Bonafide - Hall of Fame Wetzikon 2017
Sa, 14. Oktober 2017

Bonafide, Kissin‘ Black

Hall of Fame (Wetzikon)
04.11.2017
88
Bonafide - Hall of Fame Wetzikon 2017

«Fill your head with Rock!» 

Die schwedischen Hard Rocker Bonafide begeisterten am Samstagabend die Anhänger der gitarrenlastigen Musik im Hall Of Fame. Unterstützung gab’s von den aus Luzern stammenden Kissin’ Black. Leider blieb der grosse Besucherandrang aus. Alles Weitere könnt ihr wie gewohnt im untenstehenden Konzertbericht nachlesen. 

Mit angeschlagenen Nackenwirbeln schleppe ich mich am heutigen Samstagabend ein weiteres Mal ins Hall Of Fame (HoF) nach Wetzikon. Kataklysm haben gestern in der Schüür zweifelsohne ganze Arbeit bei der Genick-Zerstörung geleistet. Aber ein waschechter Metaller kennt keinen Schmerz. Die Show muss weitergehen. Aufgrund meiner regelmässigen Besuche im HoF wollte mir Metalinside-Boss pam bei der Akkreditierungsanfrage für die heutige Veranstaltung gleich noch ein Bettchen mitbestellen. Vielleicht übernachte ich ja irgendwo hinter der Bar? Das wird sich im Verlaufe des Abends sicherlich noch zeigen.

Kurz vor halb neun erreiche ich den Eingangsbereich des Hall Of Fame und düse sogleich ins Innere. Ui, da herrscht aber geradezu eine gähnende Leere im Raum. Etliche Parallel-Events (wie z.B. die Metal Night im Guss39 oder das Metal Scar Festival) scheinen die Massen eher angezogen zu haben. Aufgrund kaum vorhandener Kenntnisse über Bonafide kann ich deren Popularitäts-Status auch nicht wirklich einschätzen. In Sachen Kissin’ Black habe ich ebenfalls noch einige Wissenslücken zu stopfen. Na dann, auf geht’s! Der Genuss des ersten Hopfentees des Abends regt die Gedankengänge schon einmal an. Allerdings versuche ich am heutigen Abend einen «The Rumjacks-Absturz» tunlichst zu vermeiden. Der eigene Hirnzellenvorrat ist ja bekanntlich nicht unlimitiert.

KISSIN’ BLACK

Um 21 Uhr schreitet der erste Act zur Tat. Das Luzerner Quartett Kissin’ Black serviert uns äusserst vielschichtigen Rock. Dabei tätigen sie unter anderem auch Ausflüge in die Bereiche Blues, Country, Gothic und Latin. Sänger Giu Mastrogiacomo verfügt über eine sehr angenehme Stimme und lässt – in Kombination mit den Klängen seiner Instrumentalfraktion – die Zuhörer in fremde Welten eintauchen. Beim Track «Marrakech» fühlt es sich beispielsweise effektiv so an, als würde man direkt durch die Strassen der marokkanischen Stadt schlendern. Andy Dormann entlockt seiner Klampfe die passenden Melodien.

Aber Vorsicht, die Jungs sind keinesfalls irgendwelche simplen Kuschelrocker aus der Nachbarschaft. Freunde der rauen und groben Geschichten kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Beim neuen Stück «Dresscode: Black» beweist Kollege Giu, dass in ihm durchaus auch ein kleiner Schreihals steckt. Sehr coole Nummer! Ausserdem scheint er ein Fan des Zwiebelsystems zu sein. Beinahe pro Song entledigt er sich eines Kleidungsstücks (splitterfasernackt wird’s allerdings nicht). Dabei «erbt» Pascal Zwyssig den Hut seines Frontmanns.

Schade nur, dass die Jungs vor einer kümmerlichen Kulisse spielen müssen. Lediglich ein paar hartgesottene Rocker kleben am Absperrgitter. Giu nutzt schliesslich einmal die Gunst der Stunde und wandert während eines Songs gemütlich durch den Raum. Schliesslich kann er sich absolut ungehindert bewegen. Für das Cover der W.A.S.P.-Überhymne «Wild Child» geht’s dann aber rasch zurück auf die Bühne. Drummer Marcel Spiga trägt ein breites Grinsen in seinem Gesicht. Offenbar scheint ihm dieser Track viel Freude zu bereiten. Das Mini-Publikum wird nun ebenfalls ein wenig einsatzfreudiger. Somit kommt gegen Ende des Auftritts doch noch ein wenig Stimmung auf. Mit den Worten «Denkt zuerst mit dem Herzen, dann mit dem Kopf» verabschieden sich Giu und seine Mitstreiter schliesslich und verschwinden in den Backstage-Bereich.

BONAFIDE

Die Uhr zeigt 22.15 Uhr – es ist Zeit für den Headliner des heutigen Konzertabends. Die seit 2006 bestehende Hard Rock-Truppe Bonafide übernimmt nun das Kommando. Angeführt von Frontmann Pontus Snibb betreten die Schweden die Bühne. Unglücklicherweise hat das Publikum kaum Zuwachs erhalten. Trotzdem wirkt die ganze Sache endlich etwas aktiver. Insbesondere die anwesenden Damen kleben regelrecht an den Absperrgittern und ziehen die vier Herren mit ihren Blicken förmlich aus.

Das Quartett aus dem Städtchen Malmö spielt sauberen, mitreissenden Hard Rock, der mit AC/DC- und Krokus-Elementen angereichert ist. Sänger Pontus ist mit einem sackstarken Stimmorgan gesegnet und trägt stets ein Lächeln auf den Lippen. Aber auch seinen drei Bandkollegen steht die Spielfreude deutlich in die Gesichter geschrieben. Vor ein paar Wochen waren ja bereits Devil’s Gun im Hall Of Fame zu Gast und gaben damals ziemlich Gas. Doch Bonafide legen die Qualitätsmesslatte heute Abend locker nochmals ein paar Stufen höher. Fairerweise muss man an dieser Stelle allerdings ergänzen, dass sie im Vergleich zu ihren zuvor erwähnten Landsleuten schon ein wenig länger im Rock-Business tätig sind.

Ganze sechs Studioalben haben Bonafide bisher veröffentlicht. «Flames» ist seit Februar dieses Jahres in den Plattenläden eures Vertrauens erhältlich. Die IKEA-Rocker berücksichtigen in der Setliste des heutigen Auftritts allerdings sämtliche ihrer Scheiben. Speziell die Hymnen «Hold Down The Fort», «Smoke And Fire», «Bottle Of Jack» und – selbstverständlich –  das bekannte «Fill Your Head With Rock» kommen hervorragend beim Publikum an. Pontus, Anders Rosell, Martin Ekelund und Niklas Matsson nutzten ihre Spielzeit vollends aus. Das Hotelzimmer müsse ja erst am nächsten Tag bis um 14 Uhr geräumt werden, somit hätten sie auch noch genügend Zeit für die anstehende Aftershow-Fete. Echte Rockstars brauchen ja sowieso kaum Schlaf, nicht wahr?

Ähnlich wie zuvor Giu bei Kissin’ Black lässt sich auch Bonafide-Anführer Pontus gegen Ende des Auftritts einen Abstecher ins Publikum nicht nehmen. Gemütlich und unbesorgt schlendert er mitsamt seiner Saitenkönigin durch den ganzen Raum, posiert brav für Fotos und schaut zudem noch bei der Bar vorbei. Sozusagen ein echter Rocker zum Anfassen. Währenddessen toben sich seine Kollegen auf der grossen Bühne weiterhin munter aus. Für mich steht jetzt bereits fest, dass ich Bonafide unbedingt wiedersehen muss.

FAZIT

Das äusserst schwach besetzte Publikum durfte heute Abend zwei coole Truppen erleben. Beide vermochten zu überzeugen und konnten sich an einer genialen Soundqualität erfreuen. Da haben die HoF-Techniker einmal mehr tolle Arbeit geleistet. Jedoch hätte man den Event aufgrund des dürftigen Fan-Ansturmes wohl auch problemlos auf der kleinen Club-Stage durchführen können.

Cheers

Dutti \m/

Setliste – Kissin’ Black

  1. Address Unknown
  2. Borderline
  3. Marrakech
  4. Dark Again
  5. Dresscode: Black
  6. Blues: Unpardonable
  7. Ever Enough?
  8. Wild Child (W.A.S.P. – Cover)
  9. Heart Over Head
  10. Sex Is A Drug

Setliste – Bonafide

  1. Rock ‘N’ Roll Skål
  2. Dirt Bound
  3. Hold Down The Fort
  4. One Kiss
  5. Peg Legged Pet
  6. Smoke And Fire
  7. 50/50
  8. No Doubt About It
  9. Suburb Baby Blues
  10. Bottle Of Jack
  11. Rag And Bone Man
  12. Power Down
  13. Loud Band
  14. Hard Livin‘ Man
  15. Fill Your Head With Rock
  16. Night Time
  17. Can’t Get Through
  18. 50 Cent Millionaire
  19. Butter You Up
  20. The Mess

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