Metalinside.ch - Thunder - Z7 Pratteln 2017 - Foto Nicky
Mo, 17. April 2017

Thunder, Dögz

Z7 (Pratteln, CH)
/ 21.04.2017
602

Ein Hardrock Abend der Sonderklasse im Z7 – Thunder sind wieder da

Seit die Briten Thunder 2013 den Rücktritt vom Rücktritt erklärten, ist die Band immer mal wieder zu sehen und hat doch auch zwei komplett neue Alben aufgenommen. Zum aktuellen Werk „Rip It Up“ befinden sie sich zurzeit auf einer ausgedehnten Europatour inklusive Zwischenhalt im Z7.

Als ich mit meiner Frau und heutigen Fotografin Nicky eine halbe Stunde vor Beginn in der Halle antreffe, fallen zwei Dinge auf. Punkt eins: heute ist ein Abend für die ältere Generation! Und Punkt zwei: es sind kaum 150 Leute da – bis jetzt zumindest. Eher mager, aber vielleicht bessert sich das ja noch. Erfreulich dafür die Tatsache, dass Thunder merchmässig zwar nur ein T-Shirt zum Verkauf haben, doch das kostet nur gerade 25 Stutz. Das Girlie (ohne Backprint) ist sogar noch einen Schnegg billiger. Sehr fair, Daumen hoch dafür!

Dögz

Thunder scheinen auf dieser Tour keine feste Vorgruppe zu haben. So kommt es, das die Berner Dögz den Slot als Opener des Abends erhalten. Die Bluesrocker um ex-Krokus Drummer Freddy Steady legen pünktlich los und bieten dem Publikum während 45 Minuten einige Unterhaltung. Fronter Philipp „Bluedög“ Gerber verlässt bereits beim dritten Song die Bühne und macht einen Ausflug ins Publikum, Basser J.C. Wirth hat daran sichtlich seinen Spass wie auch Brigitte Geiser hinter den Tasten.

Musikalisch ist 70er Sound Trumpf, Hammond Orgeln, Jams, Solos – alles, was man sich da so wünscht. Nur: ich persönlich bin da wohl vielleicht doch noch etwas zu jung, aber diese ausufernden Dinge packen mich nicht so recht. Irgendwann wird’s für meine Ohren etwas langweilig. Wobei ich in keiner Weise die Leistung der Band schmälern will, denn die geben wirklich alles! Mittlerweile sind auch nochmals mehr Leute eingetrudelt und spenden den Dögz den schlussendlich auch verdienten Applaus.

Thunder

Danny Bowes, Luke Morley, Ben Matthews, Chris Childs und Harry James: das sind Thunder. Und die fünf Herren stehen für qualitativ hochstehenden Hardrock. Dies – mit Unterbrüchen – seit bald 30 Jahren. Zwei neue Alben („Wonder Days“ 2015 und ganz aktuell „Rip It Up“) haben die Londoner seit ihrer Rückkehr aufgenommen und veröffentlicht. Doch auch wenn beide Werke durchaus ihre Momente haben: zu den alten Grosstaten fehlt halt doch einiges. Doch live ist das ja immer eine etwas andere Geschichte. Und Bowes & Co sind auch als hervorragende Bühnenband bekannt. Also freuen wir uns, auf was da jetzt kommt!

Exakt um 21.15h geht das Licht aus, Thunder betreten die schlicht gestaltete Bühne (einzig rechts und links der Drums stehen zwei Banner mit blumengeschmückten Totenköpfen) und starten mit „No One Gets Out Alive“, dem Opener des neuen Silberlings, direkt gefolgt von „The Enemy Inside“. Mittlerweile haben sich vielleicht 400 Leute in der Halle eingefunden, die jetzt den ersten Song geniessen, den man als „Klassiker“ bezeichnen könnte: „River Of Pain“. Die Band selbst scheint derweil noch etwas in der Aufwärmphase zu sein. Allzu viel Aktivität ist noch nicht auszumachen, auch Spassvogel und Frontmann Danny ist noch etwas zurückhaltend. Mit „Ressurection Day“ und „Right From The Start“ folgen nochmals zwei neu(er)e Songs, doch das erste Mal richtig zündet es im Z7 erst bei der Hymne „Backstreet Symphony“. Jetzt gibt’s auch im Publikum richtig Stimmung, darauf haben die meisten Zuschauer (ich inklusive) gewartet. Mit „Higher Ground“ folgt gleich nochmals ein Schmankerl vom Debut Album, bei dem die weiblichen Fans den Refrain brav mitsingen (oder es zumindest versuchen) – die Herren der Schöpfung zeigen sich textlich erstaunlich unsicher und schweigen deshalb lieber… Bowes bedankt sich bei den Ladies. Und zu den Boys meint er lapidar „Fuck off!“… „I Love you Ladies! And Boys… Fuck off!“ Klare Ansagen!

Es folgt wieder neues Material, hier vermag jetzt „The Thing I Want“ aber richtig zu überzeugen. Bowes hat mit der vorherigen Ansage gezeigt, dass er auf der Betriebstemperatur angekommen ist, und auch die Matthews und vor allem Morley kommen mehr und mehr aus sich heraus, während Childs weiterhin cool grinsend etwas im Hintergrund bleibt. Morley zaubert derweil auf seinen sechs Saiten, dass es eine Freude ist. Auf altes („Don’t Wait For Me“) folgt neues („Rip It Up“) folgt altes („Love Walked In“) folgt mittelaltes („I Love You More Than Rock’n’Roll“). Weil der Titeltrack des 2017er Werks auch zum besseren gehört, weil vor allem „ILYMTRNR“ eine unglaubliche Live-Granate ist und weil jetzt Thunder endgültig und nonstop aufs Gaspedal drücken, ist die Show nun richtig, richtig gut! Und nach gerade mal 75 Minuten auch schon vorbei…

Die paar Hundertschaften im Z7 fordern vehement noch einen Nachschlag. Der wird auch geliefert – mit dem Titeltrack des 2015er Albums „Wonder Days“. Vom gleichen Album gibt’s den ziemlich in die Länge gezogenen Bluesrocker „Serpentine“, bei dem Bowes einmal mehr seine Qualitäten als Frontmann unter Beweis stellt. Das Ende naht derweil unaufhaltsam. Ein letztes Mal: springen, singen, schreien, tanzen, mit den Armen fuchteln, klatschen: „Dirty Love“ bildet den furiosen Schlusspunkt. Nach genau 100 Minuten heisst es „Thank you and Goodbye“, das Licht geht an und die Leute strömen raus…

Fanzit

Metal Factory Kollege Tinu meint nach der Show, dass er das Gefühl hat, dass „man es mir nie recht machen könne“ (Anm. von pam: Ach was, der hat noch nie einen Sabaton, Maiden oder Pretty Maids Bericht von Kaufi gelesen ;-). Warum das? Nun, im Vorfeld habe ich mich (einmal mehr) darüber ausgelassen, dass viele ältere Bands zu oft nur auf (die gleichen) Klassiker setzen und je nachdem die neueren Alben (oder auch grossartige ältere Werke!) ziemlich ignorieren. Nun – Thunder haben heute 16 Songs gespielt. Neun davon (somit über die Hälfte) waren von den letzten beiden Alben, weitere fünf vom Debut Album. Somit haben die Briten genau DAS gemacht, was ich immer „fordere“! Doch das Problem in diesem Fall ist, dass weder „Wonder Days“ noch „Rip It Up“ (mich) restlos überzeugen können, auch live nicht. Dass zudem das beste Album „Laughing On Judgement Day“ komplett ignoriert wird, ist aus Sicht der Band zwar sehr mutig, aus Sicht der Fans zweifellos sehr schade.

Aber was soll ich jammern? Thunder sind dennoch eine wirklich starke Live Band und wie auch schon bei früheren Shows ist’s nach einer Angewöhnungsphase ein prima Konzert geworden! Man kann also keinesfalls sagen, dass sich die Fahrt nach Pratteln nicht gelohnt hätte. Ich freu mich jedenfalls schon darauf, die Jungs irgendwann irgendwo wieder zu sehen!

Setliste Thunder

  1. No One Gets Out Alive
  2. The Enemy Inside
  3. River Of Pain
  4. Ressurection Day
  5. Right From The Start
  6. Backstreet Symphony
  7. Higher Ground
  8. In Another Life
  9. The Thing I Want
  10. Don’t Wait For Me
  11. Rip It Up
  12. Love Walked In
  13. I Love You More Than Rock’n’Roll
  14. Wonder Days*
  15. Serpentine*
  16. Dirty Love*

* Zugaben

Fotos Dögz und Thunder (Nicky)


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