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Metalinside.ch - Amon Amarth - Wacken 2017 - Foto pam
Di–Sa, 1.–5. August 2017

Wacken Open Air 2017 – Volbeat, Amon Amarth, Accept, Alice Cooper u.v.m.

Wacken (Schleswig-Holstein, DE)
/ / 15.08.2017
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Return To (The) Roots

Zahlreiche Bands, der altbekannte Wetter-Mix, Schlamm und literweise Bier – so lief die 28. Ausgabe des W:O:A

Dutti: Auch mein inzwischen 7. Besuch auf dem (un-)heiligen Acker des Wacken Open Airs war ein fantastisches Erlebnis. Dieses Mal durfte ich allerdings meine Journalisten-Brille montieren und das ganze Festival aus einer anderen Perspektive betrachten. Zusammen mit meinen Metalinside-Kollegen pam und Domi machte ich mich auf die Jagd nach möglichst vielen Festival-Impressionen. Im nachfolgenden Bericht teilen wir diese Eindrücke nun gerne mit euch.

Domi: Wie Kollege Dutti, bin auch ich ein überzeugter Wacken-Besucher und dies bereits in meinem 9. Jahr. Unsere Delegation von Metalinside hat auch dieses Jahr viele Eindrücke (überzeugende und weniger überzeugende) musikalischer Art am WOA genossen. Das Festival präsentierte sich auch in diesem Jahr im gewohnten Kleid (viele Bands, nicht über alle Zweifel erhabenes Wetter, Überraschungen, Enttäuschungen). Aber lest selbst, was uns wiederfahren ist und macht euch euer eigenes Bild über das grösste Metal-Festival der Welt. Viel Spass.

Pam: Wacken ist für mich immer so eine Geschichte … man muss als Metalhead einfach einmal das Mekka des Metals besucht haben oder wie ich es gerne auch bezeichne: Das Disneyland für Metalfans. Nichts wird dem Zufall überlassen und obwohl für mich persönlich eigentlich eher zu gross, ich mags halt gemütlich, gibt es wohl kein besser organisiertes Festival und so nimmt man auch die restlichen 74‘999 Mitbesucher in Kauf (inoffiziell munkelt man aber von eher 100‘000 Nasen). Aber und jetzt kommt das grosse aber: Nebst einem Line-up, das immer in jedem Jahr für jeden Fan der harten Gangart immer mehr als genug bietet, sind es eben auch die anderen 74‘999 Knaller, die man halt doch wieder sehen will. Gut, zumindest die man dann auch findet und die paar, mit denen man im letzten Jahr beim x-ten letzten Bier geschworen hat, sich nächstes Jahr wieder zu sehen. Und bin ich also auch wieder hoch in den Norden Deutschlands und pack mir wasser- und schlammdichte sowie vor allem auch bequeme Swiss Army Kampfstiefel ein (war auch dieses Jahr wieder die beste Wahl) und freu mich auf ein Wiedersehen. Mit Wacken, mit Freunden, mit dem netten Presse-Staff und natürlich vielen tollen Bands. Ein paar davon hört man schon seit Jahrzehnten, seit Teeniezeiten. Und da gleich vorweg: Trotz „jüngeren“ Bands wie Amon Amarth, Volbeat & Co., die für mich immer absolut top sind, war ein älteres Brüderpaar DAS absolute Highlight am diesjährigen W:O:A: „Return To Roots“ – wie sich die beiden Cavalera Brüder aka Cavalera Conspiracy aktuell grad nennen bzw. unterwegs sind. Ich nannte sie auf Wacken einfachheitshalber schlicht Sepultura. Und was da geboten worden – entsprechend dem Namen vor allem die ganze Roots-Scheibe – hat mich weggeblasen. Aber genug gespoilert, mehr in den nächsten Zeilen. Geniesst mit Dutti, Domi und pam Text und Bild vom Black Disneyland!

Dienstag, 1. August 2017

Dutti: Den Schweizer Nationalfeiertag im Ausland verbringen? Sag mal geht’s noch? Tja, in Tat und Wahrheit feiere ich den 1. August schon seit einigen Jahren jeweils in einem beschaulichen Dörfchen in Schleswig-Holstein. Einsamkeit ist jedoch kein Thema. Während dieser besonderen Woche steigt die Zahl der Dorfbewohner nämlich jedes Jahr aufs Neue schlagartig an. Rund 75’000 schwarzgekleidete Gestalten nisten sich dann währen ein paar Tagen auf einem 280 Hektar grossen Gelände ein, um ihre Liebe zur metallischen Musik gemeinsam zu zelebrieren. Die Rede ist selbstverständlich vom einzigartigen Wacken Open Air – eines der grössten Metal-Festivals unseres Planeten.

Im Verlaufe des Dienstagvormittags trifft mein Grüppchen bereits auf dem Campground ein. So früh waren wir in all den vergangenen Jahren nie vor Ort. Aber zu den allerersten Besuchern zählen wir trotz dieser Frühschicht trotzdem nicht. Dieses Jahr dürfen die Wackengänger ihre Zelte bereits offiziell am Montag aufbauen. Eine der diversen Neurungen der diesjährigen Festivalausgabe. Wir landen schlussendlich zwischen den Plätzen E und J in einer durchaus anständigen Position. Sofort wird mit den Nachbarn Freundschaft geschlossen. Trotz der gigantischen Grösse der ganzen Veranstaltung herrscht stets auch irgendwie eine familiäre Atmosphäre. Viele pilgern schon seit Jahren hinauf in den hohen Norden. Und für den Moment zeigt sich der Wettergott von seiner gnädigen Seite. Der Himmel ist zwar wolkenverhangen, aber fiese Regengüsse bleiben glücklicherweise aus.

Nach Errichtung des Hauptquartiers geht’s subito zur Bandausgabe. So rasch wurden wir definitiv noch nie abgefertigt. Im Vergleich zu den Vorjahren ist der altbekannte Full:Metal:Bag dieses Mal aber geradezu niedlich klein. Ausschlaggebend dafür sind die verschärften Sicherheitsmassnahmen. Unterwegs treffen wir auch immer wieder auf Polizeipatrouillen. Nichtsdestotrotz geht’s gewohnt friedlich zur Sache. Das nächste Ziel ist einer der Merchandise-Stände. Dank der frühen Anreise kommen wir auch hier verhältnismässig schnell in den Besitz der begehrten Güter. Zum Schluss folgt der traditionelle Abstecher ins Dörfchen selbst. Kann ich absolut empfehlen. Am Abend sinken wir müde in unsere Schlafsäcke und driften ab ins Land der Träume. Die lange Nachtfahrt fordert nun ihren Tribut. Dafür können wir dann die kommenden Tage sicherlich mit genügend Energiereserven in Angriff nehmen. Meine Metalinside-Mitschreiberlinge sollten ab dem morgigen Tage ebenfalls auf Platz sein (pam: Noch nicht, die eine Truppe gönnt sich am Mittwoch wortwörtlich eine feuchtfröhliche Nacht im Original Zwick an der Alster in Hamburg und der andere – Domi – wird den Holy Ground auch erst am Donnerstag zum ersten Mal die Ehre erweisen).

Mittwoch, 2. August 2017 – Der «Metal Battle-Day»

Dutti: Traditionellerweise steht der Mittwoch des W:O:A jeweils hauptsächlich ganz im Zeichen des Metal Battle. Junge Bands aus der ganzen Welt erhalten somit eine Plattform und können sich einer breiten Masse präsentieren. In ihren jeweiligen Ländern laufen im Vorfeld sogenannte Qualifikationsrunden. Die Sieger dürfen dann nach Wacken reisen und den dortigen Fans im Bullhead City Circus-Zelt auf der W:E:T- respektive der Headbanger-Stage ordentlich einheizen. Danach wählt eine Jury die Top 5 aus, welche mit Geld- und Sachpreisen beschenkt werden. Definitiv ein empfehlenswerter Event, dem ich in der Vergangenheit leider nicht immer genug Beachtung geschenkt habe.

From The Void

Dutti: Das wird auch dieses Mal nicht besser. Unsere Schweizer Folk-Metaller Abinchova verpasse ich schon mal. Dafür reicht’s um 14.20 Uhr für die Finnen von From The Void. Unvermeidlich sticht einen sofort Frontmann Juuso Seppälä ins Auge. Der Kerl trägt doch tatsächlich ein Hirschgeweih auf seinem mit Kapuze bedeckten Haupt. Eine eindrückliche Erscheinung. An seinem Mikroständer hängen zudem einige Tierschädel. Die vier Herren können musikalisch dem Black und Dark Metal zugeordnet werden. Der Auftritt kommt ebenfalls mit einer grosszügigen Dosis Atmosphäre um die Ecke. Zweifelsohne ein interessantes Grüppchen. Schade allerdings, dass sie lediglich 20 Minuten Spielzeit zur Verfügung haben. Dieses Schicksal teilen jedoch alle Metal Battle-Bands.

Setlist – From The Void

  1. Intro
  2. Lies
  3. Man Created God
  4. Hänen Valonsa
  5. Flammas Eius Lucifer
  6. Outro

Den restlichen Nachmittag verbringen wir auf dem Metal-Market und im EMP-Backstageclub-Bereich. Für diese kleine Oase in der Schlammwüste bin ich jeweils äusserst dankbar. Gratis Merch-Artikel, saubere Toiletten, Sitzmöglichkeiten, ein Ausguck und eine Bar – gemütliches Beisammensein ist auf diesem Fleckchen Erde absolut garantiert. Danke EMP! (pam: Aha, dann sollte man seine Backstage-Karte also doch mal nicht vergessen … aber im Pressezelt ist es ja auch urgemütlich).

Flotsam And Jetsam

Dutti: Gegen 19 Uhr geht’s schliesslich wieder zurück ins grosse Zirkuszelt. Die Speed/Thrash Metal-Kapelle Flotsam And Jetsam bittet zum Tanz. Und die Masse scheint diesem Ruf gefolgt zu sein – denn es tummelt sich eine grosse Menschenansammlung vor der Headbanger-Stage. Über einen Seiteneingang gelangen wir trotzdem noch irgendwie ins Innere und können uns den Auftritt der Amis zu Gemüte führen. Bekanntheit errang die Truppe primär wegen Jason Newsted – dem Ex-Mitglied und späteren Metallica-Basser. Doch auch in der aktuellen Besetzung hat die Band nach wie vor einiges auf dem Kasten. Sänger Eric «AK» Knutson ist mit einem kräftigen Stimmorgan ausgestattet auch die Gitarrenfraktion macht einen grundsoliden Job. Die Headbanger unter den Zuschauern kommen jedenfalls voll und ganz auf ihre Kosten.

Versengold

Dutti: Nach einem weiteren Abstecher in den EMP-Backstageclub-Bereich durchqueren wir anschliessend das Wackinger-Dorf. Dort erwarten uns zu später Stunde die Spielmannsleute von Versengold. Sie zählen zu denjenigen Truppen, die das diesjährige W:O:A gleich mit mehreren Auftritten beehren werden. Aufgrund meiner wie so oft übervollen und von Überschneidungen geprägten Running Order muss ich mir sie aber gezwungener Massen heute Abend anschauen. Die Jungs haben zurecht Grund zu feiern. Am Freitag erscheint ihr neustes Werk «Funkenflug», von dem auch bereits das eine oder andere Stück den Weg in die heutige Setliste findet. Irgendwie will das Publikum während des gesamten Auftritts nicht wirklich Betriebstemperatur erreichen. Etwas mehr Stimmung hätte ich Malte Hoyer und Co. durchaus gegönnt.

Meine Reisedelegation reist nicht so früh wie die Wacken-Spacken von Dutti an. Am Mittwoch fliegen wir jedoch ebenfalls nach Hamburg Fuhlsbüttel, wo uns bereits unser VIP-Shuttle nach Itzehoe erwartet. Man kann mir natürlich vorwerfen ich sei kein richtiger Festival-Besucher, da ich es lieber vorziehe in einer gemieteten Ferienwohnung 20km vom Festivalgelände zu Hausen. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass mit dem Alter ein sauberes Töpfchen, eine funktionierende Dusche mit warmem Wasser und ein ruhiger Schlaf die Zellen schneller regenerieren lässt (Anm. Dutti: Vielleicht schaue ich mir deine Behausung 2018 auch einmal an). Nach dem Eintreffen erwarten uns die Vermieter bereits beim Chinesen. Es wird gegessen und getrunken bis zum geht nicht mehr. Alte Wacken-Geschichten werden ausgepackt und zum Besten gegeben und nach der Rückkehr ins Domizil werden die letzten Vorbereitungen für die kommenden Tage getroffen. Die Vorfreude wächst dank Playlist auf dem Handy und entsprechenden Lektüren vor dem Auslöschen des Lichts. Geträumt wird von einem saftig grünen Infield, Bier und natürlich von unvergesslichen Konzerten auf dem Holy Ground.

Fanzit Mittwoch

Dutti: Ein gemütlicher Wacken-Auftakt meinerseits. Insbesondere From The Void haben mich überzeugt und ich hoffe, dass wir die Finnen bald einmal hierzulande begrüssen dürfen. Die Metal Battle-Krone durften sie sich allerdings nicht aufsetzen. Das blieb am Ende den Mexikanern von Jet Jaguar vorbehalten. Herzliche Gratulation an dieser Stelle an die Jungs aus Cancún! Kollege Jeff Waters und Annihilator wären eigentlich ebenfalls ein Pflichttermin gewesen. Aufgrund des rappelvollen Bullhead-Zeltes liess ich diesen Auftritt dann allerdings sausen.

Domi: Es gibt noch nicht genügend Eindrücke um ein konkretes Fanzit zu ziehen. Jedoch ist die Enttäuschung doch da, Annihilator nicht erlebt zu haben, welche bereits am Mittwochabend ihren Slot am WOA wahrnehmen. Wie Kollege Dutti beschreibt wäre es jedoch schwierig geworden, die Band überhaupt zu Ohren zu bekommen. Informanten (Pat, die Tastenfrau von Abinchova) erzählen später von einem überfüllten Zelt und einer entsprechend tollen Stimmung sollte es man dann doch noch rein geschafft haben. Scheinbar spielen Jeff Waters und Band auch einen neuen Song, welcher auf der kommenden Veröffentlichung im November Platz gefunden hat. Für alle Fans, der Track nennt sich „Twisted Lobotomy“ und ist bereits als Zuschauer-Video im Netz abrufbar. Wir dürfen gespannt sein, ob Jeff Waters ein weiterer Geniestreich gelingen wird. Die Herren waren in den letzten Jahren äusserst produktiv und engagiert. Gespielt wird gegen Ende Jahr dann auch wieder in heimischen Gefilden (Fri-Son und Z7)

Donnerstag, 3. August 2017 – Eine grossartige «Night To Remember»

Dutti: Premiere für mich! Trotz sieben Besuchen auf dem «Holy Ground» war ich noch nie am legendären Sturm ins Infield zu den Hauptbühnen beteiligt. Das ändert sich am heutigen Tag. Kurz vor 14 Uhr stehen wir gespannt vor dem Einlass und Grinsen der Security entgegen. Viele Leute sind noch nicht da. Somit besteht wohl eine minime Überlebenschance. Dann der grosse Moment; die Pforten öffnen sich und die Metalheads stürmen wie eine Herde Gnus auf das Bühnengelände. Die mutigen Fotografen in der Nähe werden dabei beinahe niedergetrampelt. Mein Grüppchen entfernt sich jedoch clever von der Herde und macht einen Abstecher zum Band-Merch-Stand. Jetzt können wir alle Shirts in Ruhe betrachten. Mich haut allerdings kein Motiv so wirklich aus den Socken. Da schaue ich mir lieber die noch grüne Wiese und die Hauptbühnen etwas genauer an. Letztere wurden dieses Jahr umbenennt. Ehrlichgesagt gefielen mir die Bezeichnungen Black-, True- und Party-Stage deutlich besser. Mit Faster-, Harder- und Louder-Stage kann ich nicht wirklich viel anfangen – auch wenn es sich dabei um ein Wacken-Motto handelt. Dann zeigt sich das Wetter urplötzlich von seiner hässlichen Seite. Ein Wolkenbruch! In wenigen Sekunden sind sogar Körperstellen nass, die man zuvor gar nicht gekannt hat. Tja, auch das bedeutet Wacken. Uns macht’s trotzdem keinen Spass und wir ziehen uns in unser Lager zurück.

In meinem Zelt angekommen, entledige ich mich erstmal meiner durchnässten Sachen. Lustigerweise ist der Regenschauer schon wieder vorbei. Diese Wetter-Launen soll noch einer verstehen. Aus der Ferne dringen die Doro-Hymnen «All We Are» und «We Are The Metalheads» in meine Gehörgänge. Klingt aber erstaunlich live. Hat die Metal-Queen etwa erneut einen ihrer unangekündigten Gastauftritte auf dem W:O:A? Vielleicht bei Skyline? Eventuell wissen Domi oder pam mehr dazu. Wobei, die gute Dame steht ja hier eh beinahe jedes Jahr auf irgendeiner der zahlreichen Bühnen.

Domi: Kollege Dutti, ich nehme den Ball doch gleich auf und verrate dir, was es mit dem Auftritt von Doro auf sich hat. Aber zuerst noch meine Version des Wolkenbruchs und weiteres; Nachdem wir gegen Mittag den Shuttle von Itzehoe nach Wacken besteigen (die Anreise von vielen Fans ist immer noch im Gange) erreichen wir endlich den langersehnten Holy-Ground. Immer wieder ist es ein fantastisches Gefühl hier anzukommen. Nach vielen Jahren auf dem Wacken-Festival kennt man sich auch bereits ein wenig aus und nimmt die kürzesten Wege. Aber zuerst heisst es noch Einchecken um den Presse-Pass zu holen, dies bedeutet einen kleinen Fussmarsch rund um Wacken. Dank Google und Intuition finden wir dieses Jahr jedoch einen „Schleichweg“. Zum Glück, denn kaum habe ich den Festivalbändel um den Arm sehe ich das Gewitter heranbrausen. Schnell unter ein Vordach eines wildfremden Hauses geschlüpft und ich bleibe einigermassen trocken nicht wie Kollege Dutti, denn es scheinbar voll erwischt hat (Anm. Dutti: Dafür kaufe ich mir später am Abend einen schicken Militärregenschutz an einem der Markstände. Jetzt bin ich gewappnet für Thors kommende Wetter-Kapriolen). Geduld ist gefragt, aber schon bald ist es mit dem Regen auch schon wieder vorbei und ich schaffe es in Rekordzeit aufs Infield, wo gerade die Eröffnungsband Skyline ihr Bestes in Form von Cover-Songs gibt. Wie schon von Kollege Dutti vermutet ist es fast eine Pflicht das die Metal-Göttin Doro auch am Wacken-Festival ist. Und du hast recht gehabt mit deiner Vermutung Dutti, sie bringt gegen Schluss des Sets die allbekannten Metal-Hymnen „All We Are“ und „We are the Metalheads“ im Beisein von Skyline auf die Bühne. Ich persönlich habe Respekt vor der Stimmfarbe der blonden Rockerin, muss aber gestehen, dass ihr sonstiges Geschwafel auf der Bühne mich eher abtörnt, als dass es Lust auf mehr macht. Anyway, erwarteter Einstieg im Infield und weiter geht’s mit Dutti.

Fotos vom Tag 1 – Eindrücke vom Holy Ground und Dorf (pam)

Europe & Ross The Boss

Dutti: Gegen 17 Uhr tauchen wir abermals vor dem Infield auf. Offenbar hat sich wieder einmal ganz Wacken vor der den Hauptbühnen versammelt. Somit platzieren wir uns im hinteren Bereich vor den Essständen. Immerhin hat man von hier aus eine ausgezeichnete Sicht auf das Geschehen. Europe übernehmen nun das Zepter. Wie so oft warten eigentlich nur alle auf den finalen Countdown. Das dieser zum Schluss kommen wird, dürfte aber wohl kaum jemanden überraschen. Fairerweise muss ich zugegeben, dass die Diskografie der Schweden jetzt auch nicht unbedingt zu meinen Stärken zählt. Nichtsdestotrotz erfreue ich mich mit grösstem Vergnügen an Hymnen wie «Rock The Night» oder «Supersitious». Frontmann Joey Tempest ist nach wie sehr gut bei Stimme und Tastenklimperer Mic Michaeli zeigt zwischenduch gar leichte Deep Purple-Allüren. Als dann «The Final Countdown» endlich gespielt wird, gibt’s für die Menge eh kein Halten mehr. Eskalation pur! Ganz klar ein Song für die Ewigkeit.

Domi: Bevor auch ich einige Worte zu Europe verliere, spielt im Vorspann noch  Ross the Boss auf der Harder Stage (auch ich habe Mühe mich mit den neuen Namen der Stages anzufreunden). Zur Erklärung; Ross the Boss ist die Band des früheren Manowar-Gitarristen Ross Friedmann. Einige Paralellen zur früheren Band des Gitarristen sind natürlich nicht zu überhören. Die Band welche 2017 mit neuen Mitgliedern wie Kenny „Rio“ Earl oder Mike LePond aufwartet, bringt eine solide Leistung auf die Bretter und wird vor allem durch den Gesang von Marc Lopes dominiert, welcher die Songs ebenfalls Manowar-Like gestaltet.

Dann erlebe auch ich mit, wie Europe die eigentliche „Night to Rembember“ lancieren. Dies machen sie gekonnt und immer noch mit viel Leidenschaft und Elan. Ich finde es eigentlich tragisch, dass diese Band immer wieder auf die wenigen bekannten Songs, welche schon von Kollege Dutti genannt wurden, reduziert werden. Denn der Back-Katalog der Nordländer hat einiges an Perlen zu bieten und diese werden heute in Wacken auch sehr süffisant und ansprechend dargeboten. Ich staune, denn die Herren, welche sich 2004 zur Reunion zusammengerafft haben, produzieren immer noch ganze fette Riffs und Musik. Hut ab! Die Überhymne „The Final Countdown“ wird natürlich gebührend abgefeiert und viele geölte Kehlen stimmen in den Refrain ein.

Setliste – Europe

  1. War Of Kings
  2. Hole in My Pocket
  3. Rock The Night
  4. Scream Of Anger
  5. Last Look At Eden
  6. Firebox
  7. Sign Of The Times
  8. Ready Or Not
  9. Nothin‘ To Ya
  10. The Beast
  11. Superstitious
  12. The Final Countdown

Accept & Headbangers Symphony

Dutti: Bereits im Vorfeld dieses Wacken-Festivals haben die teutonischen Heavy Metal-Krieger von Accept den Fans eine gigantische Spezial-Show versprochen. Und genau auf diese Worte müssen sie jetzt natürlich an Ort und Stelle Taten folgen lassen. Eröffnet wird der Auftritt mit dem nagelneuen Song «Die By The Sword» vom heute erscheinenden Silberling «The Rise Of Chaos». Die Nummer macht definitiv Laune. Cooler und wuchtiger Start. Ich bin sowieso ein grosser Anhänger von Mark Tornillos markantem Stimmchen. Mit «Koolaid» wird dem Wackener Publikum dann ein weiteres Lied des neuen Albums präsentiert.

Nach «Final Journey» verschwinden die Herrschaften ein erstes Mal hinter den mit fabrikähnlichen Elementen bestückten Bühne. Der Vorhang senkt sich. Ist etwa schon finito? Denkste! Jetzt folgt die Wolf Hoffmann Solo-Show. Zusammen mit dem Czech National Symphony Orchestra ballert uns der begabte Klampfen-Meister Kreationen seiner Solo-Platte «Headbangers Symphony» um die Lauscher. Ein weiterer Beweis dafür, dass Klassik und Metal hervorragend miteinander harmonieren können. An Pyro-Effekten wird ebenfalls nicht gespart. Im Hintergrund flimmern epische Bilder über die gigantische Videoleinwand. Nach einer erneuten Pause steht dann wieder die ganze Band vereint auf der Bühne – zusammen mit dem Orchester. Im dritten Teil dieses fulminanten Auftrittes wird nochmals ein echtes Hitfeuerwerk gezündet. Allerdings gehen Accept mit gestandenen Hymnen wie «Princess Of The Dawn», «Fast As A Shark», «Metal Heart» und «Balls To The Wall» auch keine wirklichen Risiken ein. Zu meiner Freude schafft es jedoch ebenfalls die geile Hommage-Nummer «Dying Breed» in die Setlist des Abends. Insgesamt eine starke und absolut sehenswerte Darbietung der Deutschen. Verdientermassen ein erster Höhepunkt des diesjährigen Wacken Open Airs.

Domi: Ich sehe den Auftritt von Accept ein wenig anders als Dutti; Der Beginn lässt keine Wünsche offen. Die Band präsentiert sich von ihrer besten Seite und die ersten drei Songs gehen runter wie Olivenöl. Dann kommt für mich jedoch ein zu gewaltiger Bruch, obwohl dieser ja schon im Vorfeld genauso angekündigt worden ist. Der Symphonie-Teil ist einfach viel zu lang. Mir wird es langweilig und die Freude über den tollen Beginn der Band mutiert in Enttäuschung über das Ungleichgewicht der Show. Klar, die Streicher sind eindrücklich und Wolf Hoffmann ist ein Gitarren-Gott. Aber der Mitteilteil des Sets übersteigt meinen musikalischen Horizont einfach und strapaziert meine Geduld. Ich hätte also lieber noch ein paar Brecher mehr von Accept selber in meine Lauscher aufgenommen. Würdigen muss ich jedoch den Versuch, mal etwas auszuprobieren und ein entsprechendes Risiko auf diesem Wege einzugehen. Denn der zweite Accept-Teil im Anschluss ist der sichere Weg die Metalheads, welche gleich denken wie ich, doch nochmal hinter sich zu scharren. Für mich kein Höhepunkt des WOA trotz dieser Special Force.

Setliste – Accept

  1. Die By The Sword
  2. Restless And Wild
  3. Koolaid
  4. Pandemic
  5. Final Journey
  6. Night On Bald Mountain *
  7. Scherzo*
  8. Romeo And Juliet*
  9. Pathétique*
  10. Double Cello Concerto In G Minor*
  11. Symphony No. 40 In G Minor – K.550*
  12. Princess Of The Dawn**
  13. Stalingrad**
  14. Dark Side Of My Heart**
  15. Breaker**
  16. Shadow Soldiers**
  17. Dying Breed**
  18. Fast As A Shark**
  19. Metal Heart**
  20. Teutonic Terror**
  21. Balls To The Wall**

*Wolf Hoffmann mit dem Czech National Symphony Orchestra

**Accept mit dem Czech National Symphony Orchestra

Fotos Accept am Wacken Open Air 2017 (pam)

Napalm Death

Dutti: Danach geht’s für mich weiter ins Bullhead-Zelt. Mein vielseitiger Metal-Geschmack macht’s möglich. Auf Heavy Metal folgt nun nämlich Grindcore. Napalm Death aus England geben sich die Ehre und drücken von Beginn weg gnadenlos aufs Gaspedal. In der Masse herrscht ordentlich Bewegung. Selbiges gilt auch für die Headbangers-Stage. Schreihals Barney Greenway kann eh nie stillsitzen. Sein Herumgefuchtle und die Rennerei könnte man schon mal mit einem epileptischen Anfall verwechseln. Der gute Mann ist aber kerngesund. Zu jedem Song folgt vorweg eine kleine Anekdote seinerseits. Gesellschaftskritisch war er schon immer. Aus seiner politischen Haltung macht Barney ebenfalls keinen Hehl. Gleichzeitig appelliert er allerdings auch an den Zusammenhalt innerhalb der Metal-Szene. Dadurch wirkt er sowohl sympathisch als auch authentisch. Zur Musik braucht’s eigentlich keine weiteren Erläuterungen. Die Songs werden gewohnt rasant und aggressiv vorgetragen. Der Frontmann ist ausserdem ebenfalls der Selbstironie mächtig. Das Publikum soll doch bitte stets aufmerksam sein, sonst verpasse man noch etwas. Und prompt darauf folgt auch schon der Quickie-Track «You Suffer». Mit etwas mehr als einer Sekunde Spielzeit wird das Mini-Liedchen im Guinness-Buch der Rekorde sogar als das kürzeste je aufgenommene Musikstück geführt. Ich würde mir definitiv wieder einmal eine Show der Briten gönnen. Vor ein paar Jahren stand Barney übrigens zusammen mit Volbeat auf eine der Hauptbühnen des W:O:A. Heute müssen sie wohl allerdings ohne ihn klarkommen. Pam und/oder Domi, wie haben sich die Elvis-Metaller denn so geschlagen?

Setliste – Napalm Death

  1. Silence Is Deafening
  2. Smash A Single Digit
  3. How The Years Condemn
  4. When All Is Said And Done
  5. Continuing War On Stupidity
  6. Scum
  7. The Kill
  8. You Suffer
  9. Siege Of Power
  10. Dear Slum Landlord…
  11. Nazi Punks Fuck Off (Dead Kennedys-Cover)
  12. Suffer The Children

Mayhem

Direkt im Anschluss geht’s auf der danebenstehenden W:E:T-Stage weiter. Kirchenabfacklungen, Suizid, Mord – die Bandgeschichte der Black-Pioniere Mayhem aus Norwegen ist nicht gerade kinderfreundlich. Aber man will ja nicht ständig auf diesen alten Kamellen herumreiten. Lenken wir unseren Fokus lieber auf das hier und jetzt und die Musik. Heute Abend präsentieren die Herrschaften ihr Erstlingswerk «De Mysteriis Dom Sathanas» aus dem Jahre 1994 in voller Länge. Die Platte gilt als eines der einflussreichsten Black Metal-Alben aller Zeiten. Zu Beginn sorgt allerdings eine Aussage aus den Lautsprechen für Lacher. Handyfotos bitte nur ohne Blitzlicht schiessen. Blaue und rote Scheinwerfer sowie der exzessive Gebrauch der Nebelmaschine lassen aber sowieso keine wirklich schlauen Aufnahmen zu. Die verhüllten Gestalten auf der Bühne sind kaum zu erkennen. Musikalisch ist die ganze Geschichte ziemlich solid. Mir persönlich wird’s gegen Ende jedoch etwas zu eintönig und deshalb mache ich mich auf den Rückweg in mein Lager. Am diesjährigen Meh Suff!-Festival in Hüttikon kommt’s ja bereits zum Wiedersehen zwischen den Norwegern und mir.

Setliste – Mayhem

  1. Funeral Fog
  2. Freezing Moon
  3. Cursed in Eternity
  4. Pagan Fears
  5. Life Eternal
  6. From the Dark Past
  7. Buried by Time and Dust
  8. De Mysteriis Dom Sathanas

Domi: Bevor ich zu meinem Fanzit für Donnerstag schreite hier noch meine weiteren Erlebnisse des restlichen Donnerstags zusammengefasst:

Status Quo

Domi: Status Quo geben sich auf der Harder Stage um 18.15 Uhr die Ehre das Publikum zu bespassen. Natürlich sind viele Zuschauer gespannt, wie sich die bereits in die Jahre gekommene Band nun “metzget”. Ich bin positive erstaunt. Natürlich ist der Rock n Roll, den Status Quo auffahren, nicht allen Fans genehm. Trotzdem gelingt es den Briten, welche hitverdächtige 31 Alben veröffentlicht haben und über 120 Millionen Silberlinge verkauft haben, viele der anwesenden Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Es wird getanzt, mitgesungen und ausgelassen gefeiert. Mit Songs wie “In the Army now” oder “Rockin` all over the World” und weiteren bekannten Hit-Singles lassen die älteren Herren heute gar nichts anbrennen. Die musikalischen Zellen im Langzeitgehirn melden sich nach kurzer Anlaufzeit mit Songphrasen wieder, welche zwischenzeitlich vergessen gingen und schon bald summt man die Melodien und singt die eine oder andere Songphrase mit. Der Verlust von Rick Parfitt schwebt jedoch während des ganzen Gigs in der Luft. Der übrig gebliebenen Besetzung von Quo merkt man jedoch nichts an. Ein Hit nach dem anderen erreicht über die Boxen das Infield und zum Schluss lässt sich konstatieren, dass Francis Rossi und Band nicht ein Quäntchen ihrer Spiellust verloren haben. Hut ab vor dieser Leistung.

Fotos Status Quo am Wacken Open Air 2017 (pam)

Volbeat

Domi: Der Abschluss auf den grossen Stages ist heute Abend Volbeat vorbehalten. Die mittlerweilen gestandene Band aus Dänemark zeigt auch heute ein weiteres Mal eindrücklich, wieso sie in den letzten Jahren immer mehr Fans in ihr Umfeld gezogen haben und in der Zwischenzeit so berühmt geworden sind, dass sie mitunter ganze Fussballstadien füllen. Die Setlist bringt auch heute Abend wieder eine Tonne Stimmung auf die Bretter und statt endlos anmutenden Ansagen wird lieber noch ein Stück mehr gezockt. Highlight ist sicher der Auftritt von Barney Greenway, welcher beim Song „Eveline“ die Bühne betritt und die Growl-/Schreiparts übernimmt (Anm. Dutti: Ah cool, dann war er ja doch kurzzeitig bei Volbeat am Start). Er war es auch, der mit den Jungs von Volbeat diesen Song aufgenommen hat. Da Napalm Death am gleichen Tag ihren Auftritt haben, liegt es auf der Hand, dass man ihn natürlich anfragt, seine Künste hier kund zu tun. Du siehst Dutti Barney hat auch hier Gas gegeben, er musste nämlich von seiner Stage in Windeseile auf die Hauptstages verschieben. Jetzt ist mir auch klar, wieso er sich nie stillhalten kann. In solchen Situationen ist das Training, welches er an Shows von Napalm Death veranstaltet, sicher förderlich.

Will man ein Haar in der Suppe finden, ist es vielleicht, dass einen manchmal das Gefühl beschleicht, dass der Hype um die Band mittlerweile ein wenig abgenommen hat. Wenn ich jedoch mein Blick über das Infield schweifen lasse, dann stellte ich fest, dass trotz fortgeschrittenem Abend noch viel Publikum da ist und die Band ordentlich gefeiert wird. So bringen Volbeat heute sicher nicht die absolute Über-Show nach Wacken, aber einen soliden Auftritt kann man allemal resümieren.

Fotos Volbeat am Wacken Open Air 2017 (pam)

Fanzit Donnerstag

Dutti: Überzeugend war für mich ohne Zweifel die geniale Show von Accept. Den Einsatz des Orchesters empfand ich als äusserst gelungen. Napalm Death sorgten ebenfalls für fantastische Stimmung und haben das Bullhead-Zelt beinahe dem Erdboden gleichgemacht. Einzig der kurzzeitige heftige Regenguss hätte nicht unbedingt sein müssen. Aber was wäre Wacken denn bloss ohne Schlamm?

Domi: Meinen Tag haben heute zwei Bands geprägt: Europe und Volbeat. Ausserdem das Wiedersehen mit den Kollegen von Metalinside im Pressebereich und natürlich die Wetterkapriolen am späteren Nachmittag des Donnerstags. Wie Kollege Dutti bereits in seinem Fanzit treffend formuliert: Was wäre ein Wacken ohne Schlamm, Regen und Wind? Nicht umsonst lautet das Motto ja auch dieses Jahr “Rain or Shine”. Gelungener Festival-Start mit allem was Wacken ausmacht. Zufrieden gehts zurück ins warme Bettchen um erneut Kräfte zu sammeln. Einzig der Slogan “Night to Remember” passt für mich heute für einmal nicht auf die Zusammensetzung der Bands für diesen Abend. Da bleibt mir andere Jahre wohl eher im Gedächtnis.

Freitag, 4. August 2017 – Katastrophen-Auftritte von Megadeth und Marilyn Manson

Lacuna Coil

Dutti: Frühschicht am Mittwoch. Mein Ziel ist jedoch nicht der Yoga-Kurs, sondern der Gig von Lacuna Coil auf der Harder-Stage zur Mittagsstunde. Die Italiener rund um das charmante Frontmädel Cristina Scabbia zählen zum Favoritenkreis meiner persönlichen Band-Sammlung. Im Vergleich zu früheren Alben haben sie mit ihren beiden neusten Scheiben eine etwas härtere und düstere Gangart eingelegt. Das wird unter anderem durch das heutige Bühnenoutfit ebenfalls untermauert. Die Musiker sehen so aus, als wären sie kurz zuvor aus einer Irrenanstalt entflohen. Der Auftrittsqualität tut dies glücklicherweise keinen Abbruch. Die Alternativ Metaller spielen sich äusserst souverän durch ihr Set. Sonderlob gibt’s für den Kameraden Andrea Ferro. Der gute Mann – zu Anfang oftmals als Schwachpunkt der Band verschrien – hat sich inzwischen zu einem richtig guten Shouter entwickelt. Er harmoniert ausgezeichnet mit Cristina. Ein eindrückliches Bild entsteht, als die Sängerin die schwarzgekleidete Masse vor dem Song «Nothing Stands In Our Way» dazu auffordert, die Mittelfinger gen Himmel zu recken. Wir sollen uns durch nichts und niemanden unterkriegen lassen. Dieser Leitsatz ist in der Metal-Szene eh geläufig und wird auch entsprechend gelebt.

Domi: Lieber Dutti, da siehst du wieder den Vorteil, wenn man im Camping-Ground vor Ort seine paar Stunden Schlaf bezieht. Obwohl ich Lacuna Coil gerne gesehen hätte, reicht es natürlich hinten und vorne nicht, um auf diese Zeit vor der Bühne zu stehen. Dafür wird kräftig «gebödelet» und ein reichhaltiges Frühstück findet seinen Weg in den Magen. Anschliessend macht sich auch die Itzehoer Delegation wieder Richtung Acker und freut sich den nächsten Tag des diesjährigen Wacken-Abenteuers in Angriff zu nehmen.

Setliste – Lacuna Coil

  1. Ultima Ratio
  2. Spellbound
  3. Die & Rise
  4. Heaven’s A Lie
  5. Blood, Tears, Dust
  6. My Demons
  7. Ghost In The Mist
  8. Trip The Darkness
  9. Enjoy The Silence (Depeche Mode-Cover)
  10. Our Truth
  11. Nothing Stands in Our Way
  12. Zombies
  13. The House Of Shame

Sanctuary

Dutti: Der nächsten Truppe bin ich bereits vor ein paar Wochen am Bang Your Head!!!-Festival in Balingen begegnet. Die Rede ist von Frontmann Warrel Dane und seinen Kumpels von Sanctuary. Und meine Gefühlslage sieht auch in Wacken ziemlich ähnlich aus. Instrumental hört sich das Ganze durchaus interessant an. Der Gesang geht einem jedoch leider mit der Zeit ziemlich auf den Zeiger. Insbesondere zu Zeiten von Nevermore hatte ich Warrels Leistung am Mikro irgendwie besser in Erinnerung. Der Mann mit Cowboyhut und Sonnenbrille torkelt stellenweise regelrecht auf der Bühne herum. Auch die Ansagen kommen teilweise etwas komisch rüber. Mit solchen Aktionen empfehlen sich die Amis leider nicht unbedingt für weitere Auftritte. Schade eigentlich…

Clawfinger

Pam: Da schätze ich mich glücklich, ist mein erster Fixpunkt heute Clawfinger. Die Schweden waren ja als eine der ersten richtigen Crossover Bands – oder wie sie es heute nennen «Rap Metal» – nah dran den Thron von Anthrax zu beerben. Ihre grössten Blüten hatten sie Anfang/Mitte der Neunziger. Damals spielten die sogar in meinem 2’200 Seelen-Heimatdorf. Das war ein absolutes Highlight in der Dorfgeschichte – zumindest in meiner Erinnerung. Dazu waren sie ein, zweimal Vorband von Anthrax. Das war ja die ideale Combo. Das Zepter übernahmen damals aber schlussendlich Rage Against The Machine.

Nun, jetzt stehe ich da im Graben mit der Kamera bewaffnet und hoffe, dass das Wetter hält. Clawfinger möchte ich gerne nochmals sehen … weil eigentlich haben sie sich ja vor ein paar Jahren mal aufgelöst. Jetzt spricht man plötzlich von einer Pause und hat inzwischen sogar neues Material angekündigt. Anyway, ich und wahrscheinlich einige mehr sind hier wegen deren Klassiker. Und die kommen früher oder später auch.

Sänger Zak Tell und Basser André Skaug gehen wie erwartet ganz schön ab. Mehr als man von einer Band im Ruhestand erwarten könnte. Für den Pausenclown ist Keyboarder Jocke Skog zuständig. Auch er absoluter Meister in seiner Rolle. Leider kommt dann doch und für mich während einem Konzert am diesjährigen Wacken zum ersten Mal und einzigen Mal doch der Regen und kurz vor Schluss dann auch heftig, so dass ich Mensch und Kamera ins Trockene bringe. So verpasse ich mit dem Abschluss den einen oder anderen grossen Klassiker. Aber cool ist es so oder so gewesen, die frühen 90er nochmals aufzuleben lassen.

Und beim Queren des ganzen Infields fällt sofort auf, dass Sanctuary nur einen Bruchteil der Zuschauer haben als Clawfinger. Da hätte man den Schweden doch die grössere Bühne gönnen sollen, denn der Platz vor der Louder Stage war bis weiten hinten komplett voll.

Fotos von Clawfinger am Wacken Open Air 2017 (pam)

Grave Digger

Dutti: Die Sonne lacht und die Totengräber schreiten zur Tat. Doch anstatt uns zu begraben, versuchen sie’s vorerst mit einer metallischen Heilung. Exakt, «Healed By Metal» vom aktuellen, gleichnamigen Silberling macht den Anfang. Tausende «Devil Horns» schiessen sogleich in die Höhe. Einstand nach Mass für Grave Digger. Chef-Schaufler Chris Boltendahl hält seine Ansprachen ausschliesslich in englischer Sprache. Klar ist Wacken eine internationale Angelegenheit, aber etwas mehr Deutsch hätte sicherlich niemandem geschadet. Marcus Kniep treibt wie gewohnt als Sensenmann verkleidet sein Unwesen hinter dem Keyboard. Axel Ritt hat seine Saitenkönigin bestens im Griff und entlockt ihr regelmässig so manch geniales Solo. Ein Doppelschlag mit den Über-Hymnen «Excalibur» und «Morgane Le Fay» kurz vor Ende der Show führt die Stimmung direkt über den Siedepunkt hinaus. Nein, Grave Digger sind definitiv noch nicht eingerostet. Das eigene Grab ist somit überhaupt kein Thema.

Setliste – Grave Digger

  1. Healed By Metal
  2. Killing Time
  3. The Dark Of The Sun
  4. Knights Of The Cross
  5. Lionheart
  6. The Ballad Of Mary (Queen Of Scots)
  7. The Round Table (Forever)
  8. Excalibur
  9. Morgane Le Fay
  10. Rebellion (The Clans Are Marching)
  11. Heavy Metal Breakdown

Sonata Arctica

Domi: Für mich startet Tag 2 mit einem kurzen Besuch des Gigs von Sonata Arctica, bevor ich im Pressebereich pam treffe, um mich auszutauschen. So fest ich in der letzten Zeit versuche den Zugang zu eben genannter Band nicht zu verlieren, fällt mir immer wieder auf, dass die Band zwar nach wie vor ein Publikumsmagnet darstellt und die Musik beim Publikum ankommt, ich jedoch je länger und mehr ein wenig «satt» geworden bin (pam: Dito hier. Die letzten zwei, drei Mal Sonata waren für mich eine Katastrophe). Ob dies an einer vergangenen Überdosis liegt oder vielleicht daran, dass die Herren aus Finnland nicht unbedingt viel Neues kreiert haben, muss ich in den Raum stellen (Anm. Dutti: Geht mir sehr ähnlich. Die neueren Alben und die zuletzt schwachen Live-Auftritte machen das «im Auge behalten» von Tony und Co. allerdings leider immer schwieriger). Neutral betrachtet scheint es, als haben die Jungs immer noch Freude am Musizieren und wirken auf der Bühne sympathisch und routiniert. Tony Kakko, seines Jobs Frontmann, scheint immer wie modischer zu werden, trägt er doch wieder eine neue Haarfarbe und besticht durch ein sagen wir «spezielles» Outfit. Ich für meine Belange gebe mir die ersten paar Songs und entferne mich danach wieder von der Meute. Danke trotzdem für das Aufwärmen.

Saltatio Mortis

Die deutsche Mittelalter-Truppe ist für mich nicht erst aber vor allem seit deren grandios-legendären und äusserst sympathischen Auftritt auf der diesjährigen 70’000 Tons of Metal Cruise (siehe Review und Fotos) Pflichtprogramm. Soundmässig absolut top – wenn einem das Genre gefällt. Mir tuts. Aber –  und da ist die Band genreübergreifend ganz weit oben bei den Top-Live-Acts – was da auf der Bühne jeweils abgeht ist sprichwörtlich aus einer anderen Zeit. Absolut jeder des Oktetts steht mit einem riesigen Dauersmile auf der Bühne, es wird gerannt, getanzt und gesprungen. Und was Alea der Bescheidene (Sänger) betrifft, hat er auch ein bisschen von Elvis abgekuckt und post gerne mit Kampfkunstfiguren rum. Natürlich immer schön seine Muckis präsentierend. Tja, wer’s hat …

Saltatio räumen auch hier Wacken wieder alle Sympathie-Preise und alles andere was es zu gewinnen gibt grosszügig ab. Auch bei den Pyromanen sind sie ganz gut im Rennen – insbesondere bei Prometheus lodern die Flammen und schiessen in alle Richtungen. Ganz klar, eines der Festival-Highlights und bei mir wahrscheinlich in den Top 3.

Fotos von Saltatio Mortis am Wacken Open Air 2017 (pam)

Setliste Saltatio Mortis

  1. Früher war alles besser
  2. Idol
  3. Prometheus
  4. Wo sind die Clowns?
  5. Willkommen in der Weihnachtszeit
  6. Wachstum über alles
  7. Des Bänkers neue Kleider
  8. Skudrinka
  9. Totus Floreo
  10. Eulenspiegel
  11. Rattenfänger
  12. Worte
  13. Koma
  14. Satans Fall
  15. Spielmannsschwur
  16. Spiel mit dem Feuer

Paradise Lost

Domi: Nächster wichtiger Programmpunkt meinerseits ist Paradise Lost. Die Band tritt heute auf der Louder-Stage auf, also die Ex-Party-Stage, welche ebenfalls im Infield lokalisiert ist, sich jedoch ein wenig abseits der beiden Hauptbühnen befindet und – damit soundtechnisch nichts in die Quere kommt – in eine leicht andere Richtung ausgerichtet ist als dieselben. Gespannt bin ich heute natürlich darauf, ob Nick Holmes und Monsieur Mackintosh ein paar Songs der kommenden Scheibe «Medusa» in die Setlist packen. Herr Holmes scheint auch heute (wie in letzter Zeit des Öfteren) eine humorvolle und freudige Laune sein Eigen zu nennen. Dies war in früheren Zeiten nicht immer der Fall. Es kracht ordentlich als die Briten loslegen und auch der Publikumsaufmarsch zeigt, dass die Band immer noch zur aktuellen Speerspitze in ihrem Genre gehören. Greg(or) Mackintosh könnte man glatt mit Jeff Waters verwechseln, hat er sich doch seine Rasta-Locken weggeschnitten und trägt nun einen lässigen Irokesen-Schnitt.

Nebst Klassikern, welche natürlich nicht fehlen dürfen, präsentiert die Band wirklich den einen oder anderen Song der neuen Veröffentlichung. Bereits jetzt ist festzustellen, dass das neue Album wieder zurück in frühere Zeiten der Band führt, den der Growl-Anteil von Holmes überwiegt bei den neuen Songs klar. Dies ist nicht ein Novum, aber eine willkommene Abwechslung zu den vergangenen Alben. Die Stimmung vor der Bühne ist gut, die Sonne lässt sich auch nicht «lumpen» und der Gig ist kurzweilig und unterhaltsam. Die professionelle Umsetzung heizt die Freude auf die kommende Veröffentlichung natürlich an. Zudem kommen die Jungs gegen Ende Jahr ebenfalls auf ihrer Tour wieder in die Schweiz. Schade einzig, dass der Slot, welchen Paradise Lost erhalten haben, sehr früh am Abend ist und nicht eine Hauptstage bespielt werden kann. Der Band merkt man dies aber nicht an, sie gibt wie immer alles und verabschiedet sich anschliessend mit lachenden Gesichtern vom steil gehenden Publikum.

Apocalyptica

Domi: Kurz hinübergeeilt, nehme ich noch den Start der Cello Rock Combo Apocalyptica mit. Diese warten heute mit einem speziellen Set auf. Auch wenn man nicht im Voraus über dieses Vorhaben orientiert war, ist nach zwei Songs klar, was heute die Musik der Violoncello-Band dominiert; Heute wird das ganze Tribut-Album zu Metallicas Ehren gespielt. Die Band kann noch heute behaupten, dass sie ihr ganz eigenes Genre bespielen, welches immer noch ebenbürtige Mitstreiter sucht. Ob dies nun Metal ist oder nicht, dass ist eine Frage, welche oft und intensiv diskutiert wird. Lösungen oder fundierte Antworten sucht man meines Erachtens immer noch. Egal, Hauptsache gefällt. Obwohl das Infield gut gefüllt ist, haben wohl einige Metalheads bereits genug von der finnischen Fraktion. Sie verlassen das Infield, gesellen sich an die Verpflegungsstände oder versuchen ein paar Euro im Metal-Market loszuwerden.

Fotos Apocalyptica am Wacken Open Air 2017 (pam)

Domi: An dieser Stelle in eigener Sache noch ein kurzer Kommentar zum Test des bargeldlosen Bezahlens am WOA: Auch ich habe im Vorfeld ein Konto eröffnet um am ersten Tag bei der Bändelausgabe meine Bargeldlos-Karte zu erhalten. Dies klappt ohne Probleme mit einem QR-Code, welchen ich im Voraus zu Hause ausgedruckt habe. Die Karte erhalte ich ohne Anstehen und mit dem entsprechenden im Voraus geladenen Betrag in die Hand gedrückt. Im Infield – stellt sich während des Festivals heraus – ist das Bezahlen mit der Karte kein Problem und vereinfacht das «Geld und Münz suchen» ungemein. Leider ist dann aber beim Ausgang zum Metal-Market und den Verpflegungsständen ausserhalb des Infields bereits Schluss mit bargeldlos bezahlen. Ausserhalb des Infields ist es nicht möglich, mit der Karte zu bezahlen. Aufladestationen befinden sich jedoch in der Nähe des Infields und somit ist Nachschub – falls kein Kredit mehr – gewährleistet. Ich finde diese Option wirklich überlegenswert. Sei es bezüglich Diebstahl von Geld oder auch einem schnelleren Bezug von Leistungen. Was ich jedoch auch feststelle ist, dass viele Menschen dieser «neuen Art» des Bezahlens wohl noch nicht so trauen oder einfach das gute alte Bargeld gewöhnt sind. Es bleibt abzuwarten ob sich das bargeldlose Bezahlen durchsetzen wird oder nicht. Ich wäre auf jeden Fall dafür.

Emperor

Dutti: Nach einer längeren Pause in unserem Lager pilgern wir am Abend wieder in Richtung Infield. Den Black Metal-Fans wird dieses Jahr durchaus das eine oder andere Highlight geboten. Momentan stehen nämlich Emperor auf der Bühne – eine weitere ziemlich einflussreiche Bands dieses Genres aus Norwegen. Die selbst verdonnerte Auszeit scheint den Jungs gut getan zu haben. Krächzer Ihsahn und seine Bandkollegen strotzen nur so vor Energie.

Fans warten ja seit Ewigkeiten vergeblich auf neues Material der Truppe. Die letzte Albumveröffentlichung liegt immerhin stolze 16 Jahre zurück. Das hält Emperor jedoch nicht von der Durchführung einer Spezial-Show ab. Das 1997er-Album «Anthems To The Welkin At Dusk» wird in voller Länge vorgetragen. Und die Norweger beweisen, dass sie deutlich mehr als bloss simplen Haudrauf-Blastbeat-Black Metal im Repertoire haben. Da sind auch melodiöse Parts, Tempoverlangsamungen und teilweise klar gesungene Passagen dabei. Gefällt mir sehr gut. Abgerundet wird das Ganze durch massig Pyro-Effekte, die während dieser Abend-Show selbstverständlich genial zur Geltung kommen. Ich kannte die Band zuvor nicht. Inzwischen würde ich sie jedoch jedem sorglos weiterempfehlen. Diese Show ist eindeutig ein weiteres Highlight des diesjährigen W:O:A.

Fotos Emperor vom Wacken Open Air 2017 (pam)

Setliste – Emperor

  1. Ye Entrancemperium
  2. Thus Spake The Nightspirit
  3. Ensorcelled By Khaos
  4. The Loss and Curse Of Reverence
  5. The Acclamation Of Bonds
  6. With Strength I Burn
  7. The Wanderer
  8. Curse You All Men!
  9. I Am The Black Wizards
  10. Inno A Satana
  11. Opus A Satana

Megadeth

Dutti: Kurze Zeit später geht’s schnörkellos auf der benachbarten Harder-Stage mit dem vermeintlich nächsten Highlight weiter. Mit Megadeth ist ein Mitglied der legendären «Big 4» zu Gast. Doch nach den ersten paar Songs schaue ich erstaunt zu meinen Kollegen rüber. Was ist denn das bitte für ein schwacher und lustloser Auftritt? Thrash Metal ist doch grundsätzlich eine wuchtige Angelegenheit. Davon ist leider herzlich wenig zu spüren. Dave Mustaines Geträllere ist eine Zumutung. Auch auf die Gefahr hin, dass ich hier Majestätsbeleidigung begehe, aber so kann ich in keiner Weise verstehen, weshalb Megadeth zu diesem legendären Zirkel mit Metallica, Slayer und Anthrax gehören sollen. Diese drei Gruppen sind nämlich allesamt deutlich besser. Da könnte man meiner Meinung auch gerne Testament diesen vierten Platz zusprechen. Unverdient wäre es nicht. Nein, das tue ich mir nicht länger an. Ab zum EMP-Backstageclub-Bereich. Vielleicht können meine Metalinside-Kollegen noch etwas mehr zu diesem missratenen Auftritt verzapfen. In diesem Sinne: Mega-tschüss!

Pam: Dutti, ich bin voll mit dir und hab nach den 2 – 3 Songs im Graben beim Fotografieren auch genug. Megadeth waren und sind insbesondere nie mein Ding gewesen. Wenn ich da ans letzte Metallica-Konzert vom Mai denke, wo eine Band auf der Bühne stand, die nur so von Energie und positiver Ausstrahlung strotze, dann versteh ich immer mehr, warum der Mega-Dave damals in NYC in diesem ominösen Bus gesetzt wurde …

Domi: Dutti, gerne nehme ich mich der Megadeth-Thematik an und erläutere Dir und den Lesern meine Sichtweise. Ich gebe dir insofern recht, als dass ich mich manchmal auch Frage, ob Megadeth in der heutigen Verfassung wirklich zum legendären Zirkel gehören soll. Metallica, Slayer, Anthrax sind deutlich lustvoller im Umgang mit ihrer Musik und auch den Fans. Andererseits weiss der Megadeth-Verfolger, dass Herr Mustaine noch nie gross der Sympathieträger der Nation war. Sein Charme ist vergleichbar mit der Ausstrahlung eines Borkenkäfers. Akzeptiert man diesen Sachverhalt jedoch mal und konzentriert sich ausschliesslich auf die Musik, dann würde ich nicht von einer Zumutung sprechen, sondern einem verhaltenen Auftritt mit keinen grossen Highlights, aber einer durchaus verdaubaren Setlist und Unterhaltungswert (sei es auch nur das Beobachten von Dave, wie er sich immer wieder hinter seinen Haaren versteckt und seine Songtexte ins Mikrofon «brösmelt».

Positiv; durch die nicht vorhandenen Kontaktaufnahmen mit dem Publikum (ausser dem Danke am Schluss des Sets) spielt sich die Band durch eine grössere Anzahl von Songs als andere Bands (siehe mal Tobias Sammet) und dies ist für wirkliche Fans (zu welchen ich mich aber auch nicht zähle) sicher eine tolle Sache. Trotzdem höre ich mir Megadeth bis am Schluss an und konstatiere, dass es – wie bereits geschrieben – Durschnitt war. Symphony of Destruction und Peace Sells gehen aber immer und diese beiden Songs muss ich auch auf der musikalischen Ebene positiv erwähnen. Ja, ich gebe zu, diese wurden ja auch schon gefühlte 1000 Mal gespielt ;-).

Fotos Megadeth vom Wacken Open Air 2017 (pam)

Setliste – Megadeth

  1. Hangar 18
  2. Wake Up Dead
  3. In My Darkest Hour
  4. The Threat Is Real
  5. Sweating Bullets
  6. Conquer or Die!
  7. Lying In State
  8. Poisonous Shadows
  9. Trust
  10. Fatal Illusion
  11. Tornado Of Souls
  12. Dystopia
  13. Symphony Of Destruction
  14. Mechanix
  15. Peace Sells
  16. Holy Wars… The Punishment Due

Marilyn Manson

Dutti: Was haben wir nicht alle im Vorfeld Witze über den nächsten Act gerissen. Vielleicht kommt er ja gar nicht. Eventuell wirft er sich zuvor einen wilden Pillen-Cocktail rein. Die Rede ist von niemand geringerem als Schock-Rocker und Diva Marilyn Manson. Zu meinem grossen Erstaunen scheint der Kerl das Publikumsinteresse absolut auf seiner Seite zu haben. Das Bühnengelände ist nämlich rappelvoll. Alle warten gespannt auf den Meister der Unberechenbarkeit. Und warten, und warten… Nach einem ellenlangen Intro tut sich immer noch nix. Da sind sie also wieder – seine berühmt-berüchtigten Allüren. Dann taucht Mister Manson schliesslich doch noch auf der Bühne auf und startet mit «Revelation #12» in sein Set. Bis zu diesem Zeitpunkt klingt eigentlich noch alles wunderbar. Danach folgt bereits die Über-Hymne «This Is The New Shit» und der pure Horror beginnt – wenn auch nicht im positiven Sinne. Das ist ja ein waschechtes Trauerspiel. Marilyn schrammt regelrecht an den richtigen Tönen vorbei. Ach du meine Fresse!

Leider wird die Performance bei den nächsten Songs nicht wirklich besser. Im Mikrofonwegschmeissen ist der US-Amerikaner ebenfalls eine Klasse für sich. Bei ihm möchte man definitiv nicht zur Roadie-Crew gehören. Der Job in der Band ist allerdings keinesfalls aussichtsreicher. Der Chef hält seinem Gitarristen nämlich einmal sein Messer-Mikro gefährlich nahe an die Kehle. Noch selten sind während einer laufenden Show so viele Leute an mir vorbeigeströmt. Manson verscheucht die Massen. «So ein Spast!» ist noch eine der netteren Aussagen, die ich so beiläufig aufschnappe. Und auch der Musiker scheint mit dem Publikum unzufrieden zu sein. Offenbar herrscht ihm zu wenig Stimmung. Ein Mädel hinter der Bühne darf deshalb den «German Translator» spielen und der Menge einheizen. Das gelingt ihr nur mit mässigem Erfolg. Marilyn platziert sein Gesäss ab und an auf dem riesigen Thron in der Bühnenmitte. Zum König reicht’s heute Abend aber absolut nicht. Seinem Ego scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Bei «Sweet Dreams (Are Made Of This) stolziert Manson sogar auf Stelzen durch die Gegend. Komplett hoffnungslos ist die Sache aber schon nicht. Es gibt stellenweise gute Ansätze bei vereinzelten Songs – nur leider viel zu selten. Tja, so bald werden wir Marilyn Manson wohl nicht mehr auf dem «Holy Ground» erleben.

Domi: Dutti, hier sind wir einer Meinung. Wäre ich der Booker des WOA, würde ich Marilyn Manson für die nächsten 1000 Ausgaben aus den Booking-Möglichkeiten streichen. Wirklich eine (weitere) missratene Vorstellung des vermeintlichen Königs im Horror-Metal-Sektor. Die Metalheads verlassen in grossen Scharen das Infield, das ist Echo genug. Ausserdem ist festzuhalten, dass der Gig im eigentlichen Sinne gar kein seriöser Auftritt ist. Schau dir mal die Setlist von Megadeth an und vergleiche sie mit derjenigen von Marilyn Manson. Findest du den Unterschied? Ich gebe zu, ich habe Sir Manson zuvor nie Live gesehen, weiss aber jetzt auch warum. Eigentlich tragisch, dass diese Figur nicht schon lange im Metal-Nirvana abgesoffen ist. Ich verzichte darauf mich nun noch näher mit dem Auftritt zu befassen, Dutti hat es auf den Punkt gebracht. Fanzit: Geht gar nicht, gute Nacht.

Pam: Mein scharfer Senf dazu? Selten einen solchen Schrott gesehen und gehört. OK, ich war auch hier nie ein Freund des Ober-Provokateurs. Denn damit lockt man mich nicht mal von einem stinkenden Toi Toi. Meine Erwartungen heute waren sehr, sehr tief. Tiefer als jede Hölle die an diesem Wochenende besungen wurde von all diesen Black Metal Bands. Da steh ich im Fotograben und werde mal mit meinen Kollegen, Stage-Crew und Fans der ersten Reihen für 20 Minuten wortwörtlich vernebelt. 20 Minuten im Bühnenrauch stehen. Wow, was für eine Erfahrung. Danke dafür. Nach einem Song mussten wir den Graben auch schon wieder verlassen. Das wird ein Einfaches aussortieren dieses Superhelden im Nebel. Auch danke dafür, erspart viel Arbeit. So bin ich auch weg und obwohl wie von Dutti schon erwähnt, das Infield kaum einmal voller war zu Beginn, stehe ich jetzt an, um genau dieses zu verlassen. Zum ersten Mal in meiner Wacken-Karriere muss ich anstehen, um vor einer Band während deren Auftritt zu flüchten. Ich glaub, das sagt alles. Keinen Dank dafür.

Setliste – Marilyn Manson

  1. Revelation #12
  2. This Is The New Shit
  3. Disposable Teens
  4. Great Big White World
  5. The Dope Show
  6. No Reflection
  7. Sweet Dreams (Are Made Of This)
  8. We Know Where You Fucking Live
  9. SAY10
  10. The Beautiful People
  11. Irresponsible Hate Anthem

Fanzit Freitag

Dutti: Bis und mit Emperor war der Tag voll mit coolen und mitreissenden Shows. Dann kamen jedoch meine persönlichen Wacken-Flops 2017: Megadeth und Marilyn Manson. Insbesondere der Letztgenannte hat sich mit diesem katastrophalen Auftritt ein ziemlich negatives Denkmal gesetzt. Ab und zu war es so schlecht, dass ich sogar darüber lachen musste. Schlau werde ich nicht wirklich aus ihm. Was ist alles gespielt und was ist echt? Die Unterschiede sind für mich kaum erkennbar. Weshalb buchen Veranstalter nach wie vor einen solchen Risiko-Kandidaten? Brauchbare Antworten auf diese Fragen gibt es nicht wirklich. Eine Stellungnahme des OK-Duos blieb bisher aus. Aber ich habe in der Vergangenheit übrigens auch schon gute Manson-Shows erlebt. Er könnte es eigentlich schon. Trotzdem blicke ich unserem nächsten Aufeinandertreffen im November eher skeptisch entgegen.

Domi: Paradise Lost ist für mich die Band des Tages. Verlierer des Tages, wie könnte es anders sein: Marilyn Manson. Dieser Freitag war für mich übrigens einer der am schlechtesten besetzten Tage ever am Wacken-Festival. Natürlich hat man sehr viele Optionen um sich eine einigermassen gute eigene Running-Order zusammen zu stellen. Aber das wirkliche Top-Erlebnis blieb heute aus. Wenn ich die Verteilung der Bands auf die verschiedenen Festivaltage anschaue, hätte man hier vielleicht besser noch ein wenig jongliert. Und einem Typ wie Manson einen «Headliner»-Slot zuzugestehen, grenzt eigentlich an eine Frechheit. Ihm wird’s wohl so ziemlich egal sein. Trotzdem; auf diesem Festival hat man ja bei einem solchen Sachverhalt viele Möglichkeiten sich zu tummeln, Geld auszugeben und es lustig und heiter zu haben. Deshalb setzen wir doch ein «erledigt» hinter den zweiten Festivaltag und widmen uns den Vorbereitungen zum Samstag und somit auch schon letzten Festivaltag. Dieser wird – wenn ich die Bands studiere – ganz sicher eine ganze Weltklasse besser abgehen. See you on the Holy Ground again …

pam: Und wie man es auch lustig und heiter haben kann, wenn grad nicht so sein Favorit auf der Bühne steht, zeigen ein paar der nachfolgenden Fotos …

Wacken Open Air – Tag 2 (pam)

 Samstag, 5. August 2017 – Furioses Finale mit „Sepultura“, Alice Cooper, Amon Amarth und Avantasia

Rage

pam: Mein erster Pflichttermin heute gilt der deutschen Power Metal Institution Rage. Wobei die Institution dabei vor allem aus Peavy Wagner besteht. Denn bekanntlich wurden vor zwei Jahren Victor Smolski an der Gitarre durch Marcos Rodriguez und an den Drums André Hilger durch Lucky Maniatopoulos ersetzt. Die beiden schon frühen Rage-Fans haben der Band mit frischem Blut gutgetan bzw. vor allem für Peavy der durch die zunehmende Dominanz von Victor bei Rage litt. Endlich ist er wieder alleiniger Herr und Vater seines Babys. Und das spürt man sowohl live als auch ab Konserve.

Denn fleissig wie eh und eh wurde am 28. Juli 2017 – also ein paar wenige Tage vor ihrem Wacken-Auftritt – bereits Album Nr. 2 seit dem Neustart rausgehen. «Seasons Of The Black» ist wie gewohnt hohe Rage-Qualität und ich find sogar eines der besten Rage-Alben überhaupt.

Die Bühne ist heute komplett im Design der neuen Scheibe und das sieht verdammt gut aus mit dem Backdrop und den Stellern auf den Seiten. Und was noch cooler ist, das frühe Konzert bei der Louder-Stage ist sehr gut besucht. Rage erhalten die Aufmerksamkeit die sie definitiv verdienen. Vor allem von vielen Südamerikanern die immer regelmässiger nach Wacken pilgern und sich mit ihren Landesflaggen und vor allem lautem Gesang bemerkbar machen. Bei denen hat Rage auch einen gut Stand.

Das Set von Rage gewinnt bei mir als sympathischster Auftritt vom W:O:A 2017. Mit Dauersmile zockt das Trio mit ausgeprägter Spielfreude. Sie geniessen ihren Auftritt vor dem grossen Publikumsaufmarsch und scheinen auch ziemlich paff zu sein, wie gut ihre Show besucht ist. Vor allem beim dem in die Länge gezogenen Rausschmeisser «Higher Than The Sky» ist Hühnerhaut garantiert. Der laute Gesang der Fans versetzt Peavy und Marcos immer wieder in Staunen. Eingebettet in dieser Extended Version ist auch noch ein Solo von Marcos und vor allem einer der besten Holy Diver Coverversionen, die ich je hörte. Wow, Marcos spielt nicht nur gut Gitarre, er hat auch eine Hammerstimme die dem Original fast nicht nachsteht. Ganz grosses Kino bereits früh am Nachmittag bei der Louder-Stage!

Fotos Rage vom Wacken Open Air 2017 (pam)

Setliste Rage

  1. Intro
  2. Don’t Fear the Winter
  3. Great Old Ones
  4. Spirits Of The Night
  5. Blackened Karma
  6. End Of All Days
  7. From The Cradle To The Grave
  8. Season of the Black @Info[Premiere]
  9. Straight to Hell
  10. Black in Mind
  11. My Way
  12. Higher Than The Sky (inklusive Cover von Holy Diver)

Beyond The Black

Dutti: Bereits zum vierten Mal in Folge ist die junge Symphonic Metal-Truppe Beyond The Black in Wacken zu Gast. Mit ihnen startet auch mein Samstagsprogramm. Sängerin Jennifer Haben und ihre Jungs scheinen sich auf der Harder-Stage sichtlich wohlzufühlen. Spielfreude ist massenhaft vorhanden. In der aktuellen Besetzung weiss die zu Anfang als zusammengewürfelte Casting-Band belächelte Kapelle definitiv zu überzeugen. Neben Jennifer ist meiner Meinung nach ebenfalls Gitarrist Chris Hermsdörfer ein wichtiges Rädchen im Gesamtgefüge. Seine Shouts und Growls werden immer besser.

Die Setliste lässt keine Wünsche offen. Beyond The Black beweisen mit diesem tollen Auftritt ein weiteres Mal, dass sie mit Genre-Grössen wie Epica, Within Temptation oder Nightwish stellenweise durchaus mithalten können. Wie so oft sorgt die Cover-Version des Motörhead-Songs «Love Me Forever» für Hühnerhautmomente. Jennifer betont sogar, dass diese Nummer der gesamten Band sehr wichtig sei (Anm. von pam: Ohne dem hübschen Mädel jetzt als Bein kicken zu wollen, aber das wirkte auf mich schon sehr aufgesetzt. Ich find’s ja schön, wenn jede zweite Band von Beyond The Black bis Alice Cooper in einer Art und Weise Lemmy erwähnt oder Motörhead zu seinen Ehren covert … Aber irgendwann ist das dann auch zu offensichtlich, dass da viele auf dieser Sympathie-Welle mitreiten wollen. Denn mit ein paar netten Worten zu Lemmy oder einem M-Song kann eigentlich nichts schiefgehen. Ich habe jedoch das Gefühl, dass das dann plötzlich mal kippt und für die Leute dies irgendwann dann einfach nur noch billig wirkt – auch die Karaoke-Aufnahme von Heroes auf Wacken … – und wie M-Shirts im H&M nur noch Trittbrettfahren ist. Bis es jedoch soweit ist, freu ich mich schon auch, dass unser aller Held nicht vergessen und so oder so unsterblich ist).

Fotos Beyond The Black Wacken Open Air 2017 (pam)

Setliste – Beyond The Black

  1. Lost In Forever
  2. Songs Of Love And Death
  3. Heaven in Hell
  4. Shine And Shade
  5. Forget My Name
  6. Love Me Forever (Motörhead-Cover)
  7. In The Shadows
  8. When Angels Fall
  9. Hallelujah
  10. Running To The Edge

Return To Roots (Cavalera Conspiracy – Ex-Sepultura)

Domi: Ich schaffe es wiederum nicht so früh auf den Acker, aber als Max & Igor Cavalera die Bühne betreten bin auch ich vor Ort. Ich bin ganz ehrlich, ich habe vor allem Max Cavalera bereits gefühlte 100 Mal erlebt. Ich fand noch jedes Konzert «gut bis ausgezeichnet», aber was heute hier in Wacken abgeht, das habe ich noch nie miterlebt. Das bereits gut gefüllte Infield geht steil als gäbe es kein Morgen mehr (gibt’s Festivaltechnisch ja wirklich nicht mehr), die Setlist enthält natürlich wie bereits im Vorfeld verbreitet, sämtliche Songs der der Roots-Scheibe. Die Zugaben sind es jedoch, welche sämtliche Zuschauer und auch mich nochmals so richtig in alte Zeiten versetzt. Denn mit Beneath the Remains, Desperaty Cry und Orgasmatron spielen die Brasilianer Songs, welche einen die Hühnerhaut auf den Körper jagt. Die Spielzeit vergeht wie im Fluge und die Gebrüder bedanken sich nach dem Auftritt sehr herzlich beim Publikum. Ich stehe noch einige Minuten verdattert da und muss zuerst meine wenigen Hirnzellen neu ordnen. Das war eben einfach Kult. Pam, ich glaube dich hat der Auftritt ebenso geflasht wie mich oder? Wie hast du die beiden Cavaleras erlebt?

pam: DAS war für mich – etwas unerwartet – das absolute Wacken 2017 Highlight! Nur schön wenn ich die Zeilen oben von Domi lese und mich daran zurückerinnere kriege ich die erwähnte Hühnerhaut. Sepultura stand bei mir in der Schulzeit ganz weit oben in der Playlist. Das hat damals niemand verstanden, wie sich einer zu Arise am besten konzentrieren und lernen kann. Gut, gelernt habe ich dabei nicht oft, ich geb’s zu, zu stark fesselten mich die Brasilianer zu Beginner ihrer Karriere bis zu … Roots. Der Titelsong fand ich damals noch recht cool, aber der Rest war mir zu stark Dschungel-Musik. Heute sehe ich das ein bisschen entspannter mit den Tribal-Einflüssen. Dennoch sind es die Alben von Schizo bis Chaos A.D., die für mich zu den Meilensteinen des Thrash-Metals gehören und zeitlose Klassiker sind. Auch wenn Soulfly und Sepultura Post-Max und später auch -Igor sowie die Cavalera-Brüder zusammen immer wieder gutes Material ablieferten, der Zenit war für mich klar überschritten.

Vielleicht auch, weil zu viele Jugenderinnerungen in den Songs stecken … Und all die kommen heute Nachmittag hoch. Max ist gut drauf wie schon lange nicht mehr. Die ganze Roots Scheibe ein Highlight … Gestartet hat die Whiplash-Sause mit „Roots Bloody Roots“. Da konnte ich und wohl einige um die 40 rum sich kaum mehr halten. Da schoss das Adrenalin in alle Richtungen – wie auch jegliche Körperbehaarung. Die Kauschublade steht offen wo hin man auch schaut. Und als dann zum Grand Finale losgethrashed wird, sind die beiden Brüder alleine auf der Bühne und zocken die von Domi erwähnten Überhymnen, dass ich mich davon erst Stunden später wirklich erholen kann. Geflashed ist noch zu milde ausgedrückt.

Und ja, auch sie bringen Lemmy ins Spiel. Aber am Glaubwürdigsten von allen Bands an diesem Wochenende. Halt glaubwürdiger als bei einem Alice Cooper oder einem jungen Mädel wie von Beyond The Black. Nachdem Max erwähnte, dass er von Lemmy mal getauft wurde …mit Whiskey versteht sich, ist die ganze Band wieder auf der Bühne versammelt und spielt die für mich nebst der Originalversion von und mit Lemmy geilste Ace of Spades Nummer die ich je gehört habe. Rock n‘ Roll Meets Thrash Metal! Wacken goes Nutz! Motörhead waren Ende 70er/Anfang 80er das Non-Plus-Ultra was Geschwindigkeit betraf und das grosse Vorbild der meisten damals aufkommenden Thrash-Metal-Bands wie Metallica und Anthrax. Und so schliesst sich heute der Kreis irgendwie, indem die Band Ace of Spades in einer Thrash-Metal-Version knüppeln. Einfach nur geil. Und noch viel mehr als das.

Und ja Domi, ich bin auch drei Wochen später immer noch geflasht. Eines meiner emotionalsten und intensivsten Konzert-Erlebnisse überhaupt! Während ich hier grad so schreibend in Erinnerung schwelge, ertappe ich mich dabei, dass ich heute ja den ganzen Tag mit dem Beneath The Remains Shirt rumlief. Wenn das kein Zeichen ist? Zumindest die Bestätigung zu obigen Worten. Ich muss jetzt mal runterkommen – jetzt wieder in Wacken von der Zeitordnung her – und geh ein Bierchen trinken und vom Konzert schwärmen. Egal wer jetzt auf der Bühne steht, die nächsten 1 – 2 Stunden darf mich nichts von diesem Konzerthigh runterholen. Darum sei mir verziehen, dass die nächsten Bands keinen Fotograbenbesuch von mir erhalten.

Fotos Return to Roots von Wacken 2017 (pam)

Setliste – Max & Igor Cavalera

  1. Roots Bloody Roots
  2. Attitude
  3. Cut-Throat
  4. Ratamahatta
  5. Breed Apart
  6. Straighthate
  7. Spit
  8. Lookaway
  9. Dusted
  10. Born Stubborn
  11. Itsári
  12. Ambush
  13. Dictatorshit
  14. Iron Man
  15. Beneath the Remains / Desperate Cry / Orgasmatron
  16. Ace of Spades
  17. Roots Bloody Roots

Heaven Shall Burn

Dutti: Gigantische Circle Pits um das gesamte Bühnengelände gefällig? Dann muss man eigentlich nur einer Band einen Wacken-Slot gewähren. Ich spreche natürlich von den Metalcore-Grössen Heaven Shall Burn aus Thüringen. Bei keiner anderen Gruppe ist das Publikum jeweils so fleissig in Bewegung. Frontschreihals Marcus Bischoff und seine Jungs haben auch in diesem Jahr erneut die dafür passenden Lieder im Gepäck. «Voice Of The Voiceless», «Land Of The Upright Ones», «Combat», «Hunters Will Be Hunted», «Counterweight» und natürlich «Endzeit». Da ist effektiv das Gesamtpaket am Start. Die Jungs sind einfach Stimmungskanonen. Dazwischen findet der Bandleader immer wieder Zeit für unterhaltsame Sprüche. Das Wetter sei ja immer schön, wenn sie in Wacken spielen. Nix da mit «der Himmel soll brennen». Trotzdem schmeisst Marcus nach den ersten paar Songs ein Pärchen Gummistiefel in die Menge. So hätten die Fans aus seiner Sicht keine Ausreden mehr für Bewegungsresistenz auf dem schlammigen Terrain. Selbstironisch fordert er die Masse in der Hälfte des Sets auf, doch bitte keine Wall Of Death zu starten. Ihr könnt euch ja sicherlich denken was danach passiert ist. Jedenfalls bedankt sich der Heaven Shall Burn-Frontmann mehrmals bei der Security und lobt deren engagierte Arbeit.

Domi: Heaven Shall Burn lasse ich mir natürlich auch nicht entgehen, lieber Dutti. Dies aus den gleichen Gründen wie du. Denn du hast absolut recht: Die sympathischen Herren sind einfach immer wieder und egal wo Stimmungsgranaten der Elite-Liga. Unvergesslich bleibt der Circle-Pit beim letzten Auftritt der Thüringer in Wacken. Im selben Jahr war statt Regen und Matsch völliges Wetter-Gegenteil der Fall: Hitzesatan und Staubsahara. Das Publikum produzierte damals die wohl grösste Circle Pit Staubwolke, welche ich je gesehen habe. Aber wieder in die Gegenwart; Erwähnenswert meinerseits der cool gestaltete Bühnenaufbau von HSB. Die Setlist ist perfekt gewählt und trotz einem Slot am Nachmittag könnte die Stimmung auch heute nicht besser sein. Es ist unglaublich, wie Marcus Bischoff es immer wieder schafft, ganze Heerscharen in Bewegung zu setzen. Auch dieses Jahr wird wieder ein gigantischer Circle Pit um einen Lautsprecherturm gestartet.

Schade ist eigentlich nur, dass Bischoff zu Beginn des Konzerts nach meinen Ohren einen Besuch im Publikum ankündet, dieser dann aber nie stattfindet. Vielleicht hat er es vor Aufregung über die vielen Zuschauer ganz vergessen. Anyway, sehr gelungener Auftritt von HSB. Macht einfach immer wieder Spass.

Setliste – Heaven Shall Burn

  1. The Loss Of Fury
  2. Bring The War Home
  3. Voice Of The Voiceless
  4. Land Of The Upright Ones
  5. Forlorn Skies
  6. Corium
  7. Combat
  8. Passage Of The Crane
  9. Downshifter
  10. The Omen
  11. Hunters Will Be Hunted
  12. Counterweight
  13. Awoken
  14. Endzeit
  15. Godiva
  16. Black Tears (Edge of Sanity-Cover)

Powerwolf

Dutti: Der nächste Programmpunkt? Die einzig wahre Metal-Messe! Zelebriert wird diese seit Jahren vom nimmersatten Wolfsrudel aus Saarbrücken. Heute findet sie auf der Faster-Stage des Wacken Open Airs statt. Von Anfang an hat Alphawolf Attila Dorn seine Jünger mit charismatischen Ansagen felsenfest im Griff. Der temporeiche Start erfolgt mit Hilfe des Tracks «Blessed & Possessed». Die Gitarristen Matthew und Charles Greywolf düsen gewohnt wild und ungebremst durch die Gegend. Falk Maria Schlegel behält währenddessen von seiner Orgel aus das ganze Geschehen im Blick. Neben ihm trommelt Roel van Helden unermüdlich auf seiner Schiessbude herum. Beeindruckend sind zudem die häufig eingesetzten Pyro-Effekte. Powerwolf können eigentlich nicht viel falsch machen. Die Setliste geizt auch heute nicht mit Mitsing-Hymnen. Trotzdem wäre es für meinen Geschmack so langsam einmal Zeit für ein neues Album und neues Material. Die bestehenden Songs sind zwar noch nicht vollends ausgelutscht, aber irgendwann kennt man sie einfach zu gut. Deswegen würde ein wenig Abwechslung nicht schaden. Für Lacher sorgt einmal mehr die Vorgeschichte zu «Resurrection By Erection». Allerdings geht es dieses Mal nicht um Bienenstiche ins männliche Glied, sondern um den Zusammenhang zwischen Sonnenaufgang und Morgenlatten. Beinahe schon niedlich ist dagegen Attilas ständiges «viele Dankeschön».

Domi: Während Dutti bei den Wölfen am «heulen» ist, gönne ich mir noch eine kurze Pause, denn danach ist beim Studieren der Running Ordner praktisch keine Luft holen mehr möglich. Powerwolf ist mir mittlerweile ein wenig zu berechenbar und langweilig geworden. Schade eigentlich, denn auch die Wölfe wissen, wie man ordentlich Stimmung macht. Ich glaube aber auch, dass es langsam Zeit für ganz neuen Stoff dieser Band wird und ich wünsche mir, dass sie den gewohnten Pfad auch mal verlassen, denn ich bin sicher, dass noch mehr in diesem Rudel steckt.

Setliste – Powerwolf

  1. Blessed & Possessed
  2. Army Of the Night
  3. Coleus Sanctus
  4. Amen & Attack
  5. Dead Boys Don’t Cry
  6. Sacred & Wild
  7. Armata Strigoi
  8. Let There Be Night
  9. Resurrection By Erection
  10. Werewolves Of Armenia
  11. All We Need Is Blood
  12. Sanctified With Dynamite
  13. We Drink Your Blood

Wolfheart

Dutti: Während die Masse vor den Hauptbühnen geduldig auf die noch kommenden Auftritte von Alice Cooper, Amon Amarth und Avantasia – zu denen meine Metalinside-Kollegen sicherlich etwas zu berichten wissen – wartet, ziehe ich mich langsam zurück und schlendere durch das Wackinger-Dorf. Auf der dortigen Bühne erwarten mich nämlich die nächsten Wölfe. Dieses Mal handelt es sich um die Finnen von Wolfheart. Die vier Herren geben richtig Gas und regen die Nackenmuskeln der Zuschauer zu Sonderschichten an. Heute scheint Lead Gitarrist Mika Lammassaari für die Ansagen zuständig zu sein. Tuomas Saukkonen hält sich dagegen eher zurück. Ob er seine Stimme schonen muss? Die Soundqualität stimmt jedenfalls. Kräftiger Melodic Death Metal trifft auf atmosphärische, düstere Klänge. Ein echter Geheimtipp. Bei einem Song erlebe ich völlig überraschend ein Wiedersehen mit From The Void-Frontmann Juuso Seppälä, der seine Landsleute am Gesang unterstützt. Das markante Hirschgeweih auf seinem Schädel ist nach wie vor ein regelrechter Blickfang.

Serenity

Dutti: Beim nächsten Act wird die Wackinger-Bühne gleich nochmals zum Tatort. Es ist Debütanten-Zeit. Die Österreicher von Serenity waren bisher tatsächlich noch nie auf dem W:O:A zu Gast. Sänger Georg Neuhauser ist jedoch direkt vom hiesigen Publikum begeistert. So tue eine Entjungferung ja gar nicht weh. Auf den Mund ist der Kollege definitiv nicht gefallen. Den ganzen Auftritt lang vermag er die Fans bestens zu unterhalten. Ihr schämt euch für eure Glatze? Dann hat Georg die optimale Aussage für euch parat: «Ein schönes Gesicht braucht nun einmal Platz!». Es sei zudem etwas mühsam, dass sie zur gleichen Zeit wie diese «Garagen-Band» Amon Amarth spielen müssen. Umso dankbarer zeigt sich der Frontmann deshalb für den durchaus ansehnlichen Aufmarsch vor der Wackinger-Stage. Nun habe er genug geredet. Mehr Geplapper gäbe es ja im Anschluss eh wieder bei Avantasia. Jep, auch Tobi Sammet kriegt erneut sein Fett weg. Musikalisch zeigen die Ösis eine tolle Leistung und haben dabei sicherlich Freude an ihrer Wacken-Premiere. Mir ist früher gar nie aufgefallen, wie gut Basser Fabio D’Amore singen kann – Chapeau! Derweil tritt Klampfer Chris Hermsdörfer zu seiner zweiten Schicht an. Am Nachmittag stand er ja bereits bei Beyond The Black im Einsatz. Mit an Bord ist selbstverständlich auch wieder Sängerin Tasha. Sie und Georg harmonieren abermals hervorragend zusammen. Man darf zurecht auf das im Oktober erscheinende neue Serenity-Album gespannt sein. Während die restlichen Bandmitglieder zum Abschluss ein Foto mit den Fans schiessen, lässt sich Georg via Crowdsurfing zur Würstchenbude tragen. Ich habe allerdings keine Ahnung, ob er jemals dort angekommen ist.

Setliste – Serenity

  1. Follow Me
  2. Sprouts Of Terror
  3. Spirit In The Flesh
  4. Royal Pain
  5. Reduced to Nothingness
  6. Iniquity
  7. Rust Of Coming Ages
  8. Legacy Of Tudors
  9. Velatum

British Lion

Dutti: Zum Abschluss statte ich nochmals dem Bullhead-Zelt einen Besuch ab. Eigentlich wollte ich mir Katatonia zu Gemüte führen, aber die scheinen irgendwie ihren Slot getauscht zu haben, was ich leider nicht mitbekommen habe. Aber mit British Lion findet sich auf der Headbanger-Stage glücklicherweise umgehend eine Alternative. Die Band ist ein Projekt des Iron Maiden-Bassisten Steve Harris. Offenbar hat er da ein paar talentierte Musiker um sich geschart. Stiltechnisch spielen die britischen Löwen einen Mix aus Hard Rock und NWOBHM. Trotzdem klingt der Sound komplett anders als bei Steves Stammband – und das ist auch gut so. Die Herrschaften sorgen für mächtig Stimmung und somit darf ich mich über einen gelungenen Abschluss meines siebten Wacken-Abenteuers freuen.

Setliste – British Lion

  1. This Is My God
  2. Father Lucifer
  3. The Burning
  4. Spitfire
  5. The Chosen Ones
  6. Bible Black
  7. Last Chance
  8. Us Against the World
  9. A World Without Heaven
  10. Eyes Of The Young

Domi: Ich meinerseits habe meinen Standort nun vor den Hauptbühnen bezogen um den Abend im Beisein von Alice Cooper, Amon Amarth sowie Avantasia und danach Kreator zu verbringen. Also ein happiges Endprogramm, welches da noch vor mir liegt.

Alice Cooper

Domi: Den Beginn dieses Marathons bildet die Show von Alice Cooper, welcher auf der Harder-Stage loslegt. Ich staune auch dieses Jahr einmal mehr, was der bald 70-jährige Cooper fertigbringt. Wahnsinn, so fit möchte ich in diesem Alter auch noch sein. Cooper ist natürlich nicht nur für seine Songs berühmt sondern auch für alles, was sich sonst noch auf der Bühne während eines Gigs abspielt. Dies ist vielleicht auch das einzige ermüdende an einem Konzert des Horror-Opas, denn die Show-Acts (Köpfen von Alice Cooper, Zwangsjacke usw.) sind eigentlich seit Jahren immer die gleichen. Hier könnte man vielleicht mal was Neues bringen. Ansonsten ist aber sowohl Gesang von Cooper als auch die musikalische Unterstützung der übrigen Bandmitglieder auf einem sehr hohen Niveau angesiedelt.

Alice Cooper ist nicht nur auf der Bühne ein Gentleman, nein auch im wirklichen Leben scheint er immer wieder ein grosses Herz zu zeigen. So gibt er im Pressebereich bekannt (anlässlich einer kurzen Pressekonferenz), dass er 10 000.- in die Wacken Foundation spendet. Wenn das mal nun kein Zeichen des Dankes ist, dann weiss ich auch nicht. Sehr grosszügig und selbstlos Herr Cooper, mein Respekt. Die Wacken Foundation unterstützt übrigens Bands und fördert diese entsprechend mit Geldern, Support usw. Alice Cooper, möchte also, dass nach seinem Abgang von den Bühnen der Welt valabler Nachwuchs da ist, der in seine Fussstapfen treten kann. Wir hoffen natürlich, dass Alice noch ein paar Jahre bleibt. Wir wissen jedoch auch, wie schnell es anders sein kann. Darum alles gute Herr Cooper und hoffentlich bis bald.

Pam: Als ich den Fotograben verlasse, läuft mir Lemmy in jüngerer Ausführung über den Weg (siehe letztes Foto in den nachfolgenden Bildergalerie für Alice Cooper). Heilige Rock n‘ Röhre, der Typ gleicht dem Lemmy aufs Haar exklusive Warzen. Natürlich geniesst er es auch entsprechend – sein Name will mir partout grad nicht einfallen, drum nenn ich ihn jetzt einfach Jung-Lemmy – und hat sich auch lemmymässig rausgeputzt. Inklusive stattlichem Schnauzbart dem Vorbild entsprechend. Und wie es der Zufall so will hat er natürlich auch einige Lemmy-Anekdoten parat und erzählt uns von seinen Treffen mit dem Original. Ich rede sozusagen mit dem Original des Originals. Und verpasse da bei optisch die Show von Alice Cooper. Die hät ich mir jetzt noch reingezogen, aber wie Domi geschrieben hat, kennt man eigentlich alles schon. Dennoch ist der Sound den ich neben der Bühne gut mitkriege Top. Und als dann Ace of Spades ertönt bewegen wir uns doch noch ein paar Meter und erleben zumindest den letzten Song des Sets noch sichtbar. Aber wie schon erwähnt, find ich den irgendwie einfach unpassend bei Alice Cooper und es fehlt auch die Power. Gut, da hätte jetzt jeder kommen können, nach der Version von den Cavaleras kann man nur noch verlieren.

Fotos Alice Cooper am Wacken Open Air 2017 (pam)

Setliste Alice Cooper

  1. Brutal Planet
  2. No More Mr. Nice Guy
  3. Under My Wheels
  4. The World Needs Guts
  5. Woman of Mass Distraction
  6. Poison
  7. Halo of Flies
  8. Feed My Frankenstein
  9. Cold Ethyl
  10. Only Women Bleed
  11. Paranoiac Personality
  12. Ballad of Dwight Fry
  13. Killer
  14. I Love the Dead
  15. I’m Eighteen
  16. School’s Out
  17. Ace of Spades

Amon Amarth

Domi: Kurze Verschnaufpause mit ein paar Intermezzos auf den Video-Leinwänden, bevor es mit Amon Amarth weitergeht. Ich bin im Vorfeld gespannt, ob die Schweden heute die Meute mitreissen kann. Ja ich meine wirklich «Meute», denn das Infield ist nun Urplötzlich und fast unbemerkt extrem dichtbesiedelt geworden. Ich schaue nach hinten und es offenbart sich mir das gleiche Bild. Wirklich alles rappelvoll. Natürlich ist das der Lohn für die Band, welche sich in den letzten Jahren wirklich den Arsch abgetourt hat und auch auf musikalischer Ebene mit «Jomsviking» für Nachschub im Plattenladen gesorgt hat.

Mit «The Pursuit of Vikings» fällt der Vorhang und Amon Amarth – insbesondere Johan Hegg – geben Vollgas vom ersten Ton an. Das Bühnenbild sieht wieder mal sehr eindrücklich aus und verändert sich während der Show auch das eine oder andere Mal. Amon Amarth lassen heute wirklich nichts anbrennen und ziehen einen sensationellen Gig durch. Die Resonanz des Publikums bestätigt dies eindrücklich. Spätestens nach «Deceiver of the Gods» kennt die Stimmung keine Schranken mehr. Amon Amarth sind für mich ganz klar ein Highlight des WOA 2017. Das Set ist kompakt, kurzweilig und wird von den Bandmitgliedern mit Freude und ausgestrahlter Leidenschaft an die hungrigen Wikinger im Publikum serviert. Singen macht auch durstig; Bei «Raise your Horns» werden nicht nur vereinzelt im Publikum Trinkhörner gen Himmel gerichtet, sondern Johan Hegg wünscht ebenfalls ein «Prost» und leert sein Trinkhorn bis auf den letzten Tropfen. Als Abschluss wird mit «Guardians of Asgaard» nochmals ein Publikumsknaller ausgepackt. Heute ganz grosses Kino Herren, Raise your Horns!

Pam: Nichts anzufügen. Amon Amarth bleiben live eine Bank, unzerstörbar und thorscher Power und nicht zuletzt sind sie auch die Charmebolzer der ganz harten Jungs. Johann Hegg bleibt auch als Bilderbuch-Wikinger der nette Samichlaus (oder Weihnachtsmann) von Nebenan. Ah, und ja, zu erwähnen ist sicher auch der Gastauftritt von der Metal-Queen Doro beim Duett zu „A Dream That Cannot Be“. Live kommt das (noch) viel besser rüber als ab Konserve, da war ich eher etwas skeptisch.

Fotos Amon Amarth am Wacken Open Air 2017 (pam)

Setliste Amon Amarth

  1. The Pursuit of Vikings
  2. As Loke Falls
  3. First Kill
  4. The Way of Vikings
  5. Cry of the Black Birds
  6. Deceiver of the Gods
  7. Father of the Wolf
  8. Death in Fire
  9. War of the Gods
  10. Raise Your Horns
  11. A Dream That Cannot Be
  12. Guardians of Asgaard

Avantasia

Domi: War das nun schon der Höhepunkt des heutigen Festivaltages? Oder kann Avantasia noch einen draufsetzen? Es gibt Gründe, welche dafürsprechen, jedoch auch solche, welche dagegenhalten; so wird heute Abend Jorn Lande wieder mit von der Partie sein. Der norwegische Rocker mit seiner unverkennbaren Stimme hat auf der letzten Tour von Avantasia gefehlt, da er selber genug Projekte am Laufen hat. Zudem sind wie immer weitere namhafte Grössen dabei wie z.B. Jeoff Tate (Ex-Queensryche) oder Bob Catley. Was sicher eher dagegen spricht ist die Feststellung das Mastermind Tobias Sammet oft zu viel quatscht und so ein eigentlich brillantes Lineup an Sänger/innen in den Hintergrund stellt. Aber vielleicht ist heute alles anders?

Kurz noch an den Verpflegungsstand und bereits geht es los. Der Start verspricht eigentlich sehr viel, denn mit zwei Klassikern wie „Mystery of a Blood Red Rose“ und „The Scarecrow“ fährt man schon zu Beginn des Konzertes schweres Geschütz auf. Tobi ist gut bei Stimme und hat keine Mühen die tiefen wie auch die sehr hohen Töne zu treffen. Gesanglich kann man dem mittlerweile 40jährigen sicher nichts vorwerfen. Diesbezüglich ist und bleibt er talentiert, natürlich auch was es der Planung und Durchführung eines solchen Projektes, wie es Avantasia darstellt, ausmacht.

Aber, wie befürchtet, kann sich der Herr auch heute Abend wieder nicht zurückhalten. Und ehrlich gesagt, dies nervt gewaltig! Manchmal bin ich nicht ganz sicher ob Tobias dies macht, weil er einfach durch die Erfolge schon zu abgehoben ist? Denn früher stellte er – ich kann es selbst aus Konzerterfahrungen bezeugen – die Musik in den Vordergrund. Aber heutzutage wird zwischen den Songs teilweise minutenlang gequasselt. Oft ist aus seiner Sicht auch das Publikum nicht genug aktiv, wie heute auch. Das verkündet Herr Sammet dann auch lautstark. Für meine Belange habe ich aber eigentlich das Gefühl, dass das Publikum mit Leib und Seele dabei ist. Vielleicht nervt es den Sänger, dass er, nachdem er lautstark mehrmals die Publikumsscheinwerfer fordert und diese dann hochgefahren werden, feststellt, dass kaum die Hälfte des Publikums, welches bei Amon Amarth auf dem Platz war nun noch im Infield steht.

Den Gipfel setzt jedoch gegen Schluss des Sets ein typisches „Sammet-Spielchen“ auf, das bei mir nur Kopfschütteln auslöst. Bereits warten vor der nicht bespielten Bühne einige Kreator-Fans auf ihre Idole. Natürlich kann es Tobias nicht lassen und lässt sich zum Spruch; „ Kommt lieber hier rüber zu uns, da läuft was“ hinreissen. Natürlich wird er von den Kreator-Anhängern sofort ausgebuht. Dies veranlasst ihn nun seinerseits, den Weg von seiner Bühne auf die Andere unter die Füsse zu nehmen, um sich zu entschuldigen. Zudem spielt er nun auch das Spiel „Welche Seite des Publikums ist lauter, die Kreator Fans oder die Avantasia Fans. Auch hier hat er wahrscheinlich selbst gemerkt, dass er wieder in ein Fettnäpfchen getreten ist und versucht sich dann durch die Aktion wieder zu retten.

Schade eigentlich, berichte ich nun über solche Ereignisse und nicht über die Musik. Aber so ist es eben, wenn andere Belange einen Gig dominieren. Nichtsdestotrotz haben Avantasia noch einige weitere Brecher im Gepäck. „Dying for an Angel“ (mit Eric Martin von Mr. Big) oder „Lost in Space“ (mit Amanda Sommerville) sprechen für sich.

Schade ist heute Michael Kiske nicht dabei, seine Stimme hätte vielleicht auch meine Stimmung noch ein wenig rumgerissen. So muss ich euch jedoch unter dem Strich mitteilen, dass ich – falls Avantasia nochmals am Wacken auftreten werden (was relativ realistisch anmutet) – kein Zuschauer der Show mehr sein werde.

Fotos Avantasia am Wacken Open Air 2017 (pam)

Setliste Avantasia

  1. Mystery of a Blood Red Rose
  2. The Scarecrow
  3. The Story Ain’t Over
  4. Dying for an Angel
  5. Twisted Mind
  6. Reach Out for the Light
  7. Farewell
  8. Seduction of Decay
  9. Avantasia
  10. Shelter From the Rain
  11. Runaway Train
  12. Promised Land
  13. Let the Storm Descend Upon You
  14. Lost in Space
  15. Sign of the Cross / The Seven Angels

Kreator

Domi: Mein letztes Wacken-Happening für 2017 wird nun Kreator sein. Mille Petrozza und seine Jungs treiben bereits seit 1982 ihr Unwesen und sind natürlich eine Institution im Metalbereich geworden. Es geht schnörkellos und gradlinig los, nachdem die Band die Bühne betreten hat. Mit „Hordes of Chaos“ und „Phobia“ hauen die Herren gleich zwei Kracher raus. Die Show ist ansprechend, aber nicht so mitreissend wie auch schon. Irgendwie fehlt heute der letzte Biss. Vielleicht liegt dies aber auch an der eigenen Verfassung nach vier Tagen Festival. Zudem – ich glaube es fast nicht – fängt es genau jetzt, zum Ende des Festivals, nochmals zu regnen an. Zum Glück kein Wolkenbruch, sondern kurze Schauerintervalle, welche uns natürlich nicht mehr aus der Fassung bringen. Kreator indessen hauen weitere Kanonen wie „Satan Is Real“ oder „Gods of Violence“ raus. Praktisch jeder Song ein Hit. Kreator sind und bleiben für mich eine Band mit Metal-Award Charakter. Die Direktheit und die Härte der Musik faszinieren mich immer wieder aufs Neue. Nach Abschluss pilgere ich zufrieden, aber auch mit einem tränenden Auge, da Wacken bereits schon wieder vorüber, vom Acker Richtung Shuttle-Bus.

Pam: Als ich im Fotograben bei Kreator stehe, höre ich den Gesang fast lauter hinter als vor mir von der Bühne. Als ich mich umdrehe, sehe ich eine Horde Latinos, die fast lauter singen als Mille mit elektronischer Verstärkung. Die singen jede Textzeile mit als wären es die ihren. Unglaublich, das muss schon Hammer sein, wenn man ein solches Konzert in Südamerika erlebt. Mehr Fanggesang geht nicht und Thrash-Metal der Sorte Kreator ist ja jetzt nicht unbedingt bekannt dafür, dass man dazu laut mitsingt. Es ist ja nicht Twisted Sisters «We’re Not Gonna Take It» … aber rein vom Gesang der Fans könnte man davon ausgehen … da gibt’s 10 Punkte für die Südamerika-Fraktion!

Fotos von Kreator am Wacken Open Air 2017 (pam)

 Setliste Kreator

  1. Hordes of Chaos (A Necrologue for the Elite)
  2. Phobia
  3. Satan Is Real
  4. Gods of Violence
  5. People of the Lie
  6. Total Death
  7. Phantom Antichrist
  8. Fallen Brother
  9. Enemy of God
  10. From Flood Into Fire
  11. World War Now
  12. Hail to the Hordes
  13. Civilization Collapse
  14. Violent Revolution
  15. Pleasure to Kill

Fanzit Samstag

Dutti: Erneut durfte ich ein äusserst geniales Wacken-Festival erleben. Für einmal liess ich es etwas ruhiger angehen und habe auch versucht, den kleineren Bühnen und Truppen etwas mehr Beachtung zu schenken. Da ich noch das Party.San und das Summer Breeze vor der Brust habe, sei mir dieser Schongang allerdings verziehen. Eigentlich wollte ich 2018 eine W:O:A-Pause einlegen. Dieser Plan wurde nach der Veröffentlichung der ersten Bandbestätigungen allerdings umgehend zunichtegemacht. Neben Epica, In Extremo, Arch Enemy, Amorphis und anderen wird auch meine absolute Lieblingsband Nightwish mit von der Partie sein. Somit pilgere ich wohl auch im nächsten Jahr zu den schlammigen Äckern von Wacken. Vielleicht gibt’s dann ja etwas mehr «shine» als «rain». See you there!

Domi: Auch mein mittlerweile 9. Wacken-Festival war ein gutes Festival. Persönlich für mich nicht das absolute «Hit»-Jahr (in Bezug auf Bands und Stimmung) aber ganz sicher auch nicht das absolut schlechteste Wacken, dass ich erlebt habe. Ich habe – nicht so wie Dutti – bereits aufgegeben mir vorzunehmen mal ein Wacken auszusetzen, sondern lasse einfach geschehen, was geschehen muss. So werde ich ein paar Stunden nach Verkaufsstart für 2018 sicher bereits wieder Tickets gesichert haben fürs nächste Jahr. Mit Arch Enemy, Amorphis und Nightwish sind im nächsten Jahr auch schon drei Bands meines Gustos vor Ort. Nightwish brachte 2013 einen der aus meiner Sicht besten Gigs ever in Wacken auf die Bretter. Somit bin ich sicher auch im 2018 wieder im hohen Norden. Übrigens sicher auch 2019, denn dann hat das 30jährige Festival Geburtstag. Also, die nächsten Jahre sind eh bereits vorgeplant (Anm. Dutti: Tja, auch ich werde dann wohl in nächster Zeit einige Male in Wacken am Start sein. Möchte mein «10-er Pack» ebenfalls noch vollmachen). Wehren wir uns doch nicht und lassen uns einfach treiben …

Fotos vom Wacken Open Air 2017 Tag 3 (pam)

 


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Wacken Open Air 2017 – Volbeat, Amon Amarth, Accept, Alice Cooper u.v.m.
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/ / 15.08.2017
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