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Metalinside.ch - Sabaton - Velodrom Berlin 2017 - Foto Kaufi 20
Mi, 15. März 2017

Sabaton, Accept, Twilight Force

Velodrom (Berlin, DE)
24.03.2017
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Sabaton – The Last Stand of Berlin

Seit Anfang dieses Jahres läuft die Europatournee meiner Lieblingsschweden aus Falùn. Bekanntlich ist dies die grösste Produktion der Band, seit sie vor 11 Jahren erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde. Damals als Opener für Edguy und DragonForce. Ja, die Zeiten haben sich geändert…

Auf meiner persönlichen Wunschliste für diese Tour waren ursprünglich einige Daten notiert, schlussendlich blieb davon allerdings aus organisatorischen Gründen einzig die Show in Ludwigsburg übrig. Das Review dazu ist natürlich hier zu finden. Doch ein einziges Konzert ist einfach nicht genug! Also: Tasche packen für einen Kurztrip nach Berlin! Und dieser Trip beinhaltet nicht nur das Konzerterlebnis, sondern auch noch zwei Interviews…

Am Flughafen Berlin wird gestreikt. Tagelang. Und langsam werde ich nervös, ob dieser Streik dann auch mich betreffen würde. Doch schlussendlich die Entwarnung: der Streik endet am Mittwochmorgen um 5 Uhr – und ich sitze somit im ersten Swiss-Flug der Woche, welcher die deutsche Hauptstadt anpeilt. Mein Hotel liegt nur wenige Minuten von der Location weg, welche an diesem Abend in einen Hexenkessel verwandelt werden soll. Die Interviewtermine sind am Nachmittag, und da stehen bereits ein gutes Dutzend Leute in einer Schlange, Stunden vor der offiziellen Türöffnung. Hardcore Fans sind überall!

Nachdem die Interviews mit Chrileon von Twilight Force sowie Chris und Tommy von Sabaton durch sind, heisst es auch für mich „warten auf Einlass“. Mittlerweile ist die Schlange auf mehrere hundert Fans angewachsen! Aus welchen Gründen auch immer dauert es sehr lange, bis sich die Tore endlich öffnen. 40 Minuten vor Beginn der Show – dünkt mich schon recht knapp. Immerhin: ich darf als Presseheini meine Fotoausrüstung durch einen separaten Eingang reinschleppen und hab somit genügend Zeit, die Halle mal zu checken.

Das Velodrom wurde 1997 gebaut. Mit den Sitzplätzen hat der Laden eine Kapazität von etwa 12‘000 Leuten. Doch diese sind heute abgesperrt resp. abgetrennt. Nur der Innenraum ist geöffnet, und der bietet Platz für etwa 5‘000 Personen. Und es ist ausverkauft! Ursprünglich sollte dieses Konzert in der Columbiahalle stattfinden, da wären es 3‘500 Fans gewesen. Dank dem Upgrade können Sabaton dafür jetzt die volle Produktion auffahren, denn gross genug ist es hier.

Doch insgesamt ist das nicht wirklich eine tolle Halle für Konzerte. Abgesehen davon dass ausverkaufte Häuser generell nicht sehr angenehm sind, so ist die Sicht aus den hinteren Regionen einfach bescheiden und der Sound ist auch nicht wirklich das Wahre. Sehr ärgerlich sind heute zudem die enorm vielen Nervensägen, die sich einen Dreck ums Rauchverbot scheren. So extrem habe ich das lange nicht mehr erlebt! Und ich dachte immer, dass Metalfans das Wort „Rücksicht“ kennen…

Twilight Force

Trotz des späten Einlasses sind bereits sehr viele Leute im weitläufigen Rund, als die Fantasy Metaller Twilight Force als erste die Bühne betreten. Ja, die Jungs polarisieren. Und wie! Man sieht Fans mit Elfenohren im Publikum, kostümiert als ob sie direkt aus Mittelerde nach Berlin gereist wären. Und dann hört man einheimische Fotografen, die kaum ein gutes Haar an der Band lassen. Über Geschmack lässt sich kaum streiten…

Der Auftritt der sechs Schweden jedoch ist prima. Auch wenn es (wie immer in Deutschland) mehr als nur eine Spur zu laut ist, so stimmt die Soundqualität zumindest vor der Bühne, deutlich besser als noch vor ein paar Wochen in Ludwigsburg. Dadurch entfalten sich auch die Songs vom neuen Album „Heroes Of The Mighty Magic“ besser. Chrileon und seine Mitstreiter haben jedenfalls Spass und damit stecken sie auch Leute an, welche kaum je etwas von der Band gehört haben dürften im Vorfeld. Selbst das altbekannte Spielchen mit dem Aufteilen des Publikums – Powerwolf lassen grüssen! – wird von einer grossen Menge mitgemacht.

Was hingegen bleibt: die Songs vom Debut sind einfach eingängiger. Kein Wunder somit, dass das abschliessende “The Power Of The Ancient Force“ der Höhepunkt bildet. Twilight Force haben ihre 35 Minuten prima genutzt und sich sicher einige neue Freunde – und auch Feinde! – geschaffen.

Accept

Nein, über die Live Qualitäten von Accept muss man nichts sagen. Über die musikalischen Qualitäten erst recht nicht! Accept sind eine Legende, zweifellos. Und eigentlich müssten sie sich vor kaum einer Band der Welt verstecken. Und doch… Wenn jemand die Truppe um Wolf Hoffmann das erste Mal live zu sehen bekommt, dann erwartet er wohl genau das, was heute (und auch auf der ganzen Tour) geboten wird. Grossartigen Metal, perfekt gespielt und in Szene gesetzt von professionellen Musikern, die eine Menge Spass haben. Mission erfüllt!

Aber… es gibt viele Fans, vor allem auch aus der älteren Generation (da zähle ich mich dazu), welche Accept schon oft gesehen haben. Und so kritisiere ich heute wie vor ein paar Wochen die Tatsache, dass man seit Jahren immer die gleichen Songs zu hören bekommt. Natürlich sind „Metal Heart“ oder „Restless & Wild“ unsterbliche Klassiker. Doch es gäbe noch soooooo viele andere grossartige Titel von grossartigen Alben. Bitte Wolf & Co: es reisst euch niemand dem Kopf ab, wenn ihr statt „Princess Of The Dawn“ mal „Russian Roulette“ spielen würdet! Im Gegenteil…Gut – „Balls To The Wall“ ist wohl der einzige Song, der wirklich nicht fehlen darf. Logisch – das ist auch heute der vielumjubelte Abschluss.

Sabaton

Kurz bevor das Spektakel losgeht, werden die Fotografen nochmals gebrieft. Oder gewarnt. Kein Aufenthalt am Bühnenrand wegen Pyros und so. Die Security wollte das zuvor bei Twilight Force schon durchziehen, denen musste mal gesagt werden, dass dies da kaum nötig ist…

Panzerbauer und Minensucher Jamie salutiert mit einem Kameraden noch ein letztes Mal vor dem Publikum, dann fällt der Vorhang und gibt den Blick frei auf das imposante Bühnenbild. Alles da: von Panzer Audie über Geschütze bis zur grossen Videoleinwand. Und mit „Ghost Division“ starten Joakim, Pär, Chris, Tommy und Aushilfe Daniel in ihren Set. Eigentlich könnte ich jetzt den Bericht von Ludwigsburg hervornehmen, kopieren und hier einfügen. Das Meiste würde stimmen. Aber eben nicht alles…

Am Schlagzeug sitzt Daniel Sjörgen von Twilight Force. Er vertritt Hannes van Dahl, welcher daheim bei seiner besseren Hälfte Floor Jansen ist, welche just Stunden zuvor ein Mädchen auf die Welt brachte. Und Daniel macht seine Sache sehr gut – Hannes hat ihn gut trainiert! Mehr zu diesem Thema dann im Interview mit Chris und Tommy.

Dann wäre das leidige Thema „Noch ein Bier“. Nach „Blood Of Bannockburn“ geht’s ein erstes Mal los, Jocke trinkt eins, Tommy trinkt eins – und Tommy wünscht sich danach als Neuling „Swedish Pagans“. Nach „The Lost Battalion“ (hier ohne Pyros) startet das Publikum wieder damit – was Jocke zur Ansage für „Gott Mit Uns“ nutzt. Peinlich wird’s dann, als diese Unverbesserlichen nach dem extrem emotionalen „The Final Solution“ wieder damit starten. Jocke lacht hingegen nur und lässt sich eine Gitarre bringen. Man kann den Titel „Resist And Bite“ jetzt auch etwas anders interpretieren… Doch auch nach „Night Witches“ beginnt es wieder und jetzt lässt sich der Fronter breitschlagen. Muss er – schliesslich erklärte er zuvor, dass heute ein Feiertag ist: der „Freibier-am-Mittwoch-Tag“! Doch als nach „Shiroyama“ erneut die Rufe ertönen, bedankt sich Jocke souverän beim Publikum und sagt den Rausschmeisser an.

Aprops Jocke: der ist heute in Höchstform! Der singt so gut, wie auch ich ihn selten zuvor gehört habe. Schlichtwegs bärenstark! Wobei auch der Rest der Band prima eingespielt ist. Und Tommy ist definitiv auch angekommen – der benimmt sich, als ob er schon sein halbes Leben dabei wäre. Dafür beide Daumen hoch!

Was bleibt noch? Die Setlist ist identisch mit Ludwigsburg, Sabaton ändern auf dieser Tour diesbezüglich offenbar nur sehr wenig bis gar nichts. Überraschend allerdings, dass „Attero Dominatus“ hier in Berlin den Sprung nicht geschafft hat. Irgendwie hätte ich damit schon gerechnet. Die Show selber ist etwas weniger feurig als „gewohnt“, hier ist etwas abgespeckt worden. Auch die Konfettischlacht am Ende ist gestrichen. Doch die Videoeinspieler sind die gleichen und passen einfach perfekt zum Gesamtbild!

Fanzit

Drei grossartige Bands mit sehenswerten Auftritten, wobei vor allem Sabaton einmal mehr zeigen, dass sie zu den ganz Grossen im Genre gehören – und dass es halt doch nicht von ungefähr kommt, dass SIE die Headliner sind und nicht Accept! Ich kann jedem nur empfehlen, sich dieses Spektakel selber mal reinzuziehen – es lohnt sich…

Fotos

 Setliste Twilight Force

  1. Battle Of Arcane Might
  2. To The Stars
  3. Riders Of The Dawn
  4. Flight Of The Sapphire Dragon
  5. Gates Of Glory
  6. The Power Of The Ancient Force

Setliste Accept

  1. Stampede
  2. Stalingrad
  3. Restless & Wild
  4. London Leatherboys
  5. Final Journey
  6. Princess Of The Dawn
  7. Fast As A Shark
  8. Metal Heart
  9. Teutonic Terror
  10. Balls To The Wall

Setliste Sabaton

  1. In The Army Now (Intro)
  2. The March To War (Intro)
  3. Ghost Division
  4. Sparta
  5. Blood Of Bannockburn
  6. Swedish Pagans
  7. The Last Stand
  8. Carolus Rex
  9. Union (Slopes Of St.Benedict)
  10. Diary Of An Unknown Soldier (Intro)
  11. The Lost Battalion
  12. Gott Mit Uns (Noch Ein Bier Version)
  13. Dominium Maris Baltici (Intro)
  14. The Lion From The North
  15. The Final Solution (Acoustic Version)
  16. Resist And Bite
  17. Night Witches
  18. Winged Hussars
  19. Primo Victoria*
  20. Shiroyama*
  21. To Hell And Back*

*Zugaben

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Sabaton, Accept, Twilight Force
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24.03.2017
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