aber eigentlich auch ein Garant für geile Live-Konzerte – als junger Fan hatte ich immer gesagt, gegen Anthrax sei Angus ein fauler Hund (auf der Bühne). Aber heute gibt’s keinen Wardance, kaum Mosh. Selbst der für mich nach Cliff Burton selig geilste Bassist Frank Bello hält sich schon fast zurück. Immerhin ist aber sein Onkel zurück hinter der Schiessbude, nachdem er in den letzten Jahren die eine oder andere Tour zumindest teilweise wegen Handgelenkproblemen aussetzen musste. Einzig Joey macht seine gewohnten Faxen, die immer auch etwas von einem Schaf haben. An solchen Momenten erinnert mich der Halbindianer immer ein bisschen am Marc Storace. Was soll’s, wenn man ein solches Stimmorgan wie die beiden hat, braucht man nicht viele geistige Talente.

Fazit: Die erweiterten Big4 Thrasher haben die erste Runde gewonnen. Mal schauen, ob die Mosher übermorgen ihrem Ruf besser gerecht werden. Oder was meint ein nicht Hardcore-Fan dazu?

(Raphi) Geniale Show mit einer tollen Setlist. Joey Belladonna gibt alles und auch die Gitarrenfraktion ist unbedingt lobend zu erwähnen. Der Auftritt ist von Anfang bis Ende absolut headlinerwürdig.

(pam) Hm, OK. Da bin ich mir halt einfach mehr gewöhnt von den Moshkönigen. Ein paar Wochen später in einem Interview mit Scott Ian verrät er mir ziemlich offen, dass er u.a. das Publikum auf der Cruise weniger gut findet, als an traditionellen Festivals. Da bin ich nicht ganz gleicher Meinung, auch wenn sicher das Publikum auf der Cruise älter ist und somit auch nicht mehr immer voll abgeht und sich in jeden Pogo stürzt. Scott war jedoch ausser bei seinen zwei Auftritten praktisch nur in der Kabine am Arbeiten bzw. Schreiben eines neuen Buches. Das erklärt, warum man ihn kaum sah auf dem Schiff. Aber eventuell auch, dass er eine etwas falsche Wahrnehmung der 70’000 Tons hat und dadurch vielleicht unbewusst weniger Gas gab als gewohnt.

Fotos Anthrax (pam)

Setliste Anthrax

  1. A.I.R.
  2. Caught in a Mosh
  3. Madhouse
  4. Monster at the End
  5. I Am the Law
  6. Fight ‚Em ‚Til You Can’t
  7. Evil Twin
  8. Aftershock
  9. Blood Eagle Wings
  10. Antisocial
  11. Be All, End All
  12. Breathing Lightning
  13. Indians

Annihilator (Theater)

(pam) Den Abschluss der Ur-Thrasher und meines Super-Friday bilden die Kanadier um den omnipräsenten Jeff Waters. Wie schon erwähnt Stammgast auf der Cruise und irgendwie immer auf dem Schiff unterwegs. Nur schon seit ich inzwischen tishimässig mit Annihilator unterwegs bin, ist er mir sicher fünf Mal über den Weg gelaufen. Aber scheinbar trifft es sich einfach mit uns beiden. Es wird zum Running Gag, dass er beim Vorbeilaufen so ganz nebenbei erwähnt „Nice Shirt!“. Bis ich dann fürs Annihilator Konzert auf dem langsam abkühlenden Pooldeck das Anthrax Hoodie drüberziehe. Das fand er zwar auch cool, aber bemängelte etwas an der Reihenfolge. Hey, meine Helden, ich geb mir ja schon Mühe meist mit adäquatem Bandshirt euren Konzerten beizuwohnen, aber ich kann ja nicht mit Hoodie rumlaufen wenn’s noch warm ist und dann mit Shirt umgekehrt. (Kaufi: dann kauf dir zweiten Hoodie und zweites Shirt, damit es passt!) Anyway, wir beiden scheinen diesen Running Gag zu geniessen. Er erwähnt dabei auch wieder mal, dass ihn hier eh keiner als Gitarrist von Annihilator – was ja keine Riesenunterreibung ist, denn Jeff IST Annihilator – kenne, sondern nur als der Typ, der die Jam Session organisiert. In Europa schaut’s ein bisschen anders aus. Während sie in den USA und teilweise auch in Kanada kaum bekannt sind, gehören sie in Europa sicher zu den Top 10 Old-Skul-Thrashern. Bei mir wären sie in den Top 5. Ich war ja auch schon als Teenie mit dem „Never, Neverland“ Shirt unterwegs.

Jeff macht dann auch auf der Bühne seine Standardsprüche – insbesondere wie falsch der Bandname in all den Ländern ausgesprochen wird. Und ja, der „Anal-Eater“ kommt dabei auch vor. Nun, wir bewundern das Gitarren-Genie ja nicht wegen seiner Spruchreife. Auch sonst gibt’s nicht viel Neues von diesem Set zu berichten. Wie meist mit komplett neuer Mannschaft unterwegs, die wie immer Thrash-Metal auf allerhöchstem Niveau zelebriert. Wenn Jeff sich schon immer wiederholt, dann mach ich das auch: „Genie und Wahnsinn laufen bei Jeff Hand in Hand“. Und sein Streben nach höchster Perfektion treibt wohl auch immer wieder seine Mitmusiker in den Wahnsinn. So ist Jeff wieder Mal ohne Sänger unterwegs und macht das auch wieder mal selbst. Er singt auch gar nicht so schlecht, aber dafür schleicht er weniger mit seinem Signature-Move über die Bühne. Der gebückte Teufelsgang ist schon geil anzusehen. So oder so, der perfekte Abschluss meines Super-Friday. Mehr geht nicht – Thrash und Symphonic as its best – und somit hat mich die Matratze wieder mit einem fetten Smile!

Die Annihilator Fotos haben sich leider schwupps in Luft aufgelöst. Schade, wären noch ein paar gute dabei gewesen … 🙁

Annihilator Setliste

  1. Suicide Society
  2. King of the Kill
  3. Creepin’ Again
  4. No Way Out
  5. Set The World On Fire
  6. W.T.Y.D.
  7. Alison Hell
  8. No Zone
  9. Second to None
  10. Syn. Kill 1
  11. Phantasmagoria

Einherjer (Lounge)

(Raphi) Vor der Kreuzfahrt haben Einherjer angekündigt, dass sie zwei komplett verschiedene Sets spielen würden. Eines davon würde auf ihrem Debutalbum „Dragons of the North“ basieren. Der Pyramid Lounge kommt diese Ehre zuteil und die Location ist auch dementsprechend gut gefüllt. Leider ist der Sound zu Beginn etwas dumpf, was besonders dem Opener „Dreamstorm“ nicht sehr zuträglich ist und die Melodien etwas verschluckt. Im Laufe des Konzerts wird der Klang jedoch besser, auch wenn die Samples erst am Schluss richtig hörbar sind. Dennoch zeigt die Viking Metal Band aus Norwegen einen hervorragenden Auftritt und spielt abgesehen von „Fimbulwinter“ tatsächlich das gesamte „Dragons of the North Album“. Leadsänger Frode Glesnes ist bei seinen Ansagen eher zurückhaltend und beschränkt sich auf das Minimum, zeigt ansonsten jedoch eine sehr atmosphärische Darbietung. Gitarrist Aksel Herløe macht es sich derweil zur Aufgabe, das Publikum in Fahrt zu bringen. Dieses bleibt jedoch eher ruhig und kommt wenig in Bewegung. Der Titeltrack beendet schliesslich den düster gehaltenen aber dennoch sehenswerten Auftritt.

 

Tag 3 – Samstag, 4. Februar 2017 – Haiti calling

(Kaufi) Tag drei ist im Prinzip der Day Off. Oder so. Einfach der Tag, an dem der müde Kreuzfahrer auch mal an Land kann. Dieses Jahr ist das in Labadee, Haiti, der Fall. Royal Carribean, die Besitzer der „Independence Of The Seas“, besitzen hier ein eigenes Ressort mit wunderschönen Sandstränden, Bars sind auch vorhanden und einige wenige Ausflugsmöglichkeiten wären auch im Angebot. Doch für uns gibt’s in den nächsten Stunden nur eins: Strand, Sonne, Bier und ab und zu einen Schwumm im Meer. Das alles findet man wirklich nur wenige Gehminuten vom Schiff weg – kein Vergleich zur letzten Destination in Jamaika, wo man mit dem Taxi irgendwohin kutschieren musste. Ja, hier lässt es sich relaxen! Denken auch viele Musiker und Bands, die sich überall tummeln. Begehrtestes Objekt für Selfies ist zweifellos Overkill Fronter Blitz, der kaum zwei Meter laufen kann, ohne dass er seinen Mittelfinger gegen eine (Handy-)Kamera richten muss. Und auch der wohl älteste Musiker an Bord, Uli Jon Roth, gönnt sich eine Abkühlung im Atlantik.

Als neutraler Beobachter kann man die Destination „Haiti“ durchaus in Frage stellen. Wie können da Tausende Leute auf diese arme Insel kommen und einfach eine Party machen? Andy Piller, der Skipper und Chef der „70‘000 Tons Of Metal“ hat sich diese Frage auch gestellt. Aber weil RC dieses Ressort besitzt, fliesst viel Geld von der Reederei direkt in die Infrastruktur des ganzen Landes. Was schlussendlich sicher besser als gar nichts ist.

Bevor der grosse Run zurück aufs Schiff beginnt, machen wir uns bereits vom Acker. Sonne und so gibt’s ja da auch noch. Und vielleicht etwas mehr Sonnencreme, meine Wenigkeit ist bereits „leicht“ errötet…

(Pam) Ja, definitiv gemütlicher Start in den Tag. Zmörgelen und dann ohne Anstehen easy aus dem Schiff laufen. Das haben wir mit Tender-Booten auch schon anders erlebt. Beim Ausgang steht noch ein etwas verlorener Typ mit Kappe rum. Beim zweiten Blick erkenn ich unter dieser Joey Belladonna von Anthrax. Da kann ich ja fast nicht einfach dran vorbeilaufen und bitte um ein Foto. Wir kommen dann etwas länger als geplant ins Gespräch und freuen uns beide auf das Konzert vom 15. März in Zürich – und der eher schmächtige Belladonna erzählt mir nebenbei, dass er früher Eishockey-Goalie war. Irgendwann kommt dann noch mein Überheld – Basser Franky – dazu. Nochmals von vorn mit der Prozedur. Wie immer machen die Musiker auch immer easy mit. Ist alles relaxed.

Und so gesellen wir uns zu Kaufi, Säm und der Basler Truppe und machen das bereits von Kaufi erwähnte Programm mit. Ich sag zwar immer, der obligate Stopp auf der 70’000 Tons of Metal Cruise sei unnötig, aber ich geb’s zu, so lässt es sich auch mal ein paar Stunden leben.

Fotos Labadee (pam/Kaufi)

Zurück auf dem Dampfer machen wir mal ein Foto mit ein paar Schweizer Cruisern an Board. Es sind bei weitem nicht alle informiert und da. Müssten wir mal vor der Cruise abmachen. Auch wenn ich nicht so auf Nationenstatements stehe – wenn dann schon lieber «Show Your Metal!» – aber so ein Erinnerungsfoto ist auch mal cool.

Mors Principum Est (Pool)

(Kaufi) Weil ich nichts Gescheiteres zu tun habe grad (man kann ja nicht pausenlos Bier trinken…), schnappe ich mir meine Kamera und gehe zur ersten Band des Tages auf dem Pool Deck. Die Finnen von Mors Principum Est sind die erste Band, die ihre zweite Show spielt. Aber musikalisch nicht mein Ding, das hatten wir schon. Also schnell wieder weg.

Fotos Mors Principum Est (Kaufi)

Overkill (Pool)

(Kaufi) Im Gegensatz zum Vortag läuft das Programm auf der Pool Stage heute überaus pünktlich. Die Sonne ist bereits verschwunden, als Overkill ihr zweites Set starten. Und heute funktionieren auf der Bühne auch die Nebelwerfer. Meine Fresse… Etwas Effekte sind ja gut und recht, aber hier wird massiv übertrieben! Die New Yorker werden fast pausenlos von allen Seiten mit Nebel eingehüllt. Abgesehen davon, dass die Fans kaum was sehen, macht’s auch das Fotografieren nicht gerade einfach. Musikalisch hat mir der erste Auftritt etwas besser gefallen, denn heute geht mir die giftige Stimme von Blitz noch deutlich mehr auf den Zeiger. An der Performance an sich gibt’s jedoch nichts zu rütteln, der Fünfer ist hoch motiviert und hat sichtlich den Plausch. Wie auch die Crowdsurfer…

Fotos Overkill (Kaufi/pam)

 

Draconian (Ice Rink)

(Pam) Ich lass zumindest einen Teil vom Set der New Yorker Overkill aus und begebe mich vom Strand in die Ice-Box bzw. in den Ice Rink zu Draconian. Ich besitze eine CD von denen und Songs wie „Transylvanian Love“ gefallen mir sehr gut. Doch deren Set heute ist mir kurz nachdem wir gerade noch auf einer Insel in der Karibik hängten zu melancholisch. Da schau ich doch nochmals lieber auf dem Pooldeck bei Overkill vorbei, die mir dann kurze Zeit später wieder ihren Rausschmeisser „Fuck You“ entgegenschmeissen. Na Dankeschön, Fuck you too denn.

Fotos Draconian (pam)

Trollfest (Ice Rink)

(Raphi) Da sitze ich ohne Vorahnung und böse Gedanken im Ice Rink und schon marschiert eine Truppe gekleidet in koloniale Tropenausrüstung auf die Bühne, um „True Norwegian Balkan Metal“ zu spielen. Die nächsten fünfundvierzig Minuten entsprechen musikalisch der Vertonung eines Jackson Pollock-Bildes: wild, bunt, chaotisch. Die Arena ist randvoll mit Zuschauern. Unter der Anleitung von Leadsänger Trollmannen tanzen diese den Trolltanz (rhythmisches in-die-Knie-gehen) oder durchqueren den Ice Rink in zwei gleichzeitig ablaufenden Polonaisen. Die restlichen Bandmitglieder sind derweil immer wieder mal im Publikum anzutreffen, wo sie sich dem wilden Treiben anschliessen. Mir sagt die Musik hingegen nicht zu. Nach einer Weile klingen die verrückten Lieder in meinen Ohren zudem alle sehr ähnlich. Deshalb betrachte ich das Geschehen aus sicherer Entfernung von einem der Sitzplätze und kann über die verwirrten Barangestellten schmunzeln, welche ob des Kontrasts zu den übrigen Bands vollends durcheinander sind (die nächste Band im Ice Rink: Marduk…). Kaum gedacht, spurtet eine bärtige Banane mit aufblasbarem Artgenossen in der Hand vor der Bar durch, um sich der Polonaise anzuschliessen. Der durchgeknallte Auftritt ist eine Erfahrung für sich, aber einmal im Leben reicht mir voraussichtlich.

Testament (Pool)

(Kaufi) Noch mehr Thrash unter freiem Himmel. Dieses Mal sind Testament an der Reihe. Und wer gedacht hat, dass die Show im Theater schon krass war, der kommt jetzt aus dem Staunen kaum mehr heraus. Was die Jungs aus der Bay Area hier abliefern ist der Wahnsinn. Luft holen? Fehlanzeige. Crowdsurfer. Und noch mehr Crowdsurfer. Das ist fast noch extremer als bei Amorphis am Tag zuvor. Und als Chuck Billy „Into The Pit“ ankündigt, spritzt das Wasser nur so aus dem Whirlpool vor der Bühne. Ein Wunder, dass danach da überhaupt noch was drin ist…

Nun ja – aber da auch Testament schlussendlich nicht zu meinen Favs zählen, überlasse ich das Feld mal Pam, vielleicht weiss der noch mehr zu erzählen…

(Pam) Nun ja, ich kann deine Lobeshymne oben kaum toppen. Meine kurze und allessagende Notiz in meinem Cruise Tagebuch: „Ein Brett. Old School Rules“. Testament konnten mich in jungen Jahren nie wirklich 100% packen. Ich fands sie zwar immer OK, aber Metallica, Anthrax, Annihilator, Sepultura & Co. waren mir näher, eingängiger. Bis ich … die vor ein paar Jahren die damals neue Scheibe „Dark Roots On Earth“ in den Händen hielt. Zu geil das Teil, um die Bay Area Thrasher nach wie vor so Stiefmütterlich zu behandeln. Kaufi, das muss dir doch auch gefallen (siehe Death Angel).

Fotos Testament (pam)

Setliste Testament

  1. Practice What You Preach
  2. Rise Up
  3. The Pale King
  4. Raging Waters
  5. Into The Pit
  6. The New Order
  7. Stronghold
  8. D.N.R. (Do Not Resuscitate)
  9. 3 Days In Darkness
  10. Alone In The Dark
  11. Disciples Of The Watch

 

Haggard – Universumklasse (Theater)

(pam) Von diesem Outdoor-Thrash-Metal-Gewitter zurück in den Schoss vom Mutterschiff. Haggard kriegen nach dem verwehten Auftritt auf dem Pool ihre zweite Chance und keine Frage, diese nutzen sie in einem zu 3/4 gefüllten Theater. Was schon eine starke Leistung ist, denn, wenn auch schwer verständlich für mich, dieser Operngesang im Metal ist nicht jedermanns Sache. Doch vor allem in Lateinamerika geniessen die Bayern einen hervorragenden Ruf und die sind hier auch klar in der Überzahl. Da wird auch schon mal zum Klassiker „Awakening The Centuries“ gepoggt.

Cool, wie schon 2014 als sich die beiden Gitarristen Asis und Claudio fast unbemerkt unters Volk mischen und kreuz und quer, hoch und runter spielend durchs Theater laufen.

Der Kopf und das Herz von Haggard Asis betont einmal mehr, dass zwar viele Veranstalter und Promotoren sie jeweils gerne buchen würden, aber nur mit fünf Leuten. Doch „das machen wir nicht.“ Keine Samples, keine Kompromisse, was du hörst ist was du siehst. Und dementsprechend dankbar ist er, dass Andy die Band mit diesmal 12 Musikern schon zum zweiten Mal auf die Cruise bucht.

Andy, dafür bin auch ich und die anderen Leute hier mehr als nur dankbar. Gerne immer wieder. Haggard ist eine der Bands, die man live nie verpassen sollte. Zu einmalig, zu hochstehend, zu geil!

(Raphi) Das Alhambra Theater ist für Haggard genau das richtige Ambiente. Mich überzeugen nicht ganz alle Stücke restlos, aber die Show ist sehr sehenswert und es gibt viel tolle Musik zu bestaunen.

Fotos Haggard (pam)

Kamelot (Pool)

(Kaufi) Saltatio Mortis spielen während der Umbaupause wieder irgendwo einen Akustik Gig. Ich warte in der Zwischenzeit auf Kamelot. Eigentlich eine Band, die mir zusagen müsste. Aber irgendwie wurde ich mit denen nie richtig warm. Aber mal wieder eine Chance geben. Überraschend für mich: Kamelot sind neben Anthrax und Arch Enemy die einzige Band, die zweimal 75 Minuten Spielzeit erhalten! Sprich: dies dürfte somit der Tages Headliner auf dem Pool Deck sein.

Doch jetzt hat es deutlich weniger Volk hier als bei Testament. Die Thrasher sind wohl allesamt (noch) beim Abendessen… Kamelot starten jedenfalls pünktlich ihr langes Set und auch sie werden sofort kräftig mit Nebel eingedeckt. Musikalisch ist das sogar recht hörbar, irgendwie muss ich mir da doch mal noch die eine oder andere CD besorgen. Allerdings bin ich nicht sehr erfreut, dass die blauhaarige Frontdame von Arch Enemy bei etwa vier Songs auf die Bühne kommt und diese Nummern mit ihrem Gekeife schlicht zur Sau macht. Braucht’s nicht, sehr schade. Und ich weiss jetzt schon, dass ich den Headliner am nächsten Tag auch Pam überlassen kann… Ah ja: und Drum Solos sind generell überflüssig, hier erst recht. Ein zwiespältiger Eindruck, der mir hier bleib

(pam) Hm, bin gespannt wie Raphi das wahrgenommen hat …

(Raphi) Der Publikumsaufmarsch lässt vermuten, dass Kamelot für viele den Headliner der diesjährigen Kreuzfahrt darstellen (pam: So unterschiedlich die Wahrnehmung … wohl alles eine Frage der Perspektive im wortwörtlichen Sinn). Das Pooldeck ist während des Auftritts der Amerikaner von Anfang bis Schluss randvoll und vor der Bühne wird fleissig mitgesungen. Die Band zeigt eine sauber durchgeplante Darbietung mit einer imposanten Lichtshow, die den passenden Rahmen liefert. Sänger Tommy Karevik ist ständig in Bewegung und nutzt die ganze Bühne aus, um die Zuschauer immer wieder zum Mitmachen aufzufordern. Auch die Instrumentalisten sind aktiv bei der Sache, was den dynamischen Gesamteindruck noch verstärkt. Gegen Ende hin erscheint zur grossen Freude der Fans Alissa White-Gluz von Arch Enemy, um ihre Growls für „Liar Liar“ beizusteuern. Kurz darauf kommt auch noch Elize Ryd von Amaranthe auf die Bühne und die beiden unterstützen Tommy gemeinsam bei „Sacrimony“. Nach einem tollen Auftritt verabschiedet sich die Band ausgiebig und das Publikum bedankt sich mit grossem Applaus.

Fotos Kamelot (Kaufi)

Amorphis (Theater)

(Kaufi) Zum ersten Mal am heutigen Tag gebe ich mir eine Indoor Show. Amorphis sind im Theater an der Reihe. Die Finnen haben jetzt einen fantastischen Sound – keine Ahnung, warum das bei anderen Bands nicht gleich funktionieren kann. Dafür werden aber auch sie lichtmässig schwer im Dunkeln gelassen.

Wenn ich das richtig verstehe, dann spielen der charismatische Fronter Tomi Joutsen und seine Truppe heute ihr komplettes „Eclipse“-Album aus dem Jahr 2006. Zwar kenne ich nach wie vor keinen einzigen Song der Truppe, aber der ganze Gig scheint mir softer und eingängiger zu sein als auf dem Pool Deck am Tag zuvor. Und weniger Gegrowle, was meine Ohren auch freut. Überraschenderweise verlassen einige Fans das erneut sehr gut gefüllte Theater mit der Begründung, dass die Show deutlich schwächer sei… Zugegeben: ich bleibe auch nicht bis ganz zum Ende, aber ich habe schon schlimmeres gehört als das jetzt.

(Pam) Genau, richtig erkannt. Sie spielen das ganze – geniale – Eclipse Album. Gut, live kann das schon mal etwas langweilig werden, da wäre ein bisschen Abwechslung von einem anderen Album schon nicht schlecht. Passend zum düster-schönen Sound sieht man Tomis Gesicht verdeckt hintern seinen Strähnen die ersten fünf Songs kaum. Vor drei, vier Jahren an gleicher Stätte waren das noch meterlange Dreadlocks-Zöttel, die er wie eine Peitsche um sich schwang. Mitmusiker und Fotografen im Pit lebten gefährlich. Doch obwohl man ihn nicht oder kaum sieht, sich dabei eher auf seine aussergewöhnliches Mikrofon – welches aus dem Film „Einstein Junior“ stammen könnte – konzentriert, hat er eine gewisse Aura, die ihn umgibt und die einen auch packt. Das funktioniert ohne viel zu sagen. Halt wie deren Herkunftsland selbst. Flach wie eine Flunder und doch tiefgründig mit seinen 1’000 Seen. Und so hört sich auch deren Musik an.

Aber es hat durchaus sehr eingängiges aus dem Album von 2006 bei dem Sänger Tomi sein Debut gab. Wie „Born From Fire“ und vor allem „Brother Moon“ find ich als Melodienjunkie sehr geil. Ein guter Moment, um den heutigen Tag abzuschliessen und von der eiskalten Schönheit des winterlichen Lapplands zu träumen. Ich bin raus.

Fotos Amorphis (pam/Kaufi)

Setliste Amorphis

  1. Two Moons
  2. House Of Sleep
  3. Leaves Scar
  4. Born From Fire
  5. Under A Soil And Black Stone
  6. Perkele (The God Of Fire)
  7. The Smoke
  8. Same Flesh
  9. Brother Moon
  10. Empty Opening
  11. Death Of A King

Einherjer (Ice Rink)

(Raphi) Im Ice Rink treten Einherjer kurz vor Mitternacht ihr zweites Set an. Zuschauer sind nur sehr wenige erschienen und die Miniarena ist fast leer. Das Set besteht diesmal rund zur Hälfte aus Songs vom aktuellen Album „Av oss, for oss“. Das Publikum macht mit spürbar mehr Energie mit als am ersten Konzert und auch die Band scheint sich auf der grösseren Bühne um einiges mehr zuhause zu fühlen. Frode schmückt seine Ansagen aus und der noch nicht lange zur Band gestossene Gitarrist Ole Sønstabø grinst bei seinen Solos immer mal wieder zufrieden zu den Fans hinunter. Diese wissen zu schätzen, dass Klassiker wie „Odin Owns Ye All“ oder das epische „Far Far North“, welches ich zum ersten Mal höre, gespielt werden. Besonders letzteres Stück ist herausragend und zeigt, dass auch Aksel gut singen kann. Heute sind zudem die Samples gut hörbar, was vor allem bei „Iron Bound“ und „Berserkergang“ zum Tragen kommt. Auch sonst hat der Mischer seinen Job wirklich prima erledigt und einen schönen Sound kreiert. So wird der gelungene Auftritt von den Anwesenden mit lautem Applaus gewürdigt.

Grave Digger (Pool)

(Kaufi) Nachts um halb eins. Geisterstunde. Passende Zeit für die Totengräber. Zeit für Grave Digger. Zwar können sich die Deutschen nicht über den grössten Publikumsaufmarsch auf dem Pool Deck freuen, aber dafür über eine feierwütige Crowd. Chris und Co. geben dies auch gerne zurück und zeigen erneut eine bärenstarke Performance. Die neuen Songs „Healed By Metal“ und „Lawbreaker“ fügen sich tadellos ein in das Set, genauso wie „Free Forever“ und „Hallelujah“.

Eines wird mir jedoch immer wieder ein Rätsel sein: Warum kleben sich Bands Setlists auf die Bühne, wenn sie sich dann doch nicht daranhalten? Ich habe mich extrem gefreut, als ich „Morgane Le Fey“ gelesen habe – welcher dann gegen „Hallelujah“ ausgetauscht wird. Schade! (pam: Tja, die gehen halt davon aus, dass die auch keiner als sie selber sehen…). Die wirklichen Highlights sind nämlich halt doch die Klassiker, hier freut mich dafür vor allem, dass „The Round Table (Forever)“ den Weg zurück ins Programm gefunden hat. Und mit dem abschliessenden Viererpack „Excalibur“ / „Highland Farewell“ / „Rebellion (The Clans Are Marching)“ / „Heavy Metal Breakdown“ können die Deutschen eh nix falsch machen. Beim letzten Song bildet sich auf dem klatschnassen Deck (im Whirlpool wird heftig geplantscht) sogar ein Moshpit… Zu Powermetal. Naja.

Um halb zwei Uhr morgens ist Schluss, die Totengräber verlassen unter verdientem Applaus nach einem erneut starken Auftritt die Bühne, meine Stimme ist (wieder einmal) zur Sau, Bier mag ich auch keines mehr. Also mal etwas schlafen, am Sonntag geht’s ja bereits wieder früh los.

Fotos Grave Digger (Kaufi)

Setliste Grave Digger

  1. Healed By Metal
  2. Lawbreaker
  3. The Round Table (Forever)
  4. Witch Hunter
  5. Season Of The Witch
  6. Free Forever
  7. Tattooed Rider
  8. Hallelujah
  9. Excalibur
  10. Highland Farewell
  11. Rebellion (The Clans Are Marching)
  12. Heavy Metal Breakdown

Tag 4 folgt in Kürze

Gastbeitrag von Sandro


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70’000 Tons of Metal 2017 – Anthrax, Arch Enemy, Kamelot, Therion, Amaranthe u.v.m.
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